Eine Geschichte, die bleibt
Ein Ort, der bleibtAls grüne Lunge werden oft Parks in Städten bezeichnet. Orte zum Durchatmen und Entspannen und um dem Alltag eine Weile zu entfliehen. Nach seiner Flucht vor den Deutschen führte Dr. Alfred Heilbronn, ...
Als grüne Lunge werden oft Parks in Städten bezeichnet. Orte zum Durchatmen und Entspannen und um dem Alltag eine Weile zu entfliehen. Nach seiner Flucht vor den Deutschen führte Dr. Alfred Heilbronn, geboren in Münster, das botanische Institut in Istanbul. Zusammen mit einer klugen jungen Frau, die sich ihre eigene Stellung als Professorin in ihrer Heimatstadt hart erarbeitete pflegte er jahrelang besagte grüne Lunge Istanbuls.
Das Buch ist ein Mehrgenerationenroman. Die Autorin nimmt ihre Leserschaft mit auf Mehpares Reise, wie sie als Frau im 20. Jahrhundert Karriere machen konnte. Magdas Reise erzählt die Geschichte der Heilbronns im Krieg und im Exil und Imke muss als Stadtplanerin viele Jahrzehnte später über das Schicksal des Gartens mitentscheiden.
Dabei sind die Perspektiven von Mehpare und den Heilbronns möglichst nah an den historischen Geschehnissen gehalten, während Imkes fiktive Sicht die aktuelle Debatte über den Garten deutlich hervorhebt.
Der Garten, der in späteren Jahren nach dem Wissenschaftler „Alfred Heilbronn Botanik Bahçesi“ benannt wurde, liegt zwar in der Türkei, prägt aber auch einen erheblichen Teil deutscher Geschichte und ist ein Vermächtnis aus Kriegszeiten. Ohne Krieg wären die Heilbronns wohl in Münster geblieben und wären dort wegen ihrer jüdischen Herkunft verurteilt worden.
Ein kleiner Garten in einem fremden Land mag für viele nicht sonderlich beachtenswert erscheinen, doch Lüpkes arbeitet mit vielen historischen Quellen und persönlichen Besuchen das Thema detailliert auf und haucht ihr Leben ein. Für mich fühlte es sich an, als wäre ich mit den Protagonist*innen selbst befreundet. Der Schreibstil war so flüssig, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Diese Geschichte vereint zwei Kulturen, zwei Länder und die Herzlichkeit des Landes las ich aus jeder Seite heraus. Auch mich brachte diese grüne Lunge für eine Weile zum Durchatmen.
Eine klare Empfehlung. Auch für Lesende, die keinen Bezug zur Botanik haben.