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Venatrix

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Hier ist wenig, wie es scheint

Hamburg Chinatown
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Das Autoren-Duo Anette Strohmeyer und Eric Niemann entführt uns in das Hamburg der 1920er-Jahre. Es ist die Zeit kurz nach dem Ende des Großen Krieges, wie man den Ersten Weltkrieg damals genannt hat. ...

Das Autoren-Duo Anette Strohmeyer und Eric Niemann entführt uns in das Hamburg der 1920er-Jahre. Es ist die Zeit kurz nach dem Ende des Großen Krieges, wie man den Ersten Weltkrieg damals genannt hat. Die Wirtschaft liegt darnieder, an Körper und Geist versehrte Soldaten betteln auf den Straßen, weil es weder Unterkünfte noch Sozialsystem gibt. Besonders schwer haben es jene Kriegsversehrte, die eine Gesichtsverletzung davongetragen haben und sich kaum in die Öffentlichkeit trauen. Man nennt sie „Gueules Cassées, zerhauene Visagen". Einige engagierte Frauen fertigen Gesichtsmasken für diese Männer an, um ihnen ein wenig ihrer Würde zurückzugeben. Gleichzeitig leben einige wenige, wie der Reeder Alfred Möller auf großem Fuß. Seine Tochter Tessa treibt sich heimlich in Chinatown herum und lernt Li Lim kennen, der einen besonderen Auftrag hat.

Zahlreiche kleinere und größere Verbrechen halten die Polizei, wie den Ordnungspolizisten Peder Hansen in Atem, der zusätzlich noch den Mörder seines Bruders Claas sucht und ihn unter den Chinesen vermutet. Muss sich Peder mit einem Chinesen verbünden, um den Mörder seines Bruder zu entlarven?

Die Sucht nach Betäubung von Hunger und Schmerzen lassen den illegalen Opiumhandel blühen. Nicht immer sind er nur die Chinesen, die Nutzen daraus ziehen. Ohne Verbindungen zu Hamburger Kaufleuten könnte auch die Chinatown von St. Pauli nicht so florieren. So ist auch hier der Fall, das der Drahtzieher des groß angelegten Opiumschmuggels kein Chinese ist, sondern ein Verbrecher, der sich hinter einer Maske eines dieser Kriegsversehrten versteckt.

Dutzende Chinesen, die auf der Suche nach einem besseren Leben auf deutschen Schiffen angeheuert haben, sehen sich nach ihrer Ankunft in Hamburg der Hoffnung beraubt und leben wieder prekär. Nur ganz wenige Chinesen schaffen es, mit Wäschereien oder Imbissstuben Erfolg zu haben. Akzeptiert werden sie von den Hanseaten nicht, zumal sie als Drehscheibe des Opiumhandels und Bandenkämpfe gelten.

Meine Meinung:

Mir hat dieser historische Krimi im Hamburg der 1920er-Jahre sehr gut gefallen. Allerdings habe ich Ähnliches schon einmal gelesen. Selbst der Name des gejagten Phantoms Keyser, hat bei mir ein déjà vu hinterlassen. Es wird mir schon wieder einfallen, welcher Krimi (Krimi-Reihe) das war. Weshalb ich recht bald eine Idee hatte, wer hinter den Verbrechen steckt. Aber das behindert diese fesselnde Lektüre nicht im geringsten.

Dieser Krimi zeigt deutlich die Doppelmoral der Wohlhabenden. Der Reeder, der den Tod seiner Beschäftigten billigend in Kauf nimmt, nur um Profite zu machen, werden ebenso an den Pranger gestellt, wie korrupte Polizisten. Die einen halten die Hand auf, um Razzien zu verraten und andere, wie höhere Chargen lassen sich ihr Wohlwollen und Wegschauen durch weibliche Dienstleistungen bezahlen.

Um sich in der fesselnden Geschichte gut zurecht zu finden, gibt es zu Beginn ein Personenverzeichnis, das schon auf Grund der vielen chinesischen Namen eine große Hilfe ist.

