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Veröffentlicht am 01.10.2025

Eiskalt, barbarisch, zerstörerisch

Narbenkünstler #Thriller
3

Der dritte Fall für Marc Davids und Zoé Martin ist „ein eiskalter Thriller über Schuld, Macht und die zerstörerische Last der Wahrheit.“

Genau wie die beiden Vorgängerbücher ist auch der dritte Davis-und-Martin-Thriller ...

Der dritte Fall für Marc Davids und Zoé Martin ist „ein eiskalter Thriller über Schuld, Macht und die zerstörerische Last der Wahrheit.“

Genau wie die beiden Vorgängerbücher ist auch der dritte Davis-und-Martin-Thriller nichts für Zartbesaitete. Der NARBENKÜNSTLER scheint kein Erbarmen zu kennen, er lässt seine Opfer langsam, ganz langsam, erfrieren. Dabei schaut er ihnen immer mal wieder in die Augen, er redet auch mit ihnen. Nur sind sie – sollten sie zwischendurch bei Bewusstsein sein – nicht in der Lage, mit ihm zu kommunizieren. So viel mal vorweg, denn es kommt noch schlimmer: „So musste die Hölle aussehen…“

NARBENWALD und NARBENSOMMER, Band eins und zwei, habe ich atemlos verschlungen, bei diesem dritten Buch war es ähnlich. Wenngleich ich zwischendurch entsetzt durchatmen musste, um diesen barbarischen Taten folgen zu können. Eine Spur führt auf einen Campus und diese führt weit zurück in längst verdrängte Zeiten. Ein Künstler, dessen Performance nicht alltäglich ist, der ganz besondere Materialien verwendet, gerät in den Focus, auch Zoé hat ihre Déjà-vu-Momente.

Das mehrperspektivische Erzählen macht die Story noch intensiver, die vielschichtigen Charaktere, angefangen von den beiden Kommissaren, sind gut dargeboten und die Verdächtigen, von denen es einige gibt, sind nicht zu durchschauen. Gelegentlich habe ich mich aufs Glatteis führen lassen, die Story ist bis zum verblüffenden Schluss verwirrend. So mag ich es, ich freu mich schon auf den nächsten Narben-Thriller.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Very british – ein wendungsreicher, undurchsichtiger Kriminalroman vom Feinsten

Der Tote im Kamin
1

In Admere House wollte er einen diebischen Dienstboten schnappen, dabei lässt er im Eifer des Gefechts die Stalltür auf und siehe da – zwanzig Pferde, Englands wertvollste Vollblüter, sind weg. Noch immer ...

In Admere House wollte er einen diebischen Dienstboten schnappen, dabei lässt er im Eifer des Gefechts die Stalltür auf und siehe da – zwanzig Pferde, Englands wertvollste Vollblüter, sind weg. Noch immer sind sieben davon verschwunden, es reicht! Inspector Frank Grasby wird zu seinem Vorgesetzten zitiert. Der ist außer sich, denn dies ist beileibe nicht sein einziges Missgeschick, Grasbys Versetzung ins beschauliche Elderby in den North York Moors ist beschlossene Sache. Kaum angekommen, wird ihm bewusst, dass sein Ruf ihm auch hierher vorausgeeilt ist.

Schon die ersten Seiten machen Laune, wenngleich diese Heiterkeit sich eher bei mir als Leser denn bei Grasby einstellt, denn sein Dienstwagen gibt kurz vor Elderby keinen Mucks mehr von sich. Es schneit ununterbrochen, aber was hilft es – das letzte Stück muss er wohl oder übel zu Fuß bewältigen. Kaum hat er sich Sergeant Bleakly in seiner neuen Dienststelle vorgestellt, fällt dieser wegen seiner Narkolepsie in einen tiefen Schlaf. Bald danach trifft er auf die junge, ausgesprochen hübsche Praktikantin Miss Daisy Dean, Deedee genannt. Es sind noch so einige Charaktere mehr, die so nach und nach seine Wege kreuzen. Jeder hat seine ganz eigene Persönlichkeit, allen vor Grasby, der immer ein wenig ungeschickt agiert, der aber trotz allem der liebenswerte, gesetzestreue Inspector bleibt. Er ist es, der von diesen Ereignissen direkt erzählt. Angereichert durch Polizeiberichte gibt er Einblicke in sein abenteuerliches Leben.

