Nach wahrer Begebenheit
Ein Kranich unter WölfenEin neuer, packender Roman aus der Feder von June Hur: Ein Kranich unter Wölfen wird als „historische Fantasy“ eingeordnet und fesselt bis zur letzten Seite.
Der Roman beginnt mit einer Liste an Triggern, ...
Ein neuer, packender Roman aus der Feder von June Hur: Ein Kranich unter Wölfen wird als „historische Fantasy“ eingeordnet und fesselt bis zur letzten Seite.
Der Roman beginnt mit einer Liste an Triggern, die einige harte Themen aufzählt. Beim Lesen empfand ich vieles davon jedoch als weniger drastisch dargestellt als erwartet. Lediglich Tiergewalt wird in einer Szene sehr deutlich inszeniert.
Die Geschichte setzt direkt im Geschehen ein. Die Protagonistin leidet, wie viele andere, unter dem herrschenden Regime. Aus diesem Leid heraus beschließt sie, in die Stadt zu gehen, um nach ihrer Schwester zu suchen. Was genau geschehen ist, bleibt zunächst unausgesprochen und hängt wie ein kleines, ungelöstes Geheimnis über der Handlung.
Wie schon in ihrem vorherigen Werk gleicht dieser Roman eher einem Krimi als einem klassischen Fantasybuch. Zwar ist die Geschichte historisch angelegt und orientiert sich, soweit möglich, an realen Begebenheiten, doch echte Fantasyelemente sucht man vergeblich. Der Titel Ein Kranich unter Wölfen ist vielmehr eine Symbolik. Der historische Aspekt wird am Ende näher beleuchtet.
Am Ort, an den die Protagonistin Iseul gelangt, erschüttern mehrere Mordfälle die Bevölkerung. Gemeinsam mit einem Ermittler beginnt sie, diese aufzuklären. Ein erzählerisches Element, das June Hur bereits in Der rote Palast genutzt hat.
Typisch für viele asiatische Romane ist die sehr subtile Liebesgeschichte. Wo im europäischen Raum oft explizite Romantik dominiert, entwickelt sich hier eine zarte, kaum benannte Nähe. Gerade diese Zurückhaltung macht für mich einen Teil der besonderen Atmosphäre aus.
Die Handlung entfaltet sich langsam und bietet dabei vielfältige Perspektiven: Iseuls Blick als Beteiligte an den Ermittlungen, die Sicht des unterdrückten Volkes und Passagen, in denen der Herrscher selbst auftritt und das Grauen greifbar macht. Persönlich mochte ich die Protagonistin nicht immer – ihre Sturheit und eine gewisse Verwöhntheit sind spürbar –, doch genau das passt zu ihrem Hintergrund.
Ein Kranich unter Wölfen ist insgesamt ein besonderes und eindrückliches Leseerlebnis.