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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.11.2025

Spurensuche im mittelalterlichen Füssen

Schatten über dem Kloster
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Im Jahr 1376 steht die Stadt Füssen nach einem Brand im Kloster Weißenfels unter Druck. Unter den Opfern findet sich der Bürgermeister, doch schon bald zeigt sich, dass er nicht im Feuer starb, sondern ...

Im Jahr 1376 steht die Stadt Füssen nach einem Brand im Kloster Weißenfels unter Druck. Unter den Opfern findet sich der Bürgermeister, doch schon bald zeigt sich, dass er nicht im Feuer starb, sondern zuvor getötet wurde. Diese Ausgangslage sorgt für Spannung, da der Bürgermeister vielen in der Stadt verbunden war und unklar bleibt, wem man überhaupt noch trauen kann.
Isabella, die junge Witwe des Richters, wird durch ein Testament unerwartet in die Pflicht genommen. Sie soll den Mord an dem Freund ihres verstorbenen Mannes aufklären, wenn sie das Erbe antreten will. Damit steht sie plötzlich im Mittelpunkt eines Falles, der eigentlich nicht in ihre Hände gehört. Die Situation ist für sie ungewohnt und riskant, sie nimmt sie aber dennoch an.
An ihrer Seite stehen Leonhard, der Gerichtsschreiber, und Magnus, ein Medicus. Sie ergänzen sich in ihren Fähigkeiten, und zusammen folgen sie den Spuren, die sie zu Ratsmitgliedern, Klosterangehörigen und alten Konflikten führen. Schritt für Schritt treten Zusammenhänge zutage, die weit zurückreichen.
Die Darstellung des mittelalterlichen Alltags wirkt glaubwürdig. Die Autorin zeigt die sozialen Grenzen und die Bedeutung von Ruf und Stellung, ohne dies zu sehr auszuschmücken. Isabella handelt vorsichtig, aber mit wachsender Sicherheit. Ihre Haltung entsteht aus den Situationen heraus und wirkt natürlich.
Die Ermittlungen entfalten sich ruhig und nachvollziehbar. Die Spannung entsteht weniger durch dramatische Wendungen, als durch feine Beobachtungen, Gespräche und die kleinen Veränderungen im Verhalten einzelner Figuren. Gegen Ende zieht das Tempo an, und die Auflösung fügt sich schlüssig in das Gesamtbild ein.
Insgesamt bietet der Roman eine ausgewogene Mischung aus historischer Darstellung und Kriminalfall. Die Erzählweise bleibt klar und bodenständig, die Figuren wirken glaubhaft, und die Ermittlungen halten das Interesse bis zum Schluss. 4 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.11.2025

Eine Regency Romance mit Ecken, Charme und Herz

Mayfair Ladys - Drei Junggesellen für Lady Beatrice
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Ich habe diesen Roman gern gelesen, auch wenn er für mich nicht in jedem Moment die Leichtigkeit entfalten konnte, die ich mir von einer Geschichte aus der Regency-Zeit wünsche. Die Erzählung um Lady Beatrice, ...

Ich habe diesen Roman gern gelesen, auch wenn er für mich nicht in jedem Moment die Leichtigkeit entfalten konnte, die ich mir von einer Geschichte aus der Regency-Zeit wünsche. Die Erzählung um Lady Beatrice, die nach einem Unfall eine Narbe im Gesicht trägt und längst nicht mehr an Liebe glaubt, hat mich berührt. Gerade weil sie sich in einer Welt behaupten muss, die von Äußerlichkeiten und gesellschaftlichen Erwartungen bestimmt ist, mochte ich sie als Figur sehr.
Der Beginn war für meinen Geschmack etwas ruhig, doch nach und nach findet die Geschichte ihren eigenen Rhythmus. Sobald Beatrice auf Francis trifft, entsteht eine lebendige Dynamik, die dem Roman spürbar guttut. Ihre Wortwechsel, die kleinen Gesten und das vorsichtige Annähern wirken natürlich und charmant. Ich mochte, wie er sie mit Geduld und feinem Humor aus ihrer Zurückhaltung lockt. Dabei spürt man, dass hinter der leichten Oberfläche mehr steckt als nur Romantik.
Freda MacBride versteht es, die Atmosphäre der Regency-Zeit einzufangen, mit all ihren Regeln, Zwängen und feinen gesellschaftlichen Spannungen. Besonders die stillen Beobachtungen über das Urteil der Gesellschaft und die Bedeutung des äußeren Scheins fand ich sehr gelungen. In manchen Momenten wird spürbar, wie einsam es ist, immer nur die Beobachterin zu sein.
Manches wirkte auf mich etwas modern oder zu glatt formuliert, doch das hat mein Lesevergnügen kaum gemindert. Auch wenn ich mir an einzelnen Stellen etwas mehr Tiefe gewünscht hätte, überwiegt der positive Eindruck. Gegen Ende fügt sich alles zu einer runden, freundlichen Geschichte, die auf leise Weise zu Herzen geht.
Zurück bleibt das Gefühl, eine unterhaltsame und liebevoll erzählte Regency-Romance gelesen zu haben, die vielleicht nicht in allen Punkten glänzt, aber mit offenem Herzen geschrieben ist. So wie ihre Heldin selbst. 4 Sterne und eine Empfehlung für alle, die romantische Geschichten mit Charme mögen.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Zwischen Pflicht, Gefühl und Neubeginn

