Wenn die Vergangenheit zur Erblast wird...
Blinde GeisterLina Schwenks Blinde Geister ist ein zeitgeschichtlicher Familienroman, der die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs über Generationen hinweg beleuchtet. Im Zentrum steht Olivia, deren Leben von der verdrängten ...
Lina Schwenks Blinde Geister ist ein zeitgeschichtlicher Familienroman, der die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs über Generationen hinweg beleuchtet. Im Zentrum steht Olivia, deren Leben von der verdrängten Vergangenheit der Eltern und deren traumatischen Erfahrungen geprägt ist.
Schwenk erzählt nüchtern, mit Brüchen, Auslassungen und großen Zeitsprüngen. Diese Erzählweise erschwert den Lesefluss, wirkt aber zugleich wie ein literarisches Echo der Verdrängung, die das Buch thematisiert. Gerade darin liegt die Ambivalenz: Der Stil verdeutlicht das Schweigen, entfremdet aber zugleich die Lesenden.
Besonders eindrücklich ist der Epilog, in dem die Mutter erstmals zu Wort kommt und manche Brüche des Romans in ein neues Licht rückt. Eine Schlüsselszene bleibt das Krankenhausgespräch, in dem Olivia mit sechzig Jahren sagen muss: „Ich bin sechzig Jahre alt und eine kleine Tochter.“
Blinde Geister ist ein Werk für Leser:innen, die die fragmentarische Annäherung an Familiengeschichten und Kriegstraumata schätzen. Wer stringente, detaillierte Mehrgenerationenromane sucht, könnte hier enttäuscht werden.