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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2025

Auf der Suche nach einem Platz im Leben

Wo wir hingehören
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Schon nach den ersten Seiten wird deutlich, dass Angelikas Geschichte keine leichte ist. Gemeinsam mit ihrem Bruder wird sie nach dem Krieg aus der Schweiz abgeschoben und kommt zu Pflegeeltern nach Vorarlberg. ...

Schon nach den ersten Seiten wird deutlich, dass Angelikas Geschichte keine leichte ist. Gemeinsam mit ihrem Bruder wird sie nach dem Krieg aus der Schweiz abgeschoben und kommt zu Pflegeeltern nach Vorarlberg. Dort wächst sie auf einem Hof mit kleinem Laden auf. Der Alltag ist streng geregelt, die Mutter fordernd, der Vater schweigsam. Im Laden begegnen sich täglich die Frauen aus dem Dorf, um ihre Sorgen loszuwerden, während draußen der Geruch von Stall und Tieren die Kleidung prägt.
Trotz der Fürsorge der Pflegeeltern fühlt sich Angelika nie ganz zuhause. Sie kennt ihre Herkunft nicht, und diese Leerstelle begleitet sie bis ins Erwachsenenalter. Besonders deutlich wird, wie sie als junge Frau in den 1950er und 1960er Jahren zwischen den Erwartungen der Gesellschaft und ihrem Wunsch nach Eigenständigkeit hin- und hergerissen ist. Dieses Ringen hat beim Lesen einen nachdenklichen Eindruck hinterlassen.
Der Schreibstil ist klar und ohne überflüssige Ausschmückungen. Gerade dadurch wirkt die Handlung authentisch. Vieles bleibt unausgesprochen, zwischen den Zeilen spürt man die Gefühle und Spannungen, und genau das bleibt im Gedächtnis.
Manchmal hätten einzelne Figuren noch etwas mehr Tiefe vertragen, aber die Geschichte bleibt insgesamt bewegend. Sie zeigt, wie Herkunft, Schweigen und Pflicht ein Leben prägen können und wie groß die Sehnsucht nach Zugehörigkeit ist.
Ein ruhiger, intensiver Roman, der im Gedächtnis bleibt. Von mir bekommt er vier Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 18.09.2025

Wenn Liebe, Schmerz und Besessenheit sich vermischen

Kopflos
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Schon mit den ersten Seiten baut sich eine Spannung auf, die sofort spürbar ist. Lisas Verzweiflung, ihre Kinder nur noch selten sehen zu dürfen, überträgt sich beim Lesen direkt und schafft eine bedrückende, ...

Schon mit den ersten Seiten baut sich eine Spannung auf, die sofort spürbar ist. Lisas Verzweiflung, ihre Kinder nur noch selten sehen zu dürfen, überträgt sich beim Lesen direkt und schafft eine bedrückende, zugleich traurige Atmosphäre. Besonders die Szene im Supermarkt, in der sie versucht, ihre fünfjährigen Zwillinge aus der Ferne zu beobachten, hat sich mir stark eingeprägt. Schmerz, Sehnsucht und langsam aufkommende Besessenheit sind so intensiv beschrieben, dass man das Gefühl hat, selbst mitten in dieser Situation zu stehen.
Ariana Harwicz erzählt stürmisch und eindringlich von einer Mutter, deren Liebe und Trauer sie an die Grenzen ihrer selbst bringen. Es wird deutlich, wie schnell Menschen über sich hinausgehen oder Dinge tun können, die sie vorher für unmöglich gehalten hätten. Besonders eindrucksvoll sind die Szenen, in denen Lisa Orte aus ihrer Vergangenheit aufsucht: die Brücke, an der einst Streit und Leidenschaft aufeinandertrafen, das Landhaus der Schwiegerfamilie, die Erinnerungen, die wieder hochkommen.
Die Sprache ist klar, intensiv und manchmal schon schmerzhaft direkt, genau das macht die Geschichte so besonders. Das Buch ließ sich kaum zur Seite legen, so stark hat es mitgerissen. Es ist ein Roman über Leidenschaft, Schmerz und menschliche Abgründe, der noch lange nachhallt.
Vier Sterne, weil die Geschichte emotional sehr mitgenommen hat, die sprachliche Intensität beeindruckend ist, manche Kapitel aber schwer zu verdauen waren. Ein außergewöhnliches Buch über Mutterschaft, Grenzen und die zerstörerische Kraft von Gefühlen.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Authentisch, gefühlvoll und lesenswert

