Curtis ist Schlagzeuger der Band "After Hours" und lebt mit seiner Mitbewohnerin Amory im trubeligen New Orleans. Seit er seine Eltern bei einem Hurrikan verloren hat, hat er mit unverarbeiteten Problemen ...
Curtis ist Schlagzeuger der Band "After Hours" und lebt mit seiner Mitbewohnerin Amory im trubeligen New Orleans. Seit er seine Eltern bei einem Hurrikan verloren hat, hat er mit unverarbeiteten Problemen zu kämpfen, rastet aus und prügelt sich. Mit Amory führt er eine lockere Affäre, doch als sie bei der Arbeit jemanden kennenlernt, kommt für Curtis noch die Eifersucht hinzu. Als die Situation vollends eskaliert, zieht Amory einen Schlussstrich - und Curtis muss sich fragen, ob er sein Leben wie bisher weiter führen möchte oder sich etwas ändern muss.
Im dritten Band der "New Orleans"-Reihe begleiten wir Curtis und Amory - und wie immer bei Kathinka Engels Büchern bin ich ich voll begeistert!
Die beiden vorigen Bände haben mir ebenso unglaublich gut gefallen, Curtis lernt man jedoch nochmal von einer ganz anderen Seite kennen. Beim Lesen spürt man seine Explosivität und angestaute Wut, aber auch Sanftheit und Liebe im Umgang mit Amory. Der Erzählstil und die sich abwechselnden Kapitel aus Amorys und Curtis' Sicht passen wieder mal perfekt zur Geschichte. Curtis lernt, nach der kompletten Eskalation, dass es in Ordnung ist, Gefühle rauszulassen, aber man muss sich auch anschauen, was dazu führt, dass man immer wieder so wütend wird.
Amory hingegen ist eine regelrechte Powerfrau und selbstbewusst, sie steht für sich ein und kommt auch mit Curtis' oft roher und abweisender Art zurecht. Die Geschichte zeigt wunderbar, dass man zusammen alles schaffen kann, aber heilen kann man sich nur selbst um sicher und standfest durchs Leben zu gehen.
New Orleans wird wie in allen Büchern der Reihe wunderbar und mit viel Liebe zum Detail beschrieben, die Geselligkeit und auch der Zusammenhalt der Stadt wird deutlich, am liebsten würde ich die "After Hours" auch einmal bei einem Auftritt miterleben :)
Ein großartiger Roman, von mir gibt es, wie für alle Bücher der Autorin, eine große Leseempfehlung!
Bella ist fünfzehn Jahre alt und hat es gerade nicht leicht: ihre Eltern haben sich getrennt, gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester wechselt sie wochenweise zwischen den beiden und ihre Großmutter ist ...
Bella ist fünfzehn Jahre alt und hat es gerade nicht leicht: ihre Eltern haben sich getrennt, gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester wechselt sie wochenweise zwischen den beiden und ihre Großmutter ist vor kurzem erst gestorben. Zudem spürt sie großen Leistungsdruck in der Schule und das Gefühl, zu jeder Zeit funktionieren zu müssen. Das alles erträgt sie nur durch die Abende mit ihrer Clique, bei denen der Alkohol fließt. Dass der Alkohol auch immer präsenter im Alltag und nicht nur mit ihrer Clique zusammen wird, verdrängt Bella lieber. Bis eines Tages nichts mehr geht und Bella dämmert, dass sie so nicht weiterleben kann. Eine schwierige Reise für sie beginnt.
Ich kann nur sagen: wow! Was für ein grandioses, wichtiges und eindrückliches Buch! Ich hatte zuvor noch nichts von Kathleen Glasgow gelesen, aber das Thema Alkoholsucht in Verbindung mit dem tollen Cover und Klappentext hat mich neugierig gemacht. Es ist kein leichtes Buch für zwischendurch, es ist harter Tobak, denn mit Bella geht man sprichwörtlich durch die Hölle. Ungeschönt und echt beschreibt sie alles, was ihr im Kopf herumschwirrt: angefangen vom Alkohol besorgen (für sie und ihre Freunde als Minderjährige gar nicht so leicht), ihr Gefühl beim Trinken, ihr Verlangen nach mehr und Abstürze und Filmrisse aller Art. Oft musste ich das Buch kurz zur Seite legen, weil es so intensiv ist, dass man das Gelesene erst verarbeiten muss.
