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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.11.2025

Eiskalt

Kälter
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Der Killer Babel ist kalt, aber Luzy Morgenroth ist kälter. Sie hat jahrelang als Personenschützerin und für den Geheimdienst gearbeitet, aber nach dem Tod ihres besten Freundes bei einem Einsatz in Israel ...

Der Killer Babel ist kalt, aber Luzy Morgenroth ist kälter. Sie hat jahrelang als Personenschützerin und für den Geheimdienst gearbeitet, aber nach dem Tod ihres besten Freundes bei einem Einsatz in Israel lässt sie sich als Dorfpolizistin auf die Insel Amrum versetzen. Dort ist sie glücklich bis plötzlich fünf russische Killer auftauchen und ihren Kollegen umbringen. Der Vorfall weckt viele Erinnerungen und Luzy macht sich auf die Suche nach den Drahtziehern. Hinter dem Mord kann nur Babel stecken, ein ehemaliger RAF-Terrorist, der für Geld alles tut. Luzy muss wieder fit werden und kälter als Babel.
Ich habe einige Bücher von Andreas Pfeifer gelesen und sie gefielen mir gut. Dieses Buch toppt allerdings alle anderen. Es tauchen einige Personen aus "Wie Sterben geht" am Rande auf, aber im Mittelpunkt steht hier immer Luzy und ihre Vergangenheit. Das Buch ist auf jeder Seite spannend und die Spannung hält bis zum Ende an. Es geht oft um die Geheimdienstaktivitäten auf allen Seiten des Eisernen Vorhangs und da sind nicht nur die Russen die Bösen. Oft gibt es spektakuläre Wendungen und manchmal bleibt man atemlos zurück.
Ein harter, aber immer hervorragender Thriller!

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Solider Krimi

Lügennebel
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Auch in diesem Band über die Ermittlerin Hanna Ahlander nimmt uns Viveca Sten wieder mit nach Are im Norden von Schweden. Eine Clique junger Studenten will dort eine Woche lang Ski fahren und quartiert ...

Auch in diesem Band über die Ermittlerin Hanna Ahlander nimmt uns Viveca Sten wieder mit nach Are im Norden von Schweden. Eine Clique junger Studenten will dort eine Woche lang Ski fahren und quartiert sich im Ferienhaus eines der Jungen ein. Doch nach einer durchzechten Nacht liegt eines der beiden Mädchen der Gruppe tot im Schnee. Nach und nach werden die Differenzen innerhalb der Gruppe sichtbar und auf Hanna und ihren Kollegen Daniel wartet eine schwierige Aufgabe, zumal beide mit privaten Problemen zu kämpfen haben.
Krimis mit 500 Seiten müssen schon exzellent geschrieben sein, wenn sie nicht langweilig sein sollen. Aber Sten gelingt es mühelos mit immer wieder neuen Wendungen die Spannung hoch zu halten. Die Personen sind vielschichtig und die Handlung nachvollziehbar. Es zeigt sich wieder einmal, dass die Krimis von Viveca Sten immer lesenswert sind!
Ein Muss für alle Fans skandinavischer Krimis!

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Ein Herzensbuch

Mr. Saitos reisendes Kino
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Gerade habe ich die letzten Seiten gelesen und bin noch ganz gefangen in der Geschichte, für die fünf Sterne eigentlich zu wenig sind.
Lita wächst mit ihrer Mutter Fabiola in Argentinien auf, muss mit ...

Gerade habe ich die letzten Seiten gelesen und bin noch ganz gefangen in der Geschichte, für die fünf Sterne eigentlich zu wenig sind.
Lita wächst mit ihrer Mutter Fabiola in Argentinien auf, muss mit ihrer Mutter wegen der politischen Verhältnisse fliehen und landet durch einen Zufall auf der kleinen Insel Upper Puffin Island vor der Küste Neufundlands. Ein Heer von skurrilen Inselbewohnern bevölkert das Buch, traurige und fröhliche Ereignisse bestimmen den Jahresablauf, aber der Höhepunkt des Jahres ist der Besuch des reisenden Kinobesitzers Mr. Saito, der das Leben von Lita und ihrer Freundin Oona für immer beeinflusst.
Dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und begeistert und ich war traurig, dass nicht noch weitere 500 Seiten folgten. Annette Bjergfeldt ist es wunderbar gelungen die kleine Welt von Upper Puffin lebendig werden zu lassen und hat damit ein Buch geschrieben, das man nicht so schnell vergisst. Der naive Blick Litas auf das Leben eröffnet neue Perspektiven und nimmt die Leser mit in eine zwar harte, aber auch glückliche Welt.
Das Buch schreit geradezu nach einer Verfilmung und ich finde es unbedingt lesenswert. Eines der seltenen Bücher, die zwar anspruchsvoll sind, aber glücklich machen!

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Bewegend

Und ohne Tabu explodiert die Welt
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Die drei Eriche - die drei Musketiere, die immer zusammenhalten. Das sind der Schriftsteller Erich Kästner, der Zeichner Erich Ohser und der Cheflektor der Büchergilde Gutenberg Erich Knauf. Die drei Männer ...

