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Veröffentlicht am 28.10.2025

Leseempfehlung!

Akikos lange Reise
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„Akikos lange Reise“ von Jan-Philipp Sendker
Verlag : Blessing

„Es war still. Mehr als das. Stiller. Am stillsten. Was für ein Unsinn. 
Es gab keine Steigerung von still, und doch fühlte es sich in diesem ...

„Akikos lange Reise“ von Jan-Philipp Sendker
Verlag : Blessing

„Es war still. Mehr als das. Stiller. Am stillsten. Was für ein Unsinn. 
Es gab keine Steigerung von still, und doch fühlte es sich in diesem Wald so an.“

In dieser Stille beginnt Akikos Weg. Ein Weg, der sie fortführt von allem, was sicher schien, hinein in das Ungewisse und zu sich selbst.
Nach dem Tod ihrer Mutter steht Akiko an einem Punkt, an dem vieles zu Ende geht und zugleich alles neu beginnen kann. Sie übergibt die Asche der Mutter dem Meer, begleitet von Kento, einem Hikikomori, der nach Jahren der Einsamkeit zum ersten Mal wieder hinaus in die Welt tritt. Zwei Menschen, die beide suchen, nach Nähe, nach Mut, nach Liebe und nach einem Platz im Leben.

Akiko kündigt ihren Job, um frei zu sein. Sie will schreiben, reisen, verstehen. Und sie wagt das, wovor sie sich am meisten gefürchtet hat, die Suche nach ihrem Vater, der sie als Baby verließ. Doch statt Antworten findet sie Schweigen, Enttäuschung, Schmerz. Nur ihr Großvater reicht ihr die Hand, still, warm, mit einem Verständnis, das heilt.

Mit jedem Gespräch, jedem Ort, den sie betritt, begreift Akiko ein Stück mehr von der Geschichte ihrer Familie. Von einer Liebe, die groß war und doch nicht stark genug, um zwei Menschen glücklich zu machen. Und sie begreift, dass Verstehen und Vergeben oft der erste Schritt nach Hause sind.

Jan-Philipp Sendker schreibt mit jener Sanftheit, die das Herz berührt. Seine Worte fließen wie ein stiller Bach, klar, poetisch, tief. Er zeigt, wie Einsamkeit, Liebe und Vergebung ineinander greifen und wie Heilung leise geschieht.

Ein stilles, tröstendes Buch über das Ankommen in der Welt, in der Familie und im eigenen Herzen.

Ein Buch, das nachklingt, sanft, weise und voller Herz.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Wundervoller Roman

Die Briefeschreiberin
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„Die Briefeschreiberin“ von Virginia Evans, gelesen von Beate Himmelstoß 
und Thomas Loibl / Verlag: der Hörverlag
Was für eine berührende Geschichte, was für eine beeindruckende Frau, 
was für ein Schicksal!
Ich ...


