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Veröffentlicht am 25.10.2025

Pferde stark machen – so geht’s

Resilienz bei Pferden
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Als passionierter Pferdefreund mit Hang zu unkonventionellen Ansätzen war ich neugierig auf „Resilienz bei Pferden“ von Marlitt Wendt – und wurde nicht enttäuscht. Die Verhaltensbiologin legt mit dieser ...

Als passionierter Pferdefreund mit Hang zu unkonventionellen Ansätzen war ich neugierig auf „Resilienz bei Pferden“ von Marlitt Wendt – und wurde nicht enttäuscht. Die Verhaltensbiologin legt mit dieser praxisnahen Einführung in das Thema Resilienz eindrucksvoll dar, wie wir unsere Pferde in Angst-, Unsicherheits- und Fluchtsituationen besser begleiten können. Der Clou: Resilienz wird nicht als buzzword abgehandelt, sondern verbunden mit wissenschaftlichen Hintergründen und konkreten Tipps fürs tägliche Miteinander. Die vielen Fotos und visuellen Beispiele helfen enorm, etwa wenn es um Körpersprache oder Haltungsaspekte geht.

Was mir besonders gefallen hat: Wendt macht deutlich, dass Pferde keine Maschinen sind – sondern fühlende, denkende Wesen mit individuellen Reaktionen. Ich konnte vieles aus meinem Stallalltag mit meinem Wallach und meiner kleinen Tochter im Kopf verknüpfen: Wenn das Pferd sich klein macht, wenn es am Putzplatz zittert, wenn es beim Reiten plötzlich weich wird … Das Buch gibt uns Werkzeuge an die Hand, damit wir nicht einfach nur reagieren, sondern bewusst agieren können – mit dem Ziel, Vertrauen und Gelassenheit zu fördern. Mein großer Sohn und meine Tochter fanden das Buch beim Durchblättern übrigens ebenfalls spannend, gerade die Bild-Anteile haben bei beiden Eindruck hinterlassen.

Natürlich gibt’s auch ein paar kleine Abzüge: Mit 144 Seiten ist das Buch kompakt – für tiefgehende Resilienz-Therapien oder größeres Trainingssetting reicht es nicht vollständig aus. Manche Passagen sind eher theoretisch, da hätte ich mir vielleicht noch mehr „echte Fallbeispiele“ gewünscht. Auch für absolute Anfänger im Pferdebereich könnten manche Begriffe kurzfristig herausfordernd sein.

Alles in allem aber eine wirklich gute Investition für Pferde-Halterschaft, die weiterdenken will. Wenn du nicht nur reiten willst, sondern verstehen … dann kann dieses Buch der Startschuss sein.

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Veröffentlicht am 25.10.2025

Wovon das Schweigen erzählt

Blinde Geister
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In Olivias Welt liegt die Nachkriegszeit wie ein feiner Nebel über allem, selbst im Frieden. Es gibt Brot, Butter und Kinderlachen, aber unter der Oberfläche bebt die Erinnerung. Der Vater zählt Vorräte, ...

In Olivias Welt liegt die Nachkriegszeit wie ein feiner Nebel über allem, selbst im Frieden. Es gibt Brot, Butter und Kinderlachen, aber unter der Oberfläche bebt die Erinnerung. Der Vater zählt Vorräte, als hinge das Leben an Mehl und Dosen, während die Mutter in der Stille Zuflucht sucht. Schon auf den ersten Seiten spürt man diese enge Luft, dieses unausgesprochene Zittern, das sich durch die Generationen zieht.

Lina Schwenk erzählt mit einer leisen, aber unerschütterlichen Stimme. Die Sprache wirkt klar, fast schlicht, und doch trifft jeder Satz mitten ins Herz. Ich habe das Buch nicht einfach gelesen – ich habe es gefühlt. Besonders Olivias Blick auf ihre Kindheit, diese Mischung aus kindlicher Anpassung und stillem Begreifen, hat mich tief berührt. Es ist ein Roman, der keine großen Gesten braucht, um zu wirken.

Gleichzeitig hat mich das Tempo manchmal herausgefordert. Die Autorin nimmt sich Zeit, verweilt in Szenen, die fast stillstehen. Doch gerade dieses Innehalten lässt die Emotionen wachsen. Man merkt, dass Schwenk die Angst nicht erklären will – sie zeigt sie, lässt sie in den Bewegungen, im Schweigen und in den Ritualen der Familie aufleben.