Bella ist ein ganz normaler Teenager, der gerade in einer schwierigen Phase steckt. Angefangen vom Leistungsdruck in der Schule über den Tod der Großmutter, der in der Familie nie thematisiert oder aufgearbeitet wurde bis zu den streitenden Eltern, zwischen denen sie und ihre Schwester pendeln müssen. Vor allem die Eltern haben mich oft unheimlich wütend gemacht: sie benutzen Bella als "Sprachrohr" um nicht miteinander kommunizieren zu müssen, auch das zu Bett bringen der Schwester überlassen sie meist Bella, denn sie meistert ja scheinbar mühelos den ganzen Alltag. Und wenn sie funktioniert und alles perfekt schafft und unter einen Hut bekommt, sind auch alle um sie herum glücklich, oder? Die Eltern ziehen sich geschickt aus der Affäre und der Verantwortung, denn als Eltern in Trennung hat man ja genug Probleme - und Bella schafft das alles schon. Sie verliert sich dabei immer mehr und es tut weh beim Lesen, sie in ihrer Zerrissenheit und Erschöpfung zu erleben. Oft wollte ich sie einfach in den Arm nehmen und die Last von den Schultern, denn dass sie psychisch immer mehr abbaut, sollten eigentlich alle um sie herum merken. Einzig ihre beste Freundin macht sich Sorgen um sie und bemerkt den verstärkten Alkoholkonsum. Aber Bella redet sich immer wieder geschickt raus und entwickelt Möglichkeiten und Schlupflöcher, wie sie heimlich und unbemerkt trinken kann.
Wenn man beim Lesen denkt, dass das alles schon schlimm und fordernd zu lesen ist, wartet noch erst die größte Herausforderung: ein Aufenthalt in der Suchtklinik für Jugendliche. Was sie dort erlebt, möchte ich gar nicht spoilern und zu ausführlich beschreiben, denn sie durchlebt alle Phasen des Nichttrinkens, des Verlangens und noch mehr.
Das Buch ist komplett aus Bellas Ich-Perspektive geschrieben, was einem das Mädchen und die Probleme nochmal viel näher bringt. Auch das Nachwort ist bewegend und toll geschrieben, man merkt der Autorin beim Lesen an, dass es keine einfach zu schreibende Geschichte für sie war.
Alkohol ist leider, vor allem in unserer Gesellschaft, allgegenwärtig und wird zu oft verharmlost und in den Alltag integriert. Auch z.B. Bellas Vater lässt nichts auf sein "Feierabendbier" kommen und in der Clique und auf Partys sowieso ist der Alkohol stets präsent.
Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für dieses wichtige und eindrückliche Buch. Auch als Schullektüre könne ich mir das Buch vorstellen, zeigt es doch die Gefahren von Alkoholsucht auf und wie leicht es jeden von uns treffen kann. Aber auch Erwachsenen möchte ich das Buch empfehlen. Es sollte öfter Bücher wie dieses geben! Unbedingt lesen!
Jehona Kicaj ist 1991 im Kosovo geboren und in Göttingen aufgewachsen. Sie hat Germanistik, Philosophie und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft studiert. Als Kind kosovarischer Geflüchteter erzählt sie ...
Jehona Kicaj ist 1991 im Kosovo geboren und in Göttingen aufgewachsen. Sie hat Germanistik, Philosophie und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft studiert. Als Kind kosovarischer Geflüchteter erzählt sie ihre Geschichte und die des Krieges im Kosovo Ende der 90er Jahre, den sie aus sicherer Entfernung in Deutschland miterlebt. Sie erzählt von ihrer eigenen Familie, aber auch von Exil, Flucht, Migration und Völkermord. Der Titel "ë" steht dabei für einen Buchstaben, der essentiell für die albanische Sprache ist, aber kaum hörbar ist beim Sprechen.
