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Veröffentlicht am 31.10.2025

In einer magischen Kürbiswelt

Leni und die Flüsterkürbisse
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Leni ist eine aufgeweckte 7 Jährige, die gern bei ihrer Oma ist und voller Phantasie und Abenteuerlust. Ihre liebste Zeit ist rund um Halloween, denn sie mag es ein bisschen gruselig. Ihr bester Freund ...

Leni ist eine aufgeweckte 7 Jährige, die gern bei ihrer Oma ist und voller Phantasie und Abenteuerlust. Ihre liebste Zeit ist rund um Halloween, denn sie mag es ein bisschen gruselig. Ihr bester Freund ist Tim, der eher mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Bis ... ja, bis die beiden auf dem Wochenmarkt einen Kürbis hören, der leise flüstert. Und damit beginnt das Abenteuer.

Ich wünschte, zu meiner Zeit hätte es solche Bücher gegeben. Als Kind war Halloween nichts als ein Produkt aus den USA, dass man einmal im Jahr im Fernsehen sah mit Charlie Brown und seinen Freunden. Erst als ich älter war begriff ich, dass es wohl doch älter war, als es den Anschein hatte und was hinter diesem Tag (oder besser der Nacht) auf sich hatte. Der Halloween-Kult, der heutzutage herrscht, war mir als Kind vollkommen unbekannt.

Dennoch brachte die Autorin mich dazu, mich in Leni hineinversetzen zu können. Auch ich liebte als Kind den Dachboden, nur kam ich selten da hoch. Wenn, dann konnte ich dort oben Stunden verbringen zwischen zerbrochenem Spielzeug und allerlei Tand, der sich in den Jahren angesammelt hatte. Da es, wie gesagt, zu meiner Zeit noch kein Halloween wie heute gab, fand sich dort oben allerdings wenig bis gar nichts, was auf diesen einen Tag hingedeutet hätte.

Lenis magische Reise, die sie zusammen mit Tim und ihrem Kater Fauchi (besser Kinderbuchname ever!) antritt, beginnt ein wenig gruselig und überraschend. Mit dem Utensil, mit dem die drei es in die andere Welt verschlägt, hatte ich gar nicht mehr gerechnet, auch wenn es bereits im ersten Kapitel aufgetaucht war.

Die Sprecherin versteht ihren Job und bringt den Hörer mit sich in diese magische Welt, in der Leni, Tim und Fauchi ihr Abenteuer erleben. Man bangt selbst als Erwachsene mit, als Tim beinahe im Nebel versinkt oder später auf der Brücke. Da darf Fauchi als Held des Tages glänzen. Und er tut das mit der stoischen Ruhe aller Katzen. Was? Ich bin ein Held? Ich bin immer ein Held! Und putzt sich nonchalant die Pfote. Ein Bild, das ich wirklich vor Augen hatte und mich köstlich darüber amüsierte.

Der letzte Teil der Reise ist wunderbar magisch und herrlich beschrieben von der Autorin, und die Sprecherin vertont ihn sehr gut - wie sie überhaupt sehr gute Arbeit durch das ganze Buch leistet. Die Auflösung war nicht wirklich überraschend für mich als Erwachsene, doch das Kind in mir war trotzdem begeistert über den Ausgang.

Ein wunderbares kleines Hörbuch, das Kinder mit Sicherheit begeistern wird, vor allem junge Kinder. Ein Abenteuer voller Magie und genau der richtigen Würzung Grusel, der mehr spannend ist als Gänsehautcharakter besitzt. Ein herrliches Hörerlebnis!

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Wenn man nur die Augen öffnet

Windholm-Saga / Windholm Das Nebelkind
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Nachdem Arics Vater stirbt, bleiben dem jungen Mann nur zwei Dinge: das Schwert seines Vaters und ein versiegelter Brief seiner unbekannten Mutter. Die letzten Worte seines Vaters drängen Aric in den ...

Nachdem Arics Vater stirbt, bleiben dem jungen Mann nur zwei Dinge: das Schwert seines Vaters und ein versiegelter Brief seiner unbekannten Mutter. Die letzten Worte seines Vaters drängen Aric in den Wald, denn dort soll es ein magisches Reich geben. Ein Reich, in dem seine Mutter lebt. Also macht er sich auf die Suche nach seiner Mutter. Doch diese Suche gestaltet sich vollkommen anders als Aric dachte ...

Es gibt Bücher, die strotzen vor Action und lauter Abenteuer und bieten kurzweilige Unterhaltung. Und es gibt Bücher, deren Abenteuer leiser ablaufen, deren Inhalt auch den Leser nachdenklich stimmen und ihn mit auf eine Reise in sein Inneres nehmen. Das Nebelkind gehört zu dieser zweiten Kategorie.

Die Autorin hat eine verwunschene, doch wunderschöne Welt erschaffen, die aus kaum etwas anderem als Wald besteht. Verschiedene Abschnitte des Waldes, um genau zu sein. Da gibt es Teiche, Bäche, reißende Flüsse, Lichtungen und so dichten Wald, dass selbst das Sonnenlicht nicht bis zum Boden reicht. Uralte Bäume neben neuen Trieben. Als Leser meint man, den Duft nach Moos und feuchter Erde einzuatmen während des Lesens.

Arics Suche nach seiner Mutter wandelt sich in eine Suche nach sich selbst. Er lernt über seine eigene Seele, fühlt Dinge, die ihm unangenehm sind, aber auch solche, die er nicht mehr missen möchte. Letztere überwiegen im Verlauf der Geschichte. Doch da ist ein Teil von ihm, dem er sich nicht nähern, den er nicht zulassen will.

