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Veröffentlicht am 02.05.2026

Eine Geschichte, die bleibt

Ein Ort, der bleibt
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Als grüne Lunge werden oft Parks in Städten bezeichnet. Orte zum Durchatmen und Entspannen und um dem Alltag eine Weile zu entfliehen. Nach seiner Flucht vor den Deutschen führte Dr. Alfred Heilbronn, ...

Als grüne Lunge werden oft Parks in Städten bezeichnet. Orte zum Durchatmen und Entspannen und um dem Alltag eine Weile zu entfliehen. Nach seiner Flucht vor den Deutschen führte Dr. Alfred Heilbronn, geboren in Münster, das botanische Institut in Istanbul. Zusammen mit einer klugen jungen Frau, die sich ihre eigene Stellung als Professorin in ihrer Heimatstadt hart erarbeitete pflegte er jahrelang besagte grüne Lunge Istanbuls.

Das Buch ist ein Mehrgenerationenroman. Die Autorin nimmt ihre Leserschaft mit auf Mehpares Reise, wie sie als Frau im 20. Jahrhundert Karriere machen konnte. Magdas Reise erzählt die Geschichte der Heilbronns im Krieg und im Exil und Imke muss als Stadtplanerin viele Jahrzehnte später über das Schicksal des Gartens mitentscheiden.

Dabei sind die Perspektiven von Mehpare und den Heilbronns möglichst nah an den historischen Geschehnissen gehalten, während Imkes fiktive Sicht die aktuelle Debatte über den Garten deutlich hervorhebt.

Der Garten, der in späteren Jahren nach dem Wissenschaftler „Alfred Heilbronn Botanik Bahçesi“ benannt wurde, liegt zwar in der Türkei, prägt aber auch einen erheblichen Teil deutscher Geschichte und ist ein Vermächtnis aus Kriegszeiten. Ohne Krieg wären die Heilbronns wohl in Münster geblieben und wären dort wegen ihrer jüdischen Herkunft verurteilt worden.

Ein kleiner Garten in einem fremden Land mag für viele nicht sonderlich beachtenswert erscheinen, doch Lüpkes arbeitet mit vielen historischen Quellen und persönlichen Besuchen das Thema detailliert auf und haucht ihr Leben ein. Für mich fühlte es sich an, als wäre ich mit den Protagonist*innen selbst befreundet. Der Schreibstil war so flüssig, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Diese Geschichte vereint zwei Kulturen, zwei Länder und die Herzlichkeit des Landes las ich aus jeder Seite heraus. Auch mich brachte diese grüne Lunge für eine Weile zum Durchatmen.

Eine klare Empfehlung. Auch für Lesende, die keinen Bezug zur Botanik haben.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Jedes Buch ein Highlight

Kein Kuchen für Vampire
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"Kein Kuchen für Vampire" ist der zweite Teil einer Spinoff-Reihe zur Hauptreihe "Spellbound" und spielt zeitlich parallel dazu. Wer die Welt von Tori und ihren drei Männern liebt, wird auch von Robin ...

"Kein Kuchen für Vampire" ist der zweite Teil einer Spinoff-Reihe zur Hauptreihe "Spellbound" und spielt zeitlich parallel dazu. Wer die Welt von Tori und ihren drei Männern liebt, wird auch von Robin nicht genug bekommen. Und wer sie noch gar nicht kennt, für den ist diese vierteilige Reihe ein ebenso guter Einstieg in die Welt wie die Hauptbücher.

Der zweite Band knüpft nahezu nahtlos an Teil 1 an. Wir begegnen erneut unserem charismatischen Dämon, der mit seinen emotionslosen Fragen bei mir häufig für Lacher sorgt. Er versteht die emotionale Welt der Menschen nicht und lebt nach rein rationalen Regeln. Dieser Zwiespalt zwischen Robin und ihm ergibt eine perfekte Symbiose.

Teil der Geschichte ist auch Robins Gilde, das "Crow & Hammer". Dort treffen wir auf alte Bekannte wie Tori aus der Hauptreihe. Besonders gefreut hat mich, dass Robin als Dämonenbeschwörerin mit anderen Leuten der Gilde abhängt als Tori. So bekommen wir einen erweiterten Blick auf die Mitglieder. Robin wird Teil einer kleinen Gruppenmission, die Vampire jagt. Schon früh gerät sie in Situationen, die mir den Puls in die Höhe treiben. Die Autorin hat ein Talent für eine Vielfalt actiongeladener Szenen. Trotz sieben gelesener Teile entdecke ich kaum große Wiederholungen. Die Orte wechseln regelmäßig, und ich tauche immer tiefer in diese vielfältige Welt ein. An jeder Ecke, in jedem Buch, gibt es etwas Neues zu entdecken. Diesmal gab es Einblicke in die Erstellung von Runen, mit Vampiren eine neue mystische Spezies und ein wenig Geschichtswissen rundet das Erlebnis ab.

