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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.10.2025

Auf den Spuren der Vergangenheit

Alte Wut
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Caroline Caro Matzko, die im deutschen Fernsehen bekannte Moderatorin, hat in ihrem Leben bereits einige Therapien gemacht, Klinikaufenthalte inklusive, um unter anderem ihre Magersucht, ihre Depression ...

Caroline Caro Matzko, die im deutschen Fernsehen bekannte Moderatorin, hat in ihrem Leben bereits einige Therapien gemacht, Klinikaufenthalte inklusive, um unter anderem ihre Magersucht, ihre Depression und ein Burn-out in den Griff zu bekommen.

Zudem herrscht in der Familie eine angespannte Stimmung in der der Vater, Jahrgang 1934, wie ein Feldwebel agiert. Während ihr zehn Jahre älterer Bruder recht bald auszieht, muss die kleine Caro den Vater aushalten. Ungefragt erzählt er jedem, über seine Flucht als Zehnjähriger aus Ostpreußen, erzählt, wie er mehrmals dem Tod gerade noch entkommt, wie er in die Mündung eines deutschen und auch eines russischen Gewehrs schauen muss und was er alles auf der Flucht erlebt hat. Er erzählt, dass sein Vater von den Russen abtransportiert worden ist. Jahre später kommt eine trockene Karte mit der Meldung über seinen Tod in einem Arbeitslager. Das kann ein Kind kaum verarbeiten, zumal man vor allem den Jungs damals Emotionen abtrainiert hat. Der „Erfolg“? Eine Generation von Kriegskindern und in weiterer Folge Kriegsenkel, die ihre Traumata mit sich herum schleppen und mehrheitlich nicht wissen, warum sie so sind, wie sie sind.

Es scheint, als wären die vererbten Traumata ihres Vaters, eine der Ursachen von Caros eigenen Problemen. Nach Rücksprache mit einer ihrer Therapeutinnen packt Caro Matzko ihren Mann Rainer, die Tochter Fanny sowie den Familienhund und begibt sich auf ein dreiwöchige Reise zu den Orten, die ihr Vater einst als Heimat bezeichnet hat.

Stadt für Stadt, Dorf für Dorf bereisen sie seine Fluchtroute in die Vergangenheit zurück, bis sie in Osterode ankommen, wo Ekkehart Matzko mit seiner Familie gelebt hat und just in dem Hotel absteigen, das gegenüber dem 2016 abgerissenen Hotels der Matzkos errichtet worden ist und in dessen Treppenhaus das alte Hotel als Fototapete grüßt.

Die Reise ist für Caroline Matko nicht ganz einfach, hat sie doch selbst einige Vorurteile ihres Vaters im Gepäck, obwohl sie dessen politische Ansicht und Meinung nicht teilt. Doch beinahe überall begegnet sie Menschen, die ihr weiterhelfen, so wie die 90-jährige Roza, die einst Rosemarie hieß und ihren Namen in die polnische Variante ändern musste, um nicht vertrieben zu werden.

Wie es Touristen häufig machen, nimmt Caro Matzko ein paar Steine, die sie für Überreste des alten Hotels hält, sowie ein Sackerl voll (Heimat)Erde mit nach Hause, ohne zu wissen, dass sie damit ihrem Vater seinen Herzenswunsch erfüllt.

Nach der Rückkehr nach Deutschland, schreibt sie dieses Buch, in dem sie auch über Therapieansätze und Erfolge berichtet. Es scheint, dass sich dabei einige Knoten bei ihr gelöst haben.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem schnörkellosen und dennoch emotionalen Einblick in eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.10.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Tatort Hafen - Die letzte Fähre nach Dockland
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Melanie Cullmann, Logistikerin im Hamburger Hafen, wird tot am Elbufer gefunden. Zunächst wird ein Selbstmord angenommen, was der Ehemann Fred vehement abstreitet und voller Wut auf eigene Faust Nachforschungen ...

Melanie Cullmann, Logistikerin im Hamburger Hafen, wird tot am Elbufer gefunden. Zunächst wird ein Selbstmord angenommen, was der Ehemann Fred vehement abstreitet und voller Wut auf eigene Faust Nachforschungen anstellt, die in tief in seine Vergangenheit führt.