Mit 176 Seiten ist das Buch nicht allzu dick, hat es dafür aber in sich. Sprachgewaltig und feinfühlig beschreibt die Autorin hier ein wichtiges Thema, das in Vergessenheit gerät und für viele von uns nicht präsent ist oder war. Sie verpackt sensible Themen wie Krieg, Flucht und Sprachlosigkeit gekonnt in eine Geschichte, die sowohl ihr selbst als auch allen Opfern und Überlebenden des Krieges gerecht wird.
Der Roman beginnt mit der Sprachlosigkeit im weitesten Sinne - bei einem Zahnarztbesuch. Die Autorin benötigt eine Beißschiene, denn sie presst die Kiefer wohl so fest aufeinander, dass Zähne und Knochen Schaden nehmen. Bereits hier zeigt sie eindrucksvoll, wie sie die Sprachlosigkeit und -suche erlebt, stets zwischen zwei Sprachen zu sein, die Sprache nicht finden und greifen zu können. Sie widmet sich einer Fülle an Themen, auch ihre Erfahrungen als Kind Geflüchteter in Deutschland sind Thema: Rassismus und Ausgrenzung in Schule und Universität, aber auch im Alltag. Ebenso die kollektiven Erinnerungen, beispielsweise ihrer Eltern oder anderer Familienmitglieder und die Angst, die Sprache zu verlieren, beschreibt sie treffend und stets wird ihre Zerrissenheit deutlich, an der sie uns als Leser teilhaben lässt. Der Erzählstil ist dabei sachlich, aber eindringlich und nie belehrend und das entfaltet einen Sog beim Lesen, dem man sich als Leser kaum entziehen kann. Einen kleinen Abzug gibt es für mich für die vielen Wechsel der Zeit- und Personenebenen, weil das Buch keine Kapitel oder Überschriften hat. Oft musste man sich erst wieder in die Geschichte einfinden, wenn in einem neuen Absatz ein neuer Gedanke aufgegriffen wird. Aber es fordert beim Lesen und passt zur Handlung und der Geschichte.
Das Buch hat mich sehr bewegt und zum Nachdenken gebracht, es hallt nach und greift das Thema und die Aufarbeitung des Kosovokrieges auf, das oft ignoriert wird und in Vergessenheit gerät.
Jehona Kicaj jat mit "ë" einen gewaltigen, wichtigen und fordernden Roman geschrieben, der nicht nur unterhält sondern auch die Grausamkeiten und Komplexitäten von Krieg, Migration und Sprachlosigkeit aufgreift. Für mich völlig zurecht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025, ich würde mich freuen, wenn sie damit ausgezeichnet wird. Unbedingte Leseempfehlung!
Jana zieht mit ihrem Mann und den beiden Kindern aus der Großstadt aufs Land, pure Idylle, viel Grün und eine Nachbarschaft mit vielen Kindern. Sie ist erneut schwanger und hat ihren Job im Marketing gekündigt, ...
Jana zieht mit ihrem Mann und den beiden Kindern aus der Großstadt aufs Land, pure Idylle, viel Grün und eine Nachbarschaft mit vielen Kindern. Sie ist erneut schwanger und hat ihren Job im Marketing gekündigt, ohne mit ihrem Mann vorher darüber zu sprechen. Jana ist oft überfordert mit den beiden Kindern und froh, wenn sie sie für ein paar Stunden in der Kita abgeben kann. In der Ehe kriselt es und so ist sie oft alleine mit den Kindern. Schon bald begegnet sie Karolin, die das genaue Gegenteil von Jana ist: ihren Alltag mit fünf Kindern meistert sie scheinbar mühelos und sie geht locker durchs Leben. Jana folgt ihr bei Instagram, wo sich Karolin als sogenannte Trad-Wife präsentiert: sie erzählt, wie gerne sie mit den Kindern zu Hause ist, gibt Tipps zu Erziehung, Haushalt und dem Leben als Mutter und Ehefrau im Allgemeinen und scheint fest im Glauben und christlichen Werten verankert. Jana wird immer weiter eingesogen in dieses ihr neue Lebensmodell und verändert sich immer mehr. Aber auch bei Karolin ist nicht alles so perfekt, wie es scheint.
