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Veröffentlicht am 17.10.2025

Eine Heldin, die ihren eigenen Weg sucht

Nightblood Prince
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Der Einstieg in Nightblood Prince fiel mir zunächst etwas schwer. Zwar passiert von Anfang an etwas und man wird direkt in Feis Welt hineingeworfen, doch es hat ein wenig gedauert, bis ich wirklich in ...

Der Einstieg in Nightblood Prince fiel mir zunächst etwas schwer. Zwar passiert von Anfang an etwas und man wird direkt in Feis Welt hineingeworfen, doch es hat ein wenig gedauert, bis ich wirklich in der Geschichte angekommen bin. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von Fei, die durch das Phönixmal auf ihrer Stirn als zukünftige Kaiserin ausersehen ist, ein Zeichen einer alten Prophezeiung. Diese Perspektive hat mir im Verlauf des Buches sehr gut gefallen, da man Fayes Gedanken, Zweifel und innere Konflikte intensiv miterlebt.

Themen & Gesellschaftskritik

Ein Aspekt, der mich wirklich beeindruckt hat, war die Darstellung der Rolle der Frau in dieser Welt und wie Molly X. Chung diese Thematik immer wieder aufgreift. Schon zu Beginn spürt man, wie stark Frauen gesellschaftlichen Erwartungen unterliegen: Sie sollen heiraten, Kinder bekommen, gehorchen. Fei fügt sich anfangs in diese Rolle, weil sie denkt, dass es ihre Pflicht ist, doch mit jedem Kapitel wächst in ihr der Wunsch, selbst zu bestimmen, was sie will und wer sie sein möchte.

Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch und wird nicht einfach als Nebenhandlung abgehakt, sondern bleibt konstant präsent. Besonders gefallen hat mir, dass Fei keine „perfekte Rebellin“ ist. Sie hat Zweifel, sie macht Fehler, sie zögert und gerade das macht ihre Entwicklung so nachvollziehbar und realistisch. Die Art, wie die Autorin hier über Selbstbestimmung, Erwartungen und Emanzipation schreibt, fand ich unglaublich stark.

Gerade gegen Ende des Buches wird dieses Thema noch einmal intensiv aufgegriffen, und das hat mir emotional sehr viel gegeben. Es rundet die Geschichte gut ab, zeigt, wie weit sie gekommen ist und öffnet gleichzeitig den Raum für das, was noch kommen könnte. Dieses Ende hat für mich letztlich den Ausschlag gegeben, dem Buch vier Sterne zu geben. Ohne diesen inhaltlichen Tiefgang und den starken Schlussteil wäre meine Bewertung wahrscheinlich niedriger ausgefallen.

Handlung & Welt

Die Geschichte spielt zwischen politischen Intrigen, einem aufziehenden Krieg und moralischen Konflikten, Fei muss herausfinden, wer sie sein will: Kaiserin, Friedensstifterin oder einfach nur sie selbst.

Das Fantasy-Setting bleibt dabei zurückhaltend. Es gibt seherische Fähigkeiten, eine magische Kreatur, doch sie überlagern nie die eigentliche Handlung. Stattdessen steht die politische und emotionale Ebene im Vordergrund: Loyalität, Pflichtgefühl, Verrat und das Streben nach Gerechtigkeit.

Die Handlung erstreckt sich über etwa anderthalb Jahre, genug Zeit, um die Charaktere wachsen zu sehen, ohne dass sich die Geschichte zieht. Besonders gut fand ich, dass es kein klassisches „Fantasy-Finale“ mit großem Showdown gibt. Stattdessen endet das Buch eher auf einer ruhigeren, aber intensiven Note, die neugierig macht, wie Fayes Weg im nächsten Teil weitergehen könnte.

Charaktere & Dynamiken

Fei ist eine sehr glaubwürdige Protagonistin. Was ich besonders mochte, ist ihre realistische Darstellung: Sie ist keine unbesiegbare Heldin, keine Kriegerin, die plötzlich alles kann. In Kampfsituationen wirkt sie authentisch, sie kämpft, aber sie ist nicht perfekt. Es gibt Zufälle, Rückschläge und Momente, in denen sie scheitert, und genau das macht sie greifbar und sympathisch.

