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Veröffentlicht am 22.11.2025

Hää? (Ja, ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal so einen wortgewandten aussagekräftigen Titel nutze)

Die Spur der Vertrauten
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In dieser Welt steht das Wir über allem. Die Gesellschaft ist auf die Gesamtheit fokussiert und der/die Einzelne ist nicht wichtig, nur als kleines Zahnrad für das große Wir. Die Menschen haben alle einen ...

In dieser Welt steht das Wir über allem. Die Gesellschaft ist auf die Gesamtheit fokussiert und der/die Einzelne ist nicht wichtig, nur als kleines Zahnrad für das große Wir. Die Menschen haben alle einen Instinkt, der sich in der Kindheit entwickelt. Claire ist eine Vertraute, schenkt also jedem ihr Ohr, und Goliath ein Schützer, muss also die Menschen in seiner Umgebung vor Gefahren retten. Ja, muss! Denn der Instinkt hat eine gewisse Reichweite und die Personen üben ihn auf Autopilot aus. Claire und Goliath befinden sich in ihrem letzten Schuljahr, als beiden auffällt, dass andere Schüler/innen verschwinden. Die beiden fangen zunächst einzeln an nachzuforschen und suchen später gemeinsam nach den verschwundenen Jugendlichen. Dabei sind sie ein ziemlich gegensätzliches Paar, denn Claire hat ein Geheimnis und Goliath setzt alles daran, in der Rangfolge dieser Welt aufzusteigen.

Die Idee dieser Dystopie ist wirklich faszinierend und außergewöhnlich. Anfangs muss man sich erst darin einleben, denn wir sind alle daran gewohnt, dass unser Leben genauso wichtig ist, wie jedes andere auch. Hier aber zählt nur das Wir, der/die Einzelne ist quasi nur eine kleine Ameise für den riesen Bau. Der Instinkt ist stark, sodass die Menschen wie unter Zwang agieren. Wenn Goliath als Schützer z. B. sieht, dass ein Haus brennt, muss er hineinlaufen um alle aus den Flammen befreien, auch wenn er dabei selbst umkommen könnte. Diese Welt ist manchmal wirklich erschreckend und sehr krass. Mir hat die Idee von Christelle Dabos sehr gut gefallen. Der Weltenaufbau ist auch teilweise komplex, sodass man oft konzentriert lesen muss, keine Geschichte für zwischendurch. Die Protagonisten sind aber sympathisch, anschaulich und nahbar dargestellt, sodass man ihnen gut folgen kann. Außerdem sind die Geschehnisse richtig spannend und faszinierend, sodass ich sie kaum aus der Hand legen konnte.

Kurz vor der Hälfte hat die Geschichte einen kleinen Cut, der einige Monate überspringt und sich auch von der Erzählung ganz anders anfühlt. Als würde das Buch aus zwei Teilen bestehen. Nachdem es etwas gemächlicher beginnt, wird es aber wieder total spannend. Wobei ich mir manchmal auch dachte, dass man daraus gut eine Dilogie mit mehr Erläuterungen und Zeit zum Einfinden hätte machen können. Zwischen Claires und Goliaths Kapiteln gibt es auch einige wenige, aus anderen Erzählperspektiven. Diese sind sehr spannend und man merkt danach bald, um welche Person es sich handelt. Es werden immer wieder spannende Charaktere eingeführt und einiges aufgedeckt.

Die Idee der Geschichte hat mich wirklich beeindruckt, sodass ich dem Buch schon 5 Sterne geben wollte… Die Welt ist komplex, aber ich hatte immer das Gefühl sie verstanden zu haben; bis die letzten Kapitel kamen. Zum Schluss gibt es einen spannenden Showdown und sogar ein Kapitel, das sich wie ein Prolog liest. Aber es gibt keine Erklärung für das Ende. Für das, was passiert ist. Dafür, warum und wie es passiert ist. Ich habe einiges verstanden, ja, aber ich habe noch so viele offene Fragen. Für mich hat das Buchende gar nichts beendet. Man kann doch keine so komplexe Welt erschaffen, die dann irgendwie sinnfrei endet. Ich bin total enttäuscht und ratlos von dem Schluss. Ich habe das Buch schon vor einigen Wochen beendet und frag mich immer noch, ob die Lesezeit es wert war.


