"Es gibt immer eine Denise!"
SignalrotAls Polizeioberrat Trautmann Tara Kronberg im Kloster besucht, treibt ihn die Sorge um, dass die Dresdner Kripo dringend Unterstützung durch die erfahrene Hauptkommissarin braucht, die nach einigen persönlichen ...
Als Polizeioberrat Trautmann Tara Kronberg im Kloster besucht, treibt ihn die Sorge um, dass die Dresdner Kripo dringend Unterstützung durch die erfahrene Hauptkommissarin braucht, die nach einigen persönlichen Tiefpunkten eine lange Auszeit genommen hatte. Doch nun soll damit Schluss sein. Trautmann stellt Kronberg ein Ultimatum, das sie letztlich annimmt, weil sie nicht aus dem Dienst ausscheiden möchte. Dieser Anfang wirkt holprig, denn Kronberg geht ins LKA, darf nicht in den Außendienst, bekommt nur einen zunächst etwas mysteriösen Mitarbeiter und ein muffiges Büro abseits aller anderen. Oder anders gesagt: Man legt ihr möglichst viele Steine in den Weg.
Natürlich hat das einen dramaturgischen Sinn: Viel Widerstand erzeugt beim Publikum Sympathie und macht den späteren Erfolg umso größer. Elias Haller bezieht sich mit diesem Thriller auf ein Märchen von Hans Christian Andersen, das er allerdings verfremdet und entstellt. In der Realität dieses Thrillers werden Frauen mit einer Affinität zum Tanzen von der Straße weggefangen und irgendwohin verbracht, wo man ihnen rote Tanzschuhe an die Füße klebt. Dann müssen sie tanzen bis sie nicht mehr können. Anschließend erdrosselt man sie mit einer Stahlschlinge, sägt ihnen die Füße ab und verscharrt sie. Eines der Opfer wird jedoch wieder ausgebuddelt und im Keller in einem Dresdner Nobelviertel platziert. Das ist der Ausgangspunkt für die Kripo. Von einer Mordserie keine Spur, was allerdings Polizeioberrat Trautmann nicht davon abhält eine Spezialistin für solche Fälle zu mobilisieren, Kronberg eben.
Kronbergs Vater war ein anerkannter Dresdner Ermittler. Einer seiner Mitarbeiter beging Selbstmord, weil seine Bestechlichkeit aufgedeckt wurde. Der Autor entwickelt nun einen äußerst geschickt aufgebauten Thriller, der diese Geschichte mit den toten Frauen ohne Füße verbindet. Wie diese Verbindung tatsächlich aussieht, bleibt dem Leser ebenso verborgen wie die Autorenschaft eines geheimnisvollen Tagebuchs, in dem es zunächst um eine Denise geht, die offenbar gehasst wird. Klar ist, dass der oder die Mörder extrem psychopathisch veranlagt sein müssen. Aber Psychopathen streifen gewöhnlich nicht umher und töten wahllos. Es gibt immer ein Motiv. Und wie fast immer liegt es in einer gekränkten Seele.
Das alles bleibt dem Leser aber zunächst verborgen. Dem Autor gelingt es hervorragend, ständig neue und natürlich falsche Spuren zu legen. Durch viel Aktionismus wird der Leser immer wieder geschickt von der intuitiven Arbeit Kronbergs abgelenkt. Aber sie liefert schließlich die Hinweise, die den Fall nach und nach aufklären.
Als Leser möchte man die Geschichte natürlich nachvollziehen können. Dabei gerät man einige Male in Konflikt mit dem dramaturgischen Geschick des Autors, denn so manche Aktionen erschließen sich der normalen Logik nicht. Am Ende kommt es zu einem gewaltigen Showdown, zu dem Kronberg, wie in solchen Fällen üblich, alleine aufbricht. Dabei gerät sie natürlich in Bedrängnis und muss am Ende von ihrem Kollegen gerettet werden, womit auch diese Figur positiv eingeführt worden ist, nachdem man vorher Zweifel haben konnte, was das wohl für ein Kerl sein mag. Auch das ist Teil der Dramaturgie. Und die ist hier wirklich hervorragend inszeniert worden, denn wohl kaum ein Leser kann die wahren Zusammenhänge wirklich vorhersehen. So sollte es in einem guten Thriller sein.
Meine Bewertung meint vor allem den Unterhaltungswert. Fast alle Thriller besitzen einen Hang zur Absurdität. Da macht auch dieser keinen Unterschied. Wäre es anders, könnte man sie vielleicht ernst nehmen. Aber dann wären sie vermutlich auch langweilig.