Band 2 schließt einige offene Fragen und eröffnet gleichzeitig neue. Ich war zufrieden mit dem Ende, das in sich stimmig ist und Hunger auf Band 3 macht. Lediglich der Titel passt diesmal nicht ganz: Es geht um Vampire, aber nicht um kulinarische Vorlieben. Der Verlag wollte sicher bei seiner Struktur bleiben, mit dem englischen Titel hat es jedoch wenig gemein. Schade, da ich regelrecht auf die Erklärung im Buch gewartet habe.

Also: Lest diese Reihen! Sie sind ein Erlebnis.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Starkes Konzept mit kleinen Stolpersteinen

The Ordeals
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Kluge, actionreiche Prüfungen, Magie und eine Schule – ein Konzept, das man schon oft gelesen hat, aber immer wieder neu interpretiert wird. Auch The Ordeals reiht sich in diese Tradition ein und schafft ...

Kluge, actionreiche Prüfungen, Magie und eine Schule – ein Konzept, das man schon oft gelesen hat, aber immer wieder neu interpretiert wird. Auch The Ordeals reiht sich in diese Tradition ein und schafft es dennoch, bekannte Elemente zu einem eigenständigen Leseerlebnis zu verbinden.

Wir landen in einem düsteren Setting: Die Protagonistin erledigt Aufträge für ihren Onkel, hält sich in zwielichtigen Bars auf und der Tod ist ein ständiger Begleiter. Genau diese dunkle Atmosphäre mochte ich besonders gern und war erfreut, dass sie sich konsequent durch das gesamte Buch zog.

Entsprechend habe ich jedem einzelnen Ordeal entgegengefiebert. Die Prüfungen waren nicht nur spannend, sondern verlangten auch Geschick, Logik und Empathie. Sie fesselten mich regelrecht an die Seiten. Positiv überrascht hat mich, dass viele der Studierenden ihre Magie nur rudimentär beherrschen. Es wird explizit betont, dass das in Ordnung ist, schließlich wird in einer Schule gelernt.
Widersprüchlich wirkte dabei allerdings, dass die Ordeals dennoch darauf ausgelegt sind, nur die Stärksten aufzunehmen. Wer seine Magie nicht kontrollieren kann, ist nahezu chancenlos. Gleichzeitig ist es in Ordnung, Lehrkräfte ab einem gewissen Punkt zu duzen. Ein Detail, das wenig an eine elitäre Universität erinnert. Über solche Inkonsistenzen bin ich immer wieder gestolpert. Beispielsweise bei einigen Zeiteinschätzungen, die nicht ganz stimmig wirkten.

Anfangs dachte ich, die Handlung sei vorhersehbar. Doch auch hier wurde ich positiv überrascht. Die Autorin legt immer wieder eine Schippe drauf und streut Unerwartetes ein, sodass ich als Leserin ständig hinterfragte, wem man trauen kann.

Überraschend war zudem das Auftauchen verschiedener Kreaturen, die im Klappentext nicht erwähnt werden: Vampire, Werwölfe und vor allem Gargoyles, die viel zu selten in Büchern und Filmen vorkommen.

Der Romance-Anteil beginnt fast wie bei Enemies-to-Lovers, entwickelt sich dann jedoch sehr rasant. Innerhalb eines Semesters sind die Gefühle bereits unsterblich.

Auch wenn das Buch an einigen Stellen hakt, würde ich es aufgrund der Spannung und des Schreibstils dennoch weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Der Auftakt von etwas ganz Großem

His Face Is The Sun – Der Thron von Khetara
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Heute habe ich ein echtes Highlight für euch! Zuerst musste ich bei der Visualisierung des Titels schmunzeln, doch kaum hatte ich zu lesen begonnen, zog mich die Geschichte Seite für Seite tiefer in ihren ...

Heute habe ich ein echtes Highlight für euch! Zuerst musste ich bei der Visualisierung des Titels schmunzeln, doch kaum hatte ich zu lesen begonnen, zog mich die Geschichte Seite für Seite tiefer in ihren Bann.

