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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.02.2026

Hartes Thema, sanfter Umgang, dichte Konstruktion

Die Namen
2

Wenn ich ein Buch bewerten muss, stelle ich innerlich eine Liste über die Dinge auf, die es zu kritisieren gibt und ziehe entsprechend Sterne ab. Nun halte ich ein Buch in den Händen, bei dem ich mich ...

Wenn ich ein Buch bewerten muss, stelle ich innerlich eine Liste über die Dinge auf, die es zu kritisieren gibt und ziehe entsprechend Sterne ab. Nun halte ich ein Buch in den Händen, bei dem ich mich einfach nicht überwinden kann, keine 5 Sterne zu geben – und dies trotz ziemlich gewichtigen Mängeln.
Fangen wir bei Titel und Klappentext an. Diese suggerieren, dass der Name des Kindes seine Zukunft beeinflusst, doch dies ist höchstens die halbe Wahrheit. Schon einen Tag nach dem Eintrag ins Geburtsregister wird das Leben dieses Säuglings je nach Name komplett anders aussehen, doch diese drastischen Unterschiede sind auf die Reaktionen der Eltern auf die Namensgebung zurückzuführen, insbesondere der des Vaters. Dieser wird im Klappentext als „herrisch“ bezeichnet, was aber eine eher nette Beschreibung ist, denn er ist ein manipulatives, gewalttätiges Ekelpaket.
Man merkt schnell (deswegen ist das auch kein Spoiler): In „Die Namen“ spielen Namen zwar eine leise Rolle, aber im Prinzip ist es ein Buch über häusliche Gewalt; der Verlag hat diesen Ausdruck im Klappentext wahrscheinlich vermieden, um keine potentiellen Leserinnen abzuschrecken, ich hingegen finde diese Erwähnung angebracht. Denn dieses Thema zieht sich durch das ganze Buch.
Zurück zum Vater, diese Figur ist denn auch ein weiterer großer Kritikpunkt. Er bleibt konturenlos und fern. Seine Taten sind einfach nur grässlich, die Hintergründe werden aber nicht beleuchtet. Auch das ist wohl Absicht, um dem Täter keine Stimme zu geben. Damit man nicht doch noch ein Fünkchen Verständnis für etwas aufbringt, was untolerierbar ist. Als Leserin empfand ich es jedoch als unbefriedigend, zumal die wenigen punktuellen Einsichten kein stimmiges, greifbares Bild von ihm ergeben.
Aber auch die Hauptprotagonisten Cora, Maia und „der Junge“ sind nicht sehr vielschichtig gezeichnet. Es sind eher die Nebenfiguren, die die Geschichte lebendig werden lassen (darunter gibt es ein paar richtige Sympathie-Perlen…), und zwar auf eine wunderbar liebevolle Art…
… Womit wir schon bei den Pluspunkten dieses Romans angelangt sind:
Trotz des erschütternden Grundthemas ist „Die Namen“ ein hoffnungsvolles und tröstliches Buch. Eines, das glaubwürdig von Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt, Stärke, Wachstum und Überwindung erzählt.
Es ist ein Buch, das unheimlich viele Emotionen beinhaltet und gleichzeitig auslöst (nein, ich weine nie beim Lesen… jedenfalls fast nie…)
Ein Buch, indem unheimlich viel passiert.