Das Liebesdreieck ist deutlich spürbar, aber nie übertrieben. Die Autorin setzt hier auf emotionale, subtile Momente statt auf übermäßig romantische oder explizite Szenen. Dadurch bleibt der Fokus klar auf Fayes Entwicklung und den Konflikten, die sie innerlich und politisch austrägt.

Ebenfalls schade fand ich, dass die Nebencharaktere und Familienmitglieder etwas blass blieben. Ich konnte keine wirkliche emotionale Bindung zu ihnen aufbauen, was der Geschichte an manchen Stellen Tiefe genommen hat. Gerade im Hörbuch hatte ich Schwierigkeiten, die vielen Namen auseinanderzuhalten, vor allem, weil sie sich teilweise ähneln und die Figuren nicht oft genug auftauchen, um im Gedächtnis zu bleiben. Hilfreich war allerdings, dass die Autorin oft kleine visuelle Hinweise einstreut (z. B. helle oder dunkle Kleidung), um Orientierung zu schaffen. Trotzdem hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Tiefe und Wiedererkennungswert gewünscht.

Fazit

Nightblood Prince ist kein typisches High-Fantasy-Abenteuer mit großen Schlachten oder epischem Magiesystem. Es ist vielmehr eine charakterzentrierte Geschichte über Identität, Pflicht und Freiheit, die in einem spannenden politischen und gesellschaftlichen Kontext spielt.

Besonders hervorheben möchte ich, wie gut es der Autorin gelingt, Feis innere Zerrissenheit und ihren Kampf gegen alte Rollenbilder zu zeichnen. Die Thematik der Frauenrolle, was eine Frau darf, was von ihr erwartet wird und wie sie sich selbst darin findet, verleiht der Geschichte eine Tiefe, die mich sehr berührt hat.

Auch wenn mich die vielen Namen und die eher blassen Nebenfiguren etwas aus dem Lesefluss gebracht haben, konnte mich das Buch insgesamt überzeugen. Das Ende hat mich positiv überrascht, weil es das zentrale Thema noch einmal stark aufgreift und gleichzeitig Neugierde auf einen zweiten Teil weckt.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Ein toller Auftakt, der Lust auf mehr macht

Heart of Night and Fire
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Der Einstieg in Heart of Night and Fire hat mir sehr gut gefallen. Schon von Beginn an war ich neugierig darauf, was es mit der Protagonistin und der Welt auf sich hat.

Schreibstil und Atmosphäre

Das ...

Der Einstieg in Heart of Night and Fire hat mir sehr gut gefallen. Schon von Beginn an war ich neugierig darauf, was es mit der Protagonistin und der Welt auf sich hat.

Schreibstil und Atmosphäre

Das Buch wird aus einer allwissenden Erzählperspektive erzählt, was ich zunächst etwas schade fand, da ich eher ein Fan davon bin, direkt in die Gedanken und Gefühle der Figuren einzutauchen. Trotzdem hat mich die Geschichte schnell in ihren Bann gezogen, und besonders Zaryas Situation zu Beginn, ihr isoliertes Leben und die Umstände, unter denen sie aufwächst, fand ich interessant. Nisha J. Tuli schafft eine tolle Atmosphäre, die von Anfang an ein Gefühl von Mysterium und Magie vermittelt

Welt und Magiesystem

Das Worldbuilding gehört für mich zu den größten Stärken des Buches. Die Welt ist stark von der indischen Kultur und Mythologie inspiriert, was ihr ein besonderes Flair verleiht. Die vielen kulturellen und sprachlichen Details, von Wesen über Rassen bis hin zu Kleidungsstücken, machen die Welt lebendig und individuell.

Allerdings war es manchmal schwierig, den Überblick über die vielen Namen und Begriffe zu behalten. Hier hätte ich mir ein Glossar gewünscht (ich habe das Hörbuch gehört und weiß daher nicht, ob es im Buch eines gibt). Trotzdem hat mich die Atmosphäre sehr in den Bann gezogen.

