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Veröffentlicht am 23.09.2025

Es geht um Loyalität, Ehrlichkeit, Anständigkeit und Gerechtigkeit im heutigen China.

Schwanentage
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Das auffällige Fabelwesen auf dem Cover könnte der chinesische Phoenix als König der Vögel darstellen, in der Zusammensetzung von verschiedenen Vögeln. Will die Autorin Missstände ihres Landes beklagen ...

Das auffällige Fabelwesen auf dem Cover könnte der chinesische Phoenix als König der Vögel darstellen, in der Zusammensetzung von verschiedenen Vögeln. Will die Autorin Missstände ihres Landes beklagen und Spannungen innerhalb der immer noch stark hierarchisch gegliederten Gesellschaft sichtbar machen, so bedient sie sich auch der Symbolik der Gans und des Schwans. Von allen Vögeln besitzt die Wildgans in der chinesischen Tradition wahrscheinlich die meisten Tugenden. Sie gilt als wohlwollend, weil sie immer in Gruppen fliegt und die jungen und gesunden Vögel die Schwachen oder Alten nicht aufgeben; sie gilt als diszipliniert, weil ein Schwarm Wildgänse immer die Formation halten kann; sie gilt als vertrauenswürdig, weil sie regelmäßig und zuverlässig von Norden nach Süden zieht. Und vor allem gilt sie als treue Liebhaber, die nur einen Partner fürs Leben haben. Mit ebensolcher Loyalität, Integrität und Liebe ist die Hauptperson Yu Ling, Kindermädchen des wohlhabenden Ehepaars der chinesischen Elite in Peking, ausgestattet. Deren 7-jähriger Sohn Kuan Kuan vergöttert Yu, die aus ihrer Perspektive Einblick gibt in gesellschaftspolitische Dynamiken von Disziplinarverfahren auf höherer Ebene, aber auch auf niederer Arbeitnehmerebene. Der Junge sieht in der vom LKW gekauften Gans, verkörpert durch Yu, einen fliegenden Schwan, gilt dieser doch als Symbol für Schönheit, Freiheit, Wandel und Transformation. Er verkörpert aber auch Reinheit und eine sanfte, aber starke Energie, die zu innerem Wachstum und der Entdeckung verborgener Weisheiten führen kann. Und so wächst Yu Ling schließlich erzwungenermaßen in eine neue Rolle hinein, mit dem geheimnisvollen USB-Stick in ihrer geballten Faust, und gibt dem Leben einiger Menschen eine andere Richtung. In einem Kalkül zwischen dem Gefühl der Macht aufgrund des USB-Sticks und Groll gegen Ungerechtigkeit und Korruption, jedoch ohne Vertrauen ins politische System, endet der Roman und lässt viel Freiheit für Fantasie.

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Die Hölle in den brasilianischen Favelas – lebendig beschrieben

Supermarkt
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Das Cover des Debütromans Supermarkt - im Original Os Supridores - von José Falero ist in der deutschen Ausgabe wenig aussagekräftig in Bezug auf den Romaninhalt. In der Originalausgabe zeigen sich ...

Das Cover des Debütromans Supermarkt - im Original Os Supridores - von José Falero ist in der deutschen Ausgabe wenig aussagekräftig in Bezug auf den Romaninhalt. In der Originalausgabe zeigen sich Kanabis - Blätter neben Einkaufswagen eines Supermarktes, besser passend zur Handlung. Die Szenerie spielt in den Favelas der brasilianischen Stadt Porto Alegre voller Armut und Überlebens-Herausforderungen in den Jahren 2009 bis 2013. Die jungen Hauptfiguren Pedro und Marques, desillusionierte Supermarkt-Regalauffüller einer Lebensmittelkette, beginnen mit gut organisierten Diebstählen im Supermarkt und steigern sich bis zu einer gewalttätigen Gang, die sehr erfolgreich mit Drogen handelt. Besonders Pedro, beeinflusst durch die Lehren von Marx, sucht den gesellschaftlichen Mechanismus, legal oder illegal, zu durchbrechen, um mehr Geld zu machen. Ebenso authentisch werden die Nebenfiguren aus seiner Nachbarschaft dargestellt, teils Mitglieder dieser Gang. Der Sprachstil zeichnet sich durch die Vermischung von offizieller Sprache mit der lebendigen, ausdrucksstarken Sprache der dortigen Vororte aus. Die bildliche Sprache mit der Metapher der versalzenen Suppe als mentalen Rettungsring für Pedro gefällt. Die Steigerung der Gewaltspirale ist strukturell mit gradueller Steigerung dynamisch umgesetzt.

Ein Roman mit wichtiger Lebensweisheit!

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Veröffentlicht am 18.09.2025

Überzeugende fiktive Frauenfiguren - realistisch porträtiert.

Die Frau der Stunde
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Das Cover setzt „die Frau der Stunde“ nicht nur bildlich ideal perspektivisch „ins Zentrum“, auch durch die besondere Farbgebung in Rottönen punktet es. In drei Teilen spielt die Szenerie hauptsächlich ...

