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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.10.2025

Krass

Asa
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Asa wird aus der Haft entlassen und sucht nach den Menschen, die ihr Leben zerstört haben. Sie will eine langjährige Tradition vernichten , die ihr Freunde und Familie genommen haben. Grausame Rituale ...

Asa wird aus der Haft entlassen und sucht nach den Menschen, die ihr Leben zerstört haben. Sie will eine langjährige Tradition vernichten , die ihr Freunde und Familie genommen haben. Grausame Rituale und Prüfungen werden in einer abgeschiedenen Gemeinschaft durchgeführt, zu dieser Asa einst gehörte. Jäger und Beute werden dort klar deklariert, doch manchmal wird auch die Beute zum Jäger.

Krass, krasser, Asa. Was für ein Roman, der über 700 Seiten verstört, verwirrt und wütend macht. Es gibt mehrere Zeitstränge und Zeitebenen,die machen es manchmal dem Leser nicht so leicht. Da muss man schon in Ruhe lesen. Das lohnt sich allerdings sehr. Manche Passagen ließen mich einfach so unfassbar wütend werden, dass ich das Buch auch oft zur Seite legen musste um das gelesene zu verarbeiten. Asa ist eine starke Protagonistin, die weiß was sie will. Der Ton hier ist sehr kraftvoll, roh und direkt, richtig fesselnd. Die Atmosphäre düster, ließ mich oft richtig schaudern. Es ist definitiv keine leichte Kost. Besonders die Abschnitte im Krieg haben mich schlecht schlafen lassen. Ein besonderer Thriller mit einer Familiengeschichte mit grausamen Traditionen, der uns zeigt was aus Menschen wird, die gequält und erniedrigt wurden.

Für alle Leser, die das aushalten wollen, eine große Empfehlung.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Spannend

Die Verlorene
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Die 93jährige Änne ist schwer krank. Gern erzählt sie ihrer Tochter und Enkelin von den Sommern in Schlesien. Über die Menschen, die sie dort begleitet haben, spricht sie nicht. Ihr Enkelin Laura hat eine ...

Die 93jährige Änne ist schwer krank. Gern erzählt sie ihrer Tochter und Enkelin von den Sommern in Schlesien. Über die Menschen, die sie dort begleitet haben, spricht sie nicht. Ihr Enkelin Laura hat eine enge Beziehung zu ihr und möchte gern mehr wissen. Die Tochter Ellen hat eine eher distanzierte Verbindung zu ihrer Mutter Änne. Um mehr über die ältere Dame zu erfahren macht sich Laura auf die Suche nach dem alten Gutshof in Schlesien. Dort begegnet sie Menschen, mit denen sie nicht gerechnet hat und findet Antworten, die sie so nicht erwartet hat.

Der Roman hat mich zutiefst berührt. Die Geschichte ist richtig gut. Sie hat mich sehr schnell in ihren Bann gezogen. In zwei Zeitebenen wird uns hier erzählt. In der Gegenwart die Enkelin, die auf der Suche nach Antworten ist und parallel dazu die Vergangenheit. Da wird uns die ganze Geschichte mitten im 2. Weltkrieg offenbart. Zutiefst berührt hat mich dieser Roman. Hat mich mitgenommen in eine andere Welt. Eine Welt, in der nichts sicher ist, man in ständiger Angst leben muss. Niemandem kann man vertrauen, Angriffe direkt vor der Haustür, plündern, Soldaten unterschiedlicher Herkunft im Haus. Für uns in der heutigen Zeit kaum vorstellbar. Der Roman kommt ohne Kitsch aus, beschränkt sich aufs wesentliche, ganz klare Sprache, wunderschöne Landschaftsbeschreibungen und authentische Protagonisten. Ein Buch, dass im Kopf bleibt. Eine ganz große Empfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Großartig

Der Absturz
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Der autofiktionale Roman von Edouard Louis bildet das Ende seiner Trilogie. Hier geht es um seinen älteren Bruder, der gefangen in der Alkohol- und Spielsucht ist, von einem besseren Leben träumt, es aber ...

Der autofiktionale Roman von Edouard Louis bildet das Ende seiner Trilogie. Hier geht es um seinen älteren Bruder, der gefangen in der Alkohol- und Spielsucht ist, von einem besseren Leben träumt, es aber nie schafft. Er hängt fest in der Vergangenheit, macht seinen Eltern Vorwürfe, fühlt sich ungeliebt. Louis kann keine richtige Beziehung zu ihm aufbauen. Er ist distanziert und skeptisch. Zu oft schon wurde er enttäuscht von ihm. Seine Alkoholsucht frisst ihn innerlich auf aber ohne geht es auch nicht. Er hält das Leben sonst nicht aus, muss sich betäuben.

