Blick hinter die Fassade
9 Jahre WahnIch finde es sehr wichtig, dass psychische Erkrankungen stärker thematisiert und aus dem Tabu geholt werden. Es ist mutig, dass Eric Stehfest den Blick hinter die Fassade zulässt. Durch seine Erzählung ...
Ich finde es sehr wichtig, dass psychische Erkrankungen stärker thematisiert und aus dem Tabu geholt werden. Es ist mutig, dass Eric Stehfest den Blick hinter die Fassade zulässt. Durch seine Erzählung bekommt man einen Einblick, wie das Leben mit dem Wahn aussehen kann und wie man diesen therapieren könnte.
Verwirrend fand ich, dass er von sich in der 3. Person schreibt und die Therapiegespräche dann in direkter Rede geschrieben sind. Ich habe beim Wechsel immer eine Zeit gebraucht, mich zu orientieren. Der Schreibstil ist angenehm direkt ohne unnötige Umschreibungen und dadurch gut zu lesen.
Man kann den Eindruck gewinnen, dass Eric nach ein paar Tagen und Gesprächen deutlich besser mit seiner Erkrankung umgehen und sein Leben wieder aufnehmen kann. Alle Patient*innen der Gruppe verstehen sich schnell und unterstützen sich gegenseitig. Da bin ich doch etwas skeptisch. Aus meiner Sicht hätte es zumindest ungefähre Angaben geben müssen, wie lang er in der Tagesklinik war.
Neben seiner eigenen Geschichte werden auch die Erkrankungen einiger Mitapatienten angerissen, so dass man auch Einblick in andere Erkrankungen bekommt.
Im Buch beschreibt Eric, wie wichtig die Gespräche mit der Therapeutin und die Gruppe sind. In der Danksagung am Ende werden sie aber gar nicht erwähnt. Dort dankt er vor allem sich selbst, was ich etwas irritierend fand.