Zwischen Distanz und Vertrautheit
KatzentageIm Hörbuch „Katzentage“ von Ewald Arenz begegnen sich Paula und Peter auf neue Weise. Die beiden kennen sich seit Jahren vom Job, haben jedoch nie wirklich hinter die Fassaden des anderen geschaut. Nach ...
Im Hörbuch „Katzentage“ von Ewald Arenz begegnen sich Paula und Peter auf neue Weise. Die beiden kennen sich seit Jahren vom Job, haben jedoch nie wirklich hinter die Fassaden des anderen geschaut. Nach einem gemeinsamen Seminar verbringen sie eine Nacht miteinander, eine spontane Entscheidung, die ungeplant zur Zäsur wird. Als ein Bahnstreik sie daran hindert, direkt zurückzureisen, bleiben ihnen drei gemeinsame Tage in Würzburg. Was zunächst wie ein Zufall wirkt, wird zu einer Gelegenheit: für Gespräche, Nähe, Zweifel und vorsichtige Annäherung.
Die Lesung von Julia Meier bringt genau das zur Geltung, was die Geschichte ausmacht: Zurückhaltung, Feinfühligkeit und Zwischenräume. Ihre Stimme ist angenehm ruhig, fast neutral, ohne dabei leblos zu wirken. Sie überlässt es den Figuren, durch ihre Gedanken und Gesten zu wirken, statt sie durch Betonung oder Theatralik zu lenken. Diese Art der Interpretation passt gut zu Arenz’ reduzierter Sprache.
Inhaltlich lebt das Hörbuch nicht von großen Wendungen oder dramatischen Höhepunkten. Es ist vielmehr ein stiller Text, der auf Zwischentöne setzt. Die wechselnden Perspektiven von Paula und Peter erlauben Einblicke in ihr Denken, in Unsicherheiten und alte Prägungen. Besonders schön gelingt es dem Autor, die Dynamik zwischen Nähe und Vorsicht darzustellen, nichts wirkt übertrieben oder unrealistisch. Stattdessen spürt man, wie sich zwischen den beiden eine Verbindung aufbaut, die leise, tastend und nicht ganz ohne Risiko ist.
Die titelgebende Katze, die die beiden durch die Stadt begleitet, steht sinnbildlich für das, was geschieht: Nähe entsteht nicht auf Knopfdruck, sondern durch Zeit, Vertrauen und gemeinsame Aufmerksamkeit. Diese Symbolik bleibt dezent, niemals aufdringlich, aber doch präsent.
„Katzentage“ ist kein Hörbuch, das laut auf sich aufmerksam macht. Es richtet sich eher an Hörerinnen und Hörer, die kleine Beobachtungen und stille Entwicklungen schätzen. Wer schnelle Handlung oder eine klar ausformulierte Liebesgeschichte erwartet, wird hier möglicherweise nicht vollständig abgeholt. Doch gerade diese Offenheit und das Unfertige machen den Reiz aus.