Profilbild von Alrik

Alrik

Lesejury Star
offline

Alrik ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Alrik über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2025

Mit Maxine Wildner auf Austens Spuren – und es knistert gewaltig

Jane Austen – Stolz und Leidenschaft
0

Kaum ein Name bringt die Romantik so ins Rollen wie Jane Austen – und Maxine Wildner schafft es in „Stolz und Leidenschaft“, dieser Ikone nicht nur ein Denkmal, sondern eine regelrechte Liebesfanfare zu ...

Kaum ein Name bringt die Romantik so ins Rollen wie Jane Austen – und Maxine Wildner schafft es in „Stolz und Leidenschaft“, dieser Ikone nicht nur ein Denkmal, sondern eine regelrechte Liebesfanfare zu setzen. Statt trockener Biografie gibt’s hier volle Gefühlsdröhnung: Herzrasen, Schicksalsschläge und literarische Funken sprühen auf jeder Seite. Ich schwöre, man fühlt sich, als würde Jane höchstpersönlich durch Hampshire stolzieren, während man als Leser daneben mit Herzklopfen und einem leichten Grinsen im Gesicht mitläuft.

Besonders gefallen hat mir, dass Wildner Jane nicht als braves Fräulein in Empirekleidchen zeigt, sondern als echte Rebellin ihrer Zeit. Eine Frau, die sich von niemandem in ein Korsett pressen ließ – weder gesellschaftlich noch literarisch. Tom Lefroy als verbotene große Liebe, Mr Witherton als „Danke, aber nein danke“-Antragsteller und Philipp Trevelyan als intrigantes Schleimmonster – Wildner serviert diese Männer wie bunte Pralinen: man weiß nie, ob’s süß, bitter oder einfach nur giftig wird.

Und mittendrin Jane, die das alles erträgt, erkämpft, erlebt – und dabei schreibt, schreibt, schreibt. Der Roman zeigt nicht nur ihr Liebesleben, sondern auch, wie sehr sie ihrer Zeit voraus war. Ganz ehrlich: Hätte Tinder damals schon existiert, Jane hätte es sofort gelöscht und lieber einen Roman geschrieben, in dem Mr Darcy auf dem weißen Pferd angeritten kommt.

Kurz gesagt: „Stolz und Leidenschaft“ ist keine Biografie zum Einstauben, sondern eine wahre Gefühlsachterbahn. Ein Muss für alle, die Austen lieben oder sich endlich mal an ihr versuchen wollen. Herz, Humor und literarische Funkenregen – ich bin restlos begeistert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.09.2025

Zeitdiebe aufgepasst: Momo ist zurück!

Momo
0

Mitten in den Ruinen eines Amphitheaters hockt ein kleines Mädchen mit wirrem Haar und großen Augen, das mehr Power hat als alle Superhelden zusammen – und das ganz ohne Cape. Momo. Michael Ende hat hier ...

Mitten in den Ruinen eines Amphitheaters hockt ein kleines Mädchen mit wirrem Haar und großen Augen, das mehr Power hat als alle Superhelden zusammen – und das ganz ohne Cape. Momo. Michael Ende hat hier nicht nur irgendeine Geschichte geschrieben, sondern einen zeitlosen Klassiker, der uns beim Lesen fast den Kaffee aus der Hand geklaut hat, so oft mussten wir innehalten und laut lachen oder nachdenklich die Köpfe zusammenstecken.

Der Buddyread mit meiner Tochter war ein wilder Ritt: mal haben wir uns über die absurden Methoden der grauen Herren kaputtgelacht, mal haben wir schweigend auf die Seiten gestarrt, weil uns die Geschichte mitten ins Herz getroffen hat. Und jedes Mal, wenn Momo einfach nur zugehört hat, haben wir uns dabei erwischt, wie wir uns fragten: Hören wir eigentlich auch so gut zu? Oder sind wir schon halb graue Herren im Alltagstrott?

Besonders großartig: Diese limitierte Filmausgabe mit den Fotos. Plötzlich wird der Roman noch greifbarer – wie ein Mix aus Kinoabend und Lesezeit. Wir haben ständig hin und her geblättert: erst Text, dann Foto, dann wieder Text. Meine Tochter hat dabei eine Begeisterung entwickelt, die mich glatt neidisch gemacht hat. Während sie sofort Team Momo war, hab ich heimlich Sympathien für Beppo Straßenkehrer entwickelt – einer, der einem beibringt, Schritt für Schritt zu gehen, ohne die ganze Welt gleichzeitig schultern zu wollen.

