Atmosphärisches Buch mit Tiefgang
Das Schwarz an den Händen meines VatersEs ist ein kompaktes, mit etwas unter 200 Seiten recht kurzes Buch mit knappen Kapiteln. Es liest sich schnell weg, lässt sich aber ganz bestimmt nicht ganz so schnell verdauen. Dank der Ich-Erzählperspektive ...
Es ist ein kompaktes, mit etwas unter 200 Seiten recht kurzes Buch mit knappen Kapiteln. Es liest sich schnell weg, lässt sich aber ganz bestimmt nicht ganz so schnell verdauen. Dank der Ich-Erzählperspektive sind die Zeilen intim, ehrlich, intensiv. Ich kann daher sehr gut nachvollziehen, weshalb es für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2025 nominiert wurde.
Das Leben der Protagonistin Motte war und ist von jeher von Alkohol geprägt. Die Sucht ist allgegenwärtig. Trinkende Ehemänner und Väter, über Generationen hinweg. Sie blickt auf ein Leben mit einem abhängigen Vater zurück, der zwei Gesichter hat: liebevoll und fürsorglich, aber im anderen Moment selbsvergessen und zerstörerisch. Dennoch ist der Familienzusammenhalt groß. Auch Mottes Freund trinkt. Sie selbst trinkt. Um (sich) zu vergessen. Frei zu fühlen. Gleichgültig. Wie in Watte.
Ich fand "Das Schwarz an den Händen meines Vaters" sehr eindrücklich und bewegend. Viele Zitate habe ich mir markiert. Weil sie so schlimm und gleichzeitig so wahr sind. In den Zeilen steckt viel Schwere und Traurigkeit. Ein im Inneren immer klein gebliebenes, zerstörtes Mädchen, das ihren Papa liebt und vermisst. Es ist irgendwie gut, dass das Buch kurz und prägnant ist. Es lebt von der Atmosphäre, welche Lena Schätte anhand von Mottes Innenleben entstehen lässt. Es wäre jedoch definitiv auch Raum für mehr (Handlung) gewesen. Fazit: Ihr solltet es lesen, defintiv.