Auch das Magiesystem hat mir gut gefallen. Es wird Stück für Stück enthüllt, was die Neugier hochhält. Zwar ist es nicht völlig neu oder außergewöhnlich, aber in Kombination mit dem kulturellen Hintergrund wirkt es frisch und spannend. Ich möchte unbedingt mehr über diese Welt erfahren und freue mich darauf, weiterzulesen.

Figuren und Dynamiken

Zarya als Hauptfigur hat mir grundsätzlich gut gefallen. Ihr innerer Konflikt und das, womit sie zu kämpfen hat, sind spannend angelegt. Allerdings fand ich manche ihrer Reaktionen und Entscheidungen nicht immer ganz nachvollziehbar, gerade weil sie ihr ganzes Leben in Isolation verbracht hat. Ihre Entwicklung hätte für mich teilweise stärkere Konsequenzen haben dürfen.

Dafür haben mir die Nebenfiguren umso besser gefallen. Es gibt drei bis vier zentrale Figuren, die der Handlung Tiefe verleihen und mit denen sich interessante Dynamiken entwickeln. Diese Beziehungen fand ich besonders gelungen, da sie nicht oberflächlich wirken, sondern echtes Interesse wecken.

Handlung

Die Handlung entwickelt sich eher langsam. Zu Beginn erfahren wir, dass es in der Welt eine Seuche gibt und dass Zarya von ihrem Ziehvater festgehalten wird, um sie zu schützen. Als er verschwindet, nutzt sie die Gelegenheit zur Flucht und damit beginnt ihre Reise.

Die Geschichte hat für mich ganz klar den Charakter eines Auftaktsbandes: Sie stellt die Welt, die Figuren und die zentralen Konflikte vor, ohne allzu viel Action zu bieten. Es gibt kleinere Enthüllungen, die das Interesse aufrechterhalten, aber insgesamt bleibt das Tempo gemächlich. Einige Wendungen waren vorhersehbar, trotzdem wollte ich wissen, wie die Figuren damit umgehen.

Romantik und Ton

Positiv hervorheben möchte ich den Slowburn-Ansatz. Die Romantik bleibt hier ganz klar im Hintergrund. Es gibt nur zwei romantische Szenen keine expliziten Darstellungen. Das fand ich sehr angenehm, weil der Fokus klar auf der Welt, dem Magiesystem und Zaryas persönlicher Entwicklung liegt. Man weiß auch noch gar nicht genau, in welche Richtung sich die Romantik entwickeln wird oder wer letztlich als Love Interest in Frage kommt, was die Geschichte zusätzlich spannend macht.

Zwar wird das Buch häufig als Romantasy mit viel Spannung und Spice vermarktet, doch dieser Band legt eindeutig mehr Wert auf den Aufbau der Welt und weniger auf die Liebesgeschichte, was mir gut gefallen hat.

Kritikpunkte

Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich, dass Zaryas Verhalten manchmal nicht ganz glaubwürdig war, gerade in Bezug auf ihre lange Isolation. Auch hätte ich mir an einigen Stellen etwas mehr Konsequenz oder emotionale Tiefe gewünscht. Außerdem fand ich es leicht irritierend, dass sie ihre Bücher als „Romance-Bücher“ bezeichnet, das klang für mich ein wenig unpassend im deutschen Sprachgebrauch.

Fazit

Heart of Night and Fire ist ein atmosphärischer Auftakt mit einer faszinierenden, mythologisch inspirierten Welt, interessanten Nebenfiguren und einer gelungenen Balance zwischen Magie, Spannung und Romantik. Obwohl die Handlung eher ruhig verläuft und manche Entwicklungen vorhersehbar sind, hat mich das Buch durch seinen besonderen Charme überzeugt.

Ich freue mich sehr auf den nächsten Band und darauf, noch tiefer in Zaryas Welt einzutauchen.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Zuckersüß illustriert – aber leider viel zu kurz

Das krasseste Tier der Erde
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Dieses Bilderbuch ist wirklich ganz besonders liebevoll gestaltet. Schon beim ersten Durchblättern macht es unglaublich viel Spaß, sich die vielen kleinen Details in den Illustrationen anzuschauen. Am ...