„Die Briefeschreiberin“ von Virginia Evans, gelesen von Beate Himmelstoß 
und Thomas Loibl / Verlag: der Hörverlag
Was für eine berührende Geschichte, was für eine beeindruckende Frau, 
was für ein Schicksal!
Ich war fasziniert von diesem Hörbuch. Wunderbar finde ich die Briefe, die sich zuletzt zu einem ganzen Bild über das Leben von Sybil van Antwerp zusammensetzen.
Ein Leben mit Höhen und Tiefen, wie im echten Leben. Ich habe es sehr genossen, den beiden Sprechern zuzuhören. Die unaufgeregte Stimme von Beate Himmelstoß fand ich perfekt geeignet für die Hauptprotagonistin Sybil van Antwerp. Sybil ist 73 Jahre alt, ihr Augenlicht wird bald verblassen und ihre Liebe zum Briefeschreiben somit ein Ende finden. Doch solange es ihr möglich ist, schreibt Sybil!
An alle und jeden, in einer wunderschönen Handschrift. Die weiteren Protagonisten sind allesamt sehr unterschiedlich, aber auch sehr interessant: ihr ebenso adoptierter Bruder Felix, ihre Schwägerin, der freundliche Nachbar Theodore, ihr Verehrer Mick und viele weitere bereichern das Leben von Sybil und ziehen mich als Hörerin mitten hinein in ihr Leben. Alltägliches, schwierige Themen, Freude, Leid und auch Small Talk finden sich in ihren Briefen wieder.
Der Austausch mit den verschiedenen Menschen in ihrem Leben ist so real, teilweise tiefgründig, teilweise einfach nur ein schöner Kontakt.
Sybil hat in ihrem bewegten Leben schon viel erfahren: von einer herausragenden Juristin zur Assistentin eines Richters, von Ehefrau, Mutter, Freundin und Adoptivkind war alles dabei. Auch ein Schmerz, der in Worte nicht zu fassen ist und deshalb bis dato noch keinen Weg in ihre Briefe gefunden hat.
Wortgewandt, teilweise etwas harsch, jedoch immer offen und ehrlich schreibt Sybil wohlüberlegt ihre Briefe. Manche finden den Weg zum Adressaten, manche werden nie abgeschickt.
Ich habe mit Sybil gebangt, gehofft, ihr Leid und ihre Freude geteilt, ihren Schmerz und ihre Schuldgefühle gespürt und wäre ihr so gerne begegnet.
Einer älteren, intelligenten Dame, die auf ihre sture, aber trotzdem helfende Art sehr angesehen und beliebt ist. Ihre Stärke nach außen zeigt nicht ihr Innerstes. Ihre Art, sich zu entschuldigen, finde ich sehr weise, auch wenn teilweise viel Zeit vergeht. Aber so ist das Leben: Nicht immer kann man sofort vergeben oder verzeihen. Es braucht Zeit!
Die Autorin vereint in ihrem Buch Leichtigkeit, Einsamkeit, Tiefgang und Hoffnung.
Und sie zeigt auf, dass es nichts Konstantes gibt. Das Leben ist Veränderung, und diese Veränderung bringt oftmals Neues zum Vorschein, womit wir nicht gerechnet haben. Was wir nie zu hoffen gewagt hätten.
So geht es auch Sybil, als sie das Geschenk ihres Sohnes Bruce nach langer Zeit endlich einlöst und ihre DNA zur Auswertung einschickt. Was daraufhin ins Rollen kommt, war weder ihren Kindern noch Sybil bewusst.
Ach, was war das für ein wundervoller Roman! Ich habe Sybil sehr in mein Herz geschlossen. Ihre burschikose und doch warmherzige Art sagte mir sehr zu. Ich möchte auch nicht mehr verraten, ich kann nur sagen: Lest oder hört euch dieses Buch an.
Taucht ein in die Briefe, lasst euch mitreißen in das Leben von Sybil. Einer Frau, der man mit Hochachtung begegnen sollte.
Ich bin jedenfalls absolut begeistert. Was für ein Debüt!
Danke auch an Regina Rowlinson für die Übersetzung.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Schwere in der Leichtigkeit

Verehrung
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„Verehrung“ von Alice Urciuol / Verlag: nonsolo
Was für ein stimmiger Roman über das Erwachsenwerden. Über die Leichtigkeit der Jugend, über Liebe, Verführung und Verehrung. Über Begehren, Wahrnehmung ...

„Verehrung“ von Alice Urciuol / Verlag: nonsolo
Was für ein stimmiger Roman über das Erwachsenwerden. Über die Leichtigkeit der Jugend, über Liebe, Verführung und Verehrung. Über Begehren, Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung, über das Loslösen von Erwartungen und das Gehen eigener Wege.
In der Provinz Pontinia südlich von Rom erschüttert der Tod der siebzehnjährigen Elena, die von ihrem Freund getötet wurde, eine ganze Gruppe von Jugendlichen.
Die Tat wirft lange Schatten, niemand hat sie kommen sehen und doch hätten alle es ahnen können. Die Schuldgefühle, welche der Tod ihrer Freundin hervorruft, zieht sich wie ein unsichtbarer Faden durch das Leben der FreundInnen.
Vanessa, Elenas beste Freundin, steht zwischen den patriarchalen Werten, die ihr Umfeld noch immer tief verinnerlicht hat, und dem Drang, ihr Leben selbstbestimmt zu führen.
Giorgio, der in Elena verliebt war und sie nicht beschützen konnte, trägt schwer daran und versucht nun, seine Schwester Vera vor allem zu bewahren; und mischt sich damit oft in Dinge ein, die ihn nichts angehen.
Christian, Elenas Ex-Freund, taumelt zwischen Teresa und Vera. Er schafft es nicht, aus den Fehlern seiner Vergangenheit zu lernen.
Und Diana, die mit einem großen Muttermal am Oberschenkel lebt, versteckt sich aus Scham - unsicher, ob sie jemals jemanden so nah an sich heranlassen darf.
Alice Urciuolo versteht es meisterhaft, die ungestüme Dynamik dieser jungen Menschen einzufangen.
Sie zeigt, wie eng Leichtigkeit und Unbeschwertheit mit Trauer und Schuld verwoben sein können; wie Begehren, Macht und Sehnsucht ineinanderfließen.
In den Dialogen, in den Gesten, in den schwülen Sommernächten zwischen Pontinia und den Stränden von Sabaudia liegt diese ganz besondere Hitze, die das Aufwachsen beschleunigt und doch alles zerbrechlich wirken lässt.
Es ist ein Roman, der die Leidenschaft der Heranwachsenden in all ihrer Schönheit, Unvernunft und Wildheit spürbar macht. Gleichzeitig zeichnet er das Bild einer Elterngeneration, die an ihren Erwartungen und überholten Werten festhält und von der sich die jungen ProtagonistInnen lösen, um ihr eigenes Leben zu leben.
Und so gelingt es Urciuolo, von Trauer und Schuld zu erzählen, aber auch von diesem unbändigen Hunger nach Freiheit: vom Schwimmen im Meer, vom Schmecken des Sommers, von der Lust, das eigene Leben trotz allem zu feiern und sich auszuprobieren. In vielerlei Hinsicht.