Die Autorin entblättert auf etwas über 300 Seiten gleich drei verschiedene Lebensversionen, und zwar nicht nur von dem benannten Jungen (Bear, Julian, Gordon), sondern auch von Mutter Cora und Schwester Maia. Über 35 Jahre erstreckt sich die Erzählung und macht damit schnell klar: hier geht es nicht um Feinheiten, sondern darum, einen größeren Bogen zu schlagen und längerfristige Entwicklungen aufzuzeigen. Die psychologische Tiefe geht quasi auf Kosten der Handlung verloren, allerdings schafft es die Autorin, mit Hilfe dieser Handlungen auszudrücken, was im Inneren der Figuren vonstattengeht.
Alle sieben Jahre erhaschen wir einen Blick auf diese Personen. Dieser Abstand ist groß, was dazwischen passiert, muss man sich als Leserin oft selber zusammenreimen. Die Hinweise dazu lässt die Autorin meisterlich in den Text einfließen, so dass man einerseits völlig in die jeweilige aktuelle Lebenssituation eintauchen kann und trotzdem die nötigen Informationen über das bekommt, was zwischendurch passiert ist. Hier wird klar, warum dieses Buch als „Bester Debütroman seit langem“ gehandelt wird: Unheimlich souverän hält Florence Knapp die vielen Fäden ihrer verschiedenen Handlungsstränge in der Hand, die Entwicklungen sind trotz der erzählerischen Lücken stets schlüssig, es gibt keine Wiederholungen, keine Längen, dafür verblüffende Details und manchmal auch augenzwinkernde Kleinigkeiten zu entdecken.
Obwohl „Die Namen“ definitiv kein Spannungsroman ist, klebt man an den Seiten. Man will wissen, wie es weitergeht. Und es geht weiter. In einer Dichte, die ihresgleichen sucht. Auf jeder Seite, beinahe in jedem Satz eröffnet sich etwas Neues, manchmal unerwartet, manchmal erhofft, manchmal seelenzerschmetternd.
Und dann die Sprache. Ich habe schon lange nicht mehr so viele Sätze in einem Buch angestrichen! Wie toll bitteschön ist der Ausdruck „Schwindelerregende Ganzkörperfreude!“ (S. 17) Aber auch viele andere Aussagen tragen so viel Herzlichkeit in sich: „Seine Güte und Wärme haben sich tiefer in seinem Gesicht festgesetzt…“ (S. 114)
Die wunderbare empathische, herzerwärmende Ausdrucksweise macht das Buch dann endgültig zu einem Highlight.
„Im Laufen spürt er, wie seine Hoffnung Auftrieb bekommt wie ein Drachen, er rennt schneller, will sie höher steigen lassen, will an ein Happy End glauben.“ (S. 318) Das will man auch als Leserin, an ein Happy End glauben, und deshalb dieses Buch bis zum letzten Buchstaben nicht mehr loslassen. Um es danach weiterzugeben und mindesten weiterzuempfehlen – nicht nur, aber auch, weil man sich gerne mit jemandem über das Gelesene austauschen möchte. Weil man sich auch nach der Lektüre noch fragt, ob das Happy End wirklich eingetroffen ist, wenn ja, für wen, und vielleicht auch, was ein Happy End eigentlich bedeutet.
Dieses Buch hat 5 Sterne verdient, jeder Mängelliste zum Trotz. Weil es fesselt, schockiert, berührt, bewegt, mitreißt, weil es fordert und weil es viel zurückgibt. Weil man es nicht so schnell vergessen wird.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Tiefe Abgründe, hohe Sprachkunst

