Viel Wut und viel Wärme
Wut und WärmeIch bin auf die Tekkal-Schwestern und ihr Buch „Wut und Wärme“ durch einen Onlineartikel der Tagesschau aufmerksam geworden – weil es bemerkenswert ist, wenn eine Buchveröffentlichung über dieses Medium ...
Ich bin auf die Tekkal-Schwestern und ihr Buch „Wut und Wärme“ durch einen Onlineartikel der Tagesschau aufmerksam geworden – weil es bemerkenswert ist, wenn eine Buchveröffentlichung über dieses Medium einen ganzen Artikel bekommt. Nach dem Lesen habe ich verstanden, warum.
„Wut und Wärme“ ist in vieler Hinsicht einzigartig. Wann schreiben schon 5 Frauen gemeinsam ein Buch, noch dazu Schwestern, und dann mit einem so unterschiedlichen beruflichen Hintergrund? Als Lebensberaterin in Ausbildung hat mich besonders die Dynamik der Schwestern interessiert – wie gut funktioniert das im Buch, wie beschreiben sie ihr gemeinsames Aufwachsen, ihre Rollen, (wie) scheint ihre Unterschiedlichkeit durch die Zeilen durch? Ich muss sagen, dass es gerade in den ersten Kapiteln ein Vergnügen war, dieses Buch zu lesen. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen und fand es herrlich, wie unterschiedlich und schonungslos ehrlich die Schwestern ihren jeweils eigenen Weg beschrieben.
Doch „Wut und Wärme“ ist mehr als eine Familiengeschichte. Es ist ein Manifest. Es beschreibt die Kernwerte, für die die Tekkal-Schwestern stehen und kämpfen. Und wie es dazu kam, dass sie sich als Jesdinnen in Deutschland für Jesidinnen und Frauen weltweit einsetzen, jede mit ihren ganz eigenen Gaben und Talenten.
Der Titel ist wirklich gut gewählt, denn es scheint viel Wut, aber auch viel Wärme durch die Zeilen. Die Schwestern mahnen an, was sich ändern muss, damit in Deutschland Integration und Freiheit für alle wirklich gelingt – und auch weltweit. Dabei benennen sie praktische Werte und zeigen Wege auf, die sie selbst gehen und gegangen sind. Ihr Buch ist daher hochpolitisch, aber auch ein tiefer und ehrlicher Einblick in das Leben in Deutschland mit Migrationshintergrund. Sehr schön fand ich auch die vielen Fotos, die in das Buch integriert sind und persönliche Einblicke geben, sowie die wertige Aufmachung.
Nicht jedes Kapitel hat mich gleichermaßen überzeugt und manche Passagen sind hart zu lesen, weil sie darin die harte Realität im Nahen Osten beschreiben. Ich musste es von Zeit zu Zeit weglegen, bevor ich mich wieder darauf einlassen konnte. Doch mein Fazit lautet: Sehr lesenswert – und außerdem hervorragend geschrieben und lektoriert!