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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2025

Im Strudel der Zeit – Entscheidungen, die alles verändern

Sturmtage
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Ich habe das Buch fast in einem Rutsch gelesen, weil mich die Geschichte um Johanna und ihren Bruder Karl-Georg sofort gepackt hat. Der politische Druck in Berlin und schließlich ihre Flucht nach Norwegen ...

Ich habe das Buch fast in einem Rutsch gelesen, weil mich die Geschichte um Johanna und ihren Bruder Karl-Georg sofort gepackt hat. Der politische Druck in Berlin und schließlich ihre Flucht nach Norwegen zeigen eindrucksvoll, wie sehr Mut und Angst in dieser Zeit dicht beieinanderlagen. Ich merkte, dass die Autorin sich von einem wahren Schicksal inspirieren ließ, und gerade das verleiht der Handlung Glaubwürdigkeit und Tiefe.
Besonders gelungen fand ich die Darstellung der historischen Ereignisse. Sie wirken authentisch, sind geschickt mit dem persönlichen Schicksal der Figuren verwoben und lassen die damalige Atmosphäre lebendig werden. Dadurch hatte ich stets das Gefühl, mitten in dieser bewegten Zeit zu stehen, ohne dass es sich nach einem trockenen Geschichtsbuch anfühlte.
Etwas gefehlt hat mir allerdings die zwischenmenschliche Nähe. Zwar konnte ich den Weg der Protagonisten nachvollziehen und auch Johannas innere Zerrissenheit verstehen, doch an Emotionen und feinen Zwischentönen hätte ich mir mehr gewünscht. Gerade bei ihrer Beziehung zu Sven blieb für mich eine gewisse Distanz, die mich daran hinderte, noch tiefer mitzufühlen.
Trotzdem hat mich das Buch gefesselt und bewegt zurückgelassen. Es zeigt, wie schwer es sein musste, unter solchen Bedingungen Entscheidungen zu treffen und ein neues Leben in einem fremden Land zu wagen. Dieser Gedanke ist bei mir geblieben, auch nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte.
Für mich ist es eine historisch eindrucksvolle Geschichte mit viel Authentizität, die ich mit vier Sternen bewerte – spannend, bewegend, aber in den Gefühlen etwas zurückhaltend.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Der Traum von Olympia

Aufgeben können die anderen
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Die Geschichte von Alice Milliat hat mich sehr berührt. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit, für den Frauensport zu kämpfen, verdienen großen Respekt.
Schon zu Beginn spürt man, wie gut Lena Johannson die ...

Die Geschichte von Alice Milliat hat mich sehr berührt. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit, für den Frauensport zu kämpfen, verdienen großen Respekt.
Schon zu Beginn spürt man, wie gut Lena Johannson die Atmosphäre im Paris des Jahres 1918 einfängt. Alice liebt das Schwimmen, aber ihr Kampf geht weit über das Wasser hinaus. Sie muss gegen Vorurteile und die Einschränkungen der Gesellschaft ankämpfen. Besonders beeindruckt hat mich ihr großes Ziel: die olympische Distanz von 100 Metern gleich hundert Mal am Stück zu schwimmen. Unglaublich, wie ehrgeizig und willensstark sie war! Gleichzeitig merkt man, wie wenig Frauen damals zugestanden wurde – 1912 durften sie zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen antreten, jedoch nur auf einer kurzen Strecke von 100 Metern.
Mir hat gefallen, dass man nicht nur Alice kennenlernt, sondern auch die Menschen um sie herum. Es geht um den Frauensportverband, die Unterstützung von anderen Frauen und ihren Traum, dass alle Disziplinen für Frauen geöffnet werden. Die historischen Bezüge wirken stimmig und fügen sich natürlich in die Handlung ein.
An einigen Stellen hätte ich mir etwas mehr Dynamik gewünscht, aber insgesamt hat mich das Buch überzeugt. Es erzählt eine wichtige Geschichte, die zeigt, wie viel Kraft und Leidenschaft nötig waren, um etwas zu verändern.
Am Ende habe ich das Buch mit großem Respekt für Alice Milliat aus der Hand gelegt. Vier Sterne von mir – für ein eindrucksvolles Thema, eine glaubwürdige Hauptfigur und für eine Geschichte, die nachwirkt.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Ein Blick in eine raue Wirklichkeit

Das hier ist nicht Miami
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Fernanda Melchors Geschichten haben mich immer wieder mitten hinein in eine fremde, doch seltsam vertraute Welt gezogen. Die Erzählungen sind hart, ehrlich und schonungslos – manche Szenen haben mir richtig ...

