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Veröffentlicht am 14.03.2026

Kleopatra verkommt hier zur blassen Romantasy-Figur

Kleopatra
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Als Kleopatra im Jahr 51 v. Chr. 18 Jahre alt ist, stirbt ihr Vater und macht Kleopatra somit zur Herrscherin von Ägypten. Sie soll mit ihrem Bruder gemeinsam herrschen, doch das gestaltet sich als schwierig ...

Als Kleopatra im Jahr 51 v. Chr. 18 Jahre alt ist, stirbt ihr Vater und macht Kleopatra somit zur Herrscherin von Ägypten. Sie soll mit ihrem Bruder gemeinsam herrschen, doch das gestaltet sich als schwierig und schon bald findet sich Kleopatra von ihren Geschwistern hintergangen. Das Leben als Herrscherin eines Weltreichs, das schon vor Rom existierte und eine Hochkultur war, ist ständig bedroht. Jeder ausbleibende Regen bedroht die Herrschaft, jede politische Intrige kann tödlich enden, der Glaube an die Göttlichkeit der Herrscherin muss aufrecht erhalten werden. Und Kleopatra gelingt das Unmögliche. Sie führt Ägypten erneut in eine Blütezeit. Doch damit erweckt sie auch die Aufmerksamkeit Roms, dessen unersättlicher Machthunger und Ausbreitungsstreben Kleopatra in eine schwierige Lage bringen. Doch sie hat auch Verbündete unter Roms Mächtigen ...

Die Geschichte Kleopatras ist äußerst komplex und bietet keine einfache, lineare Kulisse für einen Roman. Bereits mit 18 musste sie sich gegen zahlreiche Verschwörungen und Attentate behaupten. Zudem hatte sie Beziehungen mit zwei der mächtigsten Männer Roms, hat deren Kinder und somit Anwärter auch auf Roms Macht bekommen. Sie wird als starke, durchsetzungsfähige und kluge Strategin eingeordnet. Davon bleibt in diesem Roman jedoch leider wenig übrig. Über weite Strecken liest sich dieses Buch wie ein Jugendbuch. Kleopatra wirkt hier unsicher und selbst im Alter von 22 noch unreif und naiv, Sie würde sich eigentlich am liebsten zurückziehen, das Regieren anderen überlassen und als Heilerin arbeiten und forschen. Das alles wirkt extrem unpassend zum historischen Bild von Kleopatra und die Person dahinter bleibt unnahbar. Eigentlich hatte ich gehofft, in diesem Buch dieser faszinierenden Figur besser nachspüren zu können. Stattdessen wirkt sie weinerlich, rechtfertigt sich für jeden Mord (obwohl ein Menschenleben damals wahrscheinlich noch deutlich weniger Wert war) und versucht die ganze Zeit den Lesenden weiß zu machen, sie sei nicht so. Vielleicht ist das Problem die Erzählperspektive und es hätte dem Buch besser getan, nicht aus Kleopatras Ich-Perspektive zu erzählen. Denn was mich besonders irritiert hat war, dass Kleopatra aus dem "Jenseits" heraus allwissend berichtet und vor allem immer wieder den Ereignis vorgreift. Die Szenen, die ich gut gelungen fand, bezogen sich alle auf Caesar und Marcus Antonius. Hier gelingt es der Autorin, Romantik, Witz und etwas Erotik in die Geschichte zu bringen; allerdings auch hier wieder, ohne anzuerkennen, dass Kleopatra die Nähe dieser Männer auch aus strategischen Gründen gesucht haben und etwas Verführungskunst eingesetzt haben mag. Die Romanfigur bleibt stattdessen eher passiv und wird selbst verführt. Und ein letzter Punkt, der mich irritiert hat, ist die Verbindung zu Übernatürlichem. Sicherlich gab es einen starken religiösen Glauben und Kleopatra brauchte entsprechende Zeichen, um sich als göttergesegnete Pharaonin unangefochten an die Spitze zu setzen, doch ein Ibis, der spioniert und lesen kann? Es kommen weitere ähnliche Elemente hinzu.
Und so war ich insgesamt enttäuscht von diesem Buch. Ich hatte mir so viel versprochen: eine feministische Neuerzählung dieser klugen Strategin, die es mit einem Weltreich aufgenommen hat. Stattdessen verkommt Kleopatra hier zu einer blassen Romantasy-Figur, die weiterhin unnahbar bleibt.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Mit einem psychologischen Spannungsroman hatte ich nicht gerechnet

Die Insel meiner Schwester
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Mirjam hat gerade keine gute Zeit. Sie verarbeitet noch die Trennung von ihrem langjährigen Freund, während sie gleichzeitig versucht, im Arbeitsalltag als Lehrerin zu funktionieren. Da erreicht sie eine ...

