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Jessi2712

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Nichts konnte mich nicht so richtig abholen

Dr. No
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Worum geht’s?

Wala Kitu, Mathematikprofessor und Experte für »Nichts«, soll dem Schurken John Sill, einem schwarzen Milliardär, beim größten Coup seines Lebens helfen: ein Einbruch in Fort Knox. Ziel: ...

Worum geht’s?

Wala Kitu, Mathematikprofessor und Experte für »Nichts«, soll dem Schurken John Sill, einem schwarzen Milliardär, beim größten Coup seines Lebens helfen: ein Einbruch in Fort Knox. Ziel: ein Schuhkarton, gefüllt mit »Nichts«. Denn wer das Nichts kontrolliert, der regiert die Welt.

Wie war’s?

Percival Everett war für mich seit »James« kein Unbekannter und ich habe seinem neuen Werk lange entgegengefiebert. Voller Begeisterung habe ich es angefangen, dann lag es nach den ersten Kapiteln unangetastet auf dem Nachttisch und hat mich in eine regelrechte Leseflaute befördert.

Warum eigentlich? Schwer zu sagen. Ich beschäftige mich als Literaturübersetzerin sehr viel mit Sprache, also hätten mir die vielen Exkurse über das »Nichts« eigentlich gar nicht so viel ausmachen sollen. Ich glaube, primär lag es an den ständigen Anspielungen auf irgendwelche mathematischen Zusammenhänge, schon in der Einleitung, mit denen man als Laie bzw. leidenschaftlicher Mathematik-Hasser eigentlich nichts anfangen kann. Solche Textstellen haben mich immer wieder aus dem Lesefluss geworfen.

Warum ich das Buch trotzdem beendet habe? Die Grundstory ist durchaus interessant, sympathisch waren mir vor allem Kitus Traumgespräche mit seinem einbeinigen Hund und auch seine Kollegin Eigen bringt noch einen interessanten Twist rein, der einen aufs Ende hinfiebern lässt.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Übersetzung des Kollegen Nikolaus Stingl, die wieder ein sprachliches Feuerwerk und ein Genuss war. An ihm lag’s jedenfalls nicht, dass mich Nichts nicht so richtig begeistern konnte.

Fazit

Percival Everett ist ein hochinteressanter Autor, und auch wenn mich Dr. No nicht vom Hocker gehauen hat, werde ich ihn und seine nächsten Bücher im Auge behalten. Vielleicht ist ja das Nächste wieder ein großer Wurf.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Unterhaltsame Urlaubslektüre, aber das Ende haut mich nicht um

Unbeugsam wie die See
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Worum geht’s?

Lucy und Jess, zwei ungleiche Schwestern. Jess ist Malerin, malt immer wieder rätselhafte Bilder von Galionsfiguren, spürt eine rätselhafte Verbindung zu zwei Frauen, die sie noch nie zuvor ...

Worum geht’s?

Lucy und Jess, zwei ungleiche Schwestern. Jess ist Malerin, malt immer wieder rätselhafte Bilder von Galionsfiguren, spürt eine rätselhafte Verbindung zu zwei Frauen, die sie noch nie zuvor gesehen hat. Lucy will Journalistin werden, erwacht aber eines Nachts schlafwandelnd, während sie gerade versucht, ihren Ex-Freund zu erwürgen. Sie flieht in Panik zu ihrer Schwester an die australische Westküste, doch Jess ist verschwunden.
In einem zweiten Handlungsstrang geht es um Mary und Eliza, zwei Frauen, die vor Jahrhunderten an Bord eines Sträflingsschiffs von Irland nach Australien gebracht wurden und auf der langen Reise seltsame Veränderungen an ihren Körpern entdecken, bevor sie unterwegs Schiffbruch erleiden.

Wie war’s?