Recht bald bemerkt Jonna Jacobi vom LKA, dass sowohl Melanie als auch Fred ihre Geheimnisse haben. Melanie scheint bei ihrer Arbeit am Eurocon Containerterminal in Unregelmäßigkeiten verwickelt zu sein. Daher wird Tom Bendixen von der Wasserschutzpolizei den LKA-Team zugeteilt und schleust seinen Mitarbeiter Quetsche im Containerterminal als Zivilfahnder ein.

Wenig später entdecken die Ermittler die wahre Identität von Fred Cullmann als ehemalige Kiezgröße. Da er vermutlich immer noch Verbindungen hat, wird die Jagd nach dem Mörder seiner Frau zu einem Wettlauf mit der Zeit. Denn weder schläft der Hamburger Hafen noch das organisierte Verbrechen...

Meine Meinung:

Das Autoren-Duo Angelique und Andreas Kästner führt uns nun zum dritten Mal in den Hamburger Hafen, der eine eigene faszinierende Welt für sich ist und die immer wieder für spannende Geschichten sorgt. Ob Drogenschmuggel oder illegale Einwanderung - der Hafen Hamburg ist ein großes Einfallstor für Waren aller Art und die Zollbehörden sind chronisch unterbesetzt. Sie können nur einen kleinen Bruchteil der umgeschlagenen Container kontrollieren, was sich kriminelle Banden zu Nutze machen. Und wenn dann noch der eine oder andere Container durchgeschleust wird, erreichen die Gewinnmargen ein Maximum.

Geschickt wird eine Kiste mit Zollplomben, die während des Elbhochwassers aus dem Hafen geborgen wird, zu einer, nicht von allen, beachteten Hauptdarstellerin (siehe vorherigen Fall). Erst nach einiger Zeit und weiteren Toten erkennt Tom Bendixen die Bedeutung des Inhalts dieser Kiste.

Wir begegnen den Charakteren aus den beiden vorherigen Fällen und lernen neue interessante Figuren kennen. Diesmal ist keine gekommen, um zu bleiben. Das gilt vor allem für den liebenswerten Schrotti, einen ehemaligen Barkassenführer, der bei einem Unglück seine Familie verloren hat und noch immer darauf wartet, dass die Elbe die sterblichen Überreste seiner Frau hergibt.

Wie immer können sowohl Angelique Kästner als auch Andreas Kästner aus ihrem reichen Erfahrungsschatz schöpfen. Sie als ausgebildete Psychotherapeutin und er als ehemaliger Hauptkommissar der Wasserschutzpolizei. Sie flechten Fakten, wie zum Beispiel das Barkassenunglück von 1984, bei dem 19 Menschen, darunter 11 Kinder ihr Leben verloren haben, in fiktive Charaktere ein. Daneben erfahren wir Wissenswertes über den Hafen Hamburg, der für die meisten von uns Lesern zahlreiche Geheimnisse birgt, sowie über den Hamburger Kiez und seine kriminellen Bewohner und das Nadelöhr der Stadt - die Köhlbrandbrücke.

Einigen Lesern sind die nautischen und polizeilichen Begriffe vielleicht nicht so präsent, daher gibt es ein ausführliches Glossar.

Ich freue mich schon auf den vierten Fall für Tom Bendixen, Jonna Jacobi und Charlotte Severin, der - wie man der Leseprobe entnehmen kann - im Umfeld des Hafengeburtstags spielen wird.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der im Hamburger Hafen spielt und bis zur letzten Seite fesselt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 28.09.2025

Tristesse im Plattenbau

Die Farbe des Schattens
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Winter 1992 in Mecklenburg: Der elfjährige Matti Beck verschwindet aus der Plattenbausiedlung des fiktiven Ortes Wechtershagen. KHK Arno Groth, der vor rund einem Jahr aus Hamburg in seine frühere Heimat ...

Winter 1992 in Mecklenburg: Der elfjährige Matti Beck verschwindet aus der Plattenbausiedlung des fiktiven Ortes Wechtershagen. KHK Arno Groth, der vor rund einem Jahr aus Hamburg in seine frühere Heimat zurückgekehrt ist, mobilisiert gemeinsam mit den Eltern und den Nachbarn eine Suchaktion. Doch Matti bleibt verschwunden und lässt das Schlimmste befürchten, denn in der klirrenden Kälte scheint es kein Überleben zu geben.