Grasby weilt auf Holly House. Wegen eines Einbruchsversuches wurde er hierher gerufen und nun sitzen sie im Salon, als seine Lordschaft wegen des dichten Qualms von einem Hustenanfall geplagt wird. Pflichtschuldigst untersucht Grasby den Kamin, sieht etwas darin stecken und rumms - landet ein lebloser Mann in den Überresten des Feuers. Dem ersten Toten werden andere folgen, Grasby hat zu tun.

Ich werde in den Dezember 1952 zurückversetzt, auch die Erzählweise ist diesen Jahren angepasst, es ist aber keineswegs altbacken, eher blitzt der feine britische Humor durch und nicht nur das, der Kriminalroman steckt voller Überraschungen und Wendungen und wenn man meint, nun den Durchblick zu haben, so wird man bald eines Besseren belehrt. Denzil Meyrick sorgt für spannende, kurzweilige Unterhaltung, er präsentiert die gar nicht so vornehme Art des versnobten Adels und man weiß nie, wem man vertrauten kann, das Blatt wendet sich des Öfteren.

„Eine Komödie zum Wohlfühlen“ hat die Times geurteilt. Ich schließe mich dieser Bewertung voll und ganz an, es ist ein Roman voll schwarzem Humor, der bis in Politikkreise führt. Ein rundum gelungener, sehr lesenswerter Kriminalroman, der bis zum rasanten Schluss fesselt.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Liebe und Freundschaft über Grenzen hinweg

Herrliche Zeiten - Dem Himmel so nah
1

Nicht immer waren es „Herrliche Zeiten“, von denen Peter Prange erzählt. Nachdem ich „Die Himmelsstürmer“, das erste Buch der Dilogie, vor nunmehr einem Jahr gelesen habe, ist auch der Nachfolgeband „Dem ...

Nicht immer waren es „Herrliche Zeiten“, von denen Peter Prange erzählt. Nachdem ich „Die Himmelsstürmer“, das erste Buch der Dilogie, vor nunmehr einem Jahr gelesen habe, ist auch der Nachfolgeband „Dem Himmel so nah“ zugeklappt, es waren wiederum sehr intensive Lesestunden. Prange zeigt ein Europa zwischen Glanz und Abgrund, zwischen Traum und Albtraum.

Von der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 bis nach dem Ersten Weltkrieg sind die herrlichen Zeiten angesiedelt, der zweite Band beginnt im Jahre 1900.

Während der erste Band den Focus auf Vichy, Paul und Auguste legt, die sich in Karlsbad begegnen und nie mehr aus den Augen verlieren, sind es nun auch ihre Kinder und noch einige mehr, deren Wege wir verfolgen.

Claire ehelicht den Unternehmersohn Friwi, der zunächst in China und bald danach in den deutsch-südwestafrikanischen Kolonien gegen die Ureinwohner kämpft. Ein blutiger Kampf gegen die Herero, alles um Deutschland als kommende Weltmacht zu etablieren. Nachdem die Ehe gescheitert ist, geht Claire zurück nach England, dort schließt sie sich den Suffragetten an, während es Kaspar, ihre einstige große Liebe, nach Russland verschlägt. In St. Petersburg gerät er immer tiefer hinein in die politischen Unruhen, die Revoluzzer werden zunehmend radikal, was ihm dann doch nicht mehr behagt.

Drei Handlungsstränge – in Berlin, London und Paris – sind ineinander verwoben. Über Ländergrenzen hinweg verstehen sie sich, sowohl menschlich als auch kulturell funktioniert das Zusammenleben, was auf der politischen Ebene allmählich verloren geht. Der wiedererstarkte Antisemitismus etwa ist es, der mit dem Nationalsozialismus einhergeht und auf den Ersten Weltkrieg zusteuert. Ein Szenario, das aufzeigt, wie unfähig die Menschheit ist, in Frieden zu leben.

Zuvor aber wird investiert, es ist die Zeit der großen Erfindungen, die Untertunnelung des Ärmelkanals ist wieder im Gespräch. Auch Paul, der inzwischen mit Vicky verheiratet ist, hat große Pläne, die Auguste Escoffier, der Koch aus Leidenschaft, seit jeher umtreiben. Er pendelt zwischen Frankreich und England, vergisst dabei auch seinen deutschen Freund Paul nicht, viele seiner Kreationen sind weltberühmt – man denke nur an Crêpe Suzette.