Die Schrecken der anderen
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Wunderliche Charaktere lässt Clavadetscher da am Rande eines Schweizer Sees aufeinanderprallen: eine „Alte“, die in einem Wohnwagen haust und definitiv mehr über die Bewohner des Dorfes weiß, als diesen ...

Wunderliche Charaktere lässt Clavadetscher da am Rande eines Schweizer Sees aufeinanderprallen: eine „Alte“, die in einem Wohnwagen haust und definitiv mehr über die Bewohner des Dorfes weiß, als diesen lieb ist, einen Archivar mit Angststörung, der in Gegenwart der Alten wieder durchatmen kann, einen fehlsichtigen Investor mit einer pflegebedürftigen Mutter im Obergeschoss, die hartnäckig auf die Zeugung eines Erben besteht.
Doch was heißt da aufeinanderprallen? Zuerst einmal stolpert nur allzu neugieriger Schüler auf dem zugefrorenen See über ein Stück Stoff und entdeckt damit eine Leiche. Dieser Fund sorgt dafür, dass Schibig die Alte kennenlernt, doch was Kern damit zu tun haben könnte, das wird erst viel später aufgedeckt. Nur so viel: der Aufbau der Geschichte, der die Charaktere zunächst parallel zueinander entwickelt, ist bis ins Detail durchdacht. Manche Verbindung lässt sich früh erahnen – und doch steckt in fast jedem Kapitel ein neuer Aspekt, eine Überraschung, eine Wendung, was die Lektüre sehr fesselnd macht.
Vor allem aber ist „Die Schrecken der Anderen“ ein sprachlicher Hochgenuss, bei dem jeder Ausdruck exakt gewählt ist und einfach jeder Satz sitzt. Die Beschreibungen sind knapp und doch absolut auf den Punkt. Die Dialoge machen oft Spaß – trotz der düsteren Stimmung, welche früh erahnen lässt, dass hier unangenehmen Wahrheiten an die Oberfläche drücken.
Ja, Clavadetscher hat sich in diesem Roman eines unliebsamen Themas angenommen. Dass sie in dieser Sache so ausdrücklich Position bezieht, ist einerseits sehr mutig – doch gegen Ende wurde mir diese Moral dann doch etwas zu platt und glatt in die Figuren und die Story gedrückt, gerade auch im Vergleich zum geschickt in Graubereichen spielenden Einstieg.
Trotz dieses Wermutstropfens eine sehr empfehlenswerte Lektüre, die ein wenig bekanntes Stück Schweizer Geschichte mit einer sprach- und bildgewaltigen fiktiven Umsetzung in die öffentliche Diskussion rückt.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

No pain, no gain, Mädels!

Gym
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Auf, auf, Mädels, keine Ausreden mehr, schlüpft in was Bequemes, etwas, das bei den Squats nicht kneift, oh, du hast nichts Passendes, hier, bestell was Nettes, Buntes, Glänzendes - benutz Promocode GYM25! ...

Auf, auf, Mädels, keine Ausreden mehr, schlüpft in was Bequemes, etwas, das bei den Squats nicht kneift, oh, du hast nichts Passendes, hier, bestell was Nettes, Buntes, Glänzendes - benutz Promocode GYM25! Danke! - oh, hier sogar vereinzelt Herren der Schöpfung, seid ihr etwa Feministen?!, ha, nein, okay, kommt ruhig näher, alle, KLATSCH KLATSCH, es gibt was Neues von Verena, das wird sicher gut, auf, lasst euch vom Cover nicht abschrecken, wobei, immerhin erinnern die Schriftfarben an diverse Körperausscheidungen, da wird man ja schon mal aufs Kommende eingestimmt, harhar, es beginnt aber eher gemütlich und unverfänglich, ja, lass es ruhig angehen, hast du nicht vor Kurzem erst entbunden, na, also, dann sind die paar Speckröllchen okay, wichtig ist nur, dass du dran bleibst, und das tust du doch gerne, Verena führt dich durchs Programm, die hat das drauf, ja, es zwickt schon mal hier und da, also, diese Lüge, da ahnt man irgendwie, dass es nicht lange gutgehen kann, und schon sind wir im zweiten Abschnitt, aber hallo, und wenn du dich jetzt so im Spiegel betrachtest, ohooo, merkst du, wie sich da was ändert?, ja, genau, hoch, runter, uuuund nochmal!, hoch, runter, hoch runter, ja, der Schweiß, der läuft, auf, auf, sweat, sweat, Sweat-lana, haha, das gehört dazu, aber auch die bewundernden Blicke, die auf deine wohlgeformten Schenkel -…, los, los, nicht aufgeben, das sieht doch schon super aus… ja, zeigt es mir, hopp, hopp, was, noch mehr, da geht noch mehr, schon, aber wieviel mehr, was meinst du?, mehr von allem, mehr Muskeln, mehr Aufmerksamkeit, mehr Ehrgeiz…- mehr, du willst mehr und mehr und kannst irgendwie gar nicht aufhören, bis zu – hey, HEY, Stop!, da gruselt es mich jetzt doch ein wenig, puh, das war mal ne groteske Steigerung, komm mal runter, ja, so ists recht, atmen… tief einatmen durch die Nase… ja, doch, ich versteh das irgendwie schon, mit dieser Vergangenheit, das ist nicht ohne, und wenn dann noch die Ansprüche…, die Gesellschaft, die Erwartungen und so…, hm, so gesehen, gibt es einiges, worüber man vielleicht mal nachdenken - , habt ihr auch an den Beckenboden gedacht? Weil, ihr wisst schon… - aber hey, erst mal atmen, puh, Mädels, die 190 Seiten gingen ja viel fixer rum als gedacht, da hat Verena diesmal ganz schön was rausgehauen, oder?!, wobei, schön ist wohl der falsche Ausdruck, das war zwischendurch eher … hm, etwas hinüber, gell, aber ok, ihr wisst schon, ein bisschen weh muss es tun, no pain no gain, so, dann gönnt euch euren Shake am Tresen, Pina-Cool-Downa ist im Angebot, denkt an die Proteine, Geschmack steht an zweiter Stelle, schließlich gehört auch Ekel überwinden zum Programm, wenn ihr es wirklich ernst meint… und tschüss, ihr Lieben, oho, das Top steht dir, vor allem, wenn du denn Reißverschluss noch ein bisschen - … also, cheers und tschüss, bis zum nächsten Mal mit Verena, ich bin wieder dabei!

