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Veröffentlicht am 16.10.2025

4879 Geschenke für Kleinfreudenstadt

Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum
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Wer feiert Weihnachten auf Hawaii? Angela und Achim schon mal nicht. Nachdem sich der Urlaub mit den ewig turtelnden Obamas als Flop erweist, kommen die Merkels gerade noch rechtzeitig zurück nach Kleinfreudenstadt, ...

Wer feiert Weihnachten auf Hawaii? Angela und Achim schon mal nicht. Nachdem sich der Urlaub mit den ewig turtelnden Obamas als Flop erweist, kommen die Merkels gerade noch rechtzeitig zurück nach Kleinfreudenstadt, um dort traditionell Weihnachten zu feiern. Der tote Santa Claus im Kamin stört dabei allerdings gewaltig. Autor David Safier lässt Angela in ihrem fünften Fall an Weihnachten ermitteln. Ein unterhaltsames, aber leider kurzes Abenteuer.

Angela, Achim und Mike freuen sich auf ein gemütliches Weihnachtsfest in der Uckermark: Nachdem sich Ferien mit Michelle und Barack samt Gemüse-Protein-Shakes und Jet-Skifahren als wenig prickelnd entpuppt hatten, locken jetzt Glühwein und Gänsebraten. Der Fund eines toten Weihnachtmanns im heimischen Kamin beschert ihnen ein ungewolltes Wiedersehen mit dem selbsternannten Starkommissar Hannemann und Gerichtsmedizinerin Dr. Radzinski. Wie zu erwarten, stuft der laut Angela "Andy Scheuer unter den Kommissaren" den toten Santa Claus als Unfallopfer ein. Weit mehr als dieses Urteil schockiert die Merkels, dass Hannemann und Radzinski, neuerdings ein Paar, die Kosenamen der Merkels, Puffel und Puffeline, gekapert haben. Der Kommissar und sein sprödes Herzblatt haben es eilig, in den gemeinsamen Weihnachts-Wellness-Urlaub zu entschwinden. Also bleibt Angela nichts Anderes übrig, als selbst zu ermitteln.

Das Opfer Egon Kerner war der einzige buchbare Santa Claus in Kleinfreudenstadt. Ein Weihnachtsfreak und leider auch ein Erpresser, der seine ehrenamtliche Konkurrenz so ausschalten wollte. Hauptverdächtige sind also die drei Amateur-Weihnachtsmänner von Kleinfreudenstadt und die Bürgermeisterin, als einzige Weihnachtsfrau. Angela ermittelt unter Hochdruck, denn bis Heiligabend soll der Täter gefasst sein ...

David Safier lässt Miss Merkel in einem neuen Fall ermitteln. Auch dieses Mal nimmt die Amateurdetektivin einiges auf sich, nicht zuletzt ein Wetttrinken. Der Autor schreibt flüssig und humorvoll, wie gewohnt. Speziell die kleinen Spitzen gegenüber Angelas politischen Mitstreitern sorgen für Schmunzeln, bspw. Macrons originelle Weihnachtsgeschenke der letzten 5 Jahre. Auch Achim und Mick sind wieder mit von der Party. Die anderen gewohnten Protagonisten werden nur erwähnt wie Marie und Adrian oder haben nur kurze Auftritte wie Hannemann und Radzinski. Überhaupt ist dieser Fall recht knapp geraten und schnell gelöst. Auch die Spannung kam etwas zu kurz, selbst für einen Cosy Crime. Das können die weihnachtliche Stimmung und die perfekte Nana Spier nicht ganz ausgleichen.

Grandios fand ich erneut die großartige Sprecherin Nana Spier, die die Figuren so vielseitig und treffend interpretiert, dass ich sie mühelos unterscheiden konnte. Auch den Humor transportiert sie wunderbar. Ein wahres Hörvergnügen.

Der Fall wird restlos aufgeklärt und das Buch endet in harmonisch weihnachtlicher Stimmung. Der kleine Adrian spielt mit seinem heißersehnten Bone Crusher Transformer, Mikes Gäste feiern begeistert mit seiner Familie und den Merkels. Puffel überrascht seine Puffeline mit einem kostbaren Geschenk. Und Angela? Schämt sich, weil sie kein Geschenk für ihren Liebsten hat. Doch sie hat die Rechnung ohne den Weihnachtsmann gemacht.