Dieses Bilderbuch ist wirklich ganz besonders liebevoll gestaltet. Schon beim ersten Durchblättern macht es unglaublich viel Spaß, sich die vielen kleinen Details in den Illustrationen anzuschauen. Am Anfang begleitet man nur einen kleinen Wurm, doch mit jeder Seite kommen immer mehr dazu. Das Ganze ist wie ein Wimmelbild aufgebaut, sodass man ständig neue Kleinigkeiten entdecken kann. Es macht richtig Freude, immer wieder über neue kleine Würmer zu stolpern, die alle auf ihre Weise niedlich und einzigartig sind. Besonders das die Würmer Augen haben, hat es mir angetan.... einfach zuckersüß!

Die Illustrationen tragen das Buch ganz klar. Sie haben einen eigenen Flair, sind voller Charme und laden dazu ein, länger auf den Seiten zu verweilen. Vor allem gegen Ende ist so viel los, dass man gar nicht sofort alles erfassen kann. Die kurzen Reime, die das Ganze begleiten, sind auch schön gemacht, aber für mich bleiben die Bilder das Herzstück.

Einziger Kritikpunkt: Das Buch ist recht kurz. Ich hätte mir gewünscht, dass es noch etwas mehr Geschichte oder eine kleine Reise eines Wurmes gegeben hätte. So bleibt es bei der Idee „Es gibt Würmer und es werden immer mehr“. Gerade weil mich die Illustrationen so begeistert haben, hätte ich gerne noch viel mehr davon gesehen.

Insgesamt hat mir das Buch aber gut gefallen. Die Bilder sind zuckersüß, das Thema ist originell und gerade aus biologischer Sicht finde ich es toll, dass einmal kleine Tiere wie Regenwürmer im Mittelpunkt stehen und nicht wie so oft nur Hund, Katze oder andere „klassische“ Tiere.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Zwischen Düften, Kulturen und Schicksalen – eine berührende Reise nach Sansibar

Der Duft der fernen Insel
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Einleitung

Mit Der Duft der fernen Insel legt Christina Rey einen umfangreichen Roman von stolzen 635 Seiten vor. Für mich persönlich war es das erste Mal, ein so langes Buch zu lesen, doch die Reise ...

Einleitung

Mit Der Duft der fernen Insel legt Christina Rey einen umfangreichen Roman von stolzen 635 Seiten vor. Für mich persönlich war es das erste Mal, ein so langes Buch zu lesen, doch die Reise hat sich durchaus gelohnt. Es handelt sich dabei um den zweiten Band einer Reihe, die jedoch nicht direkt mit dem ersten Teil verbunden ist, sondern vielmehr im gleichen Stil und thematisch ähnlich gestaltet wurde. Erneut begleiten wir eine Sultanstochter, diesmal die blinde Nunu, und erleben ihre Geschichte über gut ein Jahrzehnt hinweg. Unterstützt wird sie von der jungen englischen Lehrerin Eve, die nach Sansibar kommt, um ihr Lesen und Braille-Schrift beizubringen. Neben ihnen treten zahlreiche Nebenfiguren auf, die die Handlung bereichern und verschiedene Handlungsstränge eröffnen.

Themen

Zentral verknüpft sind die Themen Blindheit, Düfte und die Kunst der Parfümherstellung. Durch Nunus außergewöhnliche Nase wird ein Strang eröffnet, der sich durch den gesamten Roman zieht und in allen drei großen Abschnitten eine Rolle spielt. Gleichzeitig geht es um Politik, Wirtschaft, kulturelle Begegnungen und die Stellung von Frauen im 19. Jahrhundert. Gerade letzteres hat mich stark bewegt: immer wieder werden uns die Grausamkeiten und Leiden vor Augen geführt, die Frauen und Mädchen ertragen mussten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Leben im Palast des Sultans. Wir erleben hautnah, wie das Zusammenleben mit mehreren Frauen im Harem, mit zahlreichen Halbgeschwistern und den ständigen politischen Spannungen funktioniert. Diese Strukturen sind geprägt von Nähe, Rivalität, Abhängigkeit und Machtkämpfen, was der Autorin sehr eindringlich gelingt.