Ein Roman voller Schwere in der Leichtigkeit, voller Sommerhitze und voller Sehnsucht. Wunderschön, berührend, authentisch und eine große Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Wichtiges Thema!

Die Krähen
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„Die Krähen“ von Petra Dvořáková /
Verlag: Anthea

Was für ein Buch. Was für eine Welt. Was für ein Leid.

Selten hat mich eine Geschichte so erschüttert und sprachlos gemacht.

Petra Dvořáková führt ...

„Die Krähen“ von Petra Dvořáková /
Verlag: Anthea

Was für ein Buch. Was für eine Welt. Was für ein Leid.

Selten hat mich eine Geschichte so erschüttert und sprachlos gemacht.

Petra Dvořáková führt uns in eine Familie, die nach außen normal wirkt, zwei kleine Mädchen, bürgerliches Leben, ein scheinbar geordnetes Zuhause.

Doch hinter dieser Fassade lauert Lieblosigkeit und Gewalt.
Und es trifft immer Bára.

Bára ist nicht so brav und ordentlich wie ihre Schwester. Sie denkt anders, bewegt sich freier, malt mit Hingabe und lässt Farben sprechen, wo Worte versagen. In der Schule wird sie gelobt, bekommt gute Noten, doch auch das scheint die Mutter zu erzürnen.

Als der Kunstlehrer ihr Talent bemerkt und versucht, sie zu fördern, weckt das nur noch mehr Misstrauen und Wut zu Hause. Er ahnt, was hinter den Mauern geschieht, will helfen, will beschützen, doch gegen das Schweigen kommt er kaum an.

Der Schmerz, die Gewalt, das Schweigen, all das sickert in jede Seite dieses Buches. In Báras Zeichnungen und Aufsätzen spiegelt sich ihre Erlebnisse. Ein Aufsatz, ein Schrei nach Hilfe und doch folgt kein echtes Handeln.

Alle sehen, alle wissen und trotzdem bleibt Bára allein. Und es wird schlimmer!

Die Mutter lässt ihre Wut an ihr aus, der Vater „züchtigt“, wenn die Mutter es verlangt und wenn niemand hinsieht, überschreitet er andere Grenzen.

Nur die Krähen, stumme Zeugen auf den Ästen gegenüber, sehen alles. Sie verstehen nicht, aber sie sehen. So wie auch wir als LeserInnen sehen und uns fragen müssen, warum so oft nichts geschieht.

Dieses Buch macht das Atmen schwer. Es schmerzt, und gerade deshalb ist es so wichtig. Es zwingt uns hinzusehen, wo wir sonst vielleicht wegsähen, und zeigt, welche Folgen es hat, wenn Wegsehen zur Gewohnheit wird. Wer wegschaut und nicht handelt, trägt einen Teil der Schuld mit.

Petra Dvořáková schreibt mit einer Klarheit, die fast weh tut. Ohne Pathos, ohne Beschönigung, mit einer schonungslosen Genauigkeit, die einem unter die Haut geht.