Fernanda Melchors Geschichten haben mich immer wieder mitten hinein in eine fremde, doch seltsam vertraute Welt gezogen. Die Erzählungen sind hart, ehrlich und schonungslos – manche Szenen haben mir richtig wehgetan, und trotzdem konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen.
Besonders beeindruckt hat mich die Mischung aus wahren Begebenheiten, Gerüchten und Erinnerungen. Es wirkt, als könnte vieles genau so geschehen sein. Gewalt und Angst sind allgegenwärtig, aber auch der ganz normale Alltag zwischen Hoffnung und Enttäuschung zieht sich wie ein roter Faden durch die Seiten. Gerade diese Mischung macht das Buch so intensiv.
Die Autorin verzichtet auf billige Schockeffekte. Stattdessen zeigt sie, wie Armut, Vorurteile und die Macht der Drogenbosse das Leben prägen. Das macht die Geschichten glaubwürdig, nah und manchmal erschütternd.
Nicht jedes Kapitel hat mich gleichermaßen gepackt, manches blieb auf Distanz. Trotzdem hinterlässt das Buch einen bleibenden Eindruck bei mir. Es hat mich betroffen zurückgelassen und in etlichen Momenten sprachlos gemacht. Für mich sind vier Sterne genau richtig.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Zwischen Tradition und Eigenständigkeit

Prinzessin Alice
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Die Lebensgeschichte der Prinzessin Alice hat mich sofort gefesselt. Schon mit einer angeborenen Gehörlosigkeit konfrontiert, kämpfte sie sich durch zahlreiche Hindernisse. Um die Welt um sie herum zu ...

Die Lebensgeschichte der Prinzessin Alice hat mich sofort gefesselt. Schon mit einer angeborenen Gehörlosigkeit konfrontiert, kämpfte sie sich durch zahlreiche Hindernisse. Um die Welt um sie herum zu verstehen, lernte sie mehrere Sprachen, las von den Lippen und zeigte damit eine bemerkenswerte Intelligenz und Willensstärke.
Alice war eine Frau voller Widersprüche: tief religiös und gleichzeitig voller Lebenslust, die ihre Familie oft nicht nachvollziehen konnte. Ihr starker Charakter und ihre Energie brachten sie zeitweise in große Gefahr – so landete sie sogar in einer Psychiatrie, aus der sie unter dramatischen Umständen entkam. Später lebte sie in Griechenland, wo sie eine Suppenküche für Bedürftige leitete. Doch auch hier stellten politische Umwälzungen sie vor neue Herausforderungen.
Die Autorin schafft es, Alice als komplexe Persönlichkeit greifbar zu machen. Man spürt, wie eng historische Ereignisse und persönliche Entscheidungen miteinander verwoben sind. Die Mischung aus detaillierten historischen Hintergründen, persönlichen Schwierigkeiten und der klaren Darstellung ihrer Figur macht das Buch besonders spannend.
Am Ende bleibt das Bild einer außergewöhnlichen Frau: mutig, energisch und widersprüchlich. Ihre Geschichte hat mich tief beeindruckt und gezeigt, wie stark ein Mensch selbst unter schwierigsten Bedingungen sein kann. Für mich eine klare Leseempfehlung. 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Unter Piratenfahne – ein Roman zwischen Freiheit und Verrat

Im Bann der Freibeuter
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Johann Christian Lotter hat mit "Im Bann der Freibeuter" einen historischen Abenteuerroman geschaffen, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Der Einstieg wirkt noch ruhig, fast nachdenklich, doch ...

Johann Christian Lotter hat mit "Im Bann der Freibeuter" einen historischen Abenteuerroman geschaffen, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Der Einstieg wirkt noch ruhig, fast nachdenklich, doch dann nahm die Geschichte Fahrt auf, und ich fühlte mich mitten drin in einer Welt voller Gefahren, Entscheidungen und unerwarteter Wendungen.
Besonders eindrücklich fand ich die Erzählweise: Richard Kreutzner schildert seine Erinnerungen im Rückblick, was dem Ganzen eine besondere Schwere verleiht. Man spürt von Anfang an, dass es nicht nur um Abenteuer auf See geht, sondern auch um Schuld, um Loyalität und darum, was man für seine Ziele opfert. Dass Figuren wie William Kidd tatsächlich existiert haben, machte die Handlung für mich noch greifbarer und gab ihr eine glaubwürdige Basis. Dieser Roman beruht auf tatsächlichen Ereignissen am Ende des 17. Jahrhunderts. Die Hauptfiguren sind zwar fiktiv, aber viele Nebenfiguren gab es wirklich – das verleiht dem Ganzen zusätzliches Gewicht.
Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst an Deck zu stehen: das Knarren der Planken, das Ringen um Macht und das ständige Risiko, das dieses Leben mit sich bringt. Gleichzeitig bleibt der Blick auf Richard als Menschen spürbar – seine Sehnsucht nach Anerkennung, sein inneres Schwanken und seine Liebe, die wie ein roter Faden immer wieder aufscheint. Manchmal musste ich schmunzeln über seine kleinen Eigenheiten, und an anderen Stellen war ich richtig angespannt.
Der Schreibstil ist lebendig, was das Lesen zu einem Vergnügen macht. Manche Passagen waren mir etwas detailreich, da habe ich kurz den Lesefluss verloren, aber das hat dem Gesamterlebnis keinen Abbruch getan. Insgesamt habe ich den Roman mit Spannung und Freude gelesen. Er bietet Atmosphäre, Historienflair und Abenteuer, ohne ins Märchenhafte abzudriften.
Für mich sind es starke vier Sterne. Ein packender Roman mit viel Atmosphäre, einem lebendigen Erzählstil und einem Protagonisten, der mich bis zur letzten Seite beschäftigt hat.

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