Zwar war die Geschichte dieses Mal recht kurz und nicht besonders spannend, trotzdem hat sie mich gut unterhalten und schmunzeln lassen. Auch die festliche Stimmung passt am Ende. Deshalb werde das Hörbuch an Weihnachten wieder anhören. Knappe 4 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Bombenalarm - Nik Pohl ermittelt wieder

Die unversöhnliche Vergangenheit
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Eine unbekannte Frau erzwingt sich den Zugang zur Münchner Staatsanwaltschaft mittels einer Bombe. Sie fordert die Wiederaufnahme eines seit Jahren abgeschlossenen Falls. Doch bevor die zuständigen Personen ...

Eine unbekannte Frau erzwingt sich den Zugang zur Münchner Staatsanwaltschaft mittels einer Bombe. Sie fordert die Wiederaufnahme eines seit Jahren abgeschlossenen Falls. Doch bevor die zuständigen Personen die Verhandlungen überhaupt aufnehmen können, explodiert der Sprengsatz. Die Kripo steht vor einem Rätsel und Nik Pohl fallen ein paar Ungereimtheiten auf, die ihn veranlassen zu ermitteln. Auch der 7. Fall des unangepassten Privatermittlers erweist sich als spannend, doch der aufregende Plot hält nicht ganz, was er verspricht.

Die Geschichte hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Warum verlangt eine bis dahin unbescholtene Frau die Wiederaufnahme eines Verfahrens, das seit 12 Jahren abgeschlossen ist? Der Verurteilte ist vor 5 Jahren gestorben und anscheinend besteht keinerlei Verbindung zwischen ihm und der Frau. Und warum sprengt sie sich in die Luft, bevor die Verhandlungen begonnen haben? Die Polizei kann sich darauf keinen Reim machen, die Medien rasten wie immer aus und Nik Pohl beginnt zu ermitteln, da er ahnt, dass viel mehr hinter dem vermeintlichen Anschlag steckt.

Das Team bestehend aus Nik, Balthasar mit Kara und Jon ist sich einig, dass hier etwas ganz und gar nicht passt. Die Kripo kommt zum selben Schluss. Dieses Mal sind sogar der Privatdetektiv und sein ungeliebter ehemaliger Chef, Hauptkommissar Naumann von der Kripo München, einer Meinung und das ermöglicht eine lose Zusammenarbeit. Jon und Nik finden heraus, dass jemand einen beträchtlichen Aufwand betreibt, um an vergleichsweise harmlose Daten zu kommen. Bald gibt es die nächste Tote, die ebenso ein Zufallsopfer zu sein scheint wie die erste Ermordete. Nik kommt einem unglaublichen Plan auf die Spur und gerät selbst in tödliche Gefahr. Denn des Killers beste Chance sein eigentliches Ziel zu erledigen führt über Nik.

Die Sprache ist gewohnt flüssig und präzise. Niks Team, der schrullige Pathologe Balthasar und der fähige Computernerd Jon, helfen dem Privatdetektiv ein unglaubliches Komplott aufzudecken und der Kripo auf die Sprünge zu helfen. Dabei ist es sehr hilfreich, dass sich der unkonventionelle Nik nicht immer an die Regeln hält und oft auf verschlungenen Wegen ermittelt. Sein Instinkt und das Wissen seiner beiden Freunde helfen ihm, überraschende Ergebnisse zu erzielen.

Von Beginn an war ich begeistert von Niks 7. Fall und mochte das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Der Plot ist hervorragend und der Fall entwickelte sich spannend und mit einigen Wendungen. Aber im letzten Drittel des Buches als die Person, die hinter allem steckt, sich an Nik heranmacht und ihn zu benutzen versucht, kippt der Krimi. Die Spannung lässt nach, die Logik ebenso. Es erschien mir nicht stimmig, dass diese Person das Superhirn sein soll, dass sich den genialen Plan ausgedacht hat und ihn knallhart ohne Rücksicht auf Verluste umsetzt. Denn jetzt machte sie plötzlich Fehler. Zuletzt wird der Fall logisch aufgeklärt und Nik glänzt einmal mehr, aber es wäre noch mehr drin gewesen. So ist „Die unversöhnliche Vergangenheit“ ein spannender und guter, aber kein herausragender Krimi.

