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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.11.2025

Eine Leseempfehlung!

Lebensbande
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Dieser historische Roman von Mechthild Borrmann spielt so wie viele ihre anderen Roman während des bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg. Geschickt werden die Ereignisse in zwei Zeitebenen dargestellt.

Worum ...

Dieser historische Roman von Mechthild Borrmann spielt so wie viele ihre anderen Roman während des bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg. Geschickt werden die Ereignisse in zwei Zeitebenen dargestellt.

Worum geht’s hier?

Diese Geschichte erzählt das Leben von drei jungen Frauen, Lene, Nora und Lotte, die durch das NS-Regime und den Krieg zu Freundinnen werden, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Lene, die Tochter von Bauern, die wiederum einen Bauern heiraten soll, sich aber in einen jungen Holländer verliebt, Nora, ihre Cousine und Krankenschwester, die einige Jahre später Lenes Sohn Leo aus den Fängen einer Vernichtungsanstalt retten wird, und Lotte, eine überzeugte Nationalsozialistin, die erst sehr spät erkennt, welcher Propaganda sie aufgesessen ist.

Wie die Geschichte der drei Frauen miteinander verknüpft ist, müsst ihr schon selbst lesen.

Meine Meinung:

Dieser historische Roman ist nach wahren Begebenheiten geschrieben und nimmt ein eher unbeachtetes Thema der Nachkriegsgeschichte auf: Frauen, die als Zwangsarbeiterinnen in die UdSSR verschleppt worden sind, um dort Wiederaufbauarbeit zu verrichten. Nora und Lotte werden acht lange Jahre im Gulag von Workuta Wiedergutmachung leisten. Als Bundeskanzler Konrad Adenauer beginnt, diese Zwangsarbeiterinnen freizukaufen, scheint eine Heimkehr möglich.

Durch den geschickten Schachzug, eine zunächst unbekannte Frau, die in Kühlungsborn an der Ostsee lebt und kurz nach dem Mauerfall ein Schreiben der Rentenversicherung erhält, ergänzende Angaben zu den Jahren vor 1953 zu machen, ihr Leben erzählen zu lassen, ist es kaum möglich, dieses Buch aus der Hand zu legen. Nach und nach enthüllt sich das Geheimnis dieser Frau, die nun im Alter ihre Lebensgeschichte und die gleich zweifache Schuld, die sie auf sich geladen hat, in zwei Schulheften notiert.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der einen großen Eindruck bei mir hinterlassen jat, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 16.10.2025

Vom Schwarzwald nach Konstantinopel

Der Uhrenhändler
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"Der Uhrenhändler" von Birgit Hermann ist ein packender historischer Roman, der uns auf eine faszinierende Reise vom Schwarzwald nach London, Wien, Prag und das Osmanische Reich des 18. Jahrhunderts mitnimmt. ...

"Der Uhrenhändler" von Birgit Hermann ist ein packender historischer Roman, der uns auf eine faszinierende Reise vom Schwarzwald nach London, Wien, Prag und das Osmanische Reich des 18. Jahrhunderts mitnimmt.

Matthias Faller gilt als schwarzes Schaf seiner Familie, die als Uhrmacher ihr Einkommen erzielt, weil er eigene Ideen hat und sich so gar nicht der strengen Hand seines Vaters unterordnen will. Für ihn zählen nur Erfolg, Macht und Geld - doch bis er alles erreicht, dauert es eine Weile, Abstürze in tiefste Armut und Kerker inklusive.

Wir folgen allerdings nicht nur Matthias auf seinem Lebensweg sondern auch Resle, Matthias‘ Jugendliebe, die mit einer zerlegten Spieluhr den eigentlichen Grundstock für Matthias‘ Reichtum legen wird, sowie ihrem Bruder Pirmin, der als Strafgefangener in der Österreichischen Armee gegen die Osmanischen Truppen kämpfen muss, weil er als Dieb verurteilt worden ist. Natürlich darf der eine oder andere Widersacher auch nicht fehlen.

Meine Meinung:

Wie schon in „Die Apfelrose“ dem anderen historischen Roman, der ebenfalls die Schwarzwälder Uhrenmanufakturen als Thema hat, verbindet auch dieser geschickt historische Fakten mit fiktiven Elementen und bietet so ein lebendiges Bild jener Zeit. Matthias Faller ist eine historisch verbürgte Person, dessen Geschichte sich so ähnlich zugetragen haben kann. Geboren um 1745, hat er fünf Brüder mit denen er um 1770 eine Handelsgesellschaft gründet, aus der wenig später ausgeschlossen wird. 1794 wird er Opfer eines Raubüberfalls in der Türkei, worüber sogar die Zeitungen berichten.