Zwischen Zuversicht und Leben
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Regine Kölpin erzählt eine Geschichte, die auf einfache Weise berührt. Schon nach wenigen Seiten lässt sich Esthers Welt mühelos betreten – der Kreißsaal, der Klinikalltag, die kleinen und großen Herausforderungen, ...

Regine Kölpin erzählt eine Geschichte, die auf einfache Weise berührt. Schon nach wenigen Seiten lässt sich Esthers Welt mühelos betreten – der Kreißsaal, der Klinikalltag, die kleinen und großen Herausforderungen, die das Leben Ende der siebziger Jahre für eine junge Hebamme bereithält. Vieles wirkt erstaunlich aktuell: der Druck im Beruf, die Suche nach dem eigenen Platz im Leben, der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun.
Besonders stimmig ist die ruhige, klare Erzählweise. Der Alltag der Hebammen wird mit viel Einfühlungsvermögen und fundiertem Wissen geschildert, ohne jemals aufdringlich zu wirken. Die Figuren treten lebendig hervor, und die Beziehungen wirken spürbar. Auch die Beschreibung der Schneekatastrophe 1979 hinterlässt einen starken Eindruck – die Bilder von Schnee und Sturm werden lebendig, und die enge Verbindung der Menschen in der Not spürt man fast körperlich.
Esther bleibt in Erinnerung als authentische Figur. Sie ist keine klassische Heldin, sondern eine junge Frau, die ihren Platz sucht und dabei manchmal aneckt. Gerade diese Ecken und Kanten machen sie glaubwürdig. Immer wieder wird deutlich, wie schwierig es ist, in einem starren System eigene Wege zu gehen und sich dabei selbst treu zu bleiben.
Die Autorin schafft es, erzählerische Leichtigkeit mit Nachdenklichkeit zu verbinden. Zusammenhalt, Mut und Verantwortung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Besonders gelungen ist die Einbettung gesellschaftlicher Veränderungen der siebziger Jahre, die den historischen Hintergrund lebendig machen. Gleichzeitig vermittelt die Geschichte viel über den Beruf der Hebammen und über Entwicklungen, die bis heute nachwirken.
Am Ende hatte ich das Gefühl, ein Stück Zeit erlebt zu haben. Ein Buch, das ruhig erzählt ist und trotzdem viel aussagt. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil und bin gespannt, welchen Weg Esther weitergehen wird. 4 Sterne und eine klare Empfehlung für alle, die menschliche, glaubwürdige Romane mit historischem Hintergrund mögen.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Ein stilles Leben voller Würde

Die Hausmamsell
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Es gibt Bücher, die sich leise entfalten, und genau darin liegt ihre Kraft. Dieses gehört für mich dazu. Edvard Hoem erzählt das Leben von Julie Elisabeth Hoem mit einer Ruhe, die ehrlich wirkt. Nichts ...