Das Erste, was mir an „Unbeugsam wie die See“ sofort ins Auge gefallen ist, war das wunderbar ansprechend gestaltete Cover, das einen direkt in die Unterwasserwelt eintauchen lässt.
Und von den ersten 300 Seiten der Story war ich restlos begeistert. Lucy und ihre Verirrung nach dem Zwischenfall mit Ben, Jess, die es ausgerechnet zurück an den Ort zieht, an dem einst Baby Hope in einer Höhle ausgesetzt wurde und schon mehrere Männer auf rätselhafte Weise verschwunden sind. Und dann die Tagebuchausschnitte und die merkwürdige Beziehung zu Cameron. Das alles war sehr fesselnd und überzeugend erzählt, auch Lucys Zweifel und die Suche nach ihren wahren Wurzeln.
Die Zeitsprünge zu Mary und Eliza fand ich teils etwas anstrengend, aber auch dieser Handlungsstrang passt gut zum Gesamtkonzept des Buches und man kann sich die Verzweiflung und die Ungewissheit der Schwestern, was sie in der neuen Welt in Australien so erwartet, sehr gut vorstellen.
Auch die Übersetzung meiner lieben Berufskollegin Julia Walther liest sich so stimmig, dass man stellenweise fast vergisst, dass man hier eine Übersetzung vor sich hat und nicht das Original.
Was mich leider absolut nicht erreichen konnte, waren die letzten 100 Seiten. Die Auflösung, was es mit Lucy tatsächlich auf sich hat, das letzte Zusammentreffen von Jess und Cameron, das Schicksal von Mary und Eliza. Das war für mich teils sehr unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen, sodass ich das Buch beinahe nicht beendet hätte.

Fazit

Als Urlaubslektüre sehr gut geeignet und ich bereue auch nicht, das Buch gelesen zu haben, auch wenn’s mich nicht komplett überzeugen konnte. Aber dafür eines der hübschesten Cover, die ich je gesehen habe, und es wird sich bestimmt gut im Bücherregal machen!

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Seicht dahinplätschernde Urlaubslektüre

Das Licht in den Wellen
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Worum geht’s?

Kurz vor ihrem 100sten Geburtstag will Inge Martensen es nochmal wissen. Gemeinsam mit ihrer Enkelin Swantje geht sie an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Ziel: New York! Für Inge eine Reise ...

Worum geht’s?

Kurz vor ihrem 100sten Geburtstag will Inge Martensen es nochmal wissen. Gemeinsam mit ihrer Enkelin Swantje geht sie an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Ziel: New York! Für Inge eine Reise in die Vergangenheit, als junge Frau hat es sie von der kleinen Nordseeinsel Föhr nach Big Apple verschlagen. Ahnungslos und ohne Englischkenntnisse hat sie damals die Insel verlassen und nach einem ersten Job im Deli eines weiteren Auswanderers von Föhr, den es ebenfalls nach New York zog, dank »Inges magic potatoe salad« eine beispiellose Erfolgsgeschichte hingelegt. Nun will sie mit Swantje ein letztes Mal die Orte sehen, die ihr damals so viel bedeutet haben, und gleichzeitig ihrer Enkelin helfen, in New York ihre eigene Zukunft zu finden.

Wie war’s?

Was habe ich mich auf dieses Buch gefreut! Schon das Cover ist sehr ansprechend gestaltet und macht sofort Lust auf eine sommerliche Lektüre, die einen quer über den großen Teich von Föhr nach New York und wieder zurück entführt.

So viel zu meinem Wunschdenken … ich kann gar nicht sagen, warum ich mich mit diesem Buch so schwergetan habe. Die Story hat durchaus Potenzial, Auswanderer-Geschichten gehen ja irgendwie immer, Nordseeinseln sowieso und allein die Tatsache, dass viele eben auch wieder »zurückgewandert« sind, hat mich fasziniert. Aber es blieb alles so blass und hölzern. Die Dialoge wirkten teilweise sehr unecht und gestelzt, auch mit den Protagonisten konnte ich mich hier in keiner Weise identifizieren. Alles in allem ein Buch, durch das ich mich über mehrere Wochen durchgequält habe, weil ich immer dachte »da kommt noch was!«, und weil mich brennend interessiert hat, warum Inge die Insel damals verlassen hat. Aber auch die abschließende Auflösung war insgesamt eher platt und uninteressant erzählt.

Fazit

Eine nette Urlaubslektüre, kann man vielleicht im Strandkorb / auf Balkonien mal lesen, ich hätte es nicht unbedingt haben müssen und die geplante Fortsetzung wird eher auch nicht auf meine Wunschliste wandern.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Wenn einer eine Reise tut, dann soll er auch erzählen!

In einem Zug
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Worum geht’s?

Eduard Brünhofer, ehemaliger Autor von Liebesromanen aus Wien, wird von seinem Verleger zu einem Treffen nach München zitiert, bei dem es beruflich um alles oder nichts geht. Eduard teilt ...

Worum geht’s?