Kurz gesagt: Dieses Buch hat uns gepackt, gefesselt, erheitert und bewegt. Es war wie eine kleine Zeitreise in eine Welt, in der jede Minute zählt. Und das Schönste: Wir haben die Geschichte nicht nur gelesen, sondern zusammen gelebt. Ein Buddyread, den ich nie vergessen werde. Danke, Momo, dass du uns die Zeit zurückgeschenkt hast.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.09.2025

Zwischen Asche und Aperol – ein Gefühlsrausch der besonderen Art

Let’s Talk About Feelings
0

Gefühle. Ein Wort, das in meinem Kopf immer ein bisschen klingt wie ein ironischer Ratgeber-Podcast, den keiner hören will – und dann kommt Leif Randt daher und macht daraus ein literarisches Feuerwerk. ...

Gefühle. Ein Wort, das in meinem Kopf immer ein bisschen klingt wie ein ironischer Ratgeber-Podcast, den keiner hören will – und dann kommt Leif Randt daher und macht daraus ein literarisches Feuerwerk. Da läuft ein Typ namens Marian Flanders durch Berlin und die halbe Welt, und während er mit Designerklamotten jongliert, Halbgeschwister bestaunt und Flirts auslotet, stolpere ich als Leser in eine Zwischenwelt aus Trauer, Sehnsucht, absurdem Alltag und einem unfassbar trockenen Humor.

Es fängt mit einem Abschied an, und man denkt: okay, jetzt kommt die große Melancholie-Keule. Pustekuchen. Stattdessen wird auf einem Partyboot die Asche verstreut, es gibt eine Rede, die so entwaffnend ehrlich ist, dass man gleichzeitig weinen und schmunzeln will. Und genau so geht’s weiter: Randt schafft es, das Leben in all seiner bittersüßen Schrägheit einzufangen, ohne jemals kitschig zu werden. Ich schwöre, manchmal hatte ich das Gefühl, er beschreibt den inneren Monolog von jemandem, der gerade im Späti überlegt, ob er Club-Mate oder Bier kaufen soll – nur auf 200 Seiten verdichtet und mit mehr Stil.

Was mich komplett gekriegt hat: diese Mischung aus Optimismus und Trotz. Marian lässt sich nicht in die klassische Midlife-Crisis-Schublade stecken, er erfindet seine eigene Version davon. Zwischen Wolfsburg und Sapporo, zwischen modischer Sinnkrise und echter Nähe passiert etwas, das man schwer benennen kann, aber umso mehr spürt. Und genau dafür lese ich Bücher: nicht, um perfekte Antworten zu bekommen, sondern um das Chaos des Lebens in Worte gefasst zu sehen.

Leif Randt hat hier kein klassisches Drama, keinen schnulzigen Roman und auch keine seichte Comedy geschrieben. Er hat einen Spiegel aufgestellt, in dem man sich selbst ertappt – mit einem schiefen Grinsen und ein bisschen Herzklopfen. Ganz ehrlich: selten so viel Spaß beim Mitfühlen gehabt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2025

Von Mauern, die bröckeln, und Herzen, die aufblühen

Tage wie Buchstabensuppe
0

Nicht zu fassen, wie ein Buch mit so einem Titel gleich so tief in die Gefühlswelt rauscht! „Tage wie Buchstabensuppe“ klingt erstmal nach Wohlfühlkost mit ein paar Nudeln im Suppentopf – in Wahrheit steckt ...