Ich kann sagen, dass ich mich in dieser Hinsicht mit ihm identifizieren kann. Auch ich habe eine Seite in mir, die ich ungern zulasse und meist verschweige. Und ich denke, wenn man tief in sich selbst hineinblickt, dann hat so gut wie jeder diese Seite. Wir mögen uns lieber im guten Licht zeigen als etwas negatives zu bekennen. Für Aric wird dieser Kampf ein Kampf ums schiere Überleben.

Was ich besonders mochte an diesem herrlichen kleinen Roman sind die Charakterisierungen, gerade die der Gnomen. Aric trifft auf seinem Weg Brambelfeet, einen schrulligen Gnom, der ihn fortan begleitet und zu ihm steht. Was habe ich diesen kleinen Kerl ins Herz geschlossen! Brambelfeet hat selbst an sich zu schleppen, doch er hält tapfer durch, stellt sich seinen Dämonen, und ist am Ende der gleiche, nur ein bisschen besser. Der ewig positive Brambelfeet, der für jede Szene die passende Zusammenfassung hat. Es war einfach herrlich. Und auch wenn ihm ein Gutteil der Handlung zukommt, es tauchen auch andere Gnome auf, die nicht weniger skuril sind für sich genommen, und doch eine wunderbare Gemeinschaft bilden in ihrem kleinen Dorf.

Und dann ist da noch Lyra, die Sylphe, die sich ebenfalls Aric anschließt. Lyra ist ätherisch im besten Sinne. Einerseits verwurzelt im Boden, andererseits sehnt sie sich nach ihren Flügeln, die sie ablegte auf eigenem Wunsch. Sie bringt das Gleichgewicht zwischen Aric und Bumbelfeet und wird schnell zu einem integralen Teil der kleinen Gruppe.

Was bleibt ist ein wunderbarer kleiner Roman (oder besser erster Teil eines Mehrteilers), in dem nicht nur die Figuren wachsen und ihre Welt immer größer wird, sondern der Leser mit ihnen, so er es denn zulässt.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Wenn Drachen erwachen ...

Palineas: Zweites Buch - Aufstieg
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Drachen erwachen aus ihrem ewigen Schlaf und richten nichts als Tod und Zerstörung an. Die Bannkette wird gestohlen und niemand weiß so recht, wie das hat geschehen können. Und dann ist da noch Alprey, ...

Drachen erwachen aus ihrem ewigen Schlaf und richten nichts als Tod und Zerstörung an. Die Bannkette wird gestohlen und niemand weiß so recht, wie das hat geschehen können. Und dann ist da noch Alprey, der ein doppeltes Spiel zu spielen scheint ...

Wer eine Geschichte mit viel packender Action erwartet, der wird hier fündig. Action gibt es viel, von Kämpfen über Verfolgungen bis zu Entführungen durch die Luft. Hackel kann all das schreiben und er tut es auch. Was dabei herauskommt ist ein packender Roman.

Aber ... hier komme ich wieder mit dem erhobenen Zeigefinger, ich weiß. Leser sollte wissen, worauf er/sie sich einlässt. Ich würde nicht unbedingt behaupten, Band 1 ist notwendig, ich zumindest kannte ihn nicht (was ich demnächst nachzuholen gedenke), aber ich war vor allem im ersten Teil des Buches mehr als froh über das Personenregister am Ende des Bandes, an dem ich mich entlanghangeln konnte. Es sind so viele Personen an der Handlung beteiligt, dass einem leicht der Kopf zu schwirren beginnt. Dazu sind einige Namen einander so ähnlich (okay, zwei Namen, ich geb's zu, es sind zwei Namen, die ich immer wieder durcheinanderwarf), dass das zu Verwirrung führt.

Das ist allerdings auch schon meine ganze negative Kritik, sofern man sie negativ nennen kann. Eine schiere Überzahl an Personen kann ich schwerlich als böse bezeichnen. Und all diese Personen sind offensichtlich wichtig, vielleicht nicht für diesen Teil, wohl aber für den nächsten, der den Abschluss der Trilogie bilden wird.

Was erwartet den Leser also? Eine Menge spannender Handlung mit nachvollziehbaren Charakteren, entweder das, oder sie sind Enigmas in sich, was wohl auch so gedacht ist. Palineas selbst hat seine Kraft noch nicht vollständig unter Kontrolle, was immer wieder hervorkommt, wenn er schläft. Ein Charakter, der sowohl Licht wie auch Dunkelheit verkörpert ist an sich gesehen schon interessant, dieser Junge ist es wirklich. Ich würde gern wissen, wer nun was ist in seinem Leben, denn Dinge stimmen hier und da nicht richtig. Aber, wie gesagt, das ist augenscheinblich auch so gewollt vom Autoren.

Der Weltenbau ist schlüssig in sich und ich kann es kaum erwarten, mehr darüber herauszufinden. Allein das Konzept der Drachen ist interessant. Wieder einmal nicht die feuerspeienden Monster, die wir alle in Game of Thrones gesehen haben, sondern empfindungsfähige Wesen mit ihrer eigenen Magie. Okay, empfindungsfähig bis zu einem bestimmten Punkt offensichtlich, wenn ich mich speziell an eine Szene erinnere, einen Kampf zwischen einem Drachen und einer Hüterin.

Was