Eingebettet in den historischen Hintergrund sind es die Charaktere, die den herrlichen Zeiten Struktur geben und die Geschichte lebendig werden lassen. Durch die kurzen Kapitel, die wechselseitig von den Hauptakteuren und deren weit verzweigter Familie, von deren Wünsche und Träume und ihrem unbedingten Durchhaltewillen erzählen, zuweilen aber auch von ihrem verbissenen Kampf und ihren Irrwegen, verliert man nie den Überblick. Die Personen sind überwiegend fiktiv, dem gut gegliederten Personenverzeichnis am Ende des Buches kann man die historischen Persönlichkeiten entnehmen, zu denen auch Auguste, der König der Köche oder auch der Koch der Könige gehört.

„Herrliche Zeiten – Dem Himmel so nah“ ist eine Geschichte von Liebe und Freundschaft in einem von Fortschritt geprägten Europa fern jeglicher Grenzen – auch wenn dieser schöne Traum nicht von Bestand ist. „Auf die herrlichen Zeiten, in denen wir leben“ und die wir uns hoffentlich nicht selbst zerstören.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Spannend, launig und ein wenig schlitzohrig

Bodenfrost
1

Das fängt ja gut an! Polizeihauptmeister Leonhardt Kreuthner wird sozusagen zwangsverpflichtet, den Kindernachmittag zu gestalten und zu leiten. Leo wäre nicht er, hätte er sich nicht ganz besondere Attraktionen ...

Das fängt ja gut an! Polizeihauptmeister Leonhardt Kreuthner wird sozusagen zwangsverpflichtet, den Kindernachmittag zu gestalten und zu leiten. Leo wäre nicht er, hätte er sich nicht ganz besondere Attraktionen ausgedacht wie etwa die, den Kindern die Funktion der Floriansschaukel anschaulich zu demonstrieren. Seine Warnung, dies nicht nachzumachen, folgt schon auch. Eh klar.

Neugierig, wie Kinder nun mal sind, hat sich die kleine Martha, die Tochter des Polizeipräsidenten, klammheimlich ins angrenzende, leer stehende Bauernhaus geschlichen. Dass da einer auf dem Boden liegt, gehört nicht zu den vorbereiteten Szenen, denn der ist wirklich tot. So endet der Kindernachmittag in einem Mordfall, denn es ist nicht davon auszugehen, dass der Brauereibesitzer Vitus Zander, der da mit verrenkten Gliedmaßen in der Stube liegt, eines natürlichen Todes gestorben ist. Zumal ein auf seine Haut skizziertes Mal an einen Serienkiller, der vor Jahren sein Unwesen getrieben hat, erinnert. Geht der Harpunier wieder um?

„Bodenfrost“ ist der mittlerweile zwölfte Fall, dem Kreuthner und sein Kollege Clemens Wallner von der Miesbacher Polizei nachgehen müssen. Der Autor gewährt uns Lesern Einblicke in Vitus Ehe, wir lernen seine Angetraute Isabell näher kennen und auch ihre Freundin Emmy, die Vitus ein gewaltiger Dorn im Auge ist. Wir springen zurück, 31 Tage vor dem Leichenfund.

Für Kreuthner und Wallner gibt es jede Menge zu tun, beide sind sie in sich gefestigte, unverwechselbare Typen, wobei Kreuthner mit seinen schon sehr eigenwilligen (Ermittlungs)Methoden zuweilen den sprichwörtlichen Vogel abschießt. Pippa, seine Angebetete, ist allein schon von ihrem Wesen her die genau Richtige für ihn. Es kann durchaus vorkommen, dass sie gemeinsam haarscharf am Legalen vorbeischrammen. Und auch wenn Wallner (eigentlich) das genaue Gegenteil von Kreuthner ist, so halten seine Nerven nicht unbedingt einen überkorrekten Kollegen aus, der die Münchner Umweltzone verteidigt, ohne Rücksicht auf seinen Polizeieinsatz. Da kann auch Wallner ganz schön grantig werden und aufs Gas drücken.

„Bodenfrost“ kommt mit viel Lokalkolorit daher mit sympathischen Figuren und zwielichtigen Gestalten mit viel krimineller Energie, um deren Charakter mal nett zu umschreiben. Eigenwillig sind sie allesamt, auch knorrig und kauzig, wie es im Leben eben so ist. Ja, auch schlitzohrig, dabei fällt mir Wallners Opa Manfred ein, der hier natürlich nicht fehlen darf. Die vielschichtige Story entwickelt sich, die Ermittlung führt sie auch fernab der bayerischen Grenzen hinauf in den Norden, es bleibt spannend bis zum Schluss.

