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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.10.2025

"Es gibt immer eine Denise!"

Signalrot
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Als Polizeioberrat Trautmann Tara Kronberg im Kloster besucht, treibt ihn die Sorge um, dass die Dresdner Kripo dringend Unterstützung durch die erfahrene Hauptkommissarin braucht, die nach einigen persönlichen ...

Als Polizeioberrat Trautmann Tara Kronberg im Kloster besucht, treibt ihn die Sorge um, dass die Dresdner Kripo dringend Unterstützung durch die erfahrene Hauptkommissarin braucht, die nach einigen persönlichen Tiefpunkten eine lange Auszeit genommen hatte. Doch nun soll damit Schluss sein. Trautmann stellt Kronberg ein Ultimatum, das sie letztlich annimmt, weil sie nicht aus dem Dienst ausscheiden möchte. Dieser Anfang wirkt holprig, denn Kronberg geht ins LKA, darf nicht in den Außendienst, bekommt nur einen zunächst etwas mysteriösen Mitarbeiter und ein muffiges Büro abseits aller anderen. Oder anders gesagt: Man legt ihr möglichst viele Steine in den Weg.

Natürlich hat das einen dramaturgischen Sinn: Viel Widerstand erzeugt beim Publikum Sympathie und macht den späteren Erfolg umso größer. Elias Haller bezieht sich mit diesem Thriller auf ein Märchen von Hans Christian Andersen, das er allerdings verfremdet und entstellt. In der Realität dieses Thrillers werden Frauen mit einer Affinität zum Tanzen von der Straße weggefangen und irgendwohin verbracht, wo man ihnen rote Tanzschuhe an die Füße klebt. Dann müssen sie tanzen bis sie nicht mehr können. Anschließend erdrosselt man sie mit einer Stahlschlinge, sägt ihnen die Füße ab und verscharrt sie. Eines der Opfer wird jedoch wieder ausgebuddelt und im Keller in einem Dresdner Nobelviertel platziert. Das ist der Ausgangspunkt für die Kripo. Von einer Mordserie keine Spur, was allerdings Polizeioberrat Trautmann nicht davon abhält eine Spezialistin für solche Fälle zu mobilisieren, Kronberg eben.

Kronbergs Vater war ein anerkannter Dresdner Ermittler. Einer seiner Mitarbeiter beging Selbstmord, weil seine Bestechlichkeit aufgedeckt wurde. Der Autor entwickelt nun einen äußerst geschickt aufgebauten Thriller, der diese Geschichte mit den toten Frauen ohne Füße verbindet. Wie diese Verbindung tatsächlich aussieht, bleibt dem Leser ebenso verborgen wie die Autorenschaft eines geheimnisvollen Tagebuchs, in dem es zunächst um eine Denise geht, die offenbar gehasst wird. Klar ist, dass der oder die Mörder extrem psychopathisch veranlagt sein müssen. Aber Psychopathen streifen gewöhnlich nicht umher und töten wahllos. Es gibt immer ein Motiv. Und wie fast immer liegt es in einer gekränkten Seele.

Das alles bleibt dem Leser aber zunächst verborgen. Dem Autor gelingt es hervorragend, ständig neue und natürlich falsche Spuren zu legen. Durch viel Aktionismus wird der Leser immer wieder geschickt von der intuitiven Arbeit Kronbergs abgelenkt. Aber sie liefert schließlich die Hinweise, die den Fall nach und nach aufklären.

Als Leser möchte man die Geschichte natürlich nachvollziehen können. Dabei gerät man einige Male in Konflikt mit dem dramaturgischen Geschick des Autors, denn so manche Aktionen erschließen sich der normalen Logik nicht. Am Ende kommt es zu einem gewaltigen Showdown, zu dem Kronberg, wie in solchen Fällen üblich, alleine aufbricht. Dabei gerät sie natürlich in Bedrängnis und muss am Ende von ihrem Kollegen gerettet werden, womit auch diese Figur positiv eingeführt worden ist, nachdem man vorher Zweifel haben konnte, was das wohl für ein Kerl sein mag. Auch das ist Teil der Dramaturgie. Und die ist hier wirklich hervorragend inszeniert worden, denn wohl kaum ein Leser kann die wahren Zusammenhänge wirklich vorhersehen. So sollte es in einem guten Thriller sein.



Meine Bewertung meint vor allem den Unterhaltungswert. Fast alle Thriller besitzen einen Hang zur Absurdität. Da macht auch dieser keinen Unterschied. Wäre es anders, könnte man sie vielleicht ernst nehmen. Aber dann wären sie vermutlich auch langweilig.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

"Die Schwalbe kennt keine Grenzen"

Über die Schwalbe
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Nach diesem Satz im Epilog beginnt der Autor sich seltsame Fragen zu stellen. Warum, so Moss, lernen wir nicht von diesem Vogel? Solche merkwürdigen von Menschen erdachten Verbindungen zeugen allenfalls ...