Ich wurde gut unterhalten und vergebe am Ende des Buches vier Sterne, Ende des zweiten Drittels wäre es noch die volle Punktzahl gewesen.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Mord auf Mackinac Island

Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste
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Die 77-jährige Rosemary, für ihre Freunde Mimi, führt seit 23 Jahren ein zurückgezogenes Leben auf der autofreien Insel Mackinac. Da droht eine Erpressung ihr Idyll zu zerstören. Mimi muss sich dieser ...

Die 77-jährige Rosemary, für ihre Freunde Mimi, führt seit 23 Jahren ein zurückgezogenes Leben auf der autofreien Insel Mackinac. Da droht eine Erpressung ihr Idyll zu zerstören. Mimi muss sich dieser Konfrontation stellen, bittet aber ihre Enkelin Addie um Hilfe, da sie sich fürchtet. Gemeinsam besuchen die beiden sehr unterschiedlichen Frauen eine Party und landen in einem mörderischen Albtraum ...
Kelly Mullen ist mit „Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste“ ein spannender Krimi im Stil einer modernen Agatha Christie gelungen.

Rosemary erhält eine Einladung zu einer Party in der Nachbarschaft. Sie muss hingehen, den zusammen mit der Einladung erhält sie die Drohung, dass bei Fernbleiben, ihr schlimmstes Geheimnis offenbart wird. Woher weiß Nachbarin Jane, was Mimi vor vielen Jahren getan hat? Höchst beunruhigt alarmiert sie ihre Enkelin, die PC-Spieleentwicklerin Addie. Obwohl ihr Verhältnis angespannt ist, eilt diese ihrer Granny zu Hilfe. Auf der Party treffen sie wenige handverlesene Gäste, von denen einige ebenfalls erpresst werden. Zum Auftakt der Fete wird die Zugbrücke, der einzige Zugang zum Anwesen, hochgezogen. Eine Auktion, die den Opfern der Erpressung horrende Summen abverlangt, schließt sich daran an. Dann wird die Gastgeberin, die zunächst einen merkwürdigen Eindruck macht, tot in ihrem Bett gefunden. Ermordet. Anscheinend versucht jemand Mimi den Mord anzuhängen, den die Tatwaffe wird ihr untergeschoben. Ein Jahrhundertschneesturm und ein Stromausfall komplettieren die äußerst missliche Lage der Partygäste. Und der Killer ist noch nicht fertig.

Kelly Mullen schreibt flüssig und versteht es vortrefflich, Spannung aufzubauen und zu halten. Mit Mimi MacLaine und ihrer Enkelin Addie verfügt sie über ein sympathisches Ermittlerteam, das sich wunderbar ergänzt und nachvollziehbar dem Täter auf die Spur kommt. Die komplizierte Beziehung der Frauen wird während der Ermittlung ebenso durchleuchtet wie die individuellen Probleme, die beide beschäftigen. Derweil befinden sie sich in höchster Gefahr und sind auf sich allein gestellt, da die Polizei nicht auf das Anwesen gelangen kann. Besonders reizvoll fand ich die Idee, dass Addie die Ermittlung im Stil eines PC-Games aufzieht. Damit Mimi nicht außen vor bleibt, muss sie diese (und mich) in ihre Spielewelt einführen, was ihr gut gelingt. Die übrigen Protagonisten bleiben dagegen etwas blass. Bald stellt sich heraus, dass nichts so ist wie angenommen, doch letztlich, nach einigen Wendungen, wird der Täter entlarvt und der Fall logisch aufgeklärt.

Mir hat der Krimi gut gefallen. Das Setting mit der Kombination altes Herrenhaus, hochgezogene Zugbrücke mit geheimem Code, heftiger Schneesturm und Stromausfall überzeugt, obwohl es nicht neu ist. Die Könnerschaft einer Agatha Christie wird zwar nicht erreicht, aber Addies Ermittlungsansatz und Mimis spröder Humor sind erfrischend und unterhaltend. Ein paar Verwicklungen zusätzlich hätten dem Krimi gutgetan, ebenso mehr Tiefe für die Nebencharaktere und ein konsequenteres Korrektorat. Insgesamt finde ich das Buch dennoch spannend und lesenswert. Ich kann mir Mimi und Addie gut in weiteren Fällen vorstellen, die ich dann auch lesen würde.