Recht bald gerät ein alkoholkranker Obdachloser in das Visier der Polizei, der in einem der leerstehenden Abbruchhäuser zu überwintern versucht und dabei die Leiche von Matti entdeckt. Ist der Fall damit gelöst? Und welches Motiv steckt dahinter?

Doch dann erhält Groth den Hinweis auf einen ähnlichen Fall, bei dem vor rund sechs Jahren ein Kind ermordet worden ist. Zufall? Groth holt den damaligen Ermittler, der wegen seiner Stasi-Vergangenheit aus der Polizei ausgeschlossen worden ist, als Berater zurück.

Gemeinsam rollen sie den alten Fall auf und entdecken einige Übereinstimmungen mit dem aktuellen Verbrechen. Haben sie es mit einem Triebtäter zu tun? Oder warum liegt zwischen den beiden Morde ein so großer Zeitraum? Gibt es noch weitere Fälle, die ihnen bislang nicht bekannt sind?

Meine Meinung:

Wie schon im ersten Krimi (Das Schweigen des Wasser), wird auch diesmal großes Augenmerk auf die Zeit und die Umstände sowie auf die handelnden Personen gelegt.

Der Krimi gibt die Stimmung sehr gut wieder, die hier in der eingeschworenen Dorfgemeinschaft herrscht. Die Grundtendenz ist trist, grau wie das Wetter in diesen Herbst. und Wintertagen. Die alte Ordnung der DDR ist noch nicht ganz weg und die neue hat noch nicht den Weg in die Köpfe der Menschen gefunden.
Autorin Susanne Tägder lüftet ein klein wenig den einen oder anderen Schatten aus Arno Groths früherem Leben. Ausführlicher beschreibt sie das Leben der Menschen in Wechtershagen, in dem vor allem die Männer arbeitslos sind und die Frauen sind es, wie Mattis Mutter, die Doppelschichten als Krankenschwester fährt, die die Familie ernähren. Das kratzt am Ego der Männer, die sich wenig um ihre Kinder kümmern und sich daher selbst überlassen bleiben. Ein Jugendklub, der rechtsradikale Ideen verbreitet, bietet einigen Jugendlichen eine neue Familie.

Für eingefleischte Krimi-Fans, die es gerne zackig haben, wird dieser Krimi wohl nicht die erste Wahl sein. Hier werden mehrfach Klinken geputzt und die Ermittlungen recht realistisch dargestellt. Das beinhaltet auch das Verhör des Verdächtigen, dem man zunächst ein Geständnis entlockt, das er aber widerruft. Nun beginnt die Tätersuche von vorne.

Fazit:

Obwohl es hier kaum strahlende Helden gibt, erhält dieser zweite Fall für Arno Groth von mir 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.09.2025

Beste Krimiunterhaltung

Frau Morgenstern und die Offenbarung
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Damit hätte Violetta Morgenstern, pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin im Namen des Staates, nicht (mehr) gerechnet: mit einem Privatleben an der Seite von Miguel Schlunegger, seinen Zwillingstöchtern ...

Damit hätte Violetta Morgenstern, pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin im Namen des Staates, nicht (mehr) gerechnet: mit einem Privatleben an der Seite von Miguel Schlunegger, seinen Zwillingstöchtern Ida und Frida sowie dem grauhaarigen Gilbert, der als Reserveopa immer dann einspringt, wenn Miguel und Violetta im Auftrag des TELL-Ministeriums Leute umbringen.

Der aktuelle Auftrag, es sind elf Personen, die dem Staat gefährlich werden könnten, zu eliminieren, bringt das Team Schlunegger und Morgenstern an seine Grenzen. Der Auftrag ist asap auszuführen, wobei die übliche Praxis, die Morde als Unfall oder natürliche Todesursache darzustellen, aus Zeitmangel außer Acht gelassen werden muss. Nachdem sich sich herausstellt, dass die elf gemeinsam an einer Ausgrabung in Ägypten beteiligt gewesen sind, wo man ein, die Schweizer Geschichte veränderndes Geheimnis entdeckt hat, bleibt eigentlich nur eine Portion Semtex übrig. Doch mitten in der Stadt ein Gebäude in die Luft jagen? Das hört sich sowohl für den ehemaligen Scharfschützen Miguel als auch für die pensionierte Lehrerin, die gerne subtile Methoden benützt, ziemlich grobmotorisch an.