Eduard Brünhofer, ehemaliger Autor von Liebesromanen aus Wien, wird von seinem Verleger zu einem Treffen nach München zitiert, bei dem es beruflich um alles oder nichts geht. Eduard teilt sich das Zugabteil mit einer unbekannten Frau mittleren Alters, Catrin Meyr, die sich später als Therapeutin entpuppt. Es entspinnt sich eine stundenlange Diskussion über die Liebe, Meyrs Auffassung von Langzeitbeziehungen und ihrer Unmöglichkeit, die Eduard Brünhofer allmählich immer unangenehmer wird. Bis der Zug schließlich in München einfährt und sich herausstellt, dass alles längst nicht so zufällig war, wie es den Anschein hatte.

Wie war’s?

«In einem Zug« war mein erster Roman von Daniel Glattauer. Gerade ausgelesen bin ich noch ein bisschen zwiegespalten, wie er mir nun gefallen hat. Die Dialoge zwischen Eduard und Catrin sind sehr authentisch und glaubwürdig, man kauft ihr die unbequeme, neugierige Art und ihm als Autor seinen Widerwillen, die unzähligen Fragen zu beantworten, problemlos ab. Die Ausführungen über die Ehe, das Leben und die Liebe fand ich mitunter etwas weitschweifig. Vielleicht tut es diesem Buch wirklich gut, wenn man es quasi »in einem Zug« liest und nicht in vielen kleinen Leseabschnitten. Ich hatte beim Lesen einige Unterbrechungen und habe immer wieder ein wenig den Faden verloren.

Fazit

Für Glattauer-Fans bestimmt klasse. Ich persönlich habe mich grundsätzlich gut unterhalten gefühlt und habe mich gerne als unsichtbare Dritte mit ins Zugabteil gesetzt, bin mir aber ziemlich sicher, dass dieses Buch nicht besonders lange »nachhallen« wird, zumindest nicht bei mir.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Solide Sommerunterhaltung, die allerdings viele Fragen offen lässt

Drei Wochen im August
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Worum geht’s?

Elena macht Urlaub in Frankreich. Nana, die Frau ihrer Chefin Ali, liegt im Sterben, deswegen steht das Haus leer. Elena nutzt also die Gelegenheit und macht sich für drei Wochen mit Kind ...

Worum geht’s?

Elena macht Urlaub in Frankreich. Nana, die Frau ihrer Chefin Ali, liegt im Sterben, deswegen steht das Haus leer. Elena nutzt also die Gelegenheit und macht sich für drei Wochen mit Kind und Kegel auf an die französische Atlantikküste. Mit dabei sind ihre beiden Kinder Rinus und Linn, Nanny Eve sowie eine Freundin ihrer Tochter. Ihr Mann Kolja bleibt zu Hause, in der Ehe läuft es nicht rund. Was als entspannte Urlaubsreise beginnt, steht von Anfang an unter keinem guten Stern und läuft aufgrund innerer Konflikte und äußerer Bedrohungen immer mehr aus dem Ruder.

Wie war’s?

Irgendwie wollte ich den Roman mögen, richtig warm geworden bin ich mit meinem ersten Buch von Nina Bussmann allerdings nicht. Das alles wirkt etwas lieblos runter erzählt, die Charaktere bleiben blass, unnahbar und man kann sich mit niemandem so richtig identifizieren (abgesehen davon, dass mir beim Lesen immer wieder durch den Kopf schoss, dass die eigentlich alle eine Therapie bräuchten).

Viele Handlungsfäden verlaufen irgendwie ins Nichts, vor allem die plötzlich auftauchenden ungebetenen Besucher, die sich ebenfalls bei Elena einnisten. Was genau will Franz eigentlich dort? Auch dieser latente Konflikt zwischen Eve und Elena. Beide scheinen um die Liebe und Aufmerksamkeit der Kinder zu buhlen, Ehrlichkeit und Offenheit sucht man zwischen ihnen vergeblich.

Das im Klappentext groß angekündigte Verschwinden eines der Mädchen spielt sich erst auf den letzten Seiten des Romans ab und ist irgendwie auch weder schlüssig, noch sonderlich interessant.

Fazit

Weglegen und abbrechen war keine Option, weil mich trotz allem interessiert hat, wie die Geschichte ausgeht und was genau Elena in diesen Wochen in Frage stellt oder auf welche Katastrophe das ganze nun hinausläuft (obwohl es sich die ganze Geschichte über schon angedeutet hat und mich letztlich auch nicht überraschen konnte). Insgesamt hat mich das Buch zwar ganz gut unterhalten, fällt aber meiner Meinung nach in die Kategorie »kann man mal lesen, muss man aber nicht«. Auf jeden Fall nichts, was einem längere Zeit im Gedächtnis bleibt.

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