Von mir gibt es eine Leseempfehlung an alle Fans von britischem Cosy Crime und gute vier Sterne.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Wenn die Lady mit dem Butler ...

Nightingale
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Was erwartet eine junge Frau aus Massachusetts, die einen echten englischen Lord heiratet? Lydia schwebt nach ihrer aufregenden Hochzeitsreise auf Wolke Sieben. Die Verhaftung ihres Mannes, kurz nach der ...

Was erwartet eine junge Frau aus Massachusetts, die einen echten englischen Lord heiratet? Lydia schwebt nach ihrer aufregenden Hochzeitsreise auf Wolke Sieben. Die Verhaftung ihres Mannes, kurz nach der Rückkehr nach Ravensridge, dem Stammsitz der Familie, holt sie unsanft in die Realität zurück. Lord Nigel Nightingale soll seine ehemalige Geliebte ermordet haben. Lady Lydia zweifelt keine Sekunde an ihrem Mann und ergreift die Initiative ...
Mit "Nightingale: Tod im Musensaal" ist Danielle Weidig ein unterhaltsamer Auftakt ihrer neuen Cosy Crime-Reihe gelungen.

Eine italienische Künstlerin, die Malerin Florentine Moretti, wird tot im Musensaal des Kunstmuseums von Whispering Pines gefunden. Nahe der Leiche prangt ein Graffiti "Tod den Nightingales". Bald stellt sich heraus, dass die junge Frau vergiftet wurde. Alle Indizien weisen auf Lord Nigel als Täter hin. Da sie keine Sekunde an der Unschuld ihres Mannes zweifelt, wohl aber an der Kompetenz der Polizei, beginnt Lydia selbst zu ermitteln. Tatkräftig wird sie dabei vom vielseitigen Butler ihrer Schwiegermutter, Godfrey, unterstützt. Dank ihres Könnens als Maskenbildnerin und Schauspielerin gelingt es der unerschrockenen Lydia neue Beweise zu finden. Godfrey erweist sich dabei als wertvoller Helfer. Doch je näher sie der Lösung des Falles kommt, umso größer wird die Gefahr, in die sie sich begibt.

Lydia, eine unkonventionelle US-Amerikanerin, hat aus Liebe, nicht aus Kalkül ihren englischen Lord geheiratet. Sehr spontan bzw. unüberlegt, wie es Lydias Mutter nennt. Ihre zukünftige Rolle an der Seite eines britischen Adligen hat sie dabei nicht bedacht. Anders als in Boston, scheint ihr Leben in Whispering Pines zukünftig aus Charity Events und Teekränzchen mit ihrer snobistischen Schwiegermutter zu bestehen. So energisch wie sie die Entlastung Nigels angeht, bezweifle ich sehr, dass sie auf ihren geliebten Beruf verzichten und sich künftig auf gepflegtes Nichtstun und Repräsentieren beschränken wird. Neben unserer sympathischen Heldin hat mir vor allem der unerschütterliche Butler imponiert, der fast immer seine Haltung bewahrt und stets für überraschende Lösungen gut ist. Godfrey ist tatsächlich ein Mann für alle Fälle. Seine Phraseologismus-Schwäche, das bedeutet, er verdreht Sprichwörter wie "Reden ist Silber, Schweigen Platin" lockert seine steife Perfektion charmant auf. Die anderen Charaktere bleiben noch etwas flach, was sich in den späteren Fällen bestimmt ändern wird. Nur die Buchhändlerin Zara Baptiste und der clevere Kater Winston stechen heraus. Danielle Weidig schreibt flüssig und versteht es hervorragend, Ravensridge und Whispering Pines vor unseren Augen entstehen zu lassen. Sehr gut ist Lydias Unbehagen in ihrer neuen Rolle nachzuvollziehen.

Der Mordfall Moretti wird dank Lydia und Godfrey logisch aufgeklärt und Nigel völlig entlastet. Die Hintergründe des Verbrechens bzw. das Tatmotiv haben mich nicht völlig überzeugt und die Identität des Mörders war mir relativ früh klar. Trotzdem hat mich der Cosy Crime gut unterhalten. Lady Lydia und Butler Godfrey sind ein echtes Dreamteam und Ermittler mit großem Potenzial. Und Kater Winston hat mal wieder bewiesen, dass Katzen schlauer sind als Menschen.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Mord im Weinberg

Winzergrab
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Bei einer der beliebten Funzelfahrten in rheinhessischen Weinbergen nimmt der Junggesellinnenabschied für die Braut ein abruptes Ende. Als diese sich kurz in die Büsche zurückzieht, findet sie dort eine ...

