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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2025

Hätte ich genauer hinschauen sollen?

Da, wo ich dich sehen kann
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Maja ist neun Jahre alt, als sie ihre Mutter auf tragische Weise verdient, diese wird von ihrem Vater getötet. Plötzlich ändert sich im Leben von Maja alles, Schulwechsel, neuer Wohnort, Mutter tot, Vater ...

Maja ist neun Jahre alt, als sie ihre Mutter auf tragische Weise verdient, diese wird von ihrem Vater getötet. Plötzlich ändert sich im Leben von Maja alles, Schulwechsel, neuer Wohnort, Mutter tot, Vater im Gefängnis und der Sorgerechtsstreit ihrer beiden Großelternpaare, bei wem sie wohnen soll. Nicht nur für Maja ändert sich alles, sondern für alle, die Emma geliebt haben und denen sie nun schmerzlich fehlt. Und alle plagen Schuldgefühle: „Hätte ich etwas bemerken müssen? Hätte ich eingreifen sollen? Warum hat Emma uns nicht vertraut und von ihrer schlimmen Lage erzählt?“ Häufig ist es so, dass das Umfeld wegschaut, sich nicht einmischen möchte oder dass betroffene Frauen noch nicht den Mut haben, von sich aus ihr Leben zu verändern oder es auch durch den Auszug oder eine Trennung nicht besser wird, sondern komplett eskaliert. Diese traurigen Varianten haben auch Platz gefunden.
Das Thema Femizid wird von verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und es dürfen alle Personen, denen Emma und Maja wichtig sind, zu Wort kommen, mit ihren Gedanken, Ängsten und Sorgen, sowie ihr Umgang mit der Trauer und dem Verlust. Durch diese mehrperspektivische Erzählweise sind die Eindrücke sehr umfangreich und wirken authentisch. Mir hat auch der Zugang von Liz mittels der Sternenkunde und Reisen in ein Paralleluniversum gut gefallen, da sie Maja ein klein wenig Hoffnung geben. Die Dialoge auf den geschwärzten Seiten, wie die Situation verlaufen hätte können, wenn im Gespräch intensiver nachgefragt und Situationen verändert worden wären, haben mir als Gedankenanreiz gut gefallen. Es hinterlässt bei mir auch die Aufforderung, wenn einem etwas komisch vorkommt, bei der Nachbarin, bei Freundinnen oder Kolleginnen, lieber einmal öfter das Gespräch suchen und nachfragen, nicht nur oberflächlich, sondern vertrauensvoll und ehrlich.
Die Grundstimmung im Buch ist durchwegs gedrückt, traurig, zerstörerisch, depressiv, stark emotional und erst am Ende zeigt sich ein kleiner Lichtblick der Hoffnung.

Veröffentlicht am 21.10.2025

persönlicher, ehrlicher Fall

Zorn – Der Fall Schröder
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Nachdem ich alle vorangegangenen Teile gelesen habe, wurde der 14. Fall von mir schon sehnsüchtig erwartet, vor allem nach den Vorerwartungen, die aufgrund des Klappentextes geweckt werden. Im Fokus steht ...

Nachdem ich alle vorangegangenen Teile gelesen habe, wurde der 14. Fall von mir schon sehnsüchtig erwartet, vor allem nach den Vorerwartungen, die aufgrund des Klappentextes geweckt werden. Im Fokus steht diesmal Schröder, der sich von einer ganz anderen Seite zeigt: verletzlich, ernst, deprimiert, er kämpft mit den Dämonen aus seiner Kindheit. Generell hat der aktuelle Teil einen durchwegs melancholischen und ernsten Grundton, obwohl Zorn mit seiner gewohnten Art versucht, Lockerheit und Witz reinzubringen. Auch Edgar trägt dazu bei, er ist momentan im mürrischen Teenageralter. Mir hat diese schonungslos ehrliche Seite sehr gut gefallen, die Charaktere sind für mich noch intensiver und vielschichtiger geworden, als dies ohnehin schon der Fall ist. Die Gespräche und Gedanken über die Vergangenheit von Schröder tragen ebenfalls dazu bei. Etwas gefehlt hat mir diesmal Frieda, die nach ihren schlimmen Verletzungen noch immer im Krankenhaus ist und somit nur von dort aus mit ihrer Expertise unterstützen kann. Aber auch ihr geht es körperlich noch nicht so gut und dies wirkt sich auf ihre Stimmung aus, sodass sie gedämpft wirkt und in diesem Teil etwas zu kurz kommt.
Ich finde das Buch nicht geeignet für Leser*innen, die direkt mit dem 14. Teil einsteigen wollen, da ihnen die Beziehungsgeflechte und die charakterlichen Veränderungen aus der Vergangenheit sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung der Beziehungen fehlt und somit der aktuelle Fall nicht richtig eingeordnet werden kann, daher unbedingt zumindest ein paar der vorigen Teile vorab lesen.