Das Cover setzt „die Frau der Stunde“ nicht nur bildlich ideal perspektivisch „ins Zentrum“, auch durch die besondere Farbgebung in Rottönen punktet es. In drei Teilen spielt die Szenerie hauptsächlich in Bonn im Langen Eugen und in Teheran in den Jahren 1978 und 1979. Catharina Cornelius, promovierte Politikwissenschaftlerin und stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses in der liberalen Partei, muss überraschend den Posten als Außenministerin und Vizekanzlerin übernehmen. Weitere starke, berufstätige Frauenfiguren wie die Internatsfreundinnen Suzanne de Vries, Korrespondentin für die belgische Tageszeitung in Bonn, und Azadeh Nouri, iranische Regisseurin, durchziehen den Roman als freundschaftlich überzeugende Clique mit sehr verschiedenen Charakterzügen. Das bissige, hinterhältige Ambiente rund um die Bonner Altherren-Mannschaft ist treffend in Szene gesetzt neben dem süffisant ummantelten Spiel der internationalen Journaille. Historisch wird viel Raum der Revolution in Persien eingeräumt mit Azadeh zum Protest aller iranischen Frauen aufrufend, in beruflichem und privatem Begleitschutz von Suzanne. Während Catharina gegen Verunglimpfungen im Bundestag und um den Parteivorsitz ankämpft, übersteht Suzanne ihre ehelichen Beziehungsprobleme. Interessante Nebenfiguren sorgen für zusätzliche Twists und Turns.
Der elegante Schreibstil sorgt reichlich für spannende Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

. Ein bewegender Roman über die Armen und Entrechteten Chinas

Glänzende Aussicht
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Die Szenerie spielt in Wuhan. Im Zentrum steht eine 11-köpfige Arbeiterfamilie in erbärmlichen Lebensumständen, was Wohnraum, Ernährung und die menschenunwürdigen Überlebensverhältnisse anbelangt. Als ...

Die Szenerie spielt in Wuhan. Im Zentrum steht eine 11-köpfige Arbeiterfamilie in erbärmlichen Lebensumständen, was Wohnraum, Ernährung und die menschenunwürdigen Überlebensverhältnisse anbelangt. Als Ich-Erzähler fungiert der früh verstorbene Bruder Acht, der alle Familienmitglieder schwerpunktmäßig behandelt, dabei die Familiengeschichte aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts in 14 Kapitel unterteilt. Politische Wirren wie die Kulturrevolution bringen zusätzliche Härten in Form von Landverschickung junger Menschen und Strafverfolgung der bürgerlichen Bevölkerung. Ein späteres Umdenken hinsichtlich Kapitalismus erleben Zwillingsbrüder als Kleingewerbetreibende unter von Gewalt angereicherten Arbeitsbedingungen. Diesem Ambiente entkommt der schwächste Bruder erfolgreich und steigt auf im kommunistischen Parteikader. Thematisiert werden neben Brutalität und Alkoholismus auch ständige Kämpfe mit Dock-Gangs, typische Mitgliedschaften in Bruderschaften, teils lebensgefährlicher Stehlerei von vorbeifahrenden Zügen, beschrieben in ungeschminkter Ehrlichkeit. Emotional zarte Szenen sind Mangelware. Da diese hier vorgestellte Welt des Proletariats nicht dem politisch propagierten „Sozialistischen Realismus“ entspricht, werden Werke dieser Autorin nach wie vor in China nicht publiziert.
Ein überzeugendes Aufräumen der Autorin mit dem „MÜLL“ der Kommunistischen Partei Chinas.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Eine tragische Entwicklungsgeschichte in spannendem, einfühlsamem Schreibstil.

Sag mir, was ich bin
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In vier Teilen auf zwei Erzählebenen entwickelt sich eine brillant konstruierte Kriminalgeschichte über eine toxische Familienkonstellation. Die Szenerien spielen in Philadelphia, Pennsylvania und auf ...

In vier Teilen auf zwei Erzählebenen entwickelt sich eine brillant konstruierte Kriminalgeschichte über eine toxische Familienkonstellation. Die Szenerien spielen in Philadelphia, Pennsylvania und auf einer Insel im Lake Champlain, Vermont.
Zunächst beginnt der Roman mit einem kurzen Telefonat im Mai 2018 zwischen Ruby Chevalier, 18, in Vermont und ihrer Tante Nessa Garvey in Philadelphia. Der kontrollmäßig auftretende, strenge Vater Lucas Chevalier sorgt durchgehend für ein ungemütliches, beklemmendes Ambiente. Zeitlich nicht chronologisch angeordnet entwickelt sich im Verlauf von zwanzig Jahren um das rätselhafte Verschwinden von Rubys Mutter Deena ein psychologisch straff verdichteter Krimi. Um seltsame Machenschaften und Manipulationen des Vaters und um Nessa´s unentwegte Bemühungen um Aufklärung dieses Vermisstenfalles geht es während dieses langen Zeitraumes. Beide Erzählebenen aus der Perspektive dieser zwei Frauen Ruby und Nessa, mit all ihren unkoordinierten Erinnerungen rund um die Familien, treffen sich im Jahr 2018. Thematisiert werden hauptsächlich männliche häusliche Gewalt und Manipulation bis zur ultimativen Überwachung und Bevormundung.

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