Schon der Klappentext hat mich direkt angesprochen, einen Roman über den Trend von Trad-Wives habe ich in der Form noch nicht gesehen oder gelesen.
Die Geschichte ist komplett aus Janas Ich-Perspektive geschrieben, was ihre Veränderung und Gedanken sehr gut ins Licht rückt. Schon zu Beginn übt die Handlung einen Sog auf den Leser aus, dem man sich bald nicht mehr entziehen kann. Die Ideologie, die Karolin vertritt, schleicht sich lautlos an: in einem Buchclub, den Karolin leitet, bespricht sie ein Buch, das propagiert, Kinder zu Hause zu erziehen ohne Kita und äußere Einflüsse. Oder das Selbstherstellen von Lebensmitteln, weil die Industrie uns und unsere Kinder vergiften will. Oder die christlichen Werte, die sie ihren Kindern vermitteln will. Es gibt viele große und kleine Beispiele, die mir mehr oder weniger aufgefallen sind, weil sie eben so nebensächlich und selbstverständlich betrachtet werden. Oft war ich auch selbst, wie Jana, hin- und hergerissen, denn eigentlich ist ja z.B. Zeit mit seinen Kindern verbringen zu wollen, per se nichts Schlimmes. Die Autorin schafft es gekonnt, ohne Wertung oder erhobenen Zeigefinder, ohne Pro oder Kontra zu erzählen mit viel Feingefühl und Präzision, der Schreibstil lässt viel Raum für Interpretationen. Gerade dieser leise und elegante Schreibstil holt einen ab und übt einen Sog aus, dem ich mich bald nicht mehr entziehen konnte und das Buch an zwei Nachmittagen gelesen habe.
Die Figuren sind allesamt toll und realistisch gezeichnet. Da wir alles aus Janas Sicht erfahren, ist die Betrachtung zwar subjektiv, aber als Leser kann man sich dennoch ein gutes Bild der Situation und der Figuren machen. Vor allem Karolin hatte ich sofort genau vor Augen, weil sie die Menge an Influencerinnen und Trad-Wives, die einem in den sozialen Medien begegnen, mehr als treffend repräsentiert. Lühmann gelingt es, diese Figuren sowohl sachlich als auch feinfühlig genug zu beschreiben, sodass sich der Leser selbst ein Bild machen muss.
"Heimat" ist ein rundum gelungener Roman, der den oft wenig beachteten, aber umso gefährlicheren Trend der Trad-Wives aufgreift. Außerdem werden viele wichtige Themen aufgegriffen wie das Spiel mit klassischen Rollenbildern, Erziehung, Stadt-Land-Gefälle und Familienprobleme. Es ist ein Buch, das schnell gelesen ist, aber lange nachhallt. Leise wird eine Geschichte erzählt, die sich genauso wahrscheinlich zu Tausenden in Deutschland abspielt. Als Leser ist man gefragt, sich eine Meinung zu bilden, abzuwägen und für sich zu entscheiden, wie man die Handlungen und Situationen bewertet. Es hat mich öfters wütend gemacht, wie Jana in die "Falle" tappt und sich immer weiter in dieses rechte Milieu begibt. Vor allem aber, wie Karolin und ihr Mann dieses Leben, das sie präsentieren, rechtfertigen: mit christlichen Werten und auf die Familie und Rollenbilder fokussiert, denn z.B. ist ein Mann, der im Haushalt hilft, das Schlimmste, Kinder in die Kita "abzuschieben", nur damit die Eltern ihre Ruhe haben, das Schlimmste oder der Mann hat in der Familie natürlich das letzte Wort und als Frau muss man sich eben auch mal unterordnen.
Der Roman wird mich noch lange beschäftigen. Das sehr offene Ende hat mich erstmal ratlos zurück gelassen, aber auch darüber denkt man noch lange nach, denn er lässt viel Interpretationsspielraum. Es hätten auch für mich noch mehr Seiten sein dürfen, denn Einiges bleibt unklar oder wird nicht ausgeleuchtet, aber das macht auch den Reiz der Geschichte aus. Große Leseempfehlung für dieses wichtige Thema!