Der Krimi ist flott geschrieben, so dass die knapp 450 Seiten nur so verfliegen. Hin und wieder wird das eine oder andere Klischee bemüht, was aber nicht weiter stört.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Krimi, der mich sehr gut unterhalten hat, 5 Sterne und hoffe auf die angedeutete Fortsetzung.

Veröffentlicht am 20.09.2025

Bei den Partisanen im Wald

Europäische Erziehung
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Europäische Erziehung ist der erste Roman von Romain Gary (1914-1980). Gary schildert darin die Geschichte des 14-jährigen Janek Twardowski, der 1942 von seinem Vater, einem Arzt, in einem Wald nahe der ...

Europäische Erziehung ist der erste Roman von Romain Gary (1914-1980). Gary schildert darin die Geschichte des 14-jährigen Janek Twardowski, der 1942 von seinem Vater, einem Arzt, in einem Wald nahe der Stadt Vilnius versteckt worden ist. Das unterirdische Versteck ist mit einer Feuerstelle, Decken und einigen Säcken Erdäpfeln beinahe luxuriös ausgestattet. Zunächst kommt der Vater immer wieder, um nach Janek zu sehen. Doch als er wegbleibt, der geneigte Leser wird wissen warum, schließt sich Janek, wie ihm der Vater geraten hat, den Partisanen an, bei denen er zuerst als Laufbursche bis er seinen Platz in der Gruppe findet.

Während im entfernten Stalingrad die Schlacht tobt, werden in Litauen Juden deportiert und ermordet. Für jeden getöteten deutschen Soldaten werden Dörfer niedergebrannt und Geiseln erschossen, wobei kein Unterschied gemacht wird, ob es sich um Frauen, Männer oder Kinder handelt. In dieser grausamen Zeit reift Janek frühzeitig zum Mann.

Meine Meinung:

Romain Gary hat diesen Roman noch während des Zweiten Weltkriegs verfasst, als er auf Seiten der Alliierten kämpft. Das Buch ist vor kurzem neu übersetzt worden, wobei angemerkt wird, dass die Sprache der damaligen Zeit weiterhin verwendet worden ist, was unter Umständen zu Irritationen führen könnte. Meiner Ansicht nach hat der Verlag damit richtig gehandelt, um die Authentizität des Romans beizubehalten.

Der Autor selbst ist 1914 in Vilnius (Litauen) als Sohn einer jüdischen Familie geboren, in Polen aufgewachsen und nachdem der Vater die Familie verlassen hat, 1928 mit seiner Mutter nach Frankreich übersiedelt. Dort geht er 1938 zur französischen Luftwaffe und nach der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht nach England zu Charles de Gaulles Exilregierung.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Roman 5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.09.2025

Einblick in die Welt des Bauhaus Dessau

Frauen am Bauhaus Dessau
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Unda Hörner hat sich in ihren Büchern jener Frauen und Künstlerinnen angenommen, die zwischen 1919 und 1939 gewirkt haben. Diesmal verschreibt sie sich den Frauen am Bauhaus wie Ise Gropius, Nina Kandinsky, ...

Unda Hörner hat sich in ihren Büchern jener Frauen und Künstlerinnen angenommen, die zwischen 1919 und 1939 gewirkt haben. Diesmal verschreibt sie sich den Frauen am Bauhaus wie Ise Gropius, Nina Kandinsky, Gunta Stölzl und Lucia Moholy-Nagy, die 1925 gemeinsam mit ihren Männern von Weimar nach Dessau übersiedeln. Dort werden neben dem Schul- und Werkstättengebäude die sogenannten Meisterhäuser errichtet, in denen die Lehrkräfte - also sie Meister - mit ihren Familien leben.

Die Hoffnung der Lehrenden und vor allem weiblichen Studierenden nach dem Umzug in das kleiner Dessau zu einem neuen Höhenflug ansetzen zu können, erfüllt sich nicht. Die bunte Gruppe, die einen unkonventionellen Lebensstil führt, wird von den Einwohnern Dessaus scheel angesehen. Zumal auch hier antisemitische und antisozialistische Kräfte erstarken.