Die Autorin bietet einen Einblick in die Lebensbedingungen der Frauen und ihrer kinderreichen Familien. Besonders schwierig ist es nach dem Tod des Ehemanns die Familie durchzubringen, ohne erneut zu heiraten, also eine Versorgungsehe einzugehen.

Wie schon in den anderen historischen Romanen wie „Die Suche nach der eigenen Farbe“ oder „Die Glasbläserin“ dürfen starke Frauen nicht fehlen. Hier sind es das Resle und Mutter Faller, die als Witwe in Abwesenheit der Söhne das Unternehmen inoffiziell leitet.

Brigitte Hermann hat penibel recherchiert und einen gelungenen historischen Roman geschaffen. Die Sprache ist dem Zeitalter gut angepasst. Hin und wieder sind einzelne Ausschmückungen für meinen Geschmack ein wenig zu ausführlich geraten. Aber, das ist Meckern auf höchstem Niveau.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der uns in die Welt der Uhrenmanufakturen des Schwarzwaldes im 18. Jahrhundert entführt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 15.10.2025

Erinnerungen an die eigen Jugend

Der Plattenspieler unter der Dachschräge
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Wir begleiten Siegfrid „Sigi“ Niedermayr seit er zehn Jahre alt ist und in die erste Klasse des Gymnasium kommt. Nun, in diesem 4. Band ist er 16 Jahre alt und seine Welt ist steter Veränderung unterworfen. ...

Wir begleiten Siegfrid „Sigi“ Niedermayr seit er zehn Jahre alt ist und in die erste Klasse des Gymnasium kommt. Nun, in diesem 4. Band ist er 16 Jahre alt und seine Welt ist steter Veränderung unterworfen. Das einzige, das sich nicht ändert sind seine Liebe zu Büchern und gutes Essen, das er sich nun selbst kochen kann, obwohl er deswegen von seinem Vater gehänselt wird.

Wie schon in den Vorgängern erinnert sich der erwachsene Sigi beim Digitalisieren der zahlreichen Dias aus seiner Kindheit und Jugend, die er beim Ausräumen des Hauses seiner verstorbenen Mutter, entdeckt hat.

So führt er uns an bei der Betrachtung der Fotos in seine Welt von damals zurück. Eine Welt, die sich um die Schule, Mädchen und schicke Klamotten (beides beinahe unerreichbar) sowie das Erwachsenwerden in einem oberösterreichischen Dorf dreht. Es gibt kaum Unterhaltung und für Vergnügungen außerhalb fehlt Sigi das Geld. Deshalb zieht sich Sigi mit seiner Stereoanlage, die er sich von seinem Lohn aus dem Ferialjob gekauft hat, in sein Zimmer unter der Dachschräge zurück und hört die Rockmusik der 1970er. Statt wie früher Karl May liest er nun Peter Handke und Perry Rhodan. Der erste Bartflaum sprießt wie die Pickel und Sigi beginnt abzunehmen.

Sigi entwickelt sich zu einem selbstbewussten Schüler (mit durchwachsenem Noten), der seinen Mund noch nicht halten kann, wenn es um Ungerechtigkeiten geht. Schließlich wird er zum Klassensprecher gewählt und findet sich in einer undankbaren Situation wieder.

Doch nicht alles geht glatt in seinem jungen Leben: Die Eltern trennen sich, nachdem der Vater betrunken einen Autounfall verursacht hat und nicht Sigis Mutter auf der Beifahrerseite gesessen ist. Auch seine geliebte Großmutter wird von Woche zu Woche vergesslicher. Mit der häuslichen Situation ist Sigi ziemlich überfordert. Da tritt mit Tante Irmgard endlich eine Person in seine Welt, die ihn und seine Sorgen ernst nimmt und ihm einige gute Ratschläge (bezüglich Frauen) mit auf seinen weiteren Lebensweg geben kann. Ob er sich daran hält, werden wir hoffentlich in einem nächste Band lesen können.

Meine Meinung:

Wie schon bei den Vorgängern erzählt Autor Herbert Dutzler die Episoden aus Sigis (und vermutlich seiner eigenen) Jugend mit ein wenig Augenzwinkern.