Fazit:
„Die Spur der Vertrauten“ ist eine thematisch faszinierende und absolut spannende Dystopie. Die Welt ist zwar komplex, sodass man aufmerksam lesen muss, aber auch unfassbar spannend, mitreißend und erschreckend. Ich war wirklich begeistert von dem Buch, weil es etwas Besonderes ist, aber das Ende hat mich maßlos enttäuscht. Ich bin so ratlos und habe zu viele offene Fragen. Wie kann man nur so ein tolles Gedankenexperiment zu Papier bringen und es dann völlig sinnfrei enden lassen?

Veröffentlicht am 21.09.2025

Sehr komplex, verwirrend und düster

Katabasis
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Alice ist eine sehr ehrgeizige Doktorandin der Analytischen Magie in Cambridge und arbeitet unter dem besten Magier der Welt, Professor Grimes. Als dieser durch einen Fehler im magischen Pentagramm stirbt, ...

Alice ist eine sehr ehrgeizige Doktorandin der Analytischen Magie in Cambridge und arbeitet unter dem besten Magier der Welt, Professor Grimes. Als dieser durch einen Fehler im magischen Pentagramm stirbt, entschließt sich Alice ihm in die Hölle zu folgen und zurückzuholen. Dabei schließt sich plötzlich Peter an, das Genie in ihrem Jahrgang. Die beiden haben alte Werke von Philosophen studiert, die bereits in die Hölle gereist sind und dadurch versucht sich auf die sieben Höllenkreise mit deren jeweiligen Todsünde vorzubereiten. Doch haben sie alle Gefahren bedacht, einschließlich ihrer eigenen Gefühle?

Der Aufbau und das System der Hölle waren sehr verwirrend für mich. R. F. Kuang kann beeindruckende und stimmige Geschichten schreiben, das hat sie bisher hinreichend bewiesen. Aber hier ist mir die Geschichte leider zu komplex gewesen. Als Alice und Peter in der Hölle ankommen sehen sie zwar eine Knochenwand, aber auch direkt Gebäude, die aussehen wie ihre Uni, was mich zunächst enttäuscht hat. Alice‘ und Peters Ziel ist es ihren verehrten Professor zu finden, aber trotzdem kamen mir die beiden oft ziellos vor. Außerdem hat die Hölle für Lebende, wie die beiden es sind, andere Regeln als für die verstorbenen Seelen. Und das Vorankommen in den Höllenkreisen unterliegt auch bestimmten Regeln. Aber WIE sehen die Regeln aus? Ich hab das oftmals nicht verstanden, warum die beiden etwas taten, warum nicht und warum sie weiter zogen oder überhaupt wohin. Dabei hilft es auch nicht, dass alle alten Philosophen und Magier, die bereits in die Hölle gereist sind, andere Aufzeichnungen angefertigt haben und die beiden Protagonisten sich auch überhaupt erst einmal einen Überblick bzw. Lageplan über die Hölle machen mussten. Es ist okay, wenn vieles schwammig ist oder sich erst entwickelt, aber irgendwann kommt der Punkt, wo man das auch den Leser/innen verständlich nahe bringen muss. Die Erklärungen anhand von Philosophie und mathematischer Logik sind zwar faszinierend, aber oftmals auch nicht verständlich. Entweder hätte die kluge Autorin hier die unnötigen Erläuterungen weglassen sollen oder genauer und einfacher veranschaulichen.

Mit der Zeit wurden die abstrakten Erklärungen weniger und die Charaktere der Geschichte weiter herausgearbeitet. Wir treffen nämlich auf Alice und Peter als sie gerade in die Hölle hinabsteigen. Während sie sich dort ihren Weg bahnen, gibt es immer wieder Rückblicke in ihre Studienzeit. Die Autorin hat die Vergangenheitskapitel dabei wirklich geschickt beschrieben, sodass wir Alice, Peter und den Professor immer besser kennenlernen. Die Hölle selbst ist natürlich kein Spaziergang und wurde vor allem als grau und trist beschrieben. Die Schilderung von Alice‘ Studium selbst kann damit aber gekonnt mithalten. Es gibt viele ernste und düstere Themen, die dem Genre Dark Academia alle Ehre machen (Triggerwarnung). Ab diesem Zeitpunkt wurde ich viel mehr mitgerissen, als bei den vielen Mikroabenteuern in den Höllenkreisen. Die Geschichte wurde im letzten Drittel sehr, sehr fesselnd, wirklich schockierend, absolut schmerzvoll und gleichzeitig berührend zu lesen.

