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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.10.2025

Ein stilles Geständnis im digitalen Raum

Birk
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Birk von Liv K. Schlett ist ein einfühlsamer Jugendroman, der sich auf leise, aber eindringliche Weise mit dem Innenleben eines 16-jährigen Jungen beschäftigt. Erzählt wird die Geschichte in Form von Blogeinträgen ...

Birk von Liv K. Schlett ist ein einfühlsamer Jugendroman, der sich auf leise, aber eindringliche Weise mit dem Innenleben eines 16-jährigen Jungen beschäftigt. Erzählt wird die Geschichte in Form von Blogeinträgen und Kommentaren, ein moderner und ungewöhnlicher Stil, der dem Leser unmittelbaren Zugang zu Birks Gedankenwelt eröffnet. Die Sprache bleibt dabei nah an der Lebensrealität Jugendlicher und wirkt dadurch besonders authentisch.

Birk ist ein Junge, wie ihn viele kennen. Er liebt Videospiele, hat Streit mit Freunden und erlebt die typischen Höhen und Tiefen der Pubertät. Doch hinter seiner Fassade verbirgt sich etwas, das er niemandem anvertrauen kann, ein Geheimnis, das schwer auf ihm lastet und ihn innerlich zu zerreißen droht. Seine Blogeinträge werden zum Ventil, zur Suche nach Verständnis und vielleicht sogar nach Erlösung.

Der Roman zeichnet Birks Weg mit großer Sensibilität nach. Es geht um Identität, Scham, Freundschaft und die Angst vor Ablehnung – zentrale Themen für Jugendliche, aber auch für Erwachsene nachvollziehbar. Besonders hervorzuheben ist, wie respektvoll die Autorin mit der Thematik umgeht, ohne Klischees, ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit spürbarem Verständnis für die emotionale Tiefe solcher Erfahrungen.

Das Umfeld, Familie, Schule und Freundeskreis, ist lebensnah gezeichnet und unterstützt die glaubwürdige Atmosphäre des Romans. Gleichzeitig bietet Birk viele Gesprächsanlässe, über seelische Gesundheit, Kommunikation in digitalen Räumen und darüber, wie wichtig es ist, gehört zu werden.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Zwischen Distanz und Vertrautheit

Katzentage
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Im Hörbuch „Katzentage“ von Ewald Arenz begegnen sich Paula und Peter auf neue Weise. Die beiden kennen sich seit Jahren vom Job, haben jedoch nie wirklich hinter die Fassaden des anderen geschaut. Nach ...

Im Hörbuch „Katzentage“ von Ewald Arenz begegnen sich Paula und Peter auf neue Weise. Die beiden kennen sich seit Jahren vom Job, haben jedoch nie wirklich hinter die Fassaden des anderen geschaut. Nach einem gemeinsamen Seminar verbringen sie eine Nacht miteinander, eine spontane Entscheidung, die ungeplant zur Zäsur wird. Als ein Bahnstreik sie daran hindert, direkt zurückzureisen, bleiben ihnen drei gemeinsame Tage in Würzburg. Was zunächst wie ein Zufall wirkt, wird zu einer Gelegenheit: für Gespräche, Nähe, Zweifel und vorsichtige Annäherung.

Die Lesung von Julia Meier bringt genau das zur Geltung, was die Geschichte ausmacht: Zurückhaltung, Feinfühligkeit und Zwischenräume. Ihre Stimme ist angenehm ruhig, fast neutral, ohne dabei leblos zu wirken. Sie überlässt es den Figuren, durch ihre Gedanken und Gesten zu wirken, statt sie durch Betonung oder Theatralik zu lenken. Diese Art der Interpretation passt gut zu Arenz’ reduzierter Sprache.

Inhaltlich lebt das Hörbuch nicht von großen Wendungen oder dramatischen Höhepunkten. Es ist vielmehr ein stiller Text, der auf Zwischentöne setzt. Die wechselnden Perspektiven von Paula und Peter erlauben Einblicke in ihr Denken, in Unsicherheiten und alte Prägungen. Besonders schön gelingt es dem Autor, die Dynamik zwischen Nähe und Vorsicht darzustellen, nichts wirkt übertrieben oder unrealistisch. Stattdessen spürt man, wie sich zwischen den beiden eine Verbindung aufbaut, die leise, tastend und nicht ganz ohne Risiko ist.