Für alle jene, die die rund um 1960 geboren sind, ist dieses Buch eine Reminiszenz an die eigene Jugend: Nachprüfung in der Schule, Liebeskummer, (Hard)Rock hören sowie erste Jeans und Glockenhosen, inklusive. Einige werden sich vermutlich mit Abscheu an das Brummen des Schädels nach übermäßigem Konsum von Bier oder Wein und dem Rauchen erinnern.

Jetzt eben, beim Rezension schreiben, habe ich Deep Purple (Made in Japan, Machine Head) sowie Black Sabbath und Uriah Heep gehört.

Fazit:
Gerne bin ich mit Sigi wieder in die 1970er-Jahre eingetaucht, auch, wenn die eine oder andere Erinnerung für mich persönlich nicht so angenehm gewesen ist (verpatzte Nachprüfung in Französisch und sitzenbleiben). Aber, das ist eine andere Geschichte. Für die von Sigi gibt es jedenfalls 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.10.2025

Penibel recherchiert und gekonnt erzählt

Sieben Jahre
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Wer kennt sie nicht, die Erzählungen über die Schlesischen Kriege, deren dritter als Siebenjähriger Krieg in die Geschichte eingegangen ist? Ursprünglich als österreichischer Erbfolgekrieg geführt, um ...

Wer kennt sie nicht, die Erzählungen über die Schlesischen Kriege, deren dritter als Siebenjähriger Krieg in die Geschichte eingegangen ist? Ursprünglich als österreichischer Erbfolgekrieg geführt, um die Pragmatische Sanktion, die der österreichischen Erzherzogin Maria Theresia ihre Recht auf den Thron sichern sollte, und sich zu einem Machtkampf in Europa entwickelt, weil jeder Herrscher glaubt, vertragsbrüchig werden zu müssen und der jungen Regentin Gebiete entreißen zu können.

Und in genau jene Epoche entführt uns Tanja Kinkel nun. Dabei geht es ihr nicht ausschließlich um militärische und politische Erfolge, sondern auch um das Selbstverständnis der Herrscherfiguren. Als Österreicherin liegen ja meine Sympathien bei Maria Theresia, die nie gekrönte Kaiserin von Österreich sondern Erzherzogin der österreichischen Erblande, Königin von Böhmen und Mähren sowie Königin von Ungarn und Herrscherin über Dutzende andere (kleine) Reiche, die hier zu erwähnen, den Rahmen sprengen würden. Kaiserin ist sie nur als Gemahlin von Franz Stephan von Lothringen, der als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zum KAISER desselben gewählt worden ist. Friedrich spricht auch in diesem Buch von Maria Theresia immer abschätzig als Königin von Ungarn. Nach ihrem Tod im Jahr 1780 wird er in einem Brief an d’Alembert 1781 schreiben.

„Sie hat ihrem Thron und ihrem Geschlecht Ehre gemacht.“

Geschickt und bildhaft versucht Tanja Kinkel die komplexe Person Friedrich, der sich 1756 am Zenit seiner Macht befindet, zu beschreiben. Wir lesen von seiner bekannten Beziehung zu seinem Vater, der ihn und seinen Freund Katte wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt, das Urteil dann aber doch nur an Katte vollstrecken lässt, aber Friedrich zum Zuschauen zwingt. Was das mit einer ohnehin schwierigen Vater-Sohn-Beziehung macht, kann man sich ausrechnen bzw. in weiterer Folge zum Beispiel an Hand seines Verhaltens seinem Neffen Friedrich Wilhelm gegenüber, den er zum Thronfolger bestimmt, aber gleichzeitig ziemlich ruppig behandelt, nachlesen.

Wir erfahren aber auch um andere, höchst emotionale Beziehungen innerhalb der Familie der Hohenzollern. Ich habe vor einigen Jahren das Buch von Katrin Feuerstein-Praßer Friedrich der Große und seine Schwestern gelesen, in dem das innige Verhältnis zu seinen Schwestern beschrieben wird. Zu den Brüdern Heinrich und August Wilhelm ist das Verhältnis ein wenig schwieriger, besteht es doch aus einem komplexen Geflecht aus Loyalität und Rivalität.

Was ich an Tanja Kinkel schätze, ist ihr Gespür für die Sprache in jener Zeit, in der das Werk spielt sowie das geschickte Verknüpfen von historischen Fakten und Fiktion. Dazu ist genaue Recherche erforderlich, die Tanja Kinkel perfekt beherrscht.

