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Veröffentlicht am 14.11.2025

Bitte Einsteigen! Auf zum Gipfel des Brockens.

Abenteuer-Express (Band 4) – Gefahr im Mitternachtsexpress
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Henry und sein Onkel Nat erhalten einen mysteriösen Brief von einem alten Bekannten. Dieser bittet die beiden um Hilfe, denn auf der Burg der Familie Kratzenstein passieren unerklärliche Dinge. Gemeinsam ...

Henry und sein Onkel Nat erhalten einen mysteriösen Brief von einem alten Bekannten. Dieser bittet die beiden um Hilfe, denn auf der Burg der Familie Kratzenstein passieren unerklärliche Dinge. Gemeinsam reisen Henry und Nat über Berlin bis zum Gipfel des Brockens, um den Geschehnissen auf die Schliche zu kommen und das Rätsel um den Fluch der Familie Kratzenstein zu lösen.

Gefahr im Mitternachtsexpress ist der vierte Band der Abenteuer-Express-Reihe von M.G. Leonard und Sam Sedgmen. Das Buch lässt sich unabhängig von seinen Vorgänger lesen und benötigt keinerlei Vorwissen, um komplett in die Geschichte eintauchen zu können. Die alten Fälle werden nebenbei zwar erwähnt, erhalten jedoch keine Spoiler, sodass das Beachten der Reihenfolge nicht zwingend notwendig ist.

Durch die wunderschönen Zeichnungen der Illustratorin Elisa Paganelli wird die Geschichte auf eine ganz besondere Weise abgerundet, denn die Zeichnungen fügen sich nicht nur in die Geschichte ein, sie sind auch ein ganz besonderer Teil dieser! Etwas schade fand ich, dass manche Zeichnungen vor der expliziten Textstelle eingebaut wurden, sodass man bereits vorher wusste, was gleich passieren wird oder in welcher Beziehung manche Figuren zueinander stehen. Das tut der Lesefreude zwar keinen Abbruch, könnte aber durch ein späteres einbauen der Zeichnung ziemlich simpel umgangen werden. Außerdem ist es unglücklich, dass Henry in den Zeichnungen seinen Namen des Originals (Harrison) trägt, das sorgt bei den Kindern für Verwirrung.

Generell hebt sich dieser Band etwas von seinen Vorgängern ab. Während Band 1-3 vorwiegend in einem Zug spielen, befindet sich die Gefahr hier vor allem am Brocken und im Schloss der Familie Kratzenstein (nicht wie im Titel angedeutet im Mitternachtsexpress ). Züge finden zwar ihren Weg in die Geschichte - durch die Anreise, Henrys Vorliebe für Züge oder auch die Familiengeschichte der Kratzenstein - dennoch fehlt diese Besonderheit der Vorgänger. Auch die besondere Beziehung zwischen Henry und seinem Onkel Nathaniel kommt erst gegen Ende zu tragen und wird phasenweise komplett in Frage gestellt.

Während die Vorgänger auch durch ein enormes Potenzial des Miträtselns überzeugen konnten und auch die Zeichnungen immer ein toller Hinweislieferant waren, fiel auch dieser Aspekt dieses Mal gering aus. Dafür gab es vor allem gegen Ende viele dramatische, actionreiche Szenen.

Positiv hervorheben möchte ich aber noch die Figurenbeziehungen, die sich im Laufe der Geschichte toll entwickelt haben. Ebenso der unglaublich feinfühlige Umgang mit dem jüngsten Kratzenstein, an dem sich u.a. interessante Themen wie Notlügen aufmachen.

Insgesamt konnte Gefahr im Mitternachtsexpress leider nicht ganz so überzeugen wie seine Vorgänger, die aber auch einen unfassbar hohen Maßstab gesetzt haben. Trotz aller Kritik - die sich vor allem aufgrund der grandiosen Vorgänger ergibt - war auch dieser Teil wieder durchweg spannend und hat Spaß gemacht.

Veröffentlicht am 16.10.2025

Ankunft in Lower Whilby

The Pumpkin Spice Latte Disaster
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Jude kommt für die Hochzeit ihrer jüngeren Schwester nach Jahren zurück in das kleine Städtchen Lower Whilby. Das Städtchen, das sie so sehr hasst und ihre schlimmsten Erinnerungen aufwühlt.

