Super Location für einen super Roman
GymSuper Location für eine großartige Story!
In „Gym“ von Verena Keßler (@kessler.verena) startet die namenlose Erzählerin ihren neuen Job als Shakes mischende und Flächen polierende Tresenkraft im MEGA ...
Super Location für eine großartige Story!
In „Gym“ von Verena Keßler (@kessler.verena) startet die namenlose Erzählerin ihren neuen Job als Shakes mischende und Flächen polierende Tresenkraft im MEGA GYM. Beim Vorstellungsgespräch schwindelt sie ihren Chef (bekennender Feminist) an, indem sie behauptet, dass sie gerade entbunden habe und deshalb noch nicht wieder in Shape sei.
Anfangs eine Pflichtübung, wird das Training bald zur Obsession. Die Protagonistin geht vollkommen in ihrem Selbstoptimierungswahn auf, mutiert zum Proteinjunkie, treibt die Trainingssessions ins Unmenschliche und hilft schließlich mit Steroiden nach, um sich zu perfektionieren.
Doch immer wieder blitzt durch, dass in ihrem früheren Job irgendwas gar nicht gut lief und es entsteht der Eindruck, dass sie irgendwie versucht, ihre Vergangenheit wegzutrainieren. Und dabei überschreitet sie mehr als eine Grenze.
Was für ein ungewöhnliches Buch! Die Lüge beim Einstellungsgespräch tritt dabei zunehmend in den Hintergrund, um einer düsteren Vorahnung Platz zu machen, die die wahren Abgründe nur erahnen lässt. Diese dunkle Präsenz im Hintergrund hat mir gut gefallen.
Verena Keßler gelingt es unfassbar überzeugend, den Prozess von harmlosem Training über Effizienzsteigerung bis hin zu zwanghafter Selbstvervollkommnung zu erzählen.
Ich mag ihren klaren, unprätentiösen Stil, die Sprache passt sich der Umgebung an und wirkt dadurch echt authentisch. Was ich während der Lektüre alles wahrgenommen habe! Vom Geschmack über Gerüche bis hin zu echt Unappetitlichem und Abstoßendem war gefühlt alles dabei.
Für mich ein echt lesenswertes Buch über Anspruchsdenken, Grenzüberschreitungen und den Umgang mit Druck, der uns in die Selbstzerstörung treiben kann.
„Ich nahm keinen Raum ein - ich war der Raum.”