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Veröffentlicht am 23.05.2026

Wir brauchen Störsteine

Pina fällt aus
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Titelfigur Pina ist alleinerziehende Mutter eines autistischen jungen Mannes, um den sie sich hingebungsvoll kümmert, bis – ja, bis es eben nicht mehr geht. Pina fällt aus. Was passiert jetzt mit „Leo, ...

Titelfigur Pina ist alleinerziehende Mutter eines autistischen jungen Mannes, um den sie sich hingebungsvoll kümmert, bis – ja, bis es eben nicht mehr geht. Pina fällt aus. Was passiert jetzt mit „Leo, 20, Hansastraße 20, ich werde Busfahrer“? Die Frage ist relevant. Nicht nur für Pina, nicht nur für Leo, sondern auch für die restlichen Bewohner der Hansastraße 20, die plötzlich direkt damit konfrontiert werden. Und auch für unsere Gesellschaft, die nur allzu gerne ihren Blick davon abwendet.
Dieser Roman zerrt also ein gerne verdrängtes Problem ins Rampenlicht und ist alleine deshalb schon lesenswert. Die durchwegs liebevolle Ausarbeitung der Charaktere tut ihr übriges dazu, dass die schwer erscheinende Thematik leicht zugänglich gemacht wird. Hier liegt die große Stärke dieses Werkes: Pinas Überlastung mit der alleine zu tragenden Verantwortung wird deutlich und greifbar, gleichzeitig werden aber auch die Chancen betont, die darin liegen, einen Menschen wie Leo zu begleiten.
Allerdings: manches in dieser Geschichte lief mir dann doch zu glatt. Die eine oder andere Wendung stammt eher aus Utopia als aus dem echten Leben – schade um die ansonsten sehr alltagsnahen, teils sogar witzigen Schilderungen.
Ähnliches gilt für Leos Behinderung: anfangs noch mit eindrücklichen Bildern beschrieben, später aber mehr oder weniger auf seine eingeschränkte Sprechweise und einige Ticks beschränkt, denen man mit etwas Geduld und ein paar einfachen Tricks (Frosties, ein fußbreiter Spalt, Wattestäbchen,…) beikommt. Ich bin selber Mutter eines Sohnes mit einer autistischen Störung, die sich zugegebenermaßen anders ausdrückt als in Leos Fall, aber ich denke doch, dass hier einige komplexere Realitäten ausgeklammert wurden. Zum Beispiel, dass sich nicht nur die Mitmenschen im Umgang mit einem Autisten überfordert fühlen können, sondern der autistische Mensch selber überfordert ist mit seiner Umwelt. Dieses Buch plädiert dafür, behinderte Menschen zu inkludieren und ihnen ihren Platz in der Gesellschaft zu gönnen, und sicher ist das ein wichtiger Punkt, damit dieses Prinzip „ein Kind braucht ein Dorf, aber Leo braucht eine Stadt“ funktionieren kann. Doch manchen Autisten tut man mit einem Platz „mittendrin“ gar keinen Gefallen, sondern setzt sie einem Stress aus, der ihnen noch mehr zusetzt. Nun ist auch diese Sichtweise einseitig und über allem steht dann noch die weise Erkenntnis: „Kennst du einen Autisten, kennst du einen Autisten“.
Aber gerade deshalb hätte es meiner Meinung eine differenzierte Darstellung gebraucht als eine in die Allgemeingültigkeit gezogene Heile-Welts-Lösung. So entlässt mich dieses Buch mit dem unguten Gefühl, dass ich zwar eine wirklich schöne Geschichte über Solidarität und Menschlichkeit gelesen (bzw. gehört) habe, dass es aber an vertiefenden Elementen und praxisorientierten (statt utopischen) Lösungen fehlt, um für ein nachdrückliches Umdenken zu sorgen.