Doch Lower ...

Jude kommt für die Hochzeit ihrer jüngeren Schwester nach Jahren zurück in das kleine Städtchen Lower Whilby. Das Städtchen, das sie so sehr hasst und ihre schlimmsten Erinnerungen aufwühlt.

Doch Lower Whilby hat sich verändert, da ist dieser Barista James, der seit zwei Jahren seine Heimat in dem Örtchen gefunden hat und der Jude vollkommen aus der Fassung bringt und auch noch der Sohn einer berühmten ehemaligen Band ist. Ein gefundenes Fressen für Jude, die nebenbei an einem Musikpodcast arbeitet und unbedingt mit seinen Eltern reden möchte. Nur kommen da noch ganz andere Gefühle in ihre hoch.

The Pumpkin Spice Latte Disaster von Kyra Groh entführt und in das englische Kleinstädtchen Lower Whilby. Grohs Bücher sind für mich seit Fake Dates and Fireworks ein Must-Read und dementsprechend habe ich mich auch schon auf den ersten Band dieser Reihe gefreut. Eins vorweg, Grohs Schreibstil ist wie immer erste Klasse, der Humor, die zahlreichen Metaphern und die Atmosphäre sorgen für ein kurzweiliges Lesevergnügen.

Lower Whilby hat mir ausgesprochen gut gefallen und wirklich Herbstvibes versprüht, die nicht nur auf den Pumpkin Spice Latte zurückzuführen sind. Die Bewohner:innen Lower Whilbys und ihre Strukturen konnte man bereits zu Beginn gut erahnen und einige Nebencharaktere spielen sich schnell ins Herz, sei es der vorlaute Penn oder die toughe Deb. Schnell hat man das Gefühl, dass man selbst in Lower Whilby angekommen ist.

Die Geschichte um Jude und James konnte mich leider aus einigen Gründen weniger abholen. Da haben wir einerseits Jude, die vor allem zu Beginn sehr anstrengend ist. Ihre Gedanken sind wirr, ihr Verhalten teilweise einfach too much. Auch wenn ich sie durchaus verstehen konnte, war die Chemie zwischen ihr und mir nicht die Beste. Das hat sich im Laufe der Geschichte jedoch durchaus gebessert, weil Jude eine Entwicklung durchgemacht hat. James gefiel mir generell besser und ich wurde schneller mit ihm warm, allerdings fand ich seine Gedanken teilweise einfach viel zu früh, viel zu sexuell geladen. Gefallen haben mir jedoch die Dialoge zwischen den beiden, die schlagfertig waren und immer wieder etwas zum Schmunzeln boten.

Schwierig fand ich auch den Fokus der Geschichte. Auch wenn wir die Perspektiven Judes und James’ einnehmen, habe ich das Gefühl, dass es vor allem um das Ankommen in Lower Whilby ging und während des Lesens wurde mir schnell klar, welche Frauen in den Folgebänden ihre Geschichte bekommen, weil sie einen extremen Anspruch an Seiten bekommen (vor allem eine von ihnen) und nur wenig für die Entwicklung zwischen James und Jude, bzw. deren eigene Entwicklung, getan haben. Gefehlt haben mir diese Seiten dann im Bezug auf James und Judes ‚Probleme‘ und so bleibt das Gefühl, dass die beiden sich noch gar nicht richtig kennen, weil kaum darüber gesprochen wurde, warum sie so sind, wie sie sind.

The Pumpkin Spice Latte Disaster konnte mich zwar im Hinblick auf die Lovestory zwischen James und Jude nicht komplett überzeugen, aber am Ende habe ich das Gefühl, dass ich unbedingt in das Städtchen zurückkehren möchte, weil mir dir Dorfgemeinschaft gefällt und ich gerne ihre Entwicklung verfolgen möchte.

Veröffentlicht am 11.10.2025

Herbst in Bramble Falls

Falling Like Leaves
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Die New Yorkerin Ellis hat klare Zukunftspläne, sie möchte an der Columbia University Journalismus studieren. Doch ihre Pläne scheinen zu platzen, als ihre Eltern sich trennen und ihre Mutter Ellis mit ...