Darüber hinaus zieht sich das Thema Religion wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Wir begegnen Figuren, die im Christentum verwurzelt sind, andere wiederum leben im Islam, und auch Voodoo sowie afrikanische Glaubensvorstellungen rund um Ahnen, Natur und Götter haben ihren Platz. Das Buch bietet dadurch einen vielschichtigen Einblick in das religiöse Leben dieser Zeit. Besonders spannend fand ich, dass es nicht nur bei Beschreibungen bleibt, sondern die Figuren selbst immer wieder Fragen aufwerfen: Welcher Glaube ist der richtige? Wer ist der wahre Gott? Kann die Welt so grausam sein, wenn es wirklich einen Gott gibt, der alle Menschen beschützen soll?

Gerade diese Auseinandersetzungen, die sehr menschlich und nachvollziehbar dargestellt sind, haben mir als Atheistin überraschend gut gefallen. Ich habe die vielen verschiedenen Einblicke geschätzt, ohne dass eine Religion moralisch über die andere gestellt wird. Vielmehr zeigt die Autorin, wie sehr Glaubensvorstellungen das Leben prägen, aber auch, wie Figuren lernen müssen, miteinander zu leben, obwohl sie unterschiedliche Überzeugungen haben.

Orte und Atmosphäre

Wir bewegen uns in diesem Buch nicht nur auf Sansibar, sondern erleben auch andere Teile Afrikas und schließlich sogar Europa. Dadurch treffen ganz unterschiedliche Kulturen, Traditionen und Lebensweisen aufeinander, was die Geschichte unglaublich reich und lebendig wirken lässt. Dieses Zusammenspiel aus Orten und Kulturen hat mir sehr gefallen, weil es das Gefühl verstärkt, wirklich eine weite, facettenreiche Reise zu unternehmen. Erst im Detail merkt man dann, wie sehr auch die Sprachen – Arabisch, Kisuaheli, Französisch und Englisch – miteinander verwoben sind. Das bereichert die Welt zwar, hat mir aber manchmal kleine Schwierigkeiten bereitet, weil einzelne Begriffe oder Anreden ungewohnt waren und ich manches nachgoogeln musste.

Perspektiven und Erzählweise

Der Roman ist in Abschnitte gegliedert, die jeweils bestimmte Figuren stärker in den Vordergrund stellen. So begleiten wir hauptsächlich Eve, Nunu und später auch Fanny. Am Ende kommt noch eine weitere Figur hinzu, die jedoch nur wenige Kapitel umfasst. Auch wenn sich der Fokus verschiebt, bleibt der Erzähler stets allwissend. Das bedeutet, dass wir neben den zentralen Handlungen auch Informationen über andere Orte oder Figuren erhalten. Diese Struktur fand ich grundsätzlich interessant, da sie Abwechslung bietet. Dennoch hatte ich im ersten Teil, besonders während der langen Einführung rund um Eve, Schwierigkeiten, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Erst nach über hundert Seiten stellte sich dieses vertraute Gefühl ein, das ich schon aus Band eins kannte: das Mitfiebern, die Verbundenheit mit den Figuren und die Spannung, welche Konsequenzen ihre Handlungen nach sich ziehen würden.

Schreibstil und Lesefluss

Christina Reys Schreibstil zeichnet sich durch eine sehr bildhafte, detailreiche Sprache aus. Schon im ersten Band gefiel mir, wie ausführlich sie Landschaften, Orte oder auch die Atmosphäre beschreibt. Im zweiten Band hatte ich jedoch das Gefühl, dass diese Beschreibungen etwas zurückgenommen wurden. Sie tauchen zwar immer noch auf, sind aber situationsbezogener eingebettet und nicht mehr ganz so dominant wie zuvor. Grundsätzlich gefällt mir diese Art des Erzählens sehr, da sie eine intensive Vorstellung der Welt ermöglicht. Allerdings wurde mein Lesefluss durch bestimmte stilistische Mittel gestört. Mehrfach unterbricht der Erzähler die Gegenwart mit Sätzen wie „Später wird Eve erfahren, dass …“ oder „Später erfuhr sie, dass …“. Solche Einschübe nahmen mir die Spannung und wirkten eher hemmend. Hinzu kommt, dass ich durch die Vielzahl an Figuren, Namen und politischen Verwicklungen gelegentlich den Überblick verlor und Passagen mehrfach lesen musste. Hier hätte ich mir ein Glossar gewünscht, um fremde Begriffe, Titel oder Anreden leichter nachschlagen zu können.