Fazit: Ein paar allzu glatte Entwicklungen und das beschönigende Ende ergeben einen Minuspunkt für eine ansonsten leicht zugängliche, mit Herz und Witz erzählte Geschichte mit einer sehr wichtigen und starken Botschaft: Behinderungen sind „Störsteine“, die unsere Gesellschaft braucht!

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Sprachwitzig wie immer, Bashing wie nie zuvor

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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Tri Tra Trullala, das Känguru ist wieder da! Gewohnt schlagfertig, witzig und politisch. Und da die Zustände sind wie sie sind, nämlich zum Zustände kriegen, ist es auch gar nicht verlegen um viele aktuelle ...

Tri Tra Trullala, das Känguru ist wieder da! Gewohnt schlagfertig, witzig und politisch. Und da die Zustände sind wie sie sind, nämlich zum Zustände kriegen, ist es auch gar nicht verlegen um viele aktuelle Themen: die Inkompetenz unseres Kanzlers, der Rechtsruck, freie Meinungsäußerung, Klimaschutz, Geld (vorhandenes oder nicht vorhandenes) und noch ein paar Milliarden mehr. Schnapspralinen und Mangojoghurt nicht zu vergessen. Leidlich zusammengehalten werden seine Äußerungen, Monologe und Metaphern, aua!, Gleichnisse, es sind Gleichnisse!, von ein paar WG-Szenen mit Marc-Uwe und einer Wette: wer bringt mehr Leute zum Rebellieren? Hertha ist so lieb und gründet dafür sogar extra einen Podcast, sponsored by Bei Hertha, und bringt die Lage besser auf den Punkt bzw. den Bierdeckel als so manch anderer.
Nun ist es tatsächlich ein paar Jahre her, seit das Känguru so oft durch unsere Playlists rauf- und runter-gehüpft ist, dass wir mitsprechen konnten. Doch meinem Empfinden nach hat es in seiner fünften Runde an Alltagskuriositäten, Kommunismus und so anderen bürgerlichen Werten eingebüßt und ist mehr auf Bashing eingestellt: Milliardären-Bashing, KI-Bashing, fossile Brennstoffe-Bashing, Klimagegner-Bashing, AfD-Bashing oder ganz konkret Merz, Söder & Musk-Bashing. Dagegen kann man zwar rein inhaltlich wenig einwenden, im Gegenteil, man kann sogar noch ein paar Argumente dazulernen. Allerdings schafft dieses Gebashe eine so negative Grundstimmung, dass die Witze nicht mehr so zünden wie auch schon. Bei mir jedenfalls.
Millionen von anderen Zuhörern scheint es egal zu sein und das Känguru hoppelt weiter durch die Bestsellerlisten. Es sei ihm gegönnt, denn nach wie vor gibt es wenige Figuren, die so viel Politik auf so unterhaltsame Weise in die deutschen Köpfe und Zwerchfelle bringt. Fragt sich nur, wie Kling mit diesem Geldsegen umgeht, oder ob er sich auch bald einen Medienkonzern unter den Nagel reißt.

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