Mirjam hat gerade keine gute Zeit. Sie verarbeitet noch die Trennung von ihrem langjährigen Freund, während sie gleichzeitig versucht, im Arbeitsalltag als Lehrerin zu funktionieren. Da erreicht sie eine Nachricht ihrer Schwester Nia, zu der sie seit längerem keinen Kontakt mehr hatte. Nia lädt sie zu ihrem 40. Geburtstag auf Tallholmen, eine Insel in den Schären, ein. Hier haben die beiden die Sommer ihrer Kindheit als unzertrennliche Freundinnen verbracht. Mirjam hat immer bedingungslos zu Nia gehalten, doch noch bevor die Nacht zu Ende ist, muss sie entscheiden, wie weit sie wirklich für Nia gehen würde.

Ich bin mit einer gewissen Erwartung an diese Leseprobe herangegangen. Ich hatte einen Roman über Familiengeheimnisse oder ähnliches erwartet. Faszinierend fand ich besonders das Inselsetting. Die Leseprobe, die ich vorab gelesen hatte, zeugte von einem einfühlsamen Schreibstil, der die Emotionen der Protagonistin sehr treffend vermitteln und nachfühlbar machen konnte. Das hatte mich direkt abgeholt. Auf den Seiten danach wurde schnell deutlich, dass zu diesem Buch möglicherweise eine Triggerwarnung fehlt. Denn so nachfühlbar die Autorin über den Trennungsschmerz von Mirjam schreiben konnte, so distanzlos schreibt sie auch über die häusliche Gewalt, die hier zum zentralen Thema wird. Kaum auf der Insel angekommen, kippt die Handlung schnell von einem zunächst vermuteten belletristischen Roman zu einem psychologischen Spannungsroman mit Thrillerelementen im Stile von Paula Hawkins. Damit hatte ich eher weniger gerechnet. Leider rückten die gesellschaftskritischen Töne durch die Spannungshandlung in den Hintergrund. Gleichzeitig wird das Tempo ausgebremst durch Rückblenden, die die Beziehungen der verschiedenen Figuren und verschiedene Entwicklungen nachzeichnen. Auch ist Mirjams Ergebenheit Nia gegenüber nicht immer ganz nachvollziehbar.

Insgesamt war ich etwas enttäuscht von "Die Insel meiner Schwester", da meine Erwartungshaltung eine andere war als das, als was sich das Buch letztlich entpuppte. Die Autorin konnte zwar Spannung aufbauen und der ein oder andere Nervenkitzel war auch dabei. Dennoch war die Handlung weitgehend vorhersehbar bzw. nicht wirklich neu und wurde zum Ende hin dann etwas übertrieben. Auch das Ende war wenig überraschend. Das Buch eignet sich vor allem für Fans von psychologischen Spannungsromanen im Stile der späteren Hawkins-Bücher und ähnlicher Romane.

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Veröffentlicht am 22.11.2025

Eine Geschichte über Freundschaft und Verfehlung, die emotional auf Distanz bleibt

Weißes Licht
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Garrett lebt als Gepäckabfertiger in der idyllischen Landschaft Montanas. Zu seinem Studienfreund Charlie in Kalifornien hat er nur noch wenig Kontakt, da er sich schuldig am Tod eines gemeinsamen Freundes ...

Garrett lebt als Gepäckabfertiger in der idyllischen Landschaft Montanas. Zu seinem Studienfreund Charlie in Kalifornien hat er nur noch wenig Kontakt, da er sich schuldig am Tod eines gemeinsamen Freundes fühlt. Da Charlie jedoch viel an dieser ungleichen Freundschaft liegt, bittet er Garrett, ihn und seine Freundin Cece zu trauen. Als Cece schon einige Wochen vorher in das Haus von Charlies Familie am See zieht, um die Hochzeit vorzubereiten, verliebt sich Garrett in die Freundin seines besten Freundes ...

