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Evoli

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.11.2025

Auftragskillerin wider Willen

Heir of Illusion
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Seit ihrer Kindheit lebt Ivy am Hof von König Baylor, der sie mithilfe eines magischen Halsrings unterdrückt und dazu zwingt, unliebsame Zeitgenossen aus dem Weg zu schaffen. So stark die Protagonistin ...

Seit ihrer Kindheit lebt Ivy am Hof von König Baylor, der sie mithilfe eines magischen Halsrings unterdrückt und dazu zwingt, unliebsame Zeitgenossen aus dem Weg zu schaffen. So stark die Protagonistin dank ihrer besonderen Fähigkeiten als „Phantom“ ist, so wenig hat sie dem tödlichen Artefakt entgegenzusetzen. Doch mit dem Seelenfänger Thorne und Gerüchten über eine uralte Waffe kommt Hoffnung auf Befreiung in Ivys Reichweite.

Die Geschichte wird spannend erzählt und steckt voller Wendungen und Intrigen. Die Atmosphäre wirkt oft reichlich düster, enthält reichlich dunkle Themen wie Mord und Missbrauch. Trotz allem hat sich die Ich-Erzählerin eine Portion Humor bewahrt, der sich z.B. auch in den Wortgefechten mit dem mysteriösen Thorne zeigt. Die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren ist interessant zu verfolgen.
Das Ende bringt noch mal eine ziemliche Überraschung, die neugierig auf die Fortsetzung macht.

Auch die Welt des Buches hat mir gut gefallen. Sie erinnert an unsere Welt vor ein paar Jahrhunderten, bietet aber eigene Ideen wie die verschiedenen magischen Fähigkeiten der Bewohner oder die herrschenden Götter.
Da hätte ich mir trotzdem noch etwas mehr Inhalt gewünscht, denn bis jetzt spielen hauptsächlich die Fähigkeiten der Hauptfiguren und des abscheulichen Baylor eine Rolle.

Optisch macht das Buch einiges hier, angefangen beim Cover, über den schick verzierten Einband darunter und den Farbschnitt bis zur beiliegenden Charakterkarte und einer Illustration im Inneren.

Veröffentlicht am 25.10.2025

Spannende Grundidee und schöner Schreibstil

Das Buch der verlorenen Stunden
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In den Wirren der Kristallnacht 1938 versteckt ein jüdischer Uhrmacher seine elfjährige Tochter an einem Ort jenseits der Realität vor den mörderischen Nazis. In der geheimnisvollen Bibliothek gestrandet, ...

In den Wirren der Kristallnacht 1938 versteckt ein jüdischer Uhrmacher seine elfjährige Tochter an einem Ort jenseits der Realität vor den mörderischen Nazis. In der geheimnisvollen Bibliothek gestrandet, lernt Lisavet die besonderen Eigenschaften dieses Schauplatzes kennen, an dem alle erdenklichen Erinnerungen festgehalten werden. Doch immer wieder suchen andere Reisende die Bibliothek auf, um die Erinnerungen unliebsamer Personen auszulöschen und damit auch aus dem kollektiven Gedächtnis zu tilgen. Lisavet macht sich daran, möglichst viele der Erinnerungen zu retten.
Jahrzehnte später, im Kalten Krieg, beginnt Agentin Moira mit der Ausbildung der Nichte eines ermordeten Kollegen. Auch in der Auseinandersetzung mit den Russen spielt die Kontrolle über die Erinnerungen eine zentrale Rolle.

Wie beide Erzählstränge miteinander verbunden sind, wird im Lauf des Buches immer deutlicher und ist interessant zu lesen. Die Idee mit der Bibliothek, den Erinnerungen und dem Reisen dorthin bzw. darin hat mir sehr gut gefallen, regt zum Nachdenken an und berührt. Auch der Schreibstil und die glaubwürdigen Charaktere sind gelungen. Ich konnte mir die geschilderten Szenen gut vorstellen und fände das Buch auch für eine Verfilmung oder als Serie geeignet.
Lediglich ein paar Längen zwischendurch haben mich ein bisschen gestört und verhindern eine volle Punktzahl. Im späteren Verlauf entschädigen aber einige spannende Wendungen für manche etwas zu gemächliche Passage.