Das Bauhaus ist trotz aller moderner Ideen und Avantgardegedanken durch und durch patriarchalisch organisiert. So werden Frauen, entgegen aller Werbung, vorrangig in den Webereiklassen untergebracht. Weben, Wolle, Weib - diese Alliteration sollte bis zur Auflösung des Bauhauses 1932 das Credo sein. Frauen als Bildhauerinnen, als Architektin? Niemals, wenn es nach Gropius & Co geht. Lediglich die Fotografieklasse läuft unter dem Radar der Männer und kann sich, da Mann den Frauen nichts zutraut und daher keine Konkurrenz in ihr sieht, entwickeln.

Obwohl die Experiment des Bauhaus‘, eine Art Künstlerkolonie zu sein, als gescheitert bezeichnet werden muss, haben diese Jahre seiner Existenz zahlreiche Impulse für die moderne Kunst und das Kunsthandwerk gegeben. Eine Ähnlichkeit mit der Jahre zuvor von Josef Hoffmann und Koloman Moser angestrebten Erneuerung der Kunst in Symbiose mit dem Kunsthandwerk ist unübersehbar.

Meine Meinung:

Da ich einige Bücher von Unda Hörner kenne, habe ich mich auf dieses hier sehr gefreut und bin nicht enttäuscht worden. Die Autorin beschreibt die Situation der Künstlerinnen, die manche Männer recht bald als Konkurrenz gesehen haben, recht gut. Als Musen und vor allem als zahlende Schülerinnen sind sie herzlich willkommen. Doch bevor sich die Frauen in ihren künstlerischen Ambitionen entwickeln können, werden sie in die Webereiklassen gesteckt. Nur das hält der Big Boss Walter Gropius für angemessen. Angemessen für wen? So gesehen ist es kein Wunder, dass das Experiment scheitert, ja scheitern muss.

Neben kurzen Biografien der Frauen, die durch Auszüge aus ihrer Korrespondenz ergänzt werden, erfahren wir, wie es ihnen nach dem endgültigen Aus des Bauhaus in Dessau ergangen ist. Zahlreiche Fotos geben uns einen Eindruck der Frauen.

Schade finde ich, dass keine Grundrisse der Meisterhäuser abgebildet worden sind. Diese sind nach dem Auszug der Bauhäusler dem Verfall preisgegeben, im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört und ab 1990 saniert bzw. als Replik neu errichtet.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Einblick in die Welt des Bauhaus 5 Sterne.

Veröffentlicht am 10.09.2025

Penibel recherchiert und gekonnt erzählt

Peggy Guggenheim
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In diesem 10. Band aus der Serie „Reihenweise kluge Frauen“, die im Verlag Styria erschienen ist, beschäftigt sich die Kunsthistorikerin Mona Horncastle mit Peggy Guggenheim. Aber nicht mit ihr als Ehefrau, ...

In diesem 10. Band aus der Serie „Reihenweise kluge Frauen“, die im Verlag Styria erschienen ist, beschäftigt sich die Kunsthistorikerin Mona Horncastle mit Peggy Guggenheim. Aber nicht mit ihr als Ehefrau, Geliebte oder Mutter, sondern als Erbin, Fluchthelferin, Kunstsammlerin und Mäzenin. Mona Horncastle erzählt den Werdegang der Kunstsammlerin als wäre sie ein Mann, denn Mäzene fragt man nicht nach Frau und Kind. Die Autorin ist für ihre penibel recherchierten Frauen-Biografien bekannt.

Peggy Guggenheim (1898-1979) ist ein Kind ihrer Zeit, das durch den frühen Tod ihres Vaters zur reichen Erbin wird, sich allerdings den jüdischen Konventionen widersetzt. Sie geht mit ihrem damaligen Mann nach Europa, lernt dort in der Zwischenkriegszeit die Avantgarde der Literatur und bildenden Künste kennen, kauft Werke noch unbekannter Künstler oder von jenen, deren Bilder als unverkäuflich gelten, weil nicht dem Geschmack potenzieller Käufer entsprechen. Als Hitler Europa mit Krieg überzieht, wird sie durch ihr Vermögen zur Fluchthelferin. Sie kann sich und auch ihre eigene Kunstsammlung aus dem besetzten Frankreich in die USA retten. Nach dem Krieg kehrt sie nach Europa zurück, kauft einen Palazzo in Venedig und errichtet die Collezione Peggy Guggenheim.