„Im Kern ging es bei Magie nicht um komplizierte Mathematik oder Logik oder Linguistik, sondern darum, dass man daran glaubte. Durch den Glauben entfaltete ein Zauber seine Wirkung. Es war gar keine Frage der Algorithmen, sondern der Selbsttäuschung.“ S.155f


Fazit:
Das Buch „Katabasis“ macht seinem Genre Dark Academia wirklich alle Ehre. Zunächst folgt man Alice und Peter auf ihrem oft nebulösen und komplexen Weg in der Hölle, was für mich verwirrend und bis heute teilweise unverständlich war. Später werden die Themen immer düsterer und wohl auch die akademische Ausbildung an Unis und deren Schwächen kritisiert (Buch spielt vor der Jahrhundertwende). Was anfangs philosophisch und abenteuerlich beginnt, wird immer mehr charakterorientiert, geheimnisvoll und fesselnd.

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  • Fantasy
Veröffentlicht am 09.09.2025

Eine besondere Geschichte, die mich leider nicht gänzlich überzeugen konnte

Das Knistern der Sterne
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Stella hat es momentan schwer im Leben, denn ihre Ehe ging in die Brüche, sie hat ihr Gespür für ihre Arbeit als Masseurin verloren und diesen Job nun ebenfalls. In dieser Situation findet der ältere Balthasar ...

Stella hat es momentan schwer im Leben, denn ihre Ehe ging in die Brüche, sie hat ihr Gespür für ihre Arbeit als Masseurin verloren und diesen Job nun ebenfalls. In dieser Situation findet der ältere Balthasar Stella und bittet sie, mit ihm die Reise auf einem Kreuzfahrtschiff anzutreten. Das Arrangement sieht folgendermaßen aus: Balthasar kommt für die Reise auf, lässt Stella freie Hand und möchte zum Abendessen ihre Gesellschaft und währenddessen hören, was sie den Tag über erlebt hat.

Beide Protagonisten waren mir anfangs sehr sympathisch und ich konnte ihre Situation mitfühlen. Auch wenn noch lange geheim bleibt, was in deren Leben vor sich geht, so konnte die Autorin die Gefühle von Stella und Balthasar nachvollziehbar beschreiben. Der Schreibstil ist definitiv etwas Besonderes. Clarie Hoffmann nutzt zwar viele Schachtelsätze, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran und kann die Geschichte durch die besondere Atmosphäre des Erzählstils genießen.

Leider wurden mir die beiden Protagonisten mit jeder Seite immer fremder. Balthasar kommt man bis zum Ende hinweg gar nicht mehr nah. Das liegt daran, dass die Geschichte aus Stellas Perspektive beschrieben wird und der Leser nur noch beim Abendessen auf Balthasar trifft. Hier hat die Autorin ein besonderes Mittel zum Erzählen verwendet, da man nur dem Dialog der beiden Protagonisten folgt. Es gibt keine Tätigkeiten der beiden, keine Mimik, keine Gestik. Einfach nichts, das mich durch die oft philosophischen Gespräche führt. Dadurch wurde es mühsam dem Gespräch zu folgen und ich hatte dadurch oft das Gefühl in der Kabine nebenan zu sitzen und zu lauschen. Dabei bin ich der Typ Leserin, der mitten in der Handlung sein und sie direkt miterleben möchte. Weil der Fokus ebenfalls auf das tägliche Abendessen gelegt wird, sind Stellas übrige Stunden auf dem Schiff mit der Zeit eher langweilig. Manche Kapitel sind nur kurz und sehr knapp beschrieben, deren entstandene Lücken erst beim Abendessen mit Balthasar gefüllt werden. Aber es wird auch wirklich alles, das mal angesprochen oder angedeutet wird und in dem Moment fehlt, später wieder aufgegriffen und abgeschlossen. Leider schwand auch meine anfängliche Sympathie und Anteilnahme gegenüber Stella, da sie meinem Empfinden nach auch gemein und manchmal rücksichtslos ist.

>>Es gibt auf Erden keine größere Macht als einen glücklichen Menschen. Und Luis war an diesem vollkommenen Tag das beste Beispiel dafür, dass dieser Satz der Wahrheit entsprach.<< S. 211

Die ganze Geschichte erscheint mir sehr entrückt. Ich mag besondere Geschichten, die etwas anders sind und das hat mir hier auch gut gefallen. Durch die Reise auf dem Meer ist ein Teil der Realität gefühlt weit weg. Auch wenn mir die beiden Protagonisten nicht immer sympathisch waren, sind Stella und Balthasar alles andere als 0815, vor allem Stella mit ihrer Gabe. Und insebesondere der Junge Luis hat mir sehr gut gefallen – mein Lieblingscharakter! Man spürt oftmals die Fantasie der Autorin, z. B. auch darin, dass der Buchtitel in einem unwirklichen Moment aufgegriffen wird.

