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Veröffentlicht am 08.12.2025

Für die Tiere, immer

Der traurigste Himmel auf Erden
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So viele verlassene und leidende Seelen leben dort draußen in den schlimmsten Verhältnissen. Ich wollte meinen Teil dazu beitragen und wenigstens einer von ihnen ein liebevolles, schützendes Zuhause geben. ...

So viele verlassene und leidende Seelen leben dort draußen in den schlimmsten Verhältnissen. Ich wollte meinen Teil dazu beitragen und wenigstens einer von ihnen ein liebevolles, schützendes Zuhause geben. Meine Hündin Luna kommt aus Rumänien. Sie konnte sich als kleiner Hund kaum im Kennel durchsetzen und hätte den anstehenden Winter wahrscheinlich nicht überlebt. Zum Glück wurde sie rechtzeitig von einer Pflegestelle aufgenommen. Wir sind beide unfassbar dankbar, dass wir uns haben. Sie gehört zur Familie und wird von allen Seiten heiß und innig geliebt. Und gibt so viel Liebe zurück. Es wird Zeit, dass wir alle etwas mehr für Tiere in Not tun. Im Kleinen wie im Großen. Vor unserer Haustür und im Ausland. Sie brauchen uns.

Genau deshalb hat Malte Zierden "Der traurigste Himmel auf Erden" geschrieben. Er ist bekannt als Social-Media-Star und Musiker, widmet sich in diesem Buch seinem Engagement für die Tiere. Er berichtet, wie er zum Tierschutz kam und von seinen Einsätzen in Krisengebieten. Er erzählt von den vielen Herausforderungen, schrecklichen Bildern und auch Verlusten, welche die Tierschutzarbeit mit sich bringen. Wer sich dafür entscheidet, geht "all in". Mit vollem Herzen, allen Emotionen und muss akzeptieren, in die Abgründe dieser Welt zu blicken. In seinem Buch stellt Malte Zierden kapitelweise Hunde in den Mittelpunkt und erzählt ihre Geschichte. Lotti, Armor, Ma und viele weitere: Sie bekommen einen Namen und stehen stellvertretend für das Leid und die Geschichten all der anderen Tiere. Malte ist naiv an die Sache herangegangen, hat massive Gefahren auf sich genommen, ein Tierheim gegründet, sich zwischendurch selbst verloren. Und ist am Ende immer noch dabei: Für die Tiere. Immer.

Maltes Schilderungen tun weh. Ich habe viele Tränen beim Lesen vergossen. In jeder Zeile steckt sein ganzes Herzblut für die Tiere. Hut ab an alle da draußen, die diese Arbeit leisten. Auch Malte würdigt die Menschen, die ihn auf seinem Weg inspiriert und begleitet haben. Und dies bis heute tun. Das Buch ist vor allem eins: aufwühlend und kritisch.

Er appelliert an die Gesellschaft. Spricht über den Umgang mit Tieren, die Verhältnisse in Tierheimen, die Vergessenen bei Krieg und Umweltkatastrophen. Und er wirft auch die Frage auf: Wie viel kann ich selbst tun? Kann ich überhaupt etwas ändern (ja!), und wie viel ertrage ich persönlich, ohne daran kaputt zu gehen? Zwischen diesen Episoden und Rückblicken lernen wir Malte genauer kennen. Er macht sich seelisch nackig. Rechnet mit seinem alten Ich ab. Erzählt von seiner Familie. Seiner persönlichen Entwicklung. Die Prise Humor fehlt zwischendurch auch nicht. "Der traurigste Himmel auf Erden" ist emotional und intensiv. Der Bericht kratzt thematisch zwar nur an der Oberfläche, schafft es jedoch (hoffentlich), sich mehr mit dem Tierschutz auseinanderzusetzen. Es ist ein Appell, sich zu engagieren. Jeder auf seine Weise. Finanzielle Unterstützung für Vereine, Gassigänge im Tierheim, Pflegestelle oder Für-Immer-Zuhause, Aufklärungsarbeit. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Und machen am Ende den kleinen, aber feinen Unterschied. Für Lotti, Amor, Ma. Und all die anderen.