Handlung und Struktur

Die Handlung erstreckt sich über mehr als ein Jahrzehnt, was dem Roman eine große zeitliche Weite verleiht. Dadurch wirkt die Entwicklung der Figuren authentisch, weil Beziehungen wachsen, Fehler begangen und korrigiert werden und das Leben nicht in wenigen Wochen erzählt, sondern über Jahre hinweg entfaltet wird. Der erste große Abschnitt gehört Eve. Wir begleiten sie von Liverpool bis nach Sansibar, lernen ihre Schülerin Nunu kennen und beobachten, wie sie sich auf die neue Kultur und die ungewohnte Umgebung einlässt. Danach rückt Nunu selbst stärker in den Mittelpunkt. Ihre Entwicklung vom neugierigen, etwas frechen Kind hin zur jungen Frau, die Fehler macht, daraus lernt und ihren eigenen Weg findet, war für mich einer der stärksten Teile des Romans. Im letzten großen Abschnitt begegnen wir Fanny, Eves Begleiterin. Leider verlor ich an diesem Übergang kurz den Anschluss an Eve, da ihre Geschichte kaum weitergeführt wurde, was ich etwas schade fand. Dennoch war es spannend, auch Fannys Perspektive genauer kennenzulernen.

Figuren

Die Figuren sind zahlreich und komplex. Besonders Eve hat mir als Einstieg sehr gefallen: eine junge Frau aus England, die zwischen den Kulturen steht, neugierig und doch unsicher, dabei stets bemüht, Nunu zu fördern. Nunu selbst ist eine außergewöhnliche Figur – blind, aber mit einem feinen Gespür für Düfte, das sie später in die Parfümherstellung führt. Ihre Entwicklung war nachvollziehbar und vielschichtig, nie übertrieben, sondern voller kleiner Rückschritte und Fortschritte, die sie lebendig wirken lassen. Fanny bildet schließlich einen Kontrast: eine Figur, die man anfangs eher im Hintergrund erlebt, die aber in ihrem eigenen Abschnitt an Tiefe gewinnt. Insgesamt gelingt es der Autorin, viele Charaktere lebendig zu gestalten, doch es war für mich stellenweise schwierig, bei all den Namen und Verwandtschaftsverhältnissen den Überblick zu behalten.

Emotionalität

Emotional hat mich das Buch sehr berührt, besonders in den Abschnitten, in denen das Leid der Figuren deutlich wurde. Die Fluchtsequenzen etwa waren voller Spannung, und mehr als einmal fühlte ich mich an den Nervenkitzel aus dem ersten Band erinnert. Gleichzeitig fand ich es schade, dass die Autorin fast ausschließlich negative Höhepunkte setzt. Schöne, positive Momente kamen nur vereinzelt vor, und erst im letzten Abschnitt erlebte ich wirklich rührende Szenen, die mich so bewegt haben, dass ich Tränen vergoss. Diese Stellen wirkten für mich aber zu kurz und kamen zu spät. Ich hätte mir gewünscht, dass das Gleichgewicht zwischen schmerzhaften und schönen Momenten etwas ausgewogener gewesen wäre, denn auch Glück kann eine Handlung vorantreiben und Figuren lebendig machen.

Schluss und Ende

Das Ende empfand ich als sehr abrupt. Nach so vielen Seiten voller Aufbau, Intrigen und Entwicklungen hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte zu schnell abgeschlossen wurde. Neue Figuren wurden eingeführt, die viel Potenzial gehabt hätten, erhielten aber kaum Raum. Besonders bedauerlich war, dass manche liebgewonnenen Charaktere nur noch im Nebensatz Erwähnung fanden, sodass ihre Schicksale nicht die Aufmerksamkeit bekamen, die sie verdient hätten. Zwar gab es einen schönen Ausklang, doch der war für mich zu knapp und hinterließ das Gefühl, dass die Geschichte unausgezählt endete.