Die New Yorkerin Ellis hat klare Zukunftspläne, sie möchte an der Columbia University Journalismus studieren. Doch ihre Pläne scheinen zu platzen, als ihre Eltern sich trennen und ihre Mutter Ellis mit nach Bramble Falls schleppt. Eine kleine Stadt, die Ellis’ Ziele in die Ferne rücken. Doch zum Glück findet in Bramble Falls das alljährliche Herbstfestival statt, dass Ellis von ihren Sorgen ablenkt und ihr Cooper näher bringt, den Jungen, den sie vor drei Jahren zum ersten Mal geküsst hat. Nur Cooper scheint weniger über Ellis Rückkehr erfreut zu sein, doch die Anziehung zwischen den beiden ist für alle zu spüren.

Falling Like Leaves von Misty Wilson ist eine süße Herbstromance für Jugendliche, die sich super leicht liest und vor allem in Bramble Falls eine herbstliche Atmosphäre erzeugt.

Die Geschichte erleben wir aus Ellis Sicht, was für mich fast schon der größte Kritikpunkt ist, denn Ellis ist für mich phasenweise etwas zu dramatisch und egoistisch eingestellt. Während die Jugendlichen um sie herum reifer und reflektierter wirken, beißt sie sofort zu, wenn ein potenzielles Drama entfacht werden könnte. Aber klar, Ellis hat im Gegensatz zu den anderen Charakteren auch einen unfreiwilligen Umzug im Nacken. Ihr Verhalten lässt sich daher durchaus erklären, wenngleich ich mir manchmal trotzdem etwas mehr Reflexion gewünscht hätte.

Die herbstliche Atmosphäre in Bramble Falls kam super rüber und sorgt für einen gemütlichen Flair. Die Nebencharaktere in Bramble Falls fand ich allesamt sympathisch, nur die Geschichte aus dem Elternhaus war mir etwas zu stereotypisch und klischeehaft. Wilsons Schreibstil trägt einen super leicht durch die Geschichte und ich bin mir sicher, dass Falling Like Leaves für Jugendliche ein tolles, herbstliches Romance Buch ist.

Veröffentlicht am 06.10.2025

Faircoast's MagicWorld

Faircoast: Hateful Ride | Aufwendig gestaltete Ausgabe mit Farbschnitt
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Faircoast’s MagicWorld steht kurz vor dem Bankrott, deswegen soll ein neuer Mitarbeiter durch innovative Ideen und Maßnahmen den Park retten. Die Tochter des Parkchefs Jade Allington kommt so gar nicht ...

Faircoast’s MagicWorld steht kurz vor dem Bankrott, deswegen soll ein neuer Mitarbeiter durch innovative Ideen und Maßnahmen den Park retten. Die Tochter des Parkchefs Jade Allington kommt so gar nicht mit dem arroganten Kit Martínez zurecht, doch eine Zusammenarbeit ist unausweichlich und schnell merken die beiden, dass da mehr ist als Unstimmigkeiten. Wäre da nicht Sam, eine Chatbekannschaft, der Jade ihr Herz geschenkt hat. Jade ist hin- und hergerissen von ihren Gefühlen für Sam und Kit. Doch was ist, wenn Sam Kit ist und Kit den Freizeitpark zerstören möchte?

Hateful Ride von Vanessa-Sophie Peks ist ein Buch, dass durch seine Aufmachung direkt die Aufmerksamkeit erzielt. Ein richtiger Hingucker, dessen Klappentext auch überzeugen konnte und mich als Freizeitparkliebhaberin direkt angesprochen hat. Inhaltlich kam ich dann leider zwischenzeitlich ziemlich in einen Zwiespalt.

Wir wechseln die Perspektiven zwischen Jade und Kit und erleben auch manchmal Szenen aus der Vergangenheit, was beiden eine gute Tiefe verleiht. Kit konnte mich vor allem zu Beginn der Geschichte überzeugen, als er Ungerechtigkeiten u.ä. auch dann aus der Welt schaffen wollte, wenn es eine Person betraf, die er nicht leiden konnte. Im Laufe der Geschichte hat sich dieser Charakterzug zwar nicht verändert, aber es gab doch Verhaltensweisen die doch eher seltsam waren. Jade gefiel mir sehr gut, vor allem ihre Liebe zum Freizeitpark und der Zauber dessen, der dabei erweckt wurde.

