Nicht ihr Bestes
Elefanten vergessen nieAuf einem Literatentreffen wird Schriftstellerin Ariandne Oliver von einer ihr fremden Dame angesprochen, die Auskünfte zum gewaltsamen Tod der Eltern eines ihrer Patenkinder erhofft. Ariadne ist sichtlich ...
Auf einem Literatentreffen wird Schriftstellerin Ariandne Oliver von einer ihr fremden Dame angesprochen, die Auskünfte zum gewaltsamen Tod der Eltern eines ihrer Patenkinder erhofft. Ariadne ist sichtlich irritiert, versteht sie doch nicht, woher das plötzliche Interesse nach all den Jahren kommt. Die Angelegenheit lässt ihr allerdings keine Ruhe und so bespricht sie den Vorfall mit ihrem guten Freund Hercule Poirot.
In "Elefanten vergessen nie" beschreibt Agatha Christie die Ermittlungen zu einem Fall, der in der Vergangenheit liegt und nie zufriedenstellend aufgeklärt werden konnte. Heute würde man das als Cold Case bezeichnen und während ein solcher Fall heute, in Zeiten modernster Ermittlungsmethoden, durchaus gute Aussicht auf Aufklärung hat, klingt das Unterfangen im Buch ziemlich aussichtslos.
AC lässt hier Ariadne Oliver und Hercule Poirot gemeinsam ermitteln, jeden der beiden auf seine besondere Art. Poirot gewohnt sehr systematisch und auf äußerst verschlungenen Pfaden, Ariadne eher unkonventionell und chaotisch. Der Ansatz, den Beide verfolgen ist, die Ereignisse durch die Befragung von damals beteiligten Personen zu beleuchten und so eventuell neue Erkenntnisse zu bekommen. Daraus leitet sich auch der Titel des Buches ab, denn die Beiden gehen davon aus, dass die Personen oft ein erstaunliches Gedächtnis haben und sich meist noch gut an vergangene Ereignisse, unwichtige Details, oder Begebenheiten erinnern können, gleich wie Elefanten, denen man ja nachsagt, sie würden nie Vergessen.
Ein Poirot ist oft keine leichte Lektüre, die Gedankengänge seiner kleinen grauen Zellen oft nur schwer nachvollziehen. In diesem Buch, das eines der letzten der Autorin gewesen ist, fällt es dem Leser aber noch schwerer als sonst. Die Geschichte ist wirr, die Befragungen der damaligen Zeugen oft langatmig und wenig erhellend, die gesammelten Informationen ungeordnet, zahlreich und undurchschaubar für den Leser. Die vielen beteiligten Personen erschweren es ebenso durchzublicken, wie die schwierigen Beziehungen, die untereinander bestehen. Ein wirkliches "mitkriminalisieren" ist eigentlich überhaupt nicht möglich. Die Grundzüge der tat erahnt man trotzdem schon recht früh, die Details dazu sind dann aber doch wieder überraschend und leider auch etwas unbefriedigend, weil einiges unbeantwortet bleibt. Eigentlich ist dies gar nicht ACˋs Art, allerdings soll sie bei der Arbeit an diesem Buch schon an Demenz gelitten haben und das würde natürlich das Chaos in der Geschichte erklären.
Es gibt deutlich bessere Bücher der Autorin, obwohl ich sagen muss, dass mir ihre Figur der Ariadne Oliver hier fast ein wenig besser gefallen hat, als in anderen Fällen, war sie hier doch nicht ganz so hibbelig und überdreht wie in anderen Büchern.