Fazit

Der Duft der fernen Insel ist ein groß angelegter Roman, der mich trotz einiger Schwächen beeindruckt hat. Er ist nicht so stark und rund wie der erste Band, doch Christina Rey gelingt es erneut, eine faszinierende Welt voller Figuren, Kulturen und Emotionen zu erschaffen. Besonders die lange Zeitspanne, die wir mit den Figuren verbringen, und die Themen rund um Düfte und Sinneswahrnehmung haben mir sehr gefallen. Kritikpunkte wie der holprige Einstieg, die vielen Namen ohne Glossar, die oft negative Gewichtung der Höhepunkte und das abrupte Ende haben mein Leseerlebnis etwas getrübt. Dennoch war es eine lohnenswerte, intensive Reise, die mich an vielen Stellen berührt hat. Wer sich auf die Länge und den detailreichen Erzählstil einlässt, wird mit einer spannenden, gefühlvollen Geschichte belohnt.

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Veröffentlicht am 11.07.2025

Eine Welt voller Magie, aber noch ohne Kompass

A Fate inked in Blood (Skaland-Saga 1)
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Allgemeiner Eindruck

"A Fate Inked in Blood" ist ein starker Auftakt in eine neue Fantasy-Reihe mit Wikinger-Setting und nordischer Mythologie. Die Geschichte rund um Protagonistin Freya bringt frischen ...

Allgemeiner Eindruck

"A Fate Inked in Blood" ist ein starker Auftakt in eine neue Fantasy-Reihe mit Wikinger-Setting und nordischer Mythologie. Die Geschichte rund um Protagonistin Freya bringt frischen Wind ins Genre, besonders die Verbindung zur nordischen Götterwelt hebt das Buch aus der Masse hervor. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich bin mit Neugier und Begeisterung durch die Geschichte gejagt.

Zum Hörbuch:
Die Sprecherin hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ihre Stimme ist grundsätzlich sehr sanft und angenehm zu hören, was das Hörbuch insgesamt sehr zugänglich macht. Besonders beeindruckt hat mich, dass sie an den richtigen Stellen einen leicht rauen, kratzigen Ton in ihre Stimme legt, genau dann, wenn es zur Stimmung oder zum Setting passt. Das verleiht der nordisch-rauen Atmosphäre noch mehr Authentizität. Auch die Emotionen sowie die stimmlichen Nuancen der verschiedenen Charaktere bringt sie sehr überzeugend rüber, was das Hörerlebnis für mich besonders intensiv und lebendig gemacht hat.

Erzählweise & Perspektiven

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Freya erzählt, ein Stilmittel, das ich sehr schätze. Dadurch bekommt man einen tiefen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Was ich mir allerdings sehr gewünscht hätte, wäre eine zweite Perspektive, gerade vom Love Interest. Es ist mittlerweile bekannt, dass diese in Band 2 folgen wird, worauf ich mich sehr freue. Dennoch hätte ich es als großen Mehrwert empfunden, bereits hier erste Einblicke in seine Sichtweise zu erhalten. Zwei Perspektiven hätten der Geschichte mehr Tiefe und emotionale Dynamik verliehen, insbesondere im Hinblick auf den Beziehungsaufbau.

Einstieg & Handlung

Der Einstieg gelingt besonders gut: Man wird ohne langatmigen Aufbau direkt in die Handlung geworfen, was sofort Spannung erzeugt, ohne zu überfordern. Es entsteht ein starker Sogeffekt, man möchte direkt wissen, wie es weitergeht.