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Veröffentlicht am 25.10.2025

Atmosphärisches Buch mit Tiefgang

Das Schwarz an den Händen meines Vaters
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Es ist ein kompaktes, mit etwas unter 200 Seiten recht kurzes Buch mit knappen Kapiteln. Es liest sich schnell weg, lässt sich aber ganz bestimmt nicht ganz so schnell verdauen. Dank der Ich-Erzählperspektive ...

Es ist ein kompaktes, mit etwas unter 200 Seiten recht kurzes Buch mit knappen Kapiteln. Es liest sich schnell weg, lässt sich aber ganz bestimmt nicht ganz so schnell verdauen. Dank der Ich-Erzählperspektive sind die Zeilen intim, ehrlich, intensiv. Ich kann daher sehr gut nachvollziehen, weshalb es für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2025 nominiert wurde. 

Das Leben der Protagonistin Motte war und ist von jeher von Alkohol geprägt. Die Sucht ist allgegenwärtig. Trinkende Ehemänner und Väter, über Generationen hinweg. Sie blickt auf ein Leben mit einem abhängigen Vater zurück, der zwei Gesichter hat: liebevoll und fürsorglich, aber im anderen Moment selbsvergessen und zerstörerisch. Dennoch ist der Familienzusammenhalt groß. Auch Mottes Freund trinkt. Sie selbst trinkt. Um (sich) zu vergessen. Frei zu fühlen. Gleichgültig. Wie in Watte. 

Ich fand "Das Schwarz an den Händen meines Vaters" sehr eindrücklich und bewegend. Viele Zitate habe ich mir markiert. Weil sie so schlimm und gleichzeitig so wahr sind. In den Zeilen steckt viel Schwere und Traurigkeit. Ein im Inneren immer klein gebliebenes, zerstörtes Mädchen, das ihren Papa liebt und vermisst. Es ist irgendwie gut, dass das Buch kurz und prägnant ist. Es lebt von der Atmosphäre, welche Lena Schätte anhand von Mottes Innenleben entstehen lässt. Es wäre jedoch definitiv auch Raum für mehr (Handlung) gewesen. Fazit: Ihr solltet es lesen, defintiv.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Atmosphärisch, still, wunderbar

Halbinsel
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Das Buch ist für mich kein klassischer Pageturner. Und dennoch hat mich die Geschichte in vielerlei Hinsicht bewegt und gepackt. "Halbinsel" ist leise. Und dabei so wunderbar intensiv. Atmosphärisch. Thematisch ...

Das Buch ist für mich kein klassischer Pageturner. Und dennoch hat mich die Geschichte in vielerlei Hinsicht bewegt und gepackt. "Halbinsel" ist leise. Und dabei so wunderbar intensiv. Atmosphärisch. Thematisch tief. Kristine Bilkau erzählt die Geschichte von Annett, die nach dem frühen Tod ihres Mannes Johan ihre Tochter Linn allein großziehen musste. Linn, inzwischen eine junge Erwachsene, ist beruflich im Umweltbereich tätig, und kehrt nach einem Zusammenbruch zurück in ihr Elternhaus auf einer abgelegenen Halbinsel in Nordfriesland. Zurück zu ihrer Mutter. Dauer des Aufenthaltes unbekannt.

Diese neue, fragile Nähe steckt voller Distanz, Generationskonflikten, Konfrontation, Missverständnissen, innerer Zerrissenheit. Auch der Wunsch nach Verständnis und Neuorientierung ist groß. Annett reflektiert - ihre Vergangenheit und auch die Bindung zu ihrer Tochter. Linn sucht ebenso den Sinn und ihren Platz im Leben, ist erschöpft von dem unbändigen Druck und den Miseren dieser Welt. Gesellschaftliche Themen wie die Klimakrise und die eigene Verantwortung werden hier ebenfalls aufgezeigt - ohne den moralischen Zeigefinger zu sehr zu erheben. Das gefällt mir.

