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Veröffentlicht am 08.10.2025

Zwischen Zucchini und Zwielicht – Willkommen in der „Aubergine“

Gruß aus der Küche
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Mit einem Roman in einer vegetarischen Küche hatte ich ja nicht gerechnet, dass so viele menschliche Zutaten aufeinanderprallen. In Irmas „Aubergine“ brodelt nämlich nicht nur die Suppe, sondern auch das ...

Mit einem Roman in einer vegetarischen Küche hatte ich ja nicht gerechnet, dass so viele menschliche Zutaten aufeinanderprallen. In Irmas „Aubergine“ brodelt nämlich nicht nur die Suppe, sondern auch das Personal. Da trifft eine tratschfreudige Hilfsköchin auf einen alten Gemüsemann, der angeblich nichts hört – aber gefühlt alles mitbekommt – und mittendrin eine Chefin, die so kreativ wie unberechenbar ist. Ingrid Noll hat wieder einmal ein Händchen dafür, ihre Figuren mit genau der richtigen Portion Schrulligkeit und Abgrund auszustatten.

Das Ganze liest sich, als würde man einem Küchenensemble beim Improvisieren zusehen: Es zischt, dampft, kracht – und plötzlich schmeckt’s wieder. Der Humor ist trocken, manchmal fast schwarz, und gerade das macht den Reiz aus. Noll schafft es, aus banalen Alltagsmomenten kleine Abgründe zu zaubern, die einen schmunzeln und gleichzeitig unruhig weiterblättern lassen.

Manchmal hatte ich das Gefühl, in einer Folge einer sehr eigenwilligen Küchensitcom zu stecken: ein bisschen „Zum Hirschen“, ein bisschen „Dinner for One“, garniert mit einer Prise Lebensweisheit. Es gibt Stellen, da wird’s etwas gemächlich – fast wie ein zu lang gekochter Eintopf –, aber das gehört wohl zum Charme. Die Figuren sind so liebevoll verschroben, dass man ihnen selbst ihre kleinen Bosheiten verzeiht.

Am Ende bleibt der Eindruck eines feinsinnig gewürzten Lese-Menüs: leicht, mit Biss, und nicht ganz ungefährlich. Wer Lust auf menschliche Macken, Küchengeflüster und subtile Spannung hat, ist hier bestens aufgehoben. Und ja – nach dem Lesen hatte ich irgendwie Hunger.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Zwischen Altbau, Absturz und Alltagswahnsinn

Die da oben
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Manchmal zieht man in eine Wohnung ein – und bekommt gratis gleich noch die Gesellschaftsstudie des Jahres mitgeliefert. So ungefähr fühlt sich „Die da oben“ an. Drei Frauen, ein Haus, eine Handvoll Ideale ...

Manchmal zieht man in eine Wohnung ein – und bekommt gratis gleich noch die Gesellschaftsstudie des Jahres mitgeliefert. So ungefähr fühlt sich „Die da oben“ an. Drei Frauen, ein Haus, eine Handvoll Ideale und jede Menge unterschwellige Explosionen zwischen Türrahmen und Teekocher. Tess und Moyra wollen einfach nur lieben, leben und nähen – und zack, stehen sie zwischen Verschwörungsdenken, Klassenschmerz und Altbaupolitik.

Was Oelze hier macht, ist ziemlich clever. Er nimmt ein ganz normales Mietshaus in Leipzig, dreht es einmal auf links und zeigt, wie unterschiedlich Menschen auf Druck reagieren. Die alten Mieter, die sich vom System verraten fühlen, treffen auf junge Idealistinnen, die es gut meinen – bis die Realität ihnen die Nähmaschine aus der Hand reißt. Das Ganze liest sich streckenweise wie eine WG-Diskussion auf Speed: mal klug, mal schräg, manchmal einfach nur zum Augenrollen – aber nie langweilig.