Die titelgebende Katze, die die beiden durch die Stadt begleitet, steht sinnbildlich für das, was geschieht: Nähe entsteht nicht auf Knopfdruck, sondern durch Zeit, Vertrauen und gemeinsame Aufmerksamkeit. Diese Symbolik bleibt dezent, niemals aufdringlich, aber doch präsent.

„Katzentage“ ist kein Hörbuch, das laut auf sich aufmerksam macht. Es richtet sich eher an Hörerinnen und Hörer, die kleine Beobachtungen und stille Entwicklungen schätzen. Wer schnelle Handlung oder eine klar ausformulierte Liebesgeschichte erwartet, wird hier möglicherweise nicht vollständig abgeholt. Doch gerade diese Offenheit und das Unfertige machen den Reiz aus.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Drei Tage Auszeit im Schnee (Hörbuch)

Drei Tage im Schnee
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Das Hörbuch „Drei Tage im Schnee“ erzählt die Geschichte von Hannah, die ihr hektisches Großstadtleben hinter sich lässt und sich für kurze Zeit in ein abgelegenes Holzhaus in verschneiter Landschaft zurückzieht. ...

Das Hörbuch „Drei Tage im Schnee“ erzählt die Geschichte von Hannah, die ihr hektisches Großstadtleben hinter sich lässt und sich für kurze Zeit in ein abgelegenes Holzhaus in verschneiter Landschaft zurückzieht. Dort begegnet sie Sophie, einem Mädchen mit einem roten Schneeanzug, und der ganz alltägliche Zauber dieser Begegnung bringt Hannah zum Nachdenken – über verlegte Träume, Gründe für das ständige Vorwärtshetzen und darüber, welche Stimme sie im Leben eigentlich hören will.

Die Erzählweise ist ruhig, bildhaft und sparsam. Sie verzichtet darauf, zu dramatisieren, und setzt mehr darauf, Stimmungen und Innenperspektiven spürbar werden zu lassen. Der Schnee, die Stille und die Naturumgebung fungieren hier fast wie Figuren. Sie geben Rhythmen vor, schaffen eine Art Rahmen für das, was innerlich passiert.

Nora Schulte als Sprecherin gelingt es, Hannah nicht als Projektionsfläche, sondern als vertrauenswürdige Ich-Erzählerin erscheinen zu lassen. Ihre Stimme bleibt unaufdringlich, manchmal fast zurückhaltend, doch genau hier liegt ihre Stärke. Sie lässt Raum für Reflexion, für eigene Bilder und Gedanken im Kopf der Hörenden. An den passenden Stellen legt sie Pausen ein, betont nicht übertrieben, sondern setzt kleine Nuancen, die Gefühle erahnen lassen.

Inhaltlich ist es thematisch nicht neu. Auszeit, Selbstfindung, Erinnerung, das eigene Leben überdenken ... all das wurde schon vielfach literarisch behandelt. Doch gerade in dieser Bekanntheit liegt eine Stärke, wenn das Werk es schafft, altbekannte Motive nicht abgenutzt wirken zu lassen, sondern mit einer frischen Leichtigkeit wieder aufzuladen.

Nicht alle inneren Konflikte werden bis ins Letzte ausgefochten, manches bleibt bewusst offen. Der Hörer oder die Hörerin darf selbst nachklingen lassen. Auch wenn man nicht jede Entscheidung nachvollziehen mag, ist dieser kleine literarische Raum ein Rückzugsort. Es lädt mit ruhiger Stimme und subtiler Gestaltung zum Nachdenken ein. Es ist kein lauter Befreiungsakt, sondern eine zarte Erinnerung daran, dass es möglich ist, wieder zuzuhören, zu sich selbst.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Seelenverwandte oder das Ende?

Soulmates and Other Ways to Die
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In einer Welt, in der du stirbst, wenn dein Seelenverwandter stirbt, ist Liebe nicht nur kompliziert. Sie ist potenziell tödlich. Willkommen in Zoes Welt! Sie ist smart, durchorganisiert, sicherheitsliebend ...