Als Erwachsene trägt Olivia die Schatten weiter. Der Keller ihrer Kindheit, einst Schutzraum, wird zum Symbol einer inneren Enge, aus der sie sich langsam befreit. Die Frage, wie man die Familie lieben kann, ohne sich von ihr verschlingen zu lassen, begleitet das Buch bis zur letzten Seite.

Am Ende bleibt ein Gefühl von Verständnis und Versöhnung. Kein großes Finale, kein Aufschrei – nur leise Klarheit. Blinde Geister ist ein stiller, nachhallender Roman über das Erbe des Schweigens und die Kraft, die im Erkennen liegt. Ich habe ihn mit schwerem Herzen, aber dankbarem Gefühl aus der Hand gelegt.

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Veröffentlicht am 24.10.2025

Sturm über Preußen

Sieben Jahre
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Schlachtengetümmel, Intrigen, Machtspiele – wer bei Tanja Kinkel auf leichte Kost hofft, ist hier auf dem völlig falschen Schlachtfeld. Sieben Jahre ist ein echter Brocken, aber einer, der sich lohnt. ...

Schlachtengetümmel, Intrigen, Machtspiele – wer bei Tanja Kinkel auf leichte Kost hofft, ist hier auf dem völlig falschen Schlachtfeld. Sieben Jahre ist ein echter Brocken, aber einer, der sich lohnt. Schon die ersten Seiten katapultieren dich mitten hinein ins 18. Jahrhundert, wo Friedrich II. von Preußen denkt, er hätte alles im Griff – bis Maria Theresia ihm zeigt, wie dünn der Grat zwischen Triumph und Untergang sein kann.

Was Kinkel hier auffährt, ist großes historisches Kopfkino. Keine seelenlose Geschichtsstunde, sondern ein richtiges Epos voller Emotionen, Widersprüche und überraschend moderner Fragen. Besonders cool: Nicht der König allein steht im Rampenlicht, sondern seine Geschwister, die alle ihr eigenes Drama durchleben. Und dann ist da noch der schwarze Page Hannibal, der zeigt, dass Mut und Menschlichkeit keine Standesgrenzen kennen.

Manchmal geht’s allerdings ein bisschen zäh zu. Die politischen Passagen sind brillant recherchiert, aber gelegentlich auch schwer verdaulich – so, als würde man ein Glas Rotwein zu schnell nachschenken. Man genießt, aber irgendwann schwankt der Kopf leicht. Trotzdem: Sprachlich elegant, atmosphärisch dicht, und inhaltlich so wuchtig, dass man nach den letzten Seiten erstmal tief durchatmet.

Am Ende bleibt ein Roman, der fordert, aber auch belohnt. Kein Buch für zwischendurch, sondern eines, das dich mitnimmt – mitten hinein in den Siebenjährigen Krieg, mitten in die Köpfe der Mächtigen und mitten in die Frage: Was ist Loyalität wert, wenn Blut und Krone auf dem Spiel stehen?
Mein Fazit: Beeindruckend, schlau, emotional – aber auch ein bisschen anstrengend. Trotzdem: vier Sterne und ein respektvolles Salut an Frau Kinkel!

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Reiten im Kopf und im Körper – mehr als nur ein Sitztraining

RIDER'S HIGH
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„Fliegende Hufe, denkender Körper“ — so ungefähr könnte man den Ansatz von RIDER’S HIGH zusammenfassen. In diesem Buch nimmt Isabelle von Neumann-Cosel dich mit auf eine Reise: von dem prickelnden Moment, ...

„Fliegende Hufe, denkender Körper“ — so ungefähr könnte man den Ansatz von RIDER’S HIGH zusammenfassen. In diesem Buch nimmt Isabelle von Neumann-Cosel dich mit auf eine Reise: von dem prickelnden Moment, wenn du mit deinem Pferd und deinem eigenen Körper in einen Flow-Zustand kommst, bis hin zu den wissenschaftlichen Hintergründen – Biomechanik, Neurotraining – und wie all das zusammenspielt, damit Reiten nicht nur funktioniert, sondern sich richtig gut anfühlt.