Ein ganz großartiges Buch, ganz nach meinem Geschmack. Derb, zart und gefühlvoll erzählt Louis die Geschichte seines Bruders. Er kann ihn nicht lieben, zu schmerzhaft sind viele Erinnerungen. Er reflektiert, überlegt ob er ihm hätte helfen können, doch hat keine klare Antwort. Der Vater ist schwierig, schreckt nicht vor körperlicher und vor allem seelischer Gewalt zurück. Sein Bruder hat das nicht verkraftet, war immer auf der Suche, hat sich nie gefunden. Die Frage ob es am Vater lag oder er schon mit dieser Wunde auf die Welt gekommen ist, stellt sich. In kurzen Kapiteln wird dieses schonungslose Porträt festgehalten. Die ambivalenten Gefühle Louis‘ werden wunderbar erläutert, er versucht ihn zu verstehen aber zu groß ist oft die Abneigung. Ein sehr komplexes Thema, ganz wunderbar umgesetzt.

Ein eindrucksvoller Roman, ehrlich bis es weh tut und so unglaublich kraftvoll. Ich bin großer Fan und empfehle es ganz dringend weiter.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Starker Roman

Kopflos
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Lisa ist Mutter von zwei Jungs, es sind Zwillinge. Sie hat das Umgangsrecht verloren, kommt damit absolut nicht zurecht. Heimlich beobachtet sie die beiden Jungs, doch das reicht irgendwann nicht mehr. ...

Lisa ist Mutter von zwei Jungs, es sind Zwillinge. Sie hat das Umgangsrecht verloren, kommt damit absolut nicht zurecht. Heimlich beobachtet sie die beiden Jungs, doch das reicht irgendwann nicht mehr. Kurzerhand entführt sie die Kinder und verschwindet. Geplagt von innerer Zerrissenheit übertritt sie immer mehr Grenzen, verstrickt sich immer mehr in kriminelle Handlungen.

Wow, was für eine intensive Leseerfahrung. Ariana Harwicz gelingt es eine unglaublich authentische Mutter zu erschaffen, sie bricht mit dem konventionellen Rollenbild. Intensiv, wild und rau wird erzählt, dann wieder ganz sanft. Lisa liebt ihre Kinder, doch wurde ihr kein Familienglück vergönnt. Die toxische Beziehung zum Vater der Kinder spitzte sich immer mehr zu. Es gibt viele verstörende Momente, die irritierend und berührend sind. Diese Zerrissenheit ist dadurch ganz wunderbar eingefangen. Auch der Erzählstil ist ungewöhnlich. Die Zeiten werden vermischt. Manchmal wusste ich nicht genau wo ich gerade bin. Man muss sehr aufmerksam lesen um zu verstehen. Wer sich darauf einlässt und nicht nur die klassischen Erzählweisen mag, wird große Freude an diesem Roman haben. Ich finde ihn richtig stark.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Interessant

Marseille 1940
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Frankreich 1940. Deutschland breitet seine Angriffe immer weiter aus, Teile von Frankreich werden besetzt. Viele Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle haben vor ein paar Jahren Deutschland verlassen ...

Frankreich 1940. Deutschland breitet seine Angriffe immer weiter aus, Teile von Frankreich werden besetzt. Viele Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle haben vor ein paar Jahren Deutschland verlassen und sind jetzt wieder auf der Flucht. Ziele gibt es einige, nur wenig Möglichkeiten dahin zu gelangen. Der amerikanische Journalist Varian Fry versucht mit Hilfe des Emergency Rescue Committee’s Visas und Ausreisedokumente zu organisieren und so den Menschen zu helfen.

Eigentlich ein Sachbuch, doch es liest sich fast wie ein Roman. In kurzen Kapiteln lernen wir die hier betroffenen Menschen kennen, unter anderem Hannah Arendt, Anna Seghers, Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger und Franz Werfel. Einfühlsam geschrieben, tief berührend ist das Schicksal dieser Menschen. Uwe Wittstock führt uns ganz nah ran, an die Verzweiflung, an die Hoffnung. Marseille fungiert hier als Dreh- und Angelpunkt des Wartens und des Ankommens. Wir lesen über Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft aber auch Machtlosigkeit. Wittstock führt hier viele einzelne Schicksale in dem Jahr zusammen mit dem literarischen und politischen Kontext. Alles was in diesem Buch geschrieben steht, ist gründlich recherchiert. Ein wichtiger Teil unserer deutschen Geschichte, sehr lesenswert.

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