Nicht zu fassen, wie ein Buch mit so einem Titel gleich so tief in die Gefühlswelt rauscht! „Tage wie Buchstabensuppe“ klingt erstmal nach Wohlfühlkost mit ein paar Nudeln im Suppentopf – in Wahrheit steckt aber ein komplettes Menü fürs Herz dahinter. Da sitzt man als Leser plötzlich in einer bunten WG im Ostallgäu, wird mit schrulligen, liebenswerten Figuren bombardiert und merkt, wie schnell die eigenen Mauern zu bröckeln beginnen. Kayla, die Goldschmiedin mit dem Rucksack voller Vergangenheit, hat mich echt gepackt. Manchmal wollte ich ihr einen Schubs geben, manchmal hätte ich ihr am liebsten nen Kaffee hingestellt und gesagt: „Mädel, es wird schon!“

Und dann kommt Josch um die Ecke, charmant und mit einer Engelsgeduld, die man heutzutage echt suchen muss. Ich hab mich köstlich amüsiert, wie er Stück für Stück die Schutzschilde niederreißt. Aber das Sahnehäubchen des Romans ist für mich Lio – diese obdachlose, ältere Frau mit beginnender Alzheimererkrankung. Ihre Lebensweisheit hat mich mehrmals schlucken lassen. Zwischen Chaos, Witz und tiefen Fragen haut sie Sätze raus, die einen direkt ins Herz treffen.

Elisabeth Büchle schafft es, das schwere Thema Vergangenheit, Verletzungen und Neubeginn mit einer Leichtigkeit zu verbinden, die weder kitschig noch oberlehrerhaft wirkt. Stattdessen liest sich das wie eine göttlich gewürzte Mischung aus Lebensfreude, Melancholie und Humor. Ich hab so viel gelacht, geseufzt und zwischendurch gedacht: „Ja, genau das ist es – Beziehungen sind das, was zählt.“

Ein Roman, der zeigt, wie Gott manchmal Menschen in unser Leben schickt, die alles durcheinanderwirbeln – und uns gerade dadurch den wahren Wert des Lebens vor Augen führen. Für mich: Lese-Highlight, Herzöffner und Seelensuppe in einem. 🍲✨

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2025

Warum wir viel netter sind, als die Nachrichten behaupten

Verbinden statt spalten
0

Kein Mensch braucht noch ein Buch, das uns erklärt, wie schlimm alles ist – davon gibt’s schon genug in den Nachrichten. Aber ein Buch, das zeigt, wie viel besser wir eigentlich drauf sind, als uns eingeredet ...

Kein Mensch braucht noch ein Buch, das uns erklärt, wie schlimm alles ist – davon gibt’s schon genug in den Nachrichten. Aber ein Buch, das zeigt, wie viel besser wir eigentlich drauf sind, als uns eingeredet wird? Genau das hat Gilda Sahebi hier hingelegt. Und ganz ehrlich: Ich habe beim Lesen ständig genickt, geschmunzelt und mich gefragt, warum wir uns eigentlich so gern einreden lassen, dass Deutschland ein riesiger Streitclub ist.

Die Autorin haut die Fake Stories auseinander, die uns tagtäglich um die Ohren fliegen. Von Migration bis Gender-Debatten, von Corona bis Kriegsdiskussionen – Sahebi zeigt, wie geschickt da an der Eskalations-Schraube gedreht wird. Und zwar nicht, weil das Volk so unfassbar zickig wäre, sondern weil bestimmte Leute politisches Kapital daraus schlagen. Klingt düster, ist aber sauklug und auch noch gut lesbar verpackt.

Was mich richtig gekickt hat: Sie stellt dem ganzen Theater die Realität gegenüber. Studien und echte Beispiele, die beweisen, dass wir im Alltag gar nicht so zerstritten sind, wie es immer heißt. Im Gegenteil: Die meisten Menschen sind hilfsbereit, kooperativ und wollen einfach in Ruhe ihr Leben leben. Da steckt mehr Miteinander drin, als man denkt – und genau das vergisst man oft, wenn man sich von Talkshows berieseln lässt.

Das Buch ist kein moralischer Zeigefinger, sondern ein Reality-Check mit Humor und Biss. Es zeigt, dass Verbindung nicht nur ein esoterisches Buzzword ist, sondern tatsächlich in uns allen steckt. Und dass wir die Macht haben, uns nicht ständig in den künstlichen Kampfmodus treiben zu lassen. Nach der letzten Seite war ich gleichzeitig schlauer, entspannter und sogar ein bisschen optimistischer.

Kurz gesagt: Pflichtlektüre für alle, die keinen Bock mehr auf künstlich aufgeblasenes Drama haben – und endlich wieder sehen wollen, dass wir mehr gemeinsam haben, als uns irgendein Schlagzeilen-Kasper weismachen will.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere