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Veröffentlicht am 23.10.2025

Ein Mohnbrötchen als Hilferuf?

Entführung im Himmelreich
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„Wir sind hier im Himmelreich. Hier passiert sowas doch nicht.“ (S. 28)
Wenige Monate nachdem der ehemalige Fernsehkommissar Björn Kupernikus auf dem Campingplatz am Schwielowsee einen Mord aufgeklärt ...

„Wir sind hier im Himmelreich. Hier passiert sowas doch nicht.“ (S. 28)
Wenige Monate nachdem der ehemalige Fernsehkommissar Björn Kupernikus auf dem Campingplatz am Schwielowsee einen Mord aufgeklärt hat, stolpert er bereits in den nächsten Fall. Als der Bäcker, der jeden Morgen die Frühstücksbrötchen bringt, nicht im Himmelreich auftaucht, macht sich Kupernikus auf die Suche. Im Wald findet er das Auto des Bäckers verlassen, am Seeufer stehen ordentlich nebeneinander dessen Schuhe. Hat er sich das Leben genommen? Kommissar Edgar Fass ist davon überzeugt, Kupernikus allerdings nicht. Denn in seiner Brötchentüte liegt ein Mohnbrötchen, das er gar nicht bestellt hat. Ein versteckter Hilferuf des Bäckers?
Kurz darauf wird auf einem Hausboot eingebrochen, die Bewohnerin angegriffen, und ein junger Camper verschwindet spurlos. Hängen die Fälle womöglich zusammen? Kupernikus und seine Freundin Annabelle können es nicht lassen, in Caputh und Umgebung auf eigene Faust zu ermitteln - und stoßen dabei auf einige gut gehütete Geheimnisse.

Der Fall entwickelt sich langsam und zieht immer weitere Kreise. Angeblich hatte der Bäcker eine Geliebte und sich mit dem Metzger überworfen. Könnte hier das Tatmotiv liegen? Und ist er wirklich tot oder wurde er entführt? Sein Sohn glaubt, der Vater habe das alles nur inszeniert hat, weil er gern im Mittelpunkt steht. Aber wenn das stimmt, wo ist er dann?

Auch der zweite Teil der Reihe von Andreas Winkelmann hat mich gut unterhalten. Ich mag Kupernikus‘ gemütliche, fast schon stoische Art zu ermitteln, wie er Fass‘ Bedenken einfach ignoriert und mit seiner sympathischen Art selbst verschlossene Menschen zum Reden bringt. Annabelle ergänzt ihn perfekt: Sie knackt diejenigen, die Kupernikus widerstehen, und bekocht ihn so gut, dass er um seine (nicht vorhandene) Linie fürchtet. Ihre amüsanten Wortgefechte sorgen zusätzlich für Charme und Leichtigkeit.

Dazu kommt das fast schon romantische Setting des Campingplatzes – ein kleiner Kosmos für sich, in dem nichts lange geheim bleibt, weil man zu eng aufeinander lebt. Der Cosy-Krimi passt außerdem wunderbar in die Jahreszeit, da sich die Handlung passend zu Halloween zuspitzt.

Ein stimmungsvoller, spannender und zugleich humorvoller Krimi – ideal für alle, die es gern gemütlich, aber trotzdem fesselnd mögen.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Hotel Grand-Mama

Evil Grandma
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„Auch alte Menschen haben eine Seele, hätte Mona gern geantwortet. Auch alte Menschen haben Träume.“ (S. 237)
Mit scharfem Witz und viel Gesellschaftskritik erzählt Line Baugstø die Geschichte einer Frau, ...

„Auch alte Menschen haben eine Seele, hätte Mona gern geantwortet. Auch alte Menschen haben Träume.“ (S. 237)
Mit scharfem Witz und viel Gesellschaftskritik erzählt Line Baugstø die Geschichte einer Frau, die plötzlich merkt, dass sie in den Augen anderer nur noch „alt“ ist.
Mona ist 65, geschieden und hat das Gefühl, die Arbeitsjahre nur noch abzusitzen, während ihre jüngeren Kolleg*innen sie überholen.
Als sie erfährt, dass ihr Sohn Thomas und dessen Partnerin Alma ein Kind erwarten, bekommt sie eine Panikattacke, anstatt sich zu freuen. Sie fürchtet, fortan als kostenlose Babysitterin zu dienen. Kurz darauf ziehen die beiden wegen eines Wasserrohrbruchs bei ihr ein und machen es sich im „Hotel Mama“ bequem: Mona kocht, wäscht und räumt hinter ihnen her, während die beiden sich bedienen lassen.
Als Mona zufällig entdeckt, dass Alma die gemeinsame Wohnsituation auf Instagram dokumentiert und sie dort als Schwiegermonster darstellt, platzt ihr der Kragen. Unter dem Pseudonym EvilGrandma65 eröffnet sie ein geheimes Profil, um ihre Sicht der Dinge ungeschönt zu teilen. Ihre bissigen Posts finden schnell Anklang – doch der plötzliche Erfolg bleibt nicht folgenlos.
Baugstø zeichnet ein eindringliches Porträt einer Frau, die sich unsichtbar fühlt und versucht, ihre Wut in Selbstbehauptung zu verwandeln.

„Von einem Tag auf den anderen ist es vollkommen still um sie geworden, und es dauert nicht lange, bis Mona sich wie ein Gespenst vorkommt, ein Schatten am Rande des Lebens aller anderen, die einmal zu ihrem engsten Kreis gehört haben.“ (S. 211)
„Evil Grandma“ von Line Baugstø ist eine bitterböse Realsatire über Altersbilder, Selbstinszenierung und den fließenden Übergang zwischen digitaler und realer Scheinwelt. Mit spitzer Feder hält Baugstø der Social-Media-Generation den Spiegel vor und lässt gleichzeitig tief in Monas Einsamkeit und Sehnsucht blicken.
Ein Buch, das unterhält, provoziert und nachdenklich macht – besonders für alle, die sich schon einmal gefragt haben, ob sie online (oder im Leben) eigentlich noch gesehen werden.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Suchende

Ein ganz besonderer Ort
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„Ich kann nicht einfach Kinder kriegen, ohne irgendetwas erreicht zu haben. So eine Frau bin ich nicht.“ (S. 90) Suzanna und Neil Peakock sind seit 10 Jahren verheiratet und er ist der Meinung, dass es ...

„Ich kann nicht einfach Kinder kriegen, ohne irgendetwas erreicht zu haben. So eine Frau bin ich nicht.“ (S. 90) Suzanna und Neil Peakock sind seit 10 Jahren verheiratet und er ist der Meinung, dass es langsam Zeit für das erste Kind wäre. Doch Suzanna hadert mit allem, hat das Gefühl, im Leben noch nicht angekommen zu sein. Sie mussten ihre Londoner Wohnung wegen ihrer Schulden verkaufen und in ein Cottage ihrer Eltern in der Nähe einer Kleinstadt ziehen. Das Städtchen ist schön, scheint unter der Woche aber nur von Frauen bewohnt zu sein, deren Männer in London arbeiten.
Ein weiteres Problem ist Suzannas Familie. Ihre Mutter ist bei der Geburt gestorben, sie wurde von der zweiten Frau ihres Vaters aufgezogen. Weil sie ihrer leiblichen Mutter aufs Haar gleicht und nicht ihren Halbgeschwistern, fühlt sie sich immer als Außenseiterin. Sie ist sich sicher, dass sie nur geduldet, aber nicht wirklich geliebt wird, und niemand kann sie vom Gegenteil überzeugen. Außerdem ist sie sich nicht sicher, ob sie Neil wirklich liebt.
Als sie einen kleinen Laden entdeckt, wird die Idee zum „Peacock Emporium“ geboren, in dem sie sich ausleben kann. Vorne richtet sie eine Secondhandabteilung ein und hinten ein Café. Doch er läuft nicht gut an. Suzanna hatte gedacht, dass die Gäste miteinander ins Gespräch kommen, stattdessen wollen sie mit ihr reden. Jessie, eine ihrer Kundinnen, sagt ihr das auf den Kopf zu und stellt sich dann gleich selber bei ihr an. Durch ihre extrem fröhliche, nette und kommunikative Art und weil sie jeden in der Stadt zu kennen scheint, wird sie zum Kundenmagnet und Suzannas erste richtiger Freundin – und das Emporium zum Zentrum der Stadt. Doch auch Jessies Privatleben ist nicht ohne Schatten. Und was hat es mit dem geheimnisvollen Argentinier Alejandro auf sich, der einer ihrer treuesten Stammkunden wird und an den Suzanna immer öfter denken muss?

„Ein ganz besonderer Ort“ ist ein früher Roman von Jojo Moyes, der neu übersetzt und überarbeitet wurde. Es ist nicht ihr bestes Buch, man merkt ihm an, dass sie noch nicht ganz so routiniert und rund geschrieben hat wie später. So sind ein paar der Zeitsprünge etwas verwirrend und einige Kapitel werden plötzlich aus einem anderen Blickwinkel erzählt, ohne dass man erfährt, aus wessen Sicht (man kann es sich dann aber zusammenreimen).
Trotzdem fand ich die Geschichte charmant, fesselnd, überraschend und bewegend. Denn nicht nur Suzanna, auch ihre leibliche und ihre Adoptivmutter waren Suchende, die ihren Platz im Leben nicht einfach hingenommen haben: Das Frauenbild in den 60ern war noch rückständiger, als zu Suzannas Zeiten Anfang der 2000er.
Es ist eine Geschichte voller Geheimnisse, über Freundschaft und Ehe, Erwartungen an sich selbst und seinen Partner, die Rollenbilder von Frauen und Männern, Liebe und Eifersucht und die Suche nach sich selbst, seinen Wurzeln und seinem Platz im Leben und innerhalb der Familie.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Ein Buch als geheimer Briefkasten

Storybook Ending - Bis ans Ende aller Seiten
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„Vielleicht hatten die Langeweile und das Alleinsein sie dazu verführt, einen Schritt zu weit zu gehen.“ (S. 13) April arbeitet für eine Online-Immobilienfirma im Homeoffice und ist einsam. In ihrer Freizeit ...

„Vielleicht hatten die Langeweile und das Alleinsein sie dazu verführt, einen Schritt zu weit zu gehen.“ (S. 13) April arbeitet für eine Online-Immobilienfirma im Homeoffice und ist einsam. In ihrer Freizeit flüchtet sie sich in Bücher, vor allem Krimis, oder geht zu Dates, die ihre Freundinnen vermitteln, aber der richtige Mann ist nie dabei. In „ihrem“ Buchladen Read the Room arbeitet ein gut aussehender, liebenswürdiger junger Mann in ihrem Alter, mit dem sie sich gern verabreden würde. Sie traut sich allerdings nicht, ihn anzusprechen. Stattdessen hinterlässt sie eine Nachricht für ihn in einem Buch.

„Westley wartete ständig darauf, dass sich zufällig irgendwas für ihn ergab, und wunderte sich dann, warum nichts passierte.“ (S. 22) Er arbeitet schon seit fast 6 Jahren im Buchladen, denkt sich gern Geschichten über andere Manschen und ist sehr introvertiert. Trotzdem lässt er sich als Statist für den Film anwerben, der im Buchladen gedreht wird. Das lenkt ihn so sehr ab, dass er das Buch und den Brief von April gar nicht bemerkt.

Stattdessen kauft Laura es für ihren Buchclub. Die alleinerziehende Mutter ist seit 5 Jahren Witwe und noch nicht bereit für einen neuen Mann. „In eine Beziehung einzutauchen, ohne zu wissen, ob das Wasser eine angenehme Temperatur hatte, erschien ihr einfach zu mühsam; da war es doch sicherer, an Land zu bleiben.“ (S. 48) Aber der Brief berührt sie. Sie fühlt sich endlich wieder gesehen und es geht ja (noch) nicht um ein reales Treffen, sondern einen anonymem Flirt. Ihre Antwort versteckt sie, wie gewünscht, im mittleren Band von Die Tribute von Panem. Das Buch wird zu Aprils und Lauras geheimem Briefkasten, wobei beide denken, dass sie mit Westley schreiben, der von alldem nicht mitbekommt.

„Storybooks Ending“ ist das perfekte Buch für alle Fans von Nora-Ephron-Büchern und Filmen, auf die Moira Macdonald auch immer wieder anspielt. Das Setting passt einfach: Welcher Leserbegeisterte träumt nicht von der Arbeit in einem Buchladen mit Café?! Die Inhaberin ist zwar etwas schrullig und weltfremd, aber die meisten Angestellten auch. Kaum einer von ihnen scheint sich für den Beruf entschieden zu haben, sie sind alle mehr oder weniger da rein gestolpert und jetzt ganz glücklich bzw. nicht unglücklich genug, um etwas zu ändern.

Der anonyme Briefwechsel lässt April und Laura ihre Leben überdenken und bringt ihre Wünsche und Träume ans Licht. April geht endlich wieder mehr (aus sich) raus. Laura freundet sich mit dem Gedanken an, wieder einen Mann in ihr Leben zu lassen. Und obwohl sich die Briefeschreiber lange an die unausgesprochene Grenze halten, im Buchladen keinen direkten Kontakt aufzunehmen, sprechen sie Westley dann doch beide auf den Briefwechsel an und bringen ihn in echte Bedrängnis. Ansonsten bleibt er aber leider etwas blass.

Eine charmante RomCom, die ich mir sehr gut verfilmt vorstellen kann.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Runaway

A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe
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… ist der Name, den das Topmodel Annabelle ihrem Restaurant gibt und dessen Besprechung der Restaurantkritikerin Sophie das Genick bricht. Gleichzeitig beschreibt es, was Annabelle vor 20 Jahren gemacht ...

… ist der Name, den das Topmodel Annabelle ihrem Restaurant gibt und dessen Besprechung der Restaurantkritikerin Sophie das Genick bricht. Gleichzeitig beschreibt es, was Annabelle vor 20 Jahren gemacht hat und Sophie jetzt tut: Annabelle ist von Cornwall nach London geflüchtet um sich neu zu erfinden, und Sophie flieht dorthin, um ihren Job zu retten: Wenn sie innerhalb eines Jahres den heruntergekommenen Pub Smuggler´s Inn in Port Haven in ein Spitzenrestaurant verwandelt, bekommt sie nicht nur ihre Arbeit zurück, sondern endlich auch eine eigene Sendung. Auf den ersten Blick scheint das machbar, die Lage ist toll und Koch Lennox versteht sein Handwerk. Aber dann erfährt sie, dass sie weder die uralten Möbel ersetzen, noch jemanden entlassen darf, selbst den Wolfshund muss sie behalten. „… eine Küchenhilfe, die nicht spricht, ein Kellner, der vor seinem eigenen Schatten erschrickt, ein Hund von der Größe eines Kalbs, das ist nicht gerade die Grundausstattung, die man sich als Koch für ein Restaurant wünscht.“ (S. 95) Außerdem geht sie nicht allein, sondern nimmt ihre pubertäre Tochter Riley mit, an die sie schon länger nicht mehr rankommt und die überhaupt nicht begeistert ist, und ihre Mutter Tanya, die gerade aus ihrer Seniorenresidenz geflogen ist, weil sie Cannabis angebaut und verteilt hat. Die beiden wissen nicht, welchen Plan Sophie verfolgt und auch die Bewohner von Port Haven sollten das besser nicht erfahren.

„A Taste of Cornwall“ ist der Auftakt einer neuen Reihe von Katharina Herzog und überzeugt mit tollem Setting. Ich mag das Küstendorf und den Pub mit seinen traditionsbewussten, zum Teil recht eigenwilligen Bewohner und Mitarbeitern, die von Sophie erobert und Neuerungen überzeugt werden müssen. Auch ihre Familie ist nicht ohne. Riley kapselt sich von ihrer Umwelt ab und taut erst auf, als an der Küste Wale stranden und sie die Rettung initiiert. Nur Tanya integriert sich von Beginn an fast schon zu gut in Port Haven, findet Sophie. Wo immer etwas los ist, ist sie dabei. Sophie hingegen versucht, nicht zu viele Gefühle für den Ort und seine Bewohner zu entwickeln – schließlich will sie in einem Jahr zurück nach London in ihr altes Leben. Aber Lennox bringt ihre Pläne und Gefühle ganz schön durcheinander.
Aber nicht nur Sophie, auch Annabelle und einige Bewohner Port Havens haben so ihre Geheimnisse.

Ein unterhaltsamer Urlaubsroman über Familie und Neuanfänge, Freundschaft und Liebe, den man besser nicht mit leerem Magen lesen sollte.

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