Andras Föhr weiß, seine Leser zu fesseln. Seine Regio-Krimis sind Kult, man kann mittendrin einsteigen, man muss sie nicht alle gelesen haben. Was mich besonders freut, denn ich mag zwar Reihen an sich, aber die einzelnen Bände sollen in sich abgeschlossen sein. Der spannende „Bodenfrost“ ist ein wiederum rundum gelungener Krimi mit viel Lokalkolorit und launigen Dialogen, der mit Charme und witzig-spritzigen Szenen zu punkten weiß.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Einfühlsam erzählt

Ciao bis zu den schönen Tagen
1

„Im Sommer, als er zehn war, wurde Luca Nardulli vom Blitz getroffen.“ Betta war es, von der er seinen Blick nicht abwenden konnte, die ihn sofort fasziniert hatte und genau in diesem Moment begriff er, ...

„Im Sommer, als er zehn war, wurde Luca Nardulli vom Blitz getroffen.“ Betta war es, von der er seinen Blick nicht abwenden konnte, die ihn sofort fasziniert hatte und genau in diesem Moment begriff er, dass er sie liebte. Die Sommer verbringt die um einige Jahre ältere Betta im Ferienhaus ihrer Eltern in Torre Domizia, einem kleinen Ferienort an der italienischen Küste und diesen Sommer, Luca ist nun zwölf, sollte er sie zum letzten Mal sehen. Denn eines Nachts geschieht ein Unglück, die sechzehnjährige Betta wird tot aufgefunden.

In ihrem Debütroman „Endlich das ganze Leben“ erzählt Roberta Recchia von dieser schicksalhaften Nacht, vom Davor und dem Danach. Von den Ansaldos, Bettas bis dahin glücklicher Familie und von den Nardullis, denn Lucas älterer Bruder Maurizio wird zwei Jahre danach mit zwei anderen Jugendlichen für die Tat zur Verantwortung gezogen.

Und hier knüpft „Ciao bis zu den schönen Tagen“ an das damalige Drama an. Man muss das hier erwähnte Vorgängerbuch nicht gelesen haben, Roberta Recchia erzählt in ihrem zweiten Roman von Luca, von seiner Mutter und von seinem Vater und davon, wie sie an Maurizos Schuld zerbrechen.

Um Luca vor den Schuldzuweisungen, die seine ganze Familie betreffen, zu schützen, setzt seine Mutter ihn in den nächsten Zug nach Bergamo zu seinem Onkel Umberto und seiner Familie. Zunächst wird er herzlich aufgenommen, aber später dann, als Umbertos Töchter heranwachsen, duldet seine Frau Mara Luca nicht mehr in der Nähe ihrer Kinder. So setzt sich das Drama fort, das ihn immer wieder einholt. Es sind Jahre der Verzweiflung, es geht um Schuld und um Schuldgefühle. Die Jahre vergehen, Luca meint, endlich angekommen zu sein, als ihn wieder ein Schicksalsschlag aus der Bahn zu werfen droht. Gibt es ein Verzeihen? Kann man irgendwann vergeben?

Dieser Roman hat mich tief berührt. Die Autorin weiß jede einzelne Figur in feinen Nuancen zu beschreiben, sie zum Leben zu erwecken. Hier ist sie über Betta Ansaldos Drama hinausgegangen, um von Luca zu erzählen. Er ist ihr nicht mehr aus dem Sinn gegangen, sie musste einfach diese Geschichte aus Lucas Sicht wiedergeben, um ihn, den Zwölfjährigen, hin zum Erwachsenwerden und darüber hinaus zu begleiten. Und es ist eine so eindringlich erzählte, eine so aufwühlende Geschichte, die nicht nur ihn betrifft, denn die ganze Familie wird mit hineingezogen.

„Ciao bis zu den schönen Tagen“ ist ein ergreifender, ein behutsam erzählter Roman, der trotz allen Widrigkeiten aufzeigt, wie wichtig der Zusammenhalt in der Familie ist und man doch zueinander finden kann. Sehr lesenswert, absolut empfehlenswert.

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