Als großer amerikanischer Roman wird dieses Buch bezeichnet - und irgendwie trifft das, meiner Meinung nach, auch zu. Man begleitet vor allem die Generation von Garrett, Cece und Charlie über Jahrzehnte hinweg, lernt aber auch ihre Kinder und deren Sorgen kennen, wobei die allgegenwärtige amerikanische Drogenproblematik nicht fehlen darf. Die zentrale Handlung, also die geplante Hochzeit von Cece und Charlie, spielt 2004. In Rückblenden erfährt man, wie die Freundschaft der Männer entstanden ist und was genau passiert ist, was Garrett so belastet. Der Roman entwickelt aber auch eine Zukunftsvision über Jahrzehnte hinweg, in der die Luft im Sommer vor Waldbränden kaum noch atembar ist und zunehmend die Tierarten verschwinden, deren Erhalt Garrett sich verschrieben hat. Zentral für die Handlung ist aber vor allem die Entwicklung der Freundschaftsbeziehung zwischen Garrett und Charlie, und auch CeCe, nach dem ultimativen Verrat. Leider konnte mich das Buch aber nicht so richtig fesseln, und so haben sich die mehr als 500 Seiten ganz schön gezogen, da es etliche Längen gab. Die Szenerie von Montana, in der auch die Serie Yellowstone spielt, bietet gutes Material für überzeugende Naturbeschreibungen, die der Geschichte einen besonderen Flair verleiht. Jedoch konnten mich die menschlichen Protagonisten wenig erreichen. Den gesamten Roman über blieben mir vor allem CeCes Beweggründe und Emotionen fremd und wenig nachvollziehbar. Garrett selbst bleibt die ganze Zeit über unnahbar, aber wenigstens authentisch. Umso weniger nachvollziehbar ist CeCes alles verändernde Entscheidung. Auch Ceces ständige Unzufriedenheit mit dem Leben im ländlichen Amerika war nicht dazu geeignet, positive Gefühle zu ihr aufzubauen.

Ich hatte mir von dem Buch viel versprochen, von dem leider nicht alles erfüllt wurde. Auch wenn mir die Naturbeschreibungen und naturbezogenen Szenen gut gefallen haben, konnte mich die Gesamthandlung nicht wirklich packen, und die Figuren sind mir allesamt fremd geblieben. Noch dazu war die Handlung zwischenzeitlich zäh, sodass das Leseerlebnis insgesamt eher gemischt war. Man könnte sagen, dass hier durchaus die großen Probleme Amerikas thematisiert wurden, sie bilden aber eher die Kulisse für diese Dreiecksbeziehung, in der mir alle weitestgehend unsympathisch geblieben sind.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Nichts, was man nicht schonmal gelesen hat

Schattengrünes Tal
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Bei einer Geburtstagsfeier in einer Hütte im Schwarzwald kommt es zu merkwürdigen Ereignissen: erst fällt der Strom aus, dann erhält Simon, der Ehemann der Protagonistin, eine ominöse Textnachricht. Währenddessen ...

Bei einer Geburtstagsfeier in einer Hütte im Schwarzwald kommt es zu merkwürdigen Ereignissen: erst fällt der Strom aus, dann erhält Simon, der Ehemann der Protagonistin, eine ominöse Textnachricht. Währenddessen steigt im in die Jahre gekommenen Hotel von Lisas Vater eine merkwürdige Fremde ab, die nicht einmal Ersatzkleidung dabei hat. Lisa ist von dieser Frau, Daniela, berührt, greift ihr unter die Arme und lässt sie in ihr Leben. Doch zunehmend entfremden sich die Menschen in Lisas Leben von ihr.
Die Geschichte ist in einem fiktiven Ort im Schwarzwald angesiedelt. Es wird eine naturnahe, etwas düstere Stimmung transportiert, die zusammen mit dem etwas heruntergekommenen Hotel von Lisas Vater gut funktioniert und authentisch eine deutsche Kleinstadt auf dem Land vermittelt. Die Geschichte um Daniela wird in angemessenem Tempo aufgedröselt, doch an dem Punkt, an dem es beginnt, perfide zu werden, ist die Geschichte auch schon zu Ende bzw. nimmt eine ziemlich abstruse Wendung. Ansonsten ist die Geschichte leider ziemlich vorhersehbar und schon früh klar, was hier gespielt wird. Neben dem überhasteten, unglaubwürdigen Ende benehmen sich hier einige Figuren wenig nachvollziehbar und ziemlich unreif, insbesondere Simon. Und man darf dabei nicht vergessen, dass es sich hier um Menschen in mittlerem Erwachsenenalter (u.a. mit fast erwachsenen Kindern) handelt und nicht um Teenager oder sehr junge Erwachsene. Am Ende ist die Geschichte insgesamt wenig innovativ und nichts, was man so nicht schonmal gelesen hätte und hat mich dadurch nicht sonderlich gefesselt oder überzeugt.