Die Beziehung der beiden wird ganz fein gezeichnet. Die Spannung des Buches, die durch die Spannung zwischen Mutter und Tochter entsteht, finde ich wunderbar eingefangen. Es sind die Worte, die zwischen den Zeilen liegen, das Zwischenmenschliche, das Ungesagte, was den Roman zu etwas Großem machen. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Wer sind wir, wenn (vermeintliche) Träume platzen?

Das leise Platzen unserer Träume
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Der Titel des Romans hatte es mir sofort angetan. Vermutlich kennt das jeder von uns. Dass Dinge geschehen, auf die wir keinen Einfluss haben - so sehr wir hoffen, so sehr wir festhalten. Das Aufwachen ...

Der Titel des Romans hatte es mir sofort angetan. Vermutlich kennt das jeder von uns. Dass Dinge geschehen, auf die wir keinen Einfluss haben - so sehr wir hoffen, so sehr wir festhalten. Das Aufwachen aus Illusionen oder Risse, die nicht mit einem riesen Knall kommen, sondern sich über Monate, Jahre vollziehen. Wer sind wir, wenn wir uns von unseren eigenen und den Erwartungen anderer lösen? Und wer sind wir, wenn (vermeintliche) Träume oder Lebensentwürfe platzen?

In Lohmann's Roman lernen wir Jule kennen. Jule lebt mit ihrem Mann David auf dem Land. Idyllisch, scheinbar perfekt. Jedoch ungewollt kinderlos. Und zunehmend perspektivlos. David schweigt. Und steht zwischen zwei Frauen. Zwischen Pflichtgefühl und Sehnsucht. Und dann ist da Hellen. Seine Affäre in der Stadt. Sie denkt viel über Jule nach, fühlt sich ihr seltsam verbunden und bringt eine völlig andere Sichtweise ins Spiel. Denn das ist das Besondere an der Geschichte: Sie wird abwechselnd aus der Sicht von Jule und Hellen, die Jule direkt anspricht, erzählt. Ein spannendes Wechselspiel aus Nähe und Distanz, Wissen und Unwissen. Eva Lohmann gelingt durch die wechselnde Erzählperspektive ein neuer Blickwinkel auf die Gedanken, Sehnsüchte und Wünsche dieser Dreier-Konstellation. Die Protagonisten sind fein gezeichnet, die Beziehungen wunderbar herausgearbeitet, existenzielle Fragen werden aufgeworfen. Ein ruhiges, aber eindringliches Buch, das mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Empfehlung!

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Kling kann Krimi

VIEWS
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In meinem Kopf waren unter Marc-Uwe Kling stets die "Känguru-Chroniken" abgespeichert. An seine neuesten Romane wagte ich mich irgendwie nie heran, bin ich eben einfach keine leidenschaftliche Krimi-Leserin. ...

In meinem Kopf waren unter Marc-Uwe Kling stets die "Känguru-Chroniken" abgespeichert. An seine neuesten Romane wagte ich mich irgendwie nie heran, bin ich eben einfach keine leidenschaftliche Krimi-Leserin. Nun, ein Jahr nach Erscheinen von "Views", muss ich sagen: Bloß gut, dass es mir auf Arbeit (wieder) in die Hände gefallen ist. Bei uns in der Bibliothek spielen medienpädagogische Angebote eine bedeutende Rolle und das Thema "Künstliche Intelligenz" wird oft besprochen. Ich sehe nicht alles rosarot, sondern durchaus kritisch. Nach Klings neuestem Roman erst recht. Eine Dystopie, die so verdammt nah an der Realität und baldigen Zukunft kratzt, dass ich auf gefühlt jeder Seite Aha-Effekte hatte und große Augen bekam. Wie weit sind wir noch davon entfernt, dass wir brillant gemachte Fake News gar nicht mehr erkennen und aufhalten können? Welche Auswirkungen hat es auf die Politik, Meinungsbildung und unseren Alltag? Was macht es mit jedem Einzelnen von uns?

Marc-Uwe Kling zeichnet eine Geschichte, wie sie vermutlich passieren könnte, im schlimmsten Fall passieren wird. Kurzum: Kling kann Krimi. Unbedingt lesen!

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