Veröffentlicht am 12.07.2025

Interessante Reise in eine alternative Vergangenheit – inklusive Drachen

Die Sprache der Drachen
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Im alternativen England des Buches herrscht ein strenges Klassensystem. Jugendlichen der Mittelschicht droht bei zu schlechten Schulleistungen das Abrutschen in die dritte Klasse und damit prekäre Verhältnisse ...

Im alternativen England des Buches herrscht ein strenges Klassensystem. Jugendlichen der Mittelschicht droht bei zu schlechten Schulleistungen das Abrutschen in die dritte Klasse und damit prekäre Verhältnisse ohne Aussicht auf wirkliche Teilhabe an der Gesellschaft oder gute Jobs. Vivien wurde deshalb von Kindesbeinen an auf akademische Leistung getrimmt. Ihre besondere Stärke sind Sprache und da vor allem die verschiedenen Drachensprachen. Denn Menschen und Drachen leben in dieser Welt nebeneinander, wenn auch aufgrund früherer Konflikte nicht gleichberechtigt.
Als Viviens Eltern wegen Zugehörigkeit zu einer Rebellengruppe verhaftet werden, startet die junge Frau eine verzweifelte Rettungsmission, durch die es sie letztendlich zu einer geheimen Regierungsorganisation verschlägt. Nur wenn es ihr gelingt, einen speziellen Drachen-Code zu entschlüsseln, besteht Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrer Familie.

Die Grundvoraussetzungen für die Geschichte sind interessant – die Autorin hat sich viele Gedanken rund um ihr Fachgebiet Sprachen und um die Welt des Buches gemacht, diese gelungen ausgestaltet. Das ungerechte Klassensystem kann beim Lesen z.B. wütend machen und man versteht die Beweggründe der Rebellen.
Die Protagonistin selbst sieht diese Ungerechtigkeit anfangs hingegen noch nicht recht ein. Ich konnte mit der ehrgeizigen Heldin, die ihrem eigenen Vorankommen alles unterordnet, vor allem zu Beginn nicht so ganz warm werden. Aber ich bin ja auch nicht unter diesem Druck groß geworden...

Das Buch präsentiert uns auch ein paar vielversprechende Nebencharaktere wie Viviens Cousin und es gibt außerdem einen Schuss Romantik. Vor allem gegen Ende kommt darüber hinaus die Action nicht zu kurz und es wird spannend. Ich bin neugierig auf die Fortsetzung, auch wenn die Story vorher phasenweise etwas zu gemächlich verläuft.

Veröffentlicht am 11.05.2025

Erste Hälfte einer märchenhaften Dilogie

Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie
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Der neuste Zweibänder von Bestseller-Autor Akram El-Bahay fasziniert mit dem wahrgewordenen Traum passionierter Leser – so genannte Libronauten vermögen sich und andere durch ihre besonderen Stimmen in ...

Der neuste Zweibänder von Bestseller-Autor Akram El-Bahay fasziniert mit dem wahrgewordenen Traum passionierter Leser – so genannte Libronauten vermögen sich und andere durch ihre besonderen Stimmen in die Welten der Bücher hineinzulesen. Auch der junge Adam gehört zu diesen speziellen Erzählern, die im Inneren einer unscheinbaren Londoner Buchhandlung zu horrenden Preisen ihre Dienste anbieten.
Doch ein seltsamer Kunde, der sich im bereisten Buch auf Abwege begibt, wirbelt Adams Leben komplett durcheinander und bringt den jungen Libronauten dazu, seine bisherigen Gefährten in Frage zu stellen. Warum werden die althergebrachten Regeln der Buchreisenden gebrochen und was hat es mit der geheimnisvollen Tür auf sich, die Adam außerhalb der festgelegten Route entdeckt?