Die drei Eriche - die drei Musketiere, die immer zusammenhalten. Das sind der Schriftsteller Erich Kästner, der Zeichner Erich Ohser und der Cheflektor der Büchergilde Gutenberg Erich Knauf. Die drei Männer machen gemeinsam das Berlin der 1920er Jahre unsicher und scheren sich nicht um den aufkommenden Nationalsozialismus. Sie sind erfolgreich, auch bei den Frauen, und fühlen sich sicher in ihrer Welt. Das geht gut, bis Erich Kästner miterleben muss, wie auf dem Bebelplatz seine Bücher zusammen mit vielen anderen Werken von den Nazis verbrannt werden. Aber trotz aller Warnungen bleibt er in Deutschland, auch als ein Schreibverbot von Goebbels verhängt wird. Mit dem Verkauf von Gedichten unter verschiedenen Pseudonymen hält er sich über Wasser. Auch Erich Ohser bekommt einen Auftrag, er soll Comics für Zeitungen zeichnen und erfindet unter dem Namen e.o.plauen die Reihe "Vater und Sohn", die man heute noch kennt. Erich Knauf muss für die UFA Werbetexte für Filme schreiben. So hoffen die drei Männer unter dem Radar der Nazis zu bleiben, sind sich aber nicht bewusst, dass jeder ihrer Schritte überwacht wird und sie von der Gnade des Propagandaministers abhängig sind. Bis zum bitteren Ende...

Tilman Röhrig hat schon mit vielen historischen Stoffen geglänzt, z.B. mit Büchern über den letzten Stauferkaiser Friedrich II. oder Martin Luther. Dieses Buch ist sein aktuellstes Werk, vor allem vor dem Hintergrund des Rechtsrucks in unserer Gesellschaft. Die Nazis wurden lange verharmlost, Hindenburg hoffte, dass ein Reichskanzler Hitler nach wenigen Monaten Geschichte sein würde. Stattdessen war nach wenigen Monaten die Demokratie abgeschafft, ein Spitzelstaat aufgebaut und der Weg in den Krieg frei. Die Parallelen zu heute sind unübersehbar.

Röhrig erzählt seine Geschichte kühl und sachlich. Dabei hat er hervorragend recherchiert, wie man das bei ihm nicht anders kennt. Kurze Sequenzen aus Kästners Gedichten lassen erkennen, mit welcher Akribie Kästner Dinge auf den Punkt bringen konnte. Leider zog er aus seinen Erkenntnissen keine Konsequenzen und harrte in Deutschland aus. Zum Teil lag das auch daran, dass er sich für seine Eltern in Dresden verantwortlich fühlte und sie nicht allein zurücklassen wollte. Dabei überlebte er anders als Ohser und Knauf nur mit viel Glück und Chuzpe.

In dem Buch wird die ganze Zerrissenheit eines Menschen deutlich, der die Diktatur hasst, aber nur irgendwie überleben will und muss. Dafür gibt es eine unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.10.2025

Aufmüpfig!

Die Frau der Stunde
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Eine Frau macht Karriere in der Politik und ist aufmüpfig, das gefällt den Männern gar nicht. So lässt sich dieses Buch auf einen ganz kurzen Nenner bringen, aber dahinter steckt viel mehr.
Bonn anno 1978: ...

Eine Frau macht Karriere in der Politik und ist aufmüpfig, das gefällt den Männern gar nicht. So lässt sich dieses Buch auf einen ganz kurzen Nenner bringen, aber dahinter steckt viel mehr.
Bonn anno 1978: Die Bundesrepublik ist eine Männerrepublik, Männer sitzen an den Schaltstellen der Macht und lassen sich ungern von einer Frau ins Handwerk pfuschen. Als Catharina Cornelius unverhofft Außenministerin wird und auf internationalem Parkett mit Sachkenntnis und Charme zu glänzen versteht, passt das vielen Männern nicht in den Kram. Frauen sollen Briefe tippen, Kaffee kochen und dem Mann den Rücken freihalten. Doch Catharina und ihre Mädchenclique passen nicht in dieses Klischee. Man findet in der Figur Züge "echter" Politikerinnen wieder, wie z.B. Hildegard Hamm-Brücher oder Annemarie Renger. Auch tauchen unter anderem Namen Helmut Kohl, Erich Mende oder Petra Kelly auf.
Das Buch ist einfach großartig. Es erinnert mich an den Film "Die Unbeugsamen" über den langen Weg der Frauen an die Macht. Aber leider hat sich seit 1978 nicht sehr viel geändert, man denke nur an Frauen, die den Weg ganz nach oben geschafft haben und dafür massiv angefeindet wurden, wie z.B. Annalena Baerbock oder Claudia Roth. Auch wenn es manchmal ziemlich viel Klischee abbildet, so macht das lesen doch viel Spaß.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch weil es über den deutschen Tellerrand hinausschaut.

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