In einer Welt, in der du stirbst, wenn dein Seelenverwandter stirbt, ist Liebe nicht nur kompliziert. Sie ist potenziell tödlich. Willkommen in Zoes Welt! Sie ist smart, durchorganisiert, sicherheitsliebend und alles andere als begeistert, als sie herausfindet, dass ihr Soulmate ausgerechnet Milo Spencer ist: chaotisch, waghalsig und süchtig nach Adrenalin. Jackpot.

Melissa Welliver schafft mit Soulmates and Other Ways to Die einen wunderbar schrägen, temporeichen Genre-Mix aus Dystopie, RomCom und einer Prise Action-Thriller. Der Humor ist bissig, die Dialoge pointiert, und die Dynamik zwischen Zoe und Milo ist pure Chemie.

Doch zwischen all dem augenzwinkernden Chaos stellt das Buch auch ernste Fragen: Was bedeutet es, jemanden wirklich zu kennen oder zu brauchen? Wie viel Kontrolle haben wir eigentlich über unser Leben, wenn uns ein Algorithmus den „perfekten“ Partner zuteilt?

Trotz des dystopischen Settings bleibt die Story leichtfüßig, charmant und erstaunlich lebensnah. Geschrieben wird abwechselnd aus der Perspektive von Zoe und Milo. Was das Ganze nicht nur emotional vielschichtiger, sondern auch verdammt unterhaltsam macht.

Wer trockenen Humor, schlagfertige Dialoge, Feinde-zu-Liebenden-Vibes und eine dystopische Prämisse liebt, die sich selbst nicht zu ernst nimmt, wird hier absolut auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Tagebuch eines kleinen Abenteurers

Kleiner Kater Svenni (1). Mein Leben, alle anderen und ich
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Als Leser*in dieses Buches fühlt man sich gleich willkommen. Der kleine Kater Svenni begrüßt mit einem frechen Augenzwinkern und lädt ein, seine Welt durch seine Augen zu sehen. Von der Veranda über den ...

Als Leser*in dieses Buches fühlt man sich gleich willkommen. Der kleine Kater Svenni begrüßt mit einem frechen Augenzwinkern und lädt ein, seine Welt durch seine Augen zu sehen. Von der Veranda über den Garten bis hin zur Hafenstadt Ruby Port und dem alten Leuchtturm: Svenni begegnet allem mit einer Mischung aus Neugier, schelmischem Humor und charmantem Katzenverstand.

Was mich an diesem Buch besonders begeistert hat, ist die Art, wie Alltag und Abenteuer ineinandergreifen. Für Svenni ist jeder Tag eine neue Gelegenheit: ein Schnitt zu hinterfragen, Menschen aufmerksam zu beobachten, sein Umfeld zu verstehen und dabei nicht nur lustige, sondern auch leise, nachdenkliche Momente zu erleben. Die kleinen Alltagsrätsel, die sich ihm stellen nutzt der Autor dazu, über Themen wie Freundschaft, Mut und Selbstvertrauen zu erzählen. Ganz ohne vorhersehbare Moral, sondern mit Lebendigkeit und Echtheit.

Die Erzählweise in Tagebuchform macht das Vorlesen oder Selbstlesen sympathisch und persönlich. Man fühlt sich oft direkt angesprochen, als würde Svenni einem heimlich seine Gedanken anvertrauen. Die Illustrationen auf jeder Seite tragen zusätzlich zur Stimmung bei: sie unterstreichen den Ton des Textes, ohne aufdringlich zu sein.

Für Kinder ab etwa vier Jahren ist dieses Buch ein wunderbarer Einstieg in die Welt des Vorlesens. Nicht nur wegen der liebevollen Gestaltung, sondern auch durch die Themen, die spielerisch vermittelt werden. Wer Katzen mag wird Svenni schnell ins Herz schließen. Ein warmherziges, witziges und doch nachdenkliches Vorlesebuch, das durch seine Perspektive überzeugt. Charmant, unterhaltsam und mit einem echten „Katzenblick“ auf die Welt.

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