Ich muss gestehen: Ich war skeptisch. Ist das alles nicht ein bisschen „Wellness fürs Reiten“? Doch das Buch überzeugt auf eine überraschend solide Art: Es zeigt, warum Sitz und Einwirkung nicht nur Technik sind, sondern Wahrnehmung, Gehirn und Körper-Koordination. Meine beiden Pferdekinder fanden es sehr interessant – und das heißt etwas, denn sonst sind sie eher für Heu und Galopp zu begeistern als für Theorie.

Der Stil ist angenehm: locker, manchmal frech („Ja, dein Sitz ist heimlich ein DJ-Pult für dein Gehirn“) – aber immer respektvoll und fachlich fundiert. Die Kapitel springen nicht ins Esoterische, sondern bleiben im Reinen: so kannst du gleich mitdenken und mitspüren. Besonders gefallen haben mir die Abschnitte über wann und wie Flow auftauchen kann – nicht erzwungen, aber vorbereitet wird er.

Ein kleiner Wermutstropfen: Für absolute Anfänger ohne irgendeinen Sitz oder Pferdekontakt kann das eine kleine Hürde sein – manche Begriffe werden vorausgesetzt, und Fotos/Grafiken hätte ich noch mehr gewünscht. Auch die Tiefe einiger neuro-biomechanischer Abschnitte kann den einen oder anderen etwas überfordern, wenn man eigentlich nur „einfach besser reiten“ will. Trotzdem: Der Mehrwert ist da.

Fazit: Wer ein gutes Mittel- bis Fortgeschrittenenbuch für Reiter sucht, die verstehen wollen, wie Reiten sich anfühlt und warum, der liegt hier richtig. Für „nur mal ein Buch über Reiten“ vielleicht etwas mehr Tiefgang als nötig – aber genau das macht es aus. Ich gebe dem Buch 4,0 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Ein literarisches Jahr voller Entdeckungen

Das Jahr in Büchern. Literaturtipps für jeden Tag
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Ein leiser Wind zieht durch meine Bücherregale, öffnet all die verborgenen Ecken – genau so fühlte sich das Durchblättern dieses Buches an. Der Autor nimmt mich mit auf einen literarischen Spaziergang, ...

Ein leiser Wind zieht durch meine Bücherregale, öffnet all die verborgenen Ecken – genau so fühlte sich das Durchblättern dieses Buches an. Der Autor nimmt mich mit auf einen literarischen Spaziergang, Tag für Tag, dabei halte ich immer wieder inne und atme bewusst ein: Welche empfohlene Lektüre verbirgt sich heute hinter dem Datum? Und oft denke ich: Ja, daran hätte ich längst wieder denken sollen. Mit 366 Tipps, die jeweils Bezug nehmen auf das Datum oder die Jahreszeit, gelingt Rainer Moritz eine behutsame Einladung in die Welt der Literatur, die mich zugleich überrascht und vertraut stimmt.

Ich spürte in mir die Freude darüber, wie die Auswahl mal Klassiker, mal überraschende Kleinode umfasst – Gedichte, Theaterstücke, Romane – und wie jeder Eintrag einen kleinen Impuls setzt: ich blättere, ich notiere, ich entdecke. Es ist kein Buch, das man einfach „durchliest“, sondern eines, das ein ganzes Jahr begleiten könnte – ein stiller Begleiter, der anregt, die eigenen Regale neu zu betrachten oder die Bibliothek zu durchstreifen.

Und doch gibt es einen kleinen Haken: Manchmal wirkt die Verbindung zum konkreten Datum eher verspielt als zwingend, und wenn man wenig Zeit hat, fühlt sich das „Tipp-für-jeden-Tag“-Format ein wenig ambitioniert an. Dennoch überwiegt das Gefühl des Miteinander-Lesens, des intuitiven Stöberns und der literarischen Freiheit.

Ich gebe dem Buch 4,0 von 5 Sternen. Es verführt, öffnet Horizonte, und genau das liebe ich – deshalb lohnt es sich. Wer Bücher liebt und gern Neues entdecken möchte, wird hier ein schönes Geschenk finden. Und ich nehme mir vor: Ein kleiner Tipp pro Tag – vielleicht genau was ich brauche.

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