Es gibt Bücher, die sich leise entfalten, und genau darin liegt ihre Kraft. Dieses gehört für mich dazu. Edvard Hoem erzählt das Leben von Julie Elisabeth Hoem mit einer Ruhe, die ehrlich wirkt. Nichts wird übertrieben, nichts beschönigt. Ich mochte diese zurückhaltende Art, weil sie Raum lässt, um selbst nachzuspüren, was zwischen den Zeilen mitschwingt.
Julie wächst in einfachen Verhältnissen auf, arbeitet später als Hausmamsell in Bergen und begleitet eine Familie für einige Jahre nach Amerika. Diese Stationen wirken nicht erfunden, sondern sorgfältig recherchiert und mit Gefühl zusammengefügt. Man merkt, dass Hoem hinschaut, wo Lücken bleiben, und sie mit stiller Fantasie füllt, ohne den Kern zu verändern.
Die Sprache hat mich berührt. Sie ist schlicht, aber eindringlich. Man spürt die Einsamkeit und Würde einer Frau, die ihren Weg geht, ohne Aufsehen zu erregen. Nichts wirkt inszeniert. Alles hat die Ruhe einer Erinnerung, die langsam Form annimmt.
Besonders gelungen finde ich, wie Hoem die Zeit spürbar macht. Man bekommt ein gutes Gefühl für das Leben damals, für die Arbeit, die Häuser, die Menschen und die Stadt Bergen. Es wirkt echt. Nicht geschönt. Gleichzeitig bleibt eine gewisse Distanz. Man fühlt sich als Beobachter, nicht als Teil der Geschichte. Das passt zu Hoems Stil, der immer etwas Sachliches mitschwingen lässt, selbst wenn es um Gefühle geht.
Für mich ist dieses Buch ruhig und unaufgeregt erzählt, aber genau das macht seinen Reiz aus. Es spricht von Arbeit, Verzicht und Stolz. Von einem Leben, das in seiner Einfachheit Sinn trägt. Ich habe es gern gelesen, auch wenn es stellenweise etwas betulich wirkt und mir manchmal mehr Nähe zu Julie gefehlt hat. Doch vielleicht gehört gerade das zu dieser Geschichte, die mehr sagt, wenn sie schweigt.
Eine leise Erzählung, die bleibt, weil sie zeigt, wie viel Stärke in einem stillen Leben liegen kann.
Ich empfehle das Buch allen, die ruhige, fein beobachtete Geschichten schätzen, in denen das Alltägliche Bedeutung bekommt, und allen, die gern Bücher lesen, die ohne Aufhebens berühren. 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Zwei Brüder zwischen Pflicht und Abenteuer

Bärenzähne
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In der Weite Montanas versuchen zwei Brüder, ihr Leben nach dem Tod des Vaters in den Griff zu bekommen. Thad erzählt die Geschichte in einer ruhigen, klaren Sprache. Er bemüht sich, die Farm zu halten, ...

In der Weite Montanas versuchen zwei Brüder, ihr Leben nach dem Tod des Vaters in den Griff zu bekommen. Thad erzählt die Geschichte in einer ruhigen, klaren Sprache. Er bemüht sich, die Farm zu halten, während sein Bruder Hazen immer weiter in seine eigene Welt abgleitet. Ihre Verbindung wirkt eng und gleichzeitig brüchig, getragen von Pflichtgefühl und einem unausgesprochenen Bedürfnis nach Nähe.
Als die Brüder ein lukratives Geschäft mit einem Mann im Kilt abschließen, scheint sich plötzlich eine Lösung für ihre Geldprobleme zu bieten. Der sogenannte Schotte schlägt vor, im Nationalpark verbotenerweise Geweihstangen zu sammeln und auf dem Fluss herauszuschaffen. Was als Rettung gedacht ist, wird zum Wagnis. Hazen blüht dabei auf, Thad lässt sich von seinem Elan anstecken, weil er weiß, dass ihnen sonst Land und Haus verloren gehen. Doch der Plan ist riskant. Sie unterschätzen, wie leicht im härtesten Winter seit Jahrzehnten Spuren im Schnee bleiben – und wie schnell ein Fehltritt alles zerstören kann.
Das Geschäft mit dem Schotten bringt Spannung in die Geschichte, fast wie in einem stillen Krimi. Zugleich zeigt es, wie wenig die Brüder von der Welt außerhalb des Waldes verstehen. Ihr Vater hat ihnen beigebracht, in der Natur zu bestehen, nicht aber, mit Behörden oder Regeln umzugehen. In dieser Hilflosigkeit liegt viel Tragik.
Besonders stark ist die Szene, als ihre Mutter plötzlich wieder auftaucht. Ihre Perspektive ergänzt Thads Erzählung und macht deutlich, was den beiden gefehlt hat: ein emotionaler Halt, den weder Arbeit noch Pflicht ersetzen können. Erst im Verhör, als Thad gefragt wird, was sein Bruder eigentlich für ein Mensch sei, erkennt er, wie wenig er über Hazen weiß – und wie groß die Einsamkeit in beider Leben geworden ist.
Der Roman erzählt das alles ohne Dramatik, aber mit leiser Intensität. Die Sprache bleibt schlicht, die Natur stets präsent. Es geht um Überleben, Verantwortung und das, was Familie ausmacht, wenn die Worte fehlen.
Dieses Buch hat mich berührt und wird im Gedächtnis bleiben. Eine klare Leseempfehlung für alle, die ruhige, eindringliche Geschichten mögen. 4 Sterne.

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