Meine Meinung:

Die 224 Seiten starke Biografie gliedert sich in sechs große (Lebens)Abschnitte, die von einem „Intro“ sowie “Echo“ und Nachwort umrahmt sind. Zahlreiche Fotos, Zitate und Ausschnitte aus ihren Briefen ergänzen Peggy Guggenheims Lebensgeschichte:

Intro
Herkunft
Emanzipation
Neuanfang
Warclouds
Art of This Century
Collezione Peggy Guggenheim
Eine Art Nachwort

Kunsthistorikerin Mona Horncastle kenne ich schon durch ihre Biografien über Gustav Klimt, Hedy Lamarr, Josephine Baker und Margarete Schütte-Lihotzky. Die beiden Frauen-Biografien sind ebenfalls Teil der Reihe „Reihenweise kluge Frauen“. Das Buch über Peggy Guggeheim passt durch sein Format und seine gediegene Aufmachung perfekt zu den neun anderen Frauen-Biografien.

Mona Horncastle Schreibstil ist schnörkellos, knapp und präzise, was ich sehr gerne mag. Anders als in anderen Biografien oder biografischen Romanen wird Peggy Guggenheim nicht auf ihr, von vielen Zeitgenoss:innen als skandalös empfundenen, Privatleben reduziert. Mona Horncastle klammert ihre private Rolle als Ehefrau, Geliebte und Mutter auf weiten Strecken bewusst aus. Deutlich kommt hervor, dass sie von ihrer Entourage häufig als Geldmaschine gesehen wird, von der man bequem leben kann. Besonders deutlich kommt das durch ihren ersten Ehemann Laurence Vail, den sie auch nach der Scheidung und seiner Wiederverheiratung weiterhin finanziert hat. Auch Max Ernst profitiert vom Geld und den Verbindungen seiner (dritten) Ehefrau.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Peggy Guggenheim neben der Rolle als Mäzenin und Kunstliebhaberin auch die der nützlichen Idiotin, auf deren Kosten man bequem leben kann, gespielt hat. Ob sie sich dessen bewusst war?

Fazit:
Gerne gebe ich dieser Biografie einer Frau, die nicht auf ihre unkonventionelle Lebensweise reduziert werden sollte, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 10.09.2025

Penibel recherchiert und gekonnt erzählt

Sophie. Die Kaisermacherin
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Wer an Erzherzogin Sophie (1805-1872) denkt, hat unwillkürlich ihre Darstellung als Schwiegermutter durch Vilma Degischer als Kontrapunkt zur blutjungen Romy Schneider in der Ernst-Marischka-Trilogie ...

Wer an Erzherzogin Sophie (1805-1872) denkt, hat unwillkürlich ihre Darstellung als Schwiegermutter durch Vilma Degischer als Kontrapunkt zur blutjungen Romy Schneider in der Ernst-Marischka-Trilogie rund um Kaiserin Sissi vor Augen, wie der Prolog dieses historischen Romans auch andeutet.

Wie man heute weiß, ist der Mythos um die böse Schwiegermutter im Nachhinein handgestrickt, auch wenn sich die reale Sophie bewusst war, eine schlechte Nachrede zu bekommen. Nun wie war sie wirklich?

Michaela Baumgartner beleuchtet in ihrem historischen Roman rund um Erzherzogin Sophie, die als Tochter des von Napoleons Gnaden zum König von Bayern avancierten Maximilian I. geboren worden ist, eine andere Seite dieser ehrgeizigen Frau. Geschickt verquickt sie dabei Fakten und Fiktion.