Oelze hat ein Händchen für Dialoge, die gleichzeitig wehtun und schmunzeln lassen. Und obwohl ich zwischendurch gern mal in den Seiten geschrien hätte „Jetzt redet doch einfach miteinander!“, liegt genau darin der Reiz. Die Figuren sind so echt, dass man sie am liebsten auf einen Kaffee einladen – oder höflich rausschmeißen – würde.

Ein bisschen mehr Tempo hätte dem Mittelteil gutgetan, aber das emotionale Finale fängt vieles wieder ein. „Die da oben“ ist kein Wohlfühlroman, sondern ein leiser, schlauer Realitätscheck über Nachbarschaft, Überzeugungen und die wackelige Kunst, Mensch zu bleiben. Vier Sterne, weil’s weh tut, nachklingt – und weil ich das Gefühl habe, mein eigenes Treppenhaus jetzt ein bisschen anders sehe.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Alte Geheimnisse, neue Fragen – und ein bisschen Gänsehaut

Kornblumenblau
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Manche Familiengeschichten kleben an einem wie alter Kellergeruch – man kann noch so oft lüften, ganz verschwindet er nie. „Kornblumenblau“ ist genau so ein Buch, das einem diesen muffigen Vorhang wegreißt ...

Manche Familiengeschichten kleben an einem wie alter Kellergeruch – man kann noch so oft lüften, ganz verschwindet er nie. „Kornblumenblau“ ist genau so ein Buch, das einem diesen muffigen Vorhang wegreißt und plötzlich wird’s ziemlich hell, ehrlich und unangenehm auf die beste Art. Susanne Beyer geht der Frage nach, wer ihr Großvater eigentlich war – ein Opfer, ein Mitläufer oder gar ein Täter? Und was das alles mit ihr selbst zu tun hat.

Was mich richtig gepackt hat, war diese Mischung aus journalistischer Präzision und emotionaler Wucht. Beyer schreibt nicht trocken oder belehrend, sondern zieht einen mitten rein in ihre Spurensuche. Ich hatte mehrmals das Gefühl, selbst in alten Akten zu wühlen oder in vergilbten Briefen nach Hinweisen zu suchen. Dabei gelingt ihr das Kunststück, Geschichte so lebendig zu erzählen, dass sie plötzlich ganz nah wird – nicht als etwas, das „damals“ passierte, sondern als etwas, das bis heute in uns weiterwirkt.

Klar, an ein paar Stellen hätte ich mir etwas weniger Wiederholungen gewünscht – manchmal dreht sich das Thema Schuld ein bisschen im Kreis. Aber das ist wohl der Preis, wenn man sich in den Nebel der Vergangenheit wagt. Dafür gibt’s viele kluge Gedanken über Verantwortung, Erinnerung und wie man mit den dunklen Schatten seiner Familie leben kann, ohne selbst darin zu versinken.

Unterm Strich: ein bewegendes, ehrliches Buch, das zum Nachdenken bringt – über Geschichte, Familie und sich selbst. Kein leichter Stoff, aber genau das Richtige für alle, die wissen wollen, was in den stillen Ecken ihrer eigenen Familiengeschichte so alles schlummert. Und ja – danach guckt man alte Familienfotos garantiert mit anderen Augen an.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Wenn Zauber schiefgehen und Herzen Funken schlagen

Zauberei und etwas Magie
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Magie, Chaos und zwei Zauberer, die sich lieber verfluchen als verstehen – klingt nach einem perfekten Rezept für Spaß, Drama und jede Menge Schmetterlinge im Bauch. Und genau das bekommt man hier serviert, ...

Magie, Chaos und zwei Zauberer, die sich lieber verfluchen als verstehen – klingt nach einem perfekten Rezept für Spaß, Drama und jede Menge Schmetterlinge im Bauch. Und genau das bekommt man hier serviert, mit einem Augenzwinkern und einem Zauberstab voller Charme.