Das Ende finde ich schön. Es rundet die ganze Geschichte ab, ist mir aber etwas zu rosarot, wird teilweise sogar tiefgründig und bringt einem auch die beiden Protagonisten wieder näher. Wie Stella mit ihren Schicksalsschlägen schlussendlich umgeht um einen Neuanafang starten zu können, hat mir gut gefallen. Auch als Balthasars Vergangenheit gelüftet wurde, hab ich mich wieder in ihn hinein fühlen können und hatte trotz allem Mitleid mit ihm. Ein Detail bezüglich Balthasars Ende der Kreuzfahrt hat mich sehr gestört, aber ich hab das Buch trotzdem zufrieden und mit einem guten Gefühl schließen können.


Fazit:
„Das Knistern der Sterne“ ist ein besonderes Buch, auch wenn es mich zwiegespalten zurücklässt. Die Geschichte wirkt entrückt, die Protagonisten sind nicht einfach nur gewöhnlich und der Schreibstil ist auch besonders. Leider hing der Mittelteil bezüglich der beiden Hauptfiguren und der Handlung etwas durch. Wenn man kein Problem mit einem kargen Dialog hat, vielleicht sogar gerne Drehbücher oder Theaterstücke liest, wird man definitiv mehr gefallen an der Geschichte finden als ich. Auch wenn ich einiges zu bemängeln habe und das Buch nur bedingt weiterempfehlen kann, muss ich nach einem zeitlichen Abstand nach Beenden des Buches nun sagen, dass ich die Geschichte doch recht gerne gelesen habe und es in meinen gelesenen Büchern nicht missen möchte.

Veröffentlicht am 03.08.2025

Tolle Idee, aber enttäuschendes Ende

Neuanfang in Notting Hill
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Jess, Anfang 30, wurde von ihrem Freund getäuscht und steht ohne Geld und Wohnung da, weshalb sie nun bei ihrer besten Freundin wohnt. Doch diese erwartet Nachwuchs und braucht das Zimmer. Also geht Jess ...

Jess, Anfang 30, wurde von ihrem Freund getäuscht und steht ohne Geld und Wohnung da, weshalb sie nun bei ihrer besten Freundin wohnt. Doch diese erwartet Nachwuchs und braucht das Zimmer. Also geht Jess einen ungewöhnlichen Weg und meldet sich bei Joans Zeitungsannonce. Die 80-Jährige sucht Gesellschaft und Jess bringt bald wieder Leben in das Zuhause. Außerdem hat sie die Idee, dass Joane online und sie dafür offline geht. Dieser Tausch und die zunehmende Freundschaft der zwei wird abwechselnd und anschaulich aus deren beiden Perspektiven erzählt.

Die Idee, die Internetzeit zu tauschen, macht wirklich den Roman aus. Jess hat anfangs Probleme, weil sie so viel über ihr Handy trackt und tut, aber durch ihr Offlineleben datet sie durch Briefe über die Zeitung. Auch Joans aufbewahrte Briefe und Kontaktanzeigen mit ihrer alten Liebe fließen in den Text mit ein, sodass die Geschichte entschleunigt und romantischer wird. Insbesondere ein Brief von Joseph hat mich tief berührt (in der vorderen Innenklappe oder Leseprobe zu finden), weshalb ich das Buch unbedingt lesen wollte. Die Autorin hat mich an einigen Stellen sehr berührt, sodass ich ein ums andere Mal auch Tränen in den Augen hatte.

Die Geschichte hat mir anfangs sehr gut gefallen, weil durch Jess' und Joans Probleme und den Briefwechseln eine Tiefe entsteht, während das Geschehen anschaulich geschildert wird und nichts sinnlos kunstruiert wurde. Dass ich im weiteren Verlauf ein Detail geahnt habe, hat meinem Lesevergnügen auch nicht geschadet. Aber dass das Ende so schnell und simpel gelöst ist, hat mich leider gestört. Joans Liebesgeschichte ging etwas unter und Jess' war plötzlich da.. .dass sie auch immer das gute Aussehen eines Charakters so betonen musste, nervt in der heutigen Zeit nur. Wann sind wir in diesem Buch so oberflächlich geworden? Umd warum ist die Auflösung mit Jess' Ex-Freund so abstrus und das Detail mit dem Kino so rosarot? Nach dem guten Anfang mit der tollen Idee des Off-/Online-Tauschs hat mich das Ende enttäuscht.