Fakt ist, dass sie nach zahlreichen Fehlgeburten (insgesamt war sie elf Mal schwanger) und Kuraufenthalten in Bad Ischl erst sechs Jahre nach ihrer Hochzeit, also im Jahr 1830, ihr erstes überlebendes Kind zur Welt bringt: Franz Joseph (1830-1916). Der wird, da längst klar ist, dass nach dem Tod ihres Schwiegervaters Franz II./I. (1768-1835) auf Grund der herrschenden Primogenitur, dessen Sohn als Ferdinand I. (1793-1875) als Nachfolger feststeht, obwohl er wegen seiner zahlreichen Einschränkungen wie z.B. Epilepsie eigentlich nicht regierungsfähig ist, von Sophie systematisch und konsequent als Thronfolger aufgebaut. Ihren Ehemann Franz Karl (1802-1878), Bruder von Ferdinand, übergeht sie geflissentlich in ihren Überlegungen, da dieser wenig Interesse an den Regierungsgeschäften zeigt und lieber jagen geht.

Sophie geht hier strategisch geschickt vor, verbündet sich zeitweise mit Staatskanzler Metternich, obwohl die beiden sich nicht ausstehen können, und hat auch für ihre anderen Söhne Maximilian (1832-1867), Karl Ludwig (1833-1863) und Ludwig Viktor (1842-1919) Großes vor. Die einzige Tochter Maria Anna (1835-1840) leidet wie ihr Onkel Ferdinand an Epilepsie und stirbt mit knapp fünf Jahren.

Als nach den Revolutionen von 1848 Ferdinand zum Amtsverzicht gezwungen wird, hievt Sophie ihren Erstgeborenen Franz Joseph auf den Thron. Der unerfahrene Kaiser vertraut auf seine Mutter als Ratgeberin. Nur bei der Wahl seiner Ehefrau hört er nicht auf sie. Statt seine Cousine Helene von Bayern, wählt er ihre Schwester Elisabeth, damals noch keine 15 Jahre alt. Hier verschätzt sich Sophie, was ihren Einfluss auf die Schwiegertochter, die zugleich ihre Nichte ist. Die beiden Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein. Sophie, intelligent, ehrgeizig und pflichtbewusst bis zur Selbstaufgabe und jugendlich unbekümmert Elisabeth. Dass hier knirschen muss, ist selbstverständlich.

Meine Meinung:

Autorin Michaela Baumgartner kenne ich durch ihre anderen historischen Romane, die alle in der Donaumonarchie spielen.

Für diesen historischen Roman um Erzherzogin Sophie, der man nachsagt während der Regierungszeit von Ferdinand „der einzige Mann im Kaiserhaus“ gewesen zu sein, hat sie penibel recherchiert. Ihr Schreibstil ist angenehm und leicht lesbar. Wie es sich für einen historischen Roman gehört, tummelt sich auch hier das „Who-is-Who“ der Donaumonarchie, was vielleicht jene Leser:innen, die mit der Welt des österreichischen Adels nicht so vertraut sind, ein wenig überfordern könnte. Hier kann das Personenverzeichnis am Ende des Romans für Klarheit schaffen. Für Interessierte gibt es noch ein ausführliches Quellenverzeichnis.

Ich finde es immer wieder spannend, Biografien oder biografische Romane von verschiedenen Autor:innen zu lesen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln die porträtierte Person betrachten. So habe ich über Erzherzogin Sophie schon einiges aus den Biografien von Ingrid Haslinger sowie Anna Ehrlich und Christine Bauer erfahren. Daneben ist sie immer wieder Bestandteil in den Biografien ihrer Söhne und auch von Schwiegertochter Elisabeth.

Um noch einmal auf die Sissi-Trilogie zurückzukommen. Die ist ein gutes Beispiel dafür, dass man nur sieht, was man sehen will oder einem zu sehen vorgesetzt wird. Allerdings muss man diese Film im Kontext der Nachkriegszeit sehen, in der man die Menschen durch einen Ausflug in eine glitzernde Traumwelt von der tristen Wirklichkeit ablenken wollte. Und was eignet sich hier besser als der Konflikt zwischen einer Mutter und ihrer Schwiegertochter?

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der versucht mit dem Mythos von der bösen Schwiegermutter aufzuräumen, 5 Sterne.