Tahsim Durgun lässt uns in seinem Buch an seiner Geschichte teilhaben. Er wächst mit drei Geschwistern und seinen Eltern in Oldenburg in einer trostlosen Plattenbausiedlung auf. Die Eltern sind Yeziden ...
Tahsim Durgun lässt uns in seinem Buch an seiner Geschichte teilhaben. Er wächst mit drei Geschwistern und seinen Eltern in Oldenburg in einer trostlosen Plattenbausiedlung auf. Die Eltern sind Yeziden und mussten aus ihrer Heimat fliehen, die Kinder wurden in Deutschland geboren. Auch wenn die Kinder keine andere Heimat als Deutschland kennen, werden sie als fremd angesehen, müssen mit Vorurteilen kämpfen und ihr Aufenthaltsstatus ist immer wieder in Gefahr, denn die Behörden sind der Meinung, dass die Türkei für Yeziden nun sicher sei. Die Kinder lernen Deutsch, müssen oft für die Eltern, insbesondere die Mutter, übersetzen und sie zu Behörden- und Arztbesuchen begleiten.
Ich hatte zuvor noch nichts von Tahsim Durgun gehört oder gesehen, aber der Klappentext und Titel haben direkt Lust aufs Lesen gemacht. Die Geschichte ist mehrere Kapitel unterteilt, jedes Kapitel trägt als Überschrift ein Stilmittel der deutschen Sprache in eine Frage verpackt. Der Erzählstil ist so locker und leicht, dass ich oft das Gefühl hatte, der Autor würde mir gegenübersitzen und seine Geschichte erzählen. Er erzählt frei und "vom Herzen weg", was mir sehr gut gefallen hat und die Geschichte ungemein auflockert. Er bewahrt sich seinen Humor beim Erzählen, auch in unangenehmen und beklemmenden Situationen beschönigt er nichts oder übertreibt beim Erzählen.
Vor allem der Kontrast, den der Autor bei seiner Mutter erlebt, ist enorm: zu Hause ist sie die "Meisterin" der Wortgewandtheit in kurdischer Sprache, kann selbst komplexeste Dinge erläutern, ist selbstbewusst und kann sich durchsetzen. Im Gegensatz dazu steht die schüchterne und gedemütigte Frau, die um Worte ringt, der die Stimme weg bleibt und die auch auf dem Schulfest nicht versteht, warum andere Mütter die Nase rümpfen, wenn sie die mitgebrachten Speisen sehen.
Man spürt beim Lesen die Verbundenheit und Liebe des Autors zu seinen Eltern und seiner Familie, er ist trotzdem einerseits stolz auf seine Wurzeln und was seine Eltern geschafft haben, andererseits schämt er sich auch gerade als Kind, wenn er z.B. nicht sagen kann, welcher Religion er angehört oder beim Übersetzen helfen muss.
Er versteht, dass seine Mutter bei auslaugender Arbeit ohne Urlaub und Kindererziehung kaum Zeit hatte, Deutsch zu lernen, aber ist auch wütend darüber, dass sie nach über zwanzig Jahren immer noch so um Worte ringt. Differenziert zeigt er seinen Zwiespalt in dieser Hinsicht auf, aber auch komplexe Probleme in der deutschen Gesellschaft und im System in Bezug auf Migration und Integration nimmt er kritisch und trotzdem humorvoll unter die Lupe.
Das Buch macht die Privilegien deutlich, die fast alle von uns in Deutschland haben, aber auch, wie wir im Einzelnen und als Gesellschaft aktiv Integration und Miteinander fördern können. Mein tiefer Respekt gilt dem Autor und seiner Familie, insbesondere der Mutter, die so vieles erreicht haben, was wahrscheinlich immer ungesehen bleiben wird. Ganz große Leseempfehlung, ich hoffe, dass das Buch noch viele Menschen erreichen wird!