Fazit:
"Neuanfang in Notting Hill" beinhaltet eine WG über viele Generationen hinweg und die tolle Idee, on- bzw offline zu gehen. Die Briefe und Botschaften in Zeitungen haben die Geschichte wunderbar bereichert und Tiefe verliehen. Leider hat mich das Buch zunehmend enttäuscht, weil es zu simpel, kunstruiert und oberflächlich geendet hat.

Veröffentlicht am 09.05.2025

Hatte mehr erwartet, vor allem, dass mich mehr Emotionen erreichen

Warte auf mich am Meer
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Evelyn und Joseph unterbreiten ihren Kindern einen schockierenden Plan: In genau einem Jahr möchten sie sich gemeinsam das Leben nehmen, da Evelyn Parkinson hat und nicht von der Krankheit besiegt werden ...

Evelyn und Joseph unterbreiten ihren Kindern einen schockierenden Plan: In genau einem Jahr möchten sie sich gemeinsam das Leben nehmen, da Evelyn Parkinson hat und nicht von der Krankheit besiegt werden will. Joseph kann sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen, denn beide waren Nachbarskinder und haben sich als Jugendliche direkt verliebt: Die große und eine Liebe. Die Kapitel schildern abwechselnd das Heute und Damals. Wir Leser/innen können in die 60 Jahre Beziehung von Evelyn und Joseph eintauchen, die aus beiden Sichtweisen erzählt wird.

Ich liebe Liebesromane und ich liebe große Emotionen, weil mich Geschichten im Herzen berühren müssen. Diese Geschichte klingt genau danach, jedoch hatte ich hier irgendwie von Anfang an das Gefühl, dass mich Evelyns und Josephs Problem nicht emotional erreichen konnte, vielmehr die ungläubige Reaktion der drei Kinder, die ich aber auch erstmal kennenlernen musste. Deswegen habe ich das Buch sogar zwei Mal begonnen, weil es mich beim ersten Versuch überhaupt nicht mitreißen konnte. Ich glaube, ich hätte zuerst von der großen Liebe zwischen den beiden Protagonisten lesen und auch zunächst ihre drei Kinder und deren unterschiedlichen Charaktere kennenlernen wollen, bevor das alte Paar die große Bombe platzen ließ, sodass ich emotional schon mit allen Buchfiguren verbunden gewesen wäre.

Dass auch die vielen schweren und glücklichen Momente in den 60 Jahren von Evelyn und Joseph erzählt werden, finde ich richtig schön. Deren Liebesgeschichte ist romantisch und schmerzhaft und hat mich schon bald berührt. Die Geschichte ist insgesamt aber nicht unbedingt leicht zu lesen, weil es im Heute immer um die lebensverändernde Entscheidung des alten Pärchens geht und diese auch schon in jungen Jahren viel durchmachen mussten, was sich auf den Beginn ihrer Beziehung ausgewirkt hat. Es folgen Höhen und Tiefen mit ihrem Umfeld, ihren Kindern, ihrem Beruf und auch sich selbst. Dabei hat mich ein Detail während der Vergangenheitskapitel sehr genervt: Evelyn erscheint irgendwann unddankbar und frustriert. Die junge Frau hat viele Träume und schwere Situationen erleben müssen, während Joseph mit Evelyn an seiner Seite in ihrer Heimatstadt vollkommen zufrieden ist. Sie will so viel mehr vom Leben und ist unzufrieden, was sie Joseph auch spüren ließ, der sie ihrerseits stets auf Händen trug. Das fand ich stellenweise unfair und ich hatte Mitleid mit ihm, denn er hätte ihr aus Liebe bestimmt Vieles ermöglicht.


Fazit:
„Warte auf mich am Meer“ bietet eine interessante Idee und eine vielversprechende Liebesgeschichte. Doch leider konnte mich das Paar und dessen Familie von Anfang an nicht emotional mitnehmen. Die Kapitel über die jungen Jahre ihrer Beziehung sind romantisch und ereignisreich, weshalb mich diese berühren konnten. Der Konflikt im Jetzt hat sich jedoch irgendwann im Kreis gedreht und ich bin mit dem Ende auch nicht vollständig zufrieden.

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