Was für ein Stadtsetting!
Meister der Dschinn (Gewinner des Nebula Award 2021 für Bester Roman & des Hugo Award 2022 für Bester Roman)Meister der Dschinn hat mich positiv überrascht! Ich bin nämlich eigentlich kein großer Fan von Krimi-Plots und hier handelt es sich um eine Murder-Mystery, aber: Dieses World Building war einfach fantastisch.
Wir ...
Meister der Dschinn hat mich positiv überrascht! Ich bin nämlich eigentlich kein großer Fan von Krimi-Plots und hier handelt es sich um eine Murder-Mystery, aber: Dieses World Building war einfach fantastisch.
Wir befinden uns in einer alternativen Geschichte im Steam-Punk-Kairo, 1912. Nachdem der legendäre Magier al-Jahiz vierzig Jahre zuvor den Schleier zwischen dieser und der Welt der Magie durchbrach, wurde Kairo zu einer pulsierenden Weltmetropole - und ein Hub für alle Arten von Dschinns, magischen Wesen und alten Gottheiten… Doch eines Tages wurden Mitglieder einer geheimen Bruderschaft ermordet aufgefunden und der mächtige Magier scheint wieder auferstanden zu sein.
P. Djèlí Clark ist (wahrscheinlich) kein Meister der Dschinn, aber ein Meister im detailliertem und vielfältigem World Building. Wie unglaublich viele Ebenen er gekonnt miteinander verwoben hat, wo andere Einzelbände kläglich dran scheitern - großartig. Alles funktioniert und greift ineinander wie gut geölte Zahnräder. Wesen aus islamischer, arabischer, altägyptischer, jüdischer und christlicher Mythologie und Märchen kommen vor, es wurden Religionen und Religiosität mit eingebracht, ein Jazzclub, der von Jim-Crow-Geflüchteten aus den USA betrieben wird, dient als Treffpunkt - und dabei hatte ich nie das Gefühl, dass diese Punkte nur Oberfläche waren, sondern wirklich eine Bedeutung hatten. Sie hatten Gewicht. Außerdem wurden diverse -ismen bearbeitet und Kolonialismus des Britischen Commonwealth, insbesondere spielt die “Egyptomania” der Briten, also das massenhafte Sammeln und Rauben ägyptischer Kunst und kulturellen Gegenständen, eine tragende Rolle.
Es klingt jetzt vielleicht etwas seltsam im Kontext eines Fantasybuches, aber für mich war das einer der realistischen magischen Stadtsettings, die ich bisher gelesen habe.
Die Figuren fand ich auch super. Okay, die Antagonist*innen hätten mehr ausgearbeitet werden können, aber die Protagonistinnen? Ich mochte sie - insbesondere wie unterschiedlich sie waren. Gepaart mit der visuellen, fast superhelden-artigen Action war es ein fast perfektes Buch. Außerdem gibt es einen ziemlich coolen sapphischen Subplot, yeah 🙂
Fast perfekt deswegen, weil ich mit dem Plot nicht warm geworden bin. Ich fand ihn zwar interessant, aber stellenweise zu vorhersehbar, wobei ich schon mit der Erwartung reingegangen bin, dass der Krimianteil mich eventuell nicht vollends begeistert.
Ich freue mich auf die Novellen, die nächstes Jahr bei Cross Cult erscheinen, und gebe damit eine herzliche Leseempfehlung für Meister der Dschinn aus! 4,5 Sterne.
Eine Anmerkung: Es kommt das N-Wort und weitere r@ssistische Beleidungen vor, die auf jeden Fall auch kritisch eingeordnet werden, aber ich weiß ehrlich gesagt zu wenig über Übersetzungstätigkeit und so um das richtig bewerten zu können - aber ich wollte das nicht unerwähnt lassen.
Danke an den Verlag und Lovelybooks für das Rezensionsexemplar!