Zudem kommen hier mehrfach Perspektivenwechsel zum Einsatz, so dass ein und dieselbe Situation von unterschiedlichen Blickwinkel betrachtet werden. Das gefällt mir, weil sich si ein mehrdimensionales Bild der entsprechenden Lage ergibt.

Am Beginn dieses rund 850 Seiten starken historischen Romans finden wir ein Personenverzeichnis, das uns hilft die zahlreiche Mitglieder der Hohenzollern, ihre Feinde und Freund (auch in wechselnden Allianzen) auseinander zu halten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und opulent erzählten historischen Roman, der weder vom Umfang noch vom Inhalt ein Leichtgewicht ist, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.10.2025

Gelungener Reihenauftakt

Dunkles Wien - Die Morde von Lainz
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Der Titel dieses Krimis hat mich sofort an die Mordserie jener Krankenschwestern erinnert, die in den Jahren 1983 bis 1989 zahlreiche Menschen im Krankenhaus Lainz ermordet haben. Doch das Lesen des Klappentextes ...

Der Titel dieses Krimis hat mich sofort an die Mordserie jener Krankenschwestern erinnert, die in den Jahren 1983 bis 1989 zahlreiche Menschen im Krankenhaus Lainz ermordet haben. Doch das Lesen des Klappentextes hat mich eines Besseren belehrt. Hier geht es um eine Frau und einen Mann, die im Lainzer Tiergarten jeweils mit acht Messerstichen und mit einem Abstand von mehreren Jahren ermordet worden sind.

Doch von Anfang an:

Als man die Leiches des jungen Mannes aus dem Lainzer Tiergarten als Sohn einer wohlhabenden Wiener Familie identifiziert, weiß noch niemand, welche Kreise dieses Verbrechen ziehen wird und wie Ermittlerin vom LKA Wien
betroffen sein wird.

Zunächst sind die Kriminalbeamten Laura Sturm und ihr Kollege Karl Suchanek einem mutmaßlichen Täter auf der Spur. Sie stehen unter Druck, weil ihr Chef Martin Farkas den Fall noch vor den nahenden Weihnachtsfeiertagen abschließen.

Doch dann zweifelt Laura an dem Ermittlungsansatz. Sie erinnert sich an den Mord an einer Hebamme einige Jahre zuvor. Die tote Frau ist ziemlich genau am Fundort der aktuellen Leiche abgelegt worden und der modus operandi ist nahezu ident. Doch der damalige Täter sitzt im Gefängnis. Der Besuch in der Vollzugsanstalt Krems-Stein, in der jene Täter einsitzen, die eine lebenslange Haft verbüßen müssen, bringt außer einem Wiedersehen mit dem psychopathischen Mann und der Erkenntnis, dass er für den zweiten Mord das beste Alibi hat, wenig Erkenntnisse. Dennoch lässt Laura die Akten zum alten Fall ausheben.

Haben sie es mit einem Trittbrettfahrer zu tun?

Meine Meinung:

Lisa Jeglitsch präsentiert einen fesselnden Debüt-Krimi, bei dem wenig so ist, wie es scheint. Das beginnt bei den Eltern des toten Mannes, die wenig sympathische wirken und allerhand zu verbergen haben. Geld und Macht allein machen weder glücklich noch liebenswürdig.

In diversen Rückblicken erhalten wir Einblick sowohl in die Leben und Hintergründe der beiden Toten. Doch es gibt noch andere, die durch das Fehlverhalten der Hebamme Leid erfahren haben.

Die Charaktere, sowohl die guten als auch die schlechten, sind vielschichtig angelegt. Sie haben ihre Ecken und Kanten. Laura Sturm und Karl Suchanek sind ein gutes Team.

Ich habe recht bald eine Idee gehabt, wer für die Morde verantwortlich sein könnte, bin aber dann von der Autorin gehörig in die Irre geführt worden, um dann zum Schluss doch den richtige Riecher gehabt zu haben. Die zahlreichen Wendungen machen den Krimi so richtig spannend. Die Auflösung ist sehr gut gelungen.

Dieses Krimi-Debüt überzeugt durch eine stringente Handlung, komplexe Charaktere und das Flair von Wien abseits der üblichen Schauplätze. Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung.

Fazit:

Diesem gelungenen Reihenauftakt, der mir ein unverwechselbares Lesevergnügen bereitet hat, gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.