All das Ungesagte zwischen uns
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Dieser Roman hat mich auf besondere Weise berührt. Er erzählt eindrucksvoll von Verlust, Schuld und der komplexen Beziehung zwischen Mutter und Tochter.
Colleen Hoover zeigt hier, wie ein einziger tragischer ...

Dieser Roman hat mich auf besondere Weise berührt. Er erzählt eindrucksvoll von Verlust, Schuld und der komplexen Beziehung zwischen Mutter und Tochter.
Colleen Hoover zeigt hier, wie ein einziger tragischer Moment eine ganze Familie erschüttern kann. Morgan steht plötzlich vor den Trümmern ihrer Ehe und merkt, dass vieles, woran sie geglaubt hat, gar nicht stimmt. Gleichzeitig zieht sich ihre Tochter Clara immer weiter zurück und sucht Trost bei jemandem, den Morgan sich niemals an ihrer Seite gewünscht hätte.
Besonders die Spannung zwischen Mutter und Tochter hat mich richtig mitgenommen. Hoover schafft es, die Gefühle der beiden so lebendig und glaubhaft zu zeigen, dass man beim Lesen fast selbst mitleidet. Die Dialoge sind oft hart und schmerzhaft – genau das macht die Geschichte für mich so echt.
Trotz all des Schmerzes bringen die Liebesgeschichten – Morgans vorsichtige Annäherung an jemanden Unerwarteten und Claras erste Gefühle für Miller – ein bisschen Leichtigkeit ins Buch. So wirkt die Geschichte ausgewogen: Es gibt nicht nur Verlust, sondern auch Hoffnung, dass Neues entstehen kann.
Wie immer schreibt Hoover flüssig und leicht verständlich, trotzdem spürt man die Intensität jeder Szene. Klar, manche Wendungen konnte ich vorhersehen, aber das hat mich beim Lesen nicht gestört – der Reiz lag für mich darin, die Protagonisten dabei zu beobachten, wie sie mit ihren Gefühlen ringen und langsam Vertrauen fassen.
Mein Fazit: Ein berührender Roman über Schuld, Liebe und den Halt, den man manchmal nur schwer findet. Nicht jede Wendung hat mich umgehauen, aber die Mischung aus Schmerz und Hoffnung hat mich trotzdem überzeugt. Vier Sterne von mir und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Entscheidungen mit Folgen über Generationen

Weißes Licht
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„Weißes Licht“ von Eric Puchner erzählt die Geschichte von Garret und seinen beiden Freunden über mehrere Generationen hinweg. Der Roman schildert, wie ein Verrat das Leben aller Beteiligten verändert ...