Ein Bild von Ohnmacht, Schmerz und der Sehnsucht nach Liebe zeigt uns die Autorin mit diesem schmalen Buch und seinem gewaltigen Inhalt.

Die Krähen ist kein leichtes Buch. Aber ein notwendiges. Es bleibt, lange nachdem man die letzte Seite geschlossen hat; wie ein Echo, das mahnt, nicht zu schweigen, nicht fortzusehen, sondern zu handeln. Sofort!

Eine klare Leseempfehlung.

Ich habe dieses Buch mit schwerem Herzen und offenen Augen gelesen.



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Veröffentlicht am 27.09.2025

Lesevergnügen

Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste
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„Die Einladung - Mord nur für geladene Gäste“ von Kelly Mullen
Übersetzt von Katharina Naumann
Verlag: Rowohlt

Kelly Mullen hat mich überrascht und zwar gleich mehrfach: mit feinem englischen Humor, ...

„Die Einladung - Mord nur für geladene Gäste“ von Kelly Mullen
Übersetzt von Katharina Naumann
Verlag: Rowohlt

Kelly Mullen hat mich überrascht und zwar gleich mehrfach: mit feinem englischen Humor, einem erfrischend flotten Schreibstil und einem Krimi, der bis zuletzt packend bleibt.
Ein Hauch von Miss Marple weht durch Mimi, die grantige, leicht kratzbürstige Nachbarin der ermordeten, reichen Jane. Ihre Enkelin Addie wiederum, bildhübsch, klug, charmant und obendrein Krimifan, kombiniert messerscharfe Beobachtungen mit der Logik eines Hercule Poirot. Ein perfektes Duo: altmodische Intuition trifft auf Gamer-Struktur.
Schauplatz ist Mackinac Island, eine Insel ohne Autos. Dort lebt Mimi bescheiden in ihrem Cottage. Ihre Nachbarin Jane Ireland dagegen ist die einzige, die in obszönem Reichtum schwelgt; glamourös, taktlos und von allzu viel Selbstbewusstsein getragen. Als sie Mimi zu einer Auktion auf ihr Anwesen einlädt, wäre das für diese kaum ein Anlass, hinzugehen. Doch ein zweiter Brief verändert alles: Jemand kennt Mimis Geheimnis und nutzt die Einladung zur Erpressung.
Wer Jane kennt, weiß: es geht nie ohne Aufsehen. Und tatsächlich, kurz nach der Auktion liegt sie tot in ihrem Schlafzimmer. Ermordet.
Von da an gilt: Jeder ist verdächtig. Ob Schwiegersohn Matthew mit zweifelhaften Liebesabenteuern, Bruder Gus, Haushälterin, der langweilig wirkende Insulaner Jim Towels oder die mysteriösen Gäste, niemand ist ohne Schattenseite. Doch was war das Motiv? Rache? Erpressung?
Addie ermittelt methodisch wie in einem Game: Fakten sammeln, Rollen zuordnen, Level für Level weiterkommen. Mimi hingegen bleibt ganz die eigensinnige Spürnase der alten Schule. Gemeinsam, jede auf ihre Art, kommen sie den Geheimnissen des Anwesens und seiner Bewohner immer näher. Zugleich wirft sich die Frage auf: Wird Mimis eigenes Geheimnis am Ende mit ans Licht gezerrt?
Die Autorin versteht es meisterhaft, Spannung mit verschmitztem Witz zu verweben. Ihre Figuren sind plastisch gezeichnet. Mimi herrlich grantig, Addie erfrischend modern, Jane hemmungslos taktlos, Matthew dubios bis ins Mark. Dazu das Setting: ein riesiges Anwesen mit Zugbrücke, abgeschnitten von der Außenwelt, voller Geheimgänge und verborgenem Klatsch. Ganz in bester Agatha-Christie-Manier.
Ich ertappte mich dabei, wie ich immer noch Seite um Seite verschlang, obwohl längst Schlafenszeit war, einfach weil ich unbedingt miträtseln musste.

Ein Krimi voller Rätsel, Seitenhiebe und überraschender Wendungen. Eine wahre Wonne für alle, die gerne bis zuletzt im Dunkeln tappen und beim Lesen ein wenig miträtseln wollen. Kelly Mullen liefert hier ein Lesevergnügen, das britisch gewürzt und zugleich herrlich zeitgemäß ist.

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