„His Face is the Sun“ ist der Auftakt einer Trilogie, die im alten Ägypten spielt und alles bietet, was man sich von mythologischer Fantasy wünscht: Pharaonen, Mumien, dunkle Magie und uralte Prophezeiungen. Das Buch wird aus vier Perspektiven erzähl: einer Prinzessin, einer Rebellin, einer Priesterin und einem Dieb. Gemeinsam erfüllen sie ein Schicksal, das zu Beginn noch niemand kennt. Trotz der Vielzahl an Stimmen wirken alle Erzählweisen stimmig und ausgearbeitet. Diese Struktur erlaubt tiefgreifende Einblicke in ganz unterschiedliche Lebenswelten: vom Palast über die Hauptstadt bis hin zu entlegenen Regionen des Reichs. Nicht jede Figur war mir sympathisch, doch alle entwickeln sich nachvollziehbar und ich bin gespannt, wie sie sich in den Folgebänden weiter entfalten.

Der Roman startet spannend und bleibt es bis zur letzten Seite. Die Autorin versteht es meisterhaft, Spannung aufzubauen und immer noch eine Schippe draufzulegen, wenn man denkt, der Höhepunkt sei erreicht. Die Prophezeiung selbst bleibt geheimnisvoll. Regelmäßig hatte ich das Gefühl, versteckte Hinweise vor mir zu haben, die ich wie ein Puzzle zusammenfügen muss. Die Autorin scheint genau zu wissen, wie viele Informationen sie weitergeben möchte.

Auch historisch wirkt das Werk gut recherchiert. Allerdings war ich überrascht, wie früh sexuelle Anspielungen auftauchen. Zwar bleibt alles ohne explizite Szenen und der historische Kontext wird erklärt, dennoch empfand ich Themen wie Voyeurismus, Reinheit in Form von Haarlosigkeit und kurzzeitig sogar Inzest - ein Thema was glücklicherweise schnell vom Tisch war - als etwas zu viel. Historisch passend, aber nicht ganz altersgerecht.

Trotzdem: Ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen. Selbst ruhigere Passagen fesselten mich, und ich kann den nächsten Band kaum erwarten. Magisch, düster und atmosphärisch – eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Am Zahn der Zeit

All Better Now
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Neil Shusterman hat sich bereits mit anderen Büchern, wie der "Scythe"-Reihe einen große Namen gemacht. In seinen Welten ist er gesellschaftskritisch und taucht auf psychologischer Ebene in die Köpfe der ...

Neil Shusterman hat sich bereits mit anderen Büchern, wie der "Scythe"-Reihe einen große Namen gemacht. In seinen Welten ist er gesellschaftskritisch und taucht auf psychologischer Ebene in die Köpfe der Menschen ein. In seiner neusten Dilogie "All better now" begibt sich Shusterman auf brüchiges Terrain: Der Corona-Pandemie. Fünf Jahre nach dem ersten Lockdown bringt er einen Roman aus, der sich damit beschäftigt, was ein Virus in Menschen auslöst, welche Fraktionen es gibt und was wäre eigentlich, wenn der Virus uns alle sorgenlos werden lässt? Ich fand die Wahl mutig. Nach den Lockdowns, nach den Impfungen, nach den ganzen Auflagen, war die Menschheit dem Thema überdrüssig. Viele konnten es nicht mehr hören. Gibt es dazu überhaupt die eine richtige Meinung? Doch Shusterman stellt sich den spannenden und wichtigen Frage: Was wäre, wenn die Pandemie uns entschleunigt hat? In seinem Buch gibt es die Genesenen, die plötzlich einen komplett andere Blick auf die Welt haben. Materieller Wert ist nicht mehr wichtig. Im Vordergrund steht es, den Mitmenschen zu helfen und Gutes zu tun. Die Genesenen sind mit wenig zufrieden. Sie sind glücklich. All happy, oder nicht?
Natürlich gibt es noch die Gegenpartei. Sie sehen das Virus als Bedrohung und wollen es stoppen. Der Leser bekommt Einblicke in Machtspielchen, Geldtransfere und den großen moralischen Fragen, die man sich im Labor so stellt. Der Roman fühlt sich dystopisch und doch so real an. Es ist kaum zu leugnen, dass Corona die Gesellschaft damals gespalten hat und die Meinungen waren relativ unverrückbar. In "All better now" wird nun unter die Lupe genommen, wo wir mit der Selbstverwirklichung, die sich in dieser entschleunigten Lockdown-Zeit entwickelt hat, hinkommen. Ist es wirklich gut, wenn alle in Positivität leben? Oder gehen uns dadurch unsere Instinkte verloren? Ein hoch-moralisches Buch. Geschrieben in einem klaren und spannenden Schreibstil und einem rasanten Tempo.
Das Ende war leider ein kleiner Cliffhanger. Ich bin kein Freund dieser Methode, doch natürlich sorgt es dafür, dass ich unbedingt weiterlesen möchte. Klare Empfehlung!

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