Leovander Loveage ist der Typ, der kleine Zauber liebt: pinke Haare, flatternde Insekten, ein bisschen Glitzer hier und da. Kein Held, kein Auserwählter, eher der, der sich heimlich über die anderen Magier lustig macht, während er seinen Tee umrührt. Dann passiert der klassische Buchmoment: ein schiefgelaufener Zauber, ein verfluchter Rivale – und schwupps muss er Sebastian Grimm gehorchen. Ausgerechnet Grimm! Der Mann, der aussieht, als hätte er „mies gelaunt“ studiert.

Was folgt, ist ein magisches Buddy-Abenteuer mit jeder Menge Schlagabtausch, verpatzter Magie und einem Knistern, das man schon aus zehn Zauberstäben Entfernung spüren kann. Die Dialoge sind spritzig, der Humor schräg (auf die gute Art) und die Dynamik zwischen Leo und Grimm ist einfach köstlich – irgendwo zwischen „lass mich in Ruhe“ und „küß mich endlich“.

Ein paar Stellen ziehen sich minimal, und manchmal ist der Humor so bunt, dass selbst ein Einhorn Sonnenbrille tragen müsste. Aber der Charme überstrahlt das locker. Der Schreibstil ist leicht, lebendig und mit dieser charmanten Ironie, die das Buch zu einem echten Wohlfühl-Fantasy macht.

Fazit: Kein düsterer Zauberepos, sondern eine herrlich schräge Liebeserklärung an das Chaos der Magie – und an zwei Männer, die lieber streiten als zugeben, dass sie sich mögen.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Mit Doris Dörrie im Souvenir-Karussell

Die Reisgöttin
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Mit Doris Dörrie zu verreisen ist ungefähr so, als würde man mit einer leicht chaotischen, aber unglaublich charmanten Tante im Flohmarkt verloren gehen – und plötzlich mit einer Plastikschildkröte, einem ...

Mit Doris Dörrie zu verreisen ist ungefähr so, als würde man mit einer leicht chaotischen, aber unglaublich charmanten Tante im Flohmarkt verloren gehen – und plötzlich mit einer Plastikschildkröte, einem Curry-Pulver in Tütchen und einer völlig überflüssigen, aber magisch bedeutungsvollen Figur im Rucksack wieder auftauchen. In „Die Reisgöttin“ sammelt sie Dinge, die auf den ersten Blick wie Krempel wirken, aber beim genaueren Hinsehen plötzlich Geschichten freisetzen. Ein Origami-Tierchen wird zur Tür in eine Erinnerung, ein Fleckenpulver zum Zaubermittel gegen das Unaussprechliche, und eine Reisgöttin? Nun ja, die steht halt da und grinst – und schon steckt man mitten in Dörries Kopfkino.

Die Texte sind wie Souvenirs selbst: manchmal glänzend, manchmal schief, manchmal ein bisschen kitschig – aber fast immer überraschend. Klar, nicht jede Anekdote ist ein Volltreffer, und ab und zu dachte ich mir: „Okay, das hätte man auch in einem Satz erledigen können.“ Aber dann haut sie wieder einen Gedanken raus, der sich zwischen Leber und Zwerchfell festkrallt. Und das schafft nicht jede.

Was mir gefällt: Dörrie nimmt sich selbst nicht so ernst. Sie erzählt, als würde sie neben dir im Flugzeug sitzen und statt über Turbulenzen lieber über eine lächerlich hässliche Maske aus Mexiko philosophieren. Das macht das Buch herrlich unprätentiös. Aber man muss schon Lust auf diese Art von „Souvenirs in Buchform“ haben – wer hier eine klassische Reiseliteratur mit Fakten und Landeskunde sucht, wird enttäuscht.

Unterm Strich: vier Sterne. Kein literarischer Himalaya, aber definitiv eine charmante Reisebegleitung fürs Sofa. Wer gern zwischen Schmunzeln, Augenrollen und echtem Staunen pendelt, ist hier goldrichtig.

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