Die Idee mit den Chats gefiel mir sehr gut, das hat das Lesen aufgelockert und auch eine kleine Spannung erzeugt. Dennoch fühlten sich manche Chats nicht gesund an und haben ein seltsames Gefühl vermittelt, auch der Umgang mit der Erkenntnis war für mich eher suboptimal gelöst.

Schade fand ich auch, dass in Kits Perspektive eine Sache sehr präsent war und das für mich nicht wirklich aufgelöst bzw. nur kurz abgehandelt wurde. Für diese Präsenz, die sein Handeln antreibt und seine Gedanken prägt, hätte ich mir am Ende einen größeren Raum gewünscht.

Außerdem fand ich die Masse an (Tipp-)Fehlern leider erschreckend, wenn der Sinn dabei nicht verloren geht, kann man darüber hinweglesen, aber „verliehen“ statt „verlieben“ (S. 164) oder „hecken“ anstatt „checken“ (S. 252) fällt dann doch auf.

Ich möchte aber mit etwas für mich besonders positiven abschließen. Der Spiceanteil war super gering, gerade bei der Länge hatte ich schlimmere Befürchtungen und wurde positiv überrascht. Faircoast: Hateful Ride ist absolut Slow Burn, was mir wunderbar gefallen hat. Die Charaktere hatten eine schöne Tiefe und mir gefiel die Atmosphäre. Im Mittelteil fand ich es etwas wiederholend, aber insgesamt doch eine schöne Geschichte.

Veröffentlicht am 29.09.2025

Der rätselhafte Findling

Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten
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1829, Nürnberg: Greta Grimaldi und ihr Vater erreichen Nürnberg. Zusammen wollen sie den mysteriösen Fall um Kaspar Hausers Drohbriefe lösen.

Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten von Davide Morosinotto ...

1829, Nürnberg: Greta Grimaldi und ihr Vater erreichen Nürnberg. Zusammen wollen sie den mysteriösen Fall um Kaspar Hausers Drohbriefe lösen.

Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten von Davide Morosinotto beschäftigt sich mit dem realen Fall des Kaspar Hausers’ und verbindet wahre Begebenheiten mit fiktiven Rätseln und Lösungen.

Die Idee einen wahren, mysteriösen Fall in eine fiktive Geschichte umzugestalten hat mir sehr imponiert, vor allem weil mir Kaspar Hauser bis dato nicht geläufig war und ich mir im Nachgang noch einiges, interessantes anlesen konnte. Die Einbindung der wahren Begebenheiten finde ich sehr gut gelungen und die Abweichungen sind natürlich dem Kriminalfall geschuldet, unter dessen Deckmantel die Geschichte entsteht. Dieser Fall findet im Buch seinen Abschluss, das Rätsel um Kaspar Hausers Herkunft wird aber auch hier nicht gelöst, was ich sehr passend finde.

Der Schreibstil passt zu einem Detektivroman und ist eher etwas unterkühlt, weswegen auch die Charaktere unnahbar bleiben. Ich hätte mir gerne ein paar Szenen mehr mit Kaspar Hauser gewünscht, um seinen Charakter etwas besser auszuarbeiten, so wurde viel von ihm gesprochen, aber selbst wenig von/mit ihm erlebt.
Greta Grimaldi wirkte auf mich nicht ganz stimmig, während sie in der Vergangenheit als cleveres Mädchen beschrieben wurde, fällt sie hier doch eher durch undurchdachte Aktionen auf und auch die Ermittlungen laufen eher beiläufig, wohingegen anderen Dingen ein größerer Fokus gegeben wird. Diese sind zwar ein Teil der Lösung, nehmen für mich dennoch etwas zu viel Platz ein.

Das Ende selbst war für mich dann leider eine kleinere Enttäuschung. Nicht weil man die Lösung relativ schnell erahnen kann, das finde ich - auch im Anbetracht der Zielgruppe - nicht weiter tragisch, allerdings wirkt der Grund absurd und sehr konstruiert.