Noch bevor sie Details ausgearbeitet haben, kommt ihnen jemand zuvor. Beim gemütlichen Fondue-Essen ereilt die Gruppe mittels schnödem Sprengstoffanschlag der Tod. Lediglich der Dr. Gottlieb, der Leiter der Ausgrabung, kann bevor er dem ägyptischen Totengott Anubis gegenübersteht, der Reinigungskraft des Instituts eine verschlüsselte Nachricht zukommen lassen.

Meine Meinung:

Auch bei diesem Krimi kommt der schwarze Humor des Autors bestens zur Geltung. So nimmt er einerseits die Gepflogenheit der Schweizer, so ziemlich jede Erfindung oder Entdeckung für sich zu reklamieren aufs Korn und andererseits zeigt er Schlunegger als einen liebenden Vater, der sich im Dickicht der Bürokratie zu verstricken droht, hat er doch für seine Zwillinge, die aus der Affäre mit der Politikerin Caminada stammen, keine ordentlichen Papiere. Doch Schlunegger und Omistern Violetta arbeiten nicht umsonst im Ministerium TELL, das unmögliches möglich macht.

Schmunzeln musste ich über die Verwandlung des ehemaligen Scharfschützen Schlunegger, den wir als kaltblütig und die Ruhe selbst kennen, zu einem veritablen Nervenbündel wird, wenn es um seine Zwillinge geht.

Huwylers Schreibstil ist herrlich wie immer. Seine Wortschöpfungen wie Omistern und oder das Akronym PEST für das Jugendamt, was nicht nur Schlunegger wie die gleichnamige Krankheit empfindet, sind legendär.

Und das Geheimnis, das, wenn es an die Öffentlichkeit käme, die Schweizer Geschichte umkrempeln würde? Ich lüfte es nicht. Das müsst ihr schon selbst lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem rabenschwarzen Krimi, der mich abermals bestens unterhalten hat, eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.09.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Herrliche Zeiten - Dem Himmel so nah
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In diesem zweiten Teil der Dilogie stehen neben den Protagonisten des ersten Bandes, Vicky, Paul und Auguste, deren Kinder im Mittelpunkt. Sie sind durch freundschaftliche bzw. verwandtschaftliche Beziehungen ...

In diesem zweiten Teil der Dilogie stehen neben den Protagonisten des ersten Bandes, Vicky, Paul und Auguste, deren Kinder im Mittelpunkt. Sie sind durch freundschaftliche bzw. verwandtschaftliche Beziehungen ebenso verbunden wie die Länder Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Nicht alle Erwartungen der Eltern und Kinder erfüllen sich. Statt in das Familienunternehmen einzutreten, wird einer Soldat, ein anderer liebäugelt mit dem Sozialismus. Von den Töchtern wird erwartet, sich den üblichen Konventionen zu unterwerfen, also hübsch und pflegeleicht zu sein, sowie eine vorteilhafte Ehe zu schließen. Die Konflikte in den Familien sind daher vorprogrammiert.

Wenig von den Träumen gelingt im ersten Anlauf. Es müssen persönliche Schicksalsschläge hingenommen werden, bis sich letzten Endes doch einige erfüllen.

Meine Meinung:

Peter Prange hat mit diesem historischen Roman, der wie es für ihn üblich ist, wortgewaltig und opulent daherkommt, ein Weltbild geschaffen, in dem es gärt. Letztlich wird der gesamte Kontinent wie Schlafwandler (© Christopher Clark) in den Ersten Weltkrieg taumeln. Geschickt verquickt er historische Fakten mit seinen fiktiven Charakteren. So werden den deutschnationalen, antisemitischen und kolonialistischen Ansichten von Alfred Hugenberg (1865-1951) und dessen Freunde vom Alldeutschen Verband mehrmals großen Raum eingeräumt. Die Gegner des Engagements in Afrika („Was haben wir in Afrika verloren?“) bleiben ungehört.

Gut gelungen ist Peter Prange, dass er die zahlreichen Handlungsstränge, die zwischenzeitlich ein wenig aus dem Ruder laufen, wieder einfängt und zu den ursprünglichen Charakteren Vicky, Paul und Auguste zurückkehrt.

Eine Kritik muss ich allerdings anbringen: Die Art und Weise wie Claire ihr Medizinstudium absolviert, ist wenig glaubwürdig.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Fortsetzung 5 Sterne.