„Weißes Licht“ von Eric Puchner erzählt die Geschichte von Garret und seinen beiden Freunden über mehrere Generationen hinweg. Der Roman schildert, wie ein Verrat das Leben aller Beteiligten verändert und wie Entscheidungen die Beziehungen zwischen Freunden und Familien beeinflussen können. Garrets Alltag in Montana wirkt zunächst ruhig und beinahe unspektakulär, doch das Buch zeigt sehr deutlich, wie Vergangenheit und Verantwortung auf das gegenwärtige Leben einwirken.
Der Autor schreibt klar und präzise, mit einer feinen Beobachtungsgabe für Zwischentöne in menschlichen Beziehungen. Die Entwicklung der Figuren ist glaubwürdig, ihre Konflikte nachvollziehbar, auch wenn manche Szenen etwas ausführlicher erzählt werden, als nötig. Besonders interessant fand ich, wie die Folgen einer Entscheidung über die Generationen hinweg sichtbar werden, ohne dass der Roman dabei moralisch belehrend wirkt.
Der Spannungsbogen entsteht weniger durch äußere Ereignisse, sondern durch die inneren Konflikte der Figuren. Das macht das Buch nachdrücklich, aber nicht aufdringlich. Trotz kleinerer Längen bleibt der Roman durchgehend stimmig und überzeugend in seinem Blick auf Freundschaft, Liebe und die Auswirkungen von Handlungen auf das Leben anderer.
Insgesamt ist „Weißes Licht“ ein sorgfältig erzählter Mehrgenerationenroman, der die Dynamik zwischen Menschen auf feine Weise beleuchtet. Vier Sterne von mir, da die ruhige Erzählweise zwar gut zum Stil passt, aber an manchen Stellen etwas straffer hätte sein können.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Ein Familienroman zwischen Tradition und Neubeginn

Auf dem Gräftenhof
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„Auf dem Gräftenhof“ von Arnold Pesch erzählt die Geschichte einer Familie, die nach dem Zweiten Weltkrieg versucht, ihren Platz in einer sich wandelnden Welt zu finden. Dabei geht es nicht nur um die ...

„Auf dem Gräftenhof“ von Arnold Pesch erzählt die Geschichte einer Familie, die nach dem Zweiten Weltkrieg versucht, ihren Platz in einer sich wandelnden Welt zu finden. Dabei geht es nicht nur um die Bewahrung alter Traditionen, sondern auch darum, Neues zu wagen.
Sehr eindrücklich fand ich, wie der Hof selbst zur Bühne dieser Entwicklungen wird. Man spürt die besondere Atmosphäre des Münsterlandes, und die Wasserburg wirkt fast wie ein stiller Zeuge der Geschehnisse. Dass Johannes aus der Ukraine stammt und in Deutschland eine neue Heimat findet, gibt der Handlung eine zusätzliche Tiefe. Gerade die Sehnsucht nach seiner alten Heimat, die über Jahre unerreichbar bleibt, war für mich gut nachvollziehbar.
Besonders bewegt haben mich zwei Figuren: Paul, dessen kindliches Wesen Wärme in die Familie bringt, und Barbara, die von einem Reiterhof für Kinder mit Handicap träumt. Ihr Ringen mit den Erwartungen der Familie und ihr Wunsch, ihren eigenen Weg zu gehen, haben mich beim Lesen besonders berührt. Hier zeigt sich sehr gut, wie eng persönliche Wünsche und das Erbe der Familie miteinander verbunden sind.
Auch die politischen Umbrüche sind geschickt in die Handlung eingebaut. Man merkt, dass die Ereignisse in Deutschland und Europa direkt in das Leben der Familie hineinwirken. Das macht den Roman glaubwürdig und gibt ihm eine historische Tiefe, die mir gefallen hat.
Manche Stellen ziehen sich etwas, weil sehr ausführlich erzählt wird. An anderen Stellen hätte ich mir hingegen noch mehr Ausführlichkeit gewünscht, um bestimmte Entscheidungen und Gefühle der Figuren besser nachvollziehen zu können. Doch insgesamt habe ich den Roman gern gelesen. Er verbindet die deutsche Nachkriegsgeschichte mit dem Schicksal einer Familie, die zwischen Vergangenheit und Zukunft ihren eigenen Weg sucht.
Darum vergebe ich vier Sterne. Es bleibt das Gefühl, mit den Figuren auf dem Gräftenhof gelebt zu haben und ihre Entscheidungen hautnah mitzuerleben.

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