Nach diesem Satz im Epilog beginnt der Autor sich seltsame Fragen zu stellen. Warum, so Moss, lernen wir nicht von diesem Vogel? Solche merkwürdigen von Menschen erdachten Verbindungen zeugen allenfalls von Lebensfremdheit und Naivität, aber keineswegs von Weisheit. Als Naturliebhaber müsste dieser Autor eigentlich wissen, dass auch Tiere ihr Revier markieren und Überschreitungen nicht dulden. Vielleicht sind wir diesen Lebewesen näher als der Schwalbe, schließlich können wir auch nicht fliegen, wenn wir mit den Armen wedeln.

Ungeachtet eines solchen vergleichenden Blödsinns ist dieses Schwalbenbuch für Naturfreunde ein Genuss. Schwalben sind in der Tat seltener als früher bei uns zu sehen. Jedenfalls habe ich schon ewig keine mehr gesehen. Wer es jedoch einmal erlebt hat, dass sie ihr Nest unter einem Hausdach und oberhalb des Schlafzimmerfensters gebaut haben, der wird seine Liebe zu Schwalben mit nächtlicher Ruhestörung belohnt bekommen. Denn im Nest geht es zur Sache, dort herrscht unter den Jungvögeln keine Ruhe.

Im Buch beschreibt Moss ein Jahr im Leben von Schwalben. Wir wissen viel und gleichzeitig wenig über diese Vögel. Wir können sie beobachten, aber nicht wirklich verstehen. Wer schon einmal gesehen hat, wie diese Vögel mit einer Irrsinnsgeschwindigkeit durch schmale Löcher fliegen, wird sich fragen, wie diese Koordinationsfähigkeit funktioniert. Oder: Wie finden diese Altvögel ihr Nest, das sie beispielsweise in den Sand einer Steilküste an der Ostsee gebuddelt haben, wo es daneben viele andere davon gibt?

Für Natur- oder Vogelliebhaber ist dieses Buch eine Fundgrube. Andere mögen es vielleicht langweilig finden. Besonders schön fand ich die Illustrationen.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Inspirierend, wenn …

Off Road Bikepacking
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Ja, wenn. Wenn man der Typ Mensch für solche Touren ist. Denn der Teufel liegt im Detail. Haben diejenigen, die sich hier gleich inspiriert fühlen, mal genau hingesehen und bemerkt, wie wenig Gepäck im ...

Ja, wenn. Wenn man der Typ Mensch für solche Touren ist. Denn der Teufel liegt im Detail. Haben diejenigen, die sich hier gleich inspiriert fühlen, mal genau hingesehen und bemerkt, wie wenig Gepäck im Spiel ist? Man muss also mit wenigen Sachen auskommen, die man täglich durchschwitzt. Also muss man sie auch ständig waschen. Und schlafen muss man auch irgendwo. Wo eigentlich? Im Text findet man zu diesen und anderen Einzelheiten, an denen mancher scheitern kann, nicht erwähnt. Geht man täglich essen? Oder wie ernährt man sich auf solchen Touren? Fragen über Fragen, die sich so manch Euphorisierter offenbar nicht stellt.

Und schließlich bleibt die entscheidende Frage nach den Einzelheiten der jeweiligen Wegstrecke. Man kann sie offenbar herunterladen, wenn man den QR-Code am Ende des Buches scannt. Oder man geht auf die Verlagsseite, wo mir nicht klar geworden ist, wie man dem Verlag nachweisen kann, dass man das Buch tatsächlich besitzt. Denn sonst kostet es etwas. Wenn man alle diese Fragen für sich geklärt hat, dann hat man ein tatsächlich inspirierendes Buch vor sich. Es beruhigt nämlich, wenn jemand eine Tour schon abgefahren hat und sie für machbar hält. Wenn also insbesondere der Untergrund vernünftig ist. Denn wenn man nur Kartenmaterial benutzt, selbst in Deutschland, kann man üble Überraschungen erleben. Ich habe in Brandenburg schon kilometerlang mein Rad geschoben, weil der vorgebliche Radweg aus feinem Sand bestand.

Die Touren in diesem Buch sind allein vom Bildmaterial großartig. Aber man muss dafür eben auch geschaffen sein. Die Beschreibungen geben nur das wieder, was man auf den Fotos zu sehen glaubt. Manchmal jedoch kann man erahnen, was wirklich dahinter steht. Liest man zum Beispiel den Text zur Weichsel-Tour, dann findet man dort, dass der Autor 209 Kilometer am Stück in 14 Stunden gefahren ist. Das ist erheblich, denn irgendwann wird er auch mal Rast gemacht haben. Es geht also keineswegs gemütlich zu, sondern im Challenge-Stil. Braucht man acht Stunden Schlaf, dann bleiben noch maximal zwei bis zur Nachtruhe übrig.