Der junge Libronaut ist ein sympathischer Hauptdarsteller und bekommt bald Verstärkung durch ein paar weitere interessante Charaktere. Besonders die Figuren aus Geschichten haben es mir angetan. Überhaupt spielt das Buch bei den Reisen in literarische Werke seine Stärken aus. Die Grundidee ist einfach toll und sie bietet Material für abenteuerliche Ausflüge in abwehslungsreiche Welten. Auch der märchenhafte Schreibstil passt sehr gut dazu.
Ich hätte mir lediglich noch mehr Szenen in Büchern (bzw. in zusätzlichen Geschichten) gewünscht, aber im abschließenden zweiten Band kommt gewiss noch viel Nachschub.
Die Story ist spannend, bietet zwischendurch auch immer wieder gefährliche Szenen und diverse Widersacher. Außerdem kommt besonders durch eine Figur auch eine Portion Humor ins Spiel.

Nicht optimal fand ich aber die Entwicklungen am Ende des Bandes. Mal abgesehen davon, dass die Handlung sehr abrupt endet (eigentlich so, als hätte man ein einziges Buch einfach in zwei Hälften geteilt), ändert sich der Tonfall vorher ziemlich auffällig und das Verhalten der Charaktere erscheint teilweise nicht mehr so gut nachvollziehbar.

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Veröffentlicht am 17.04.2025

Hinter dem langweiligen Cover steckt eine interessante Idee

Das Ministerium der Zeit
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Eine britische Geheimdienstorganisation verfügt neuerdings über eine Art Zeitmaschine und nutzt diese, um im Dienst des Ministeriums und der Forschung todgeweihte Menschen aus verschiedenen Epochen der ...

Eine britische Geheimdienstorganisation verfügt neuerdings über eine Art Zeitmaschine und nutzt diese, um im Dienst des Ministeriums und der Forschung todgeweihte Menschen aus verschiedenen Epochen der Weltgeschichte in unsere Zeit zu holen.
Um den Neuankömmlingen die Eingewöhnung in der für sie fremden Gegenwart mit all ihren „neumodischen“ Tücken zu erleichtern, wird jedem eine so genannte Brücke als Betreuungsagent und Mitbewohner zugeteilt.
Die Ich-Erzählerin, deren Namen man nie erfährt, wird so mit einem Seefahrer/Marine-Soldaten aus dem 19. Jahrhundert kombiniert, dessen Polar-Expedition damals zu einem traurigen Ende kam. Trotz oder auch wegen all der Unterschiede entwickelt sich zwischen den beiden im Lauf der Zeit mehr als ein Arbeitsverhältnis. Doch der ebenso charmante wie frustrierende Zeitreisende und seine unfreiwilligen Gefährten geraten ins Visier dubioser Gestalten...

Die Grundidee der Geschichte hat mir sehr gut gefallen und ich fand die Reaktionen der Menschen aus der Vergangenheit auf die modernen Gegebenheiten interessant. Während sie z.B. teilweise eine Vorliebe für die Annehmlichkeiten unserer Zeit entwickeln (fließendes warmes Wasser, Musik-Streaming, Toleranz für früher verpönte sexuelle Vorlieben...), bleiben manche Dinge für sie weiterhin ein Rätsel.
In verschiedenen Situationen blitzt immer wieder angenehmer Humor auf, unter anderem auch in den Dialogen. Manche Charaktere sind Sympathieträger, so etwa eine der Zeitreisenden mit ihren altertümlichen Ausdrücken und lustigen Beschimpfungen.

Durch die Bedrohung kommen außerdem eine Portion Spannung und Dramatik in die Story, es gibt diverse Wendungen. Das Buch ist in sich abgeschlossen.
Das Ende war leider nicht, was ich mir erhofft hatte, aber der Weg dorthin hat mir durch den Schreibstil und die Ideen Lesefreude gemacht.