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Veröffentlicht am 21.01.2017

Für mich zu distanziert und emotionslos

Die Spionin
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Frankreich, 1917: In Paris wird eine Frau von einem Erschießungskommando hingerichtet. Es handelt sich dabei um die skandalumwitterte Tänzerin Mata Hari, die in den höchsten Kreisen verkehrte und schließlich ...

Frankreich, 1917: In Paris wird eine Frau von einem Erschießungskommando hingerichtet. Es handelt sich dabei um die skandalumwitterte Tänzerin Mata Hari, die in den höchsten Kreisen verkehrte und schließlich der Doppelspionage angeklagt und für schuldig befunden wird.
In diesem Buch, verfasst Mata Hari kurz vor ihrer Hinrichtung einen (fiktiven) Brief an ihren Anwalt und schildert ihre Sicht der Ereignisse und Entwicklungen. Dabei erfährt man viel aus ihrer Biografie; wie sie sich in ihrer holländischen Heimat langweilte, deshalb einen britischen Offizier heiratete und mit ihm nach Java ging. Doch diese Ehe war geprägt von Gewalt und so verlässt die damals noch Marghareta genannte junge Frau ihren Mann und ihr Kind und beginnt ohne Ausbildung eine Karriere als Tänzerin. Ihre freien Interpretationen exotischer Tänze, die wenig Authentizität und dafür viel nackte Haut beinhalten, verhelfen ihr zu Berühmtheit. Sie prahlt in ihrem Brief mit ihren unzähligen Liebschaften und legt dabei sowohl Arroganz als auch Naivität an den Tag. Leider bleibt Mata Hari in diesem Abschnitt sehr schematisch. Es wirkt oft wie eine Aneinanderreihung von biografischen Fakten, oft fehlte mir dabei die Emotionalität und Nähe zur Figur. Zudem scheint der Autor damit spielen zu wollen, dass Mata Hari auch im Ruf einer Lügnerin stand und oft viel zu ihrer Geschichte dazu erfand. Das erfährt man jedoch erst im Nachwort oder bei weiteren Recherchen im Internet. Im Buch selbst ist ein solches Verwirrspiel leider nicht gut gelungen, weil es nicht deutlich genug herausgestellt oder in Widerspruch zu anderslautenden Aussagen gestellt wird. Als einziges relativierend wirkt der anschließende (fiktive) Brief von Mata Haris Anwalt, doch auch das ist nicht ausgearbeitet genug und dient wahrscheinlich eher dazu, die Abläufe zu schildern, die außerhalb Mata Haris Wissen lagen. Leider bleibt auch Mata Haris Spionagetätigkeit schwammig und wenig greifbar oder verständlich. Der Meinung der Buchfigur nach seien gar keine Informationen geflossen bzw. ist von der Weitergabe von Klatsch die Rede, nur dass nie deutlich wird, was und an wen Mata Hari geliefert hat. Deutlich wird nur, dass Mata Hari in ihrer Selbsterhöhung und ihrem Geltungsdrang dumme und naive Dinge getan hat und sich möglicherweise in eine Situation manövriert hat, deren Bedeutung sie gar nicht erfassen konnte. Auch wird deutlich, wie gefährlich eine Frau wahrgenommen hat, die die Geliebte vieler einflussreicher Männer war und schließlich mindestens für ihre Unkonventionalität mit dem Leben zahlen musste.

Mata Hari wird auch weiterhin eine Faszination auf mich ausüben, dieses Buch wird jedoch wenig zu meinem Bild von ihr beitragen. Der Schreibstil ist zugegebenermaßen ansprechend und durchaus poetisch, konnte mir aber zu keiner Zeit irgendeine Emotion vermitteln, was ich wirklich bedauerlich fand. Auch die biografischen Details wurden für mich nicht bildhaft genug. Meiner Meinung nach wurde hier einiges an Potential der Geschichte verschenkt. Ich hatte ein ergreifenderes Buch erwartet, nicht zuletzt aufgrund Mata Haris tragischem Ende und etlicher Ungerechtigkeiten, die ihr wiederfahren sind. So kann ich nur sagen "Kann man lesen, muss man aber nicht unbedingt".