Kurzum: Dieses Buch bietet viele gute Ideen, zu deren Umsetzung man aber auch bereit sein muss.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

"Glitzer, Glamour und Kult"

ABBA - Alle Songs
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Ist es das, was an ABBA so überzeugt? Wohl kaum. Es sind die Musik und der Gesang, die die Einzigartigkeit dieser Gruppe ausmachen. Alles andere sind Vermarktungsstrategien und der unersättliche Drang ...

Ist es das, was an ABBA so überzeugt? Wohl kaum. Es sind die Musik und der Gesang, die die Einzigartigkeit dieser Gruppe ausmachen. Alles andere sind Vermarktungsstrategien und der unersättliche Drang von Schreiberlingen, irgendwelche Geschichten erzählen zu müssen, ob nun wahr oder nicht.

Mit diesem Buch können sich Menschen, denen die zeitlosen Kompositionen und Arrangements der beiden genialen Musiker hinter ABBA nicht ausreichen, ein Bild von der Entstehungsgeschichte aller Songs machen. Die damit verbundene Geschichte der Band wird dabei eingeschlossen.

Über ABBA ist so viel geschrieben und gesendet worden, dass man sich eigentlich aller Kommentare enthalten kann. Dieses dicke Buch ist so zu sagen das Kompendium zu ABBA. Es reicht bis in die jüngste Vergangenheit, als sich die Gruppe noch einmal der Öffentlichkeit zeigte.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

"Menschen, die aus Angst eine Mission haben, sind bei der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich"

Aus Angst
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Die Betonung liegt hier auf "Mission" und meint eine Umweltsekte, die an die "Letzte Generation" erinnert. Weltuntergangsgläubige gab es schon immer, aber in der Gegenwart besitzen sie eine überdimensionale ...

Die Betonung liegt hier auf "Mission" und meint eine Umweltsekte, die an die "Letzte Generation" erinnert. Weltuntergangsgläubige gab es schon immer, aber in der Gegenwart besitzen sie eine überdimensionale mediale Bedeutung, weil sie ein staatliches Narrativ unterstützen, mit dem man Menschen den Sündenfall einredet und sie danach zur Kasse bittet. Eine Methode, die sich seit Jahrhunderten immer wieder bewährt hat.

Im Buch erpresst eine solche Gruppe eine international tätige Wirtschaftskanzlei mit einer angeblichen Umweltverschmutzung ihres wichtigsten Mandanten. Ein oder mehrere Anwälte der Kanzlei sollen geholfen haben, diesen Skandal zu vertuschen. Daraufhin wird der Bruder eines Teilhabers der Kanzlei mit der Aufdeckung der Zusammenhänge beauftragt. Schließlich hängt ihre wirtschaftliche Existenz davon ab, ob an der Sache etwas dran ist.

Je mehr er sich mit dem Fall beschäftigt, umso komplexer und scheinbar undurchschaubarer erweist sich das Ganze. Kein Wunder, denn schließlich haben sich Anwälte diese Konstruktion ausgedacht. Mit der Untersuchung kommen auch immer wieder Ängste zum Vorschein. Die Angst vor der Aufdeckung einer Untat oder einer Lebenslüge, oft auch die Angst vor dem sozialen Abstieg. Abstrakt gesehen geht es immer um Verlustängste. Selbst die positiven Figuren in diesem Wirtschaftskrimi kämpfen mit solchen Bedrohungen.

Die tatsächlich komplexe Geschichte erzählt ihr Autor mit einer gewissen Brillanz, sprachlich als auch fachlich. Schritt für Schritt kann man verfolgen, wie der Hauptheld dieses Buches die Zusammenhänge enttarnt und dabei auch ins persönliche Risiko geht. Immerhin handelt es sich ja um einen Kriminalroman.

Allerdings sind Wirtschaftskrimis eher selten, weil es in ihnen nicht immer um Mord und Totschlag, sondern um Zusammenhänge geht, die sich vielleicht dem allgemeinen Publikum nicht immer erschließen. Oder die nicht interessant genug zu sein scheinen. Bei der Mördersuche kann man mitraten, bei wirtschaftlichen Zusammenhängen eher nicht, zumal es um wirtschaftliche Grundkenntnisse in Deutschland nicht gut bestellt ist.

Leider hat sich der Autor, aus welchen Gründen auch immer, zum Selbstverlag entschieden. Damit fehlt dem Buch die Verlags-Lobby, die einen Krimi aus der Masse der Neuerscheinungen dieses Genres hervorhebt. Das ist schade, denn das Buch ist spannend und lehrreich, also eine durchaus empfehlenswerte Lektüre.

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