Veröffentlicht am 08.10.2025

Machtmissbrauch

Gottlos
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Der fünfte Teil der Serie liest sich besonders düster und macht auf die Problematiken von Machtmissbrauch und den Einfluss von religiösem Fanatismus aufmerksam. Im Vergleich zu den vorigen Teilen finde ...

Der fünfte Teil der Serie liest sich besonders düster und macht auf die Problematiken von Machtmissbrauch und den Einfluss von religiösem Fanatismus aufmerksam. Im Vergleich zu den vorigen Teilen finde ich die ausgewählte Thematik diesmal noch intensiver und ernster, sodass auch ein sehr hoher psychologischer Spannungsbogen aufgebaut wird und dieser auch im Verlauf der Handlungsstränge gut aufrechterhalten werden kann. Man kann als Leser*in die Beeinflussung durch die religiöse Gemeinschaft und den Missbrauch, der in diesem Fall damit einhergeht, spüren. Gerade für junge Mädchen ist es schwierig, sich diesem Machtmissbrauch zu widersetzen und aus der Dynamik auszubrechen. Auch für Sara und Lena ist es nicht einfach, da sie neben dem komplexen Ermittlungsfall auch mit ihren persönlichen Problemen kämpfen. Ich freue mich schon auf den folgenden Teil.

Veröffentlicht am 08.10.2025

verletzend ehrlich

Hot Mess
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Der Roman beginnt mit drei unterschiedlichen Lebensgeschichten: Lexi, Claire und Joanne, drei Frauen an einem schwierigen Punkt in ihrem Leben und mit schwierigen Verhältnissen zu ihren jeweiligen Freundinnen-Gruppen. ...

Der Roman beginnt mit drei unterschiedlichen Lebensgeschichten: Lexi, Claire und Joanne, drei Frauen an einem schwierigen Punkt in ihrem Leben und mit schwierigen Verhältnissen zu ihren jeweiligen Freundinnen-Gruppen. Ich hatte mir aufgrund des Schreibstils und der Themen einen lockeren, leichten Roman erwartet, aber mit der Zeit wurde er zunehmend ernster und tiefgreifender und die Themen, die behandelt wurden, wurden intensiv und bedeutsam. Ich kann hier an dieser Stelle gar nicht alle auflisten, von toxischen Beziehungen, misslungener Kommunikation, Paarproblemen bis hin zu psychischen Erkrankungen und der Umgang damit, kommt eine breite Palette an relevanten Problemen vor. Mir hat der Umgang damit in diesem Roman gefallen, trotz der Ernsthaftigkeit war auch Platz für lustige Aussagen zwischendurch und immer mit dem Gefühl, dass die Probleme ernst genommen werden und man sich als Leser*in gut aufgehoben fühlt. Am Ende des Buches hatte ich fast das Gefühl, eine liebgewonnene Freundes-Gruppe zu hinterlassen, so gut konnte ich mich in die jeweiligen Situationen hineinversetzen. Sehr gut gefällt mir auch der Brief am Ende des Buches, indem die Autorin über sich selbst erzählt, ehrlich und verletzlich und für Betroffene sehr aufbauend und positiv.

Veröffentlicht am 02.10.2025

Schuld verjährt nicht

Aschezeichen
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Der zweite Teil der Reihe mit Liv, diesmal als freiberufliche Ermittlerin, die die Polizei unterstützt und die wichtigen Hintergrundarbeiten liefert, ist genauso spannend wie der erste Teil. Neben Liv ...

Der zweite Teil der Reihe mit Liv, diesmal als freiberufliche Ermittlerin, die die Polizei unterstützt und die wichtigen Hintergrundarbeiten liefert, ist genauso spannend wie der erste Teil. Neben Liv finde ich auch Hannah sehr sympathisch und momentan sowohl beruflich als auch privat hin- und hergerissen, wie sie sich weiterentwickeln und wofür oder wogegen entscheiden soll, und gerade dadurch sehr authentisch.
Der aktuelle Fall bewegt einerseits durch die aktuellen grausamen Taten, wobei ich am Ende gar nicht glauben wollte, wer als Täter*in in Frage kommt, aber mehr möchte ich hier nicht verraten. Auch der Bezug in vergangene Geheimnisse und brutale Aktionen ist erschreckend, vor allem auch in Hinblick, dass die Täter von damals bis jetzt ungeschoren davongekommen sind und ob es diesmal eine Anklage geben wird, mit vagen Beweisen und fehlenden Ermittlungszeiten und Budget, ist ebenso fraglich. Schuld verjährt nicht.
Ich freue mich schon sehr auf den dritten Teil!