Die Handlung selbst verläuft jedoch weniger zielgerichtet als in anderen Fantasy-Romanen. Statt auf ein großes Finale hinzuarbeiten, setzt sich die Geschichte aus vielen kleineren Ereignissen zusammen, die insgesamt ein solides Grundgerüst für die Welt und die Figuren liefern. Das sorgt zwar für einen konstanten Erzählfluss, ließ mich aber stellenweise etwas orientierungslos zurück. Ich habe mich zwischendurch gefragt: Was ist eigentlich das übergeordnete Ziel dieser Reise? Dieser klare rote Faden hat mir manchmal gefehlt, wodurch auch einige Entscheidungen von Nebencharakteren nicht ganz nachvollziehbar wirkten. Es fehlte an Motivation, warum bestimmte Dinge nun passieren mussten. Das Fehlen eines „großen Showdowns“ sorgt zwar nicht für den ganz großen Wow-Effekt, lässt aber viel Raum für die Entwicklung in Band 2. Für mich fühlte sich die Geschichte an, als hätten wir in Band 1 viele kleinere Hügel erklommen, den eigentlichen Berg sind wir noch nicht erreicht, so als stünde das große Finale noch bevor.

Welt & Magiesystem

Die Welt ist atmosphärisch und durch die nordische Mythologie faszinierend gestaltet, allerdings auch stellenweise überfordernd. Es gibt viele Gottheiten, Namen, Verbindungen und Konzepte, doch statt einer klaren Einführung werden Informationen Stück für Stück eingestreut. Zwar wird das Magiesystem immer mal wieder erwähnt, doch gerade die Vielzahl der Götternamen und verwandtschaftlichen Beziehungen sorgt für Verwirrung.

Kampfszenen & Atmosphäre

Die Kampfszenen sind sehr gelungen: klar, dynamisch und bildhaft beschrieben. Man hat stets einen guten Überblick und kann sich die Abläufe visuell vorstellen. Auch Beschreibungen der Umgebung und Äußerlichkeiten sind passend dosiert und helfen, sich besser in die Welt hineinzuversetzen. Hier hat Danielle L. Jensen eine spannende Atmosphäre geschaffen, die sich durch das ganze Buch zieht.

Charaktere

Freya ist eine vielschichtige Protagonistin: selbstbewusst, aber auch zweifelnd, verletzlich und reflektiert. Sie hebt sich für mich angenehm von typischen Heldinnen ab, weil sie nicht durchgängig makellos oder nur stark ist, sie wirkt dadurch menschlicher und glaubwürdiger. Während Freya für mich eine starke, facettenreiche Figur war, blieben die meisten Nebencharaktere leider sehr blass. Auch der Love Interest war für mich nicht wirklich greifbar ich kann nach dem Lesen/Hören kaum etwas Konkretes über ihn sagen. Viele Charaktere blieben einfach nicht im Gedächtnis, was schade ist, da das Potenzial durchaus vorhanden wäre. Vielleicht wird hier in Band 2 noch mehr Tiefe geschaffen.

Romantik & „Spice“

Die romantischen und „spicy“ Szenen sind kreativ und gut geschrieben, inhaltlich haben sie mir gefallen. Was mir allerdings gefehlt hat, war die emotionale Glaubwürdigkeit. Die Entwicklung von einer anfänglichen Abneigung zu plötzlicher Liebe verlief für mich zu sprunghaft und nicht nachvollziehbar. Der Beziehungsaufbau wirkte überhastet und hätte mehr Zeit gebraucht, vielleicht erst in einem späteren Band. So blieb das Gefühl zurück, dass hier etwas zu schnell vorangetrieben wurde, ohne dass die Basis dafür wirklich gelegt war.

Fazit

A Fate Inked in Blood ist ein vielversprechender Reihenauftakt mit starker Protagonistin, origineller Welt und atmosphärischem Setting. Besonders Fans der nordischen Mythologie kommen hier auf ihre Kosten. Zwar bleiben einige Nebenfiguren und die Romanze noch oberflächlich, doch das Fundament für eine mitreißende Fortsetzung ist gelegt.

Ich hoffe sehr, dass in Band 2 die Welt noch weiter ausgearbeitet wird, insbesondere das Magiesystem und die dahinterliegenden Strukturen. Denn bislang ist für mich noch nicht ganz greifbar, wie genau diese Welt funktioniert und welche Regeln und Kräfte das Geschehen eigentlich lenken. Hier steckt viel Potenzial, das hoffentlich noch weiter entfaltet wird.

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