Bei einer der beliebten Funzelfahrten in rheinhessischen Weinbergen nimmt der Junggesellinnenabschied für die Braut ein abruptes Ende. Als diese sich kurz in die Büsche zurückzieht, findet sie dort eine Leiche. Winzertochter Kerstin war erst vor kurzem in ihr Heimatdorf zurückgekehrt. Jetzt liegt sie tot im Unterholz, ermordet, wie sich bald herausstellt. Mit "Winzergrab" präsentiert uns Autor Andreas Wagner den 4. Fall seines nach Dosenwurst süchtigen Amateurdetektivs Kurt-Otto Hattemer. Der launige Regionalkrimi hat mich nach etwas zähem Beginn gut unterhalten.

Wie so oft in Familiendramen scheint sich alles ums Erbe zu drehen. Der erfolgreiche und vermögende Winzer Hans-Georg Algesheimer hat drei Kinder, Kerstin und zwei Söhne. Der Jüngste, Jörn, hat das väterliche Geschäft übernommen und wartet ungeduldig darauf, endlich das Gut überschrieben zu bekommen. Derweil hadern seine älteren Geschwister mit ihrer Abfindung und wünschen sich mehr vom Kuchen. Beunruhigt beobachtet Jörn, wie Kerstin den Vater umgarnt. Dann wird seine Schwester ermordet und die Polizei scheint bei der Tätersuche im Dunkeln zu Tappen. Deshalb beginnt Hobbydetektiv Kurt-Otto Hattemer selbst zu ermitteln. Zunächst macht er sich erfolgreich auf die Suche nach der Tatwaffe und unterstützt so wirkungsvoll die Polizei. Doch bald gibt es einen weiteren Toten ...

Ziemlich skurrile Typen bevölkern das Weindorf Essenheim. So die betagte Posthalters Sigrun, eine der drei "lebenden Gardinen" mit ihrem kreativen Geschäftsmodell, oder unser Hobbydetektiv Kurt-Otto, der stets befürchtet von seiner Frau Renate auf Diät gesetzt zu werden. Um nicht auf seine geliebte Dosenwurst verzichten zu müssen, findet er ungewöhnliche Verstecke für seinen Notvorrat. Wagner erzählt flüssig und locker, manche humorvolle Szene erinnert an einen Cosy Crime. Er geizt nicht mit seinem Wissen als Winzer und der Leser erfährt Vieles über die Situation der Weinbauern, ihr Handwerk und ihr Produkt.

Das Mordmotiv scheint zunächst offensichtlich. Doch ging es dabei wirklich um Geld? Neben Kerstins Anspruch auf ein größeres Erbe war da noch ein undurchsichtiger Journalist, dem sie ein Interview zugesagt hatte. Friedbert Führich sucht Informationen über das Schicksal jüdischer Weinhändler in der Region während der NS-Zeit. Wollte jemand die Weitergabe dieser brisanten Informationen verhindern oder handelt es sich beim Mord um ein Sexualdelikt?

Kerstins Tod wird nicht zuletzt dank Kurt-Ottos Mithilfe restlos aufgeklärt. Dabei sorgen einige Wendungen für Spannung. Doch nicht alles Wissenswerte kommt ans Tageslicht, manches nehmen die Verstorbenen mit in ihr Grab.

Mich hat der Regionalkrimi gut unterhalten. Die Sachkenntnis des Autors bezüglich Weinbau, Land und Leuten ist gut spürbar. Der langatmige Einstieg hat meine Leselust etwas gebremst und ganz soviel Fachwissen hätte ich nicht benötigt. Dafür ist Kurt-Otto Hattemer mit seinen Schrullen ein wirklich sympathischer Ermittler, den ich gern begleitet habe.

Ich vergebe gute 4 Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans von Regionalkrimis und Wein. Das Buch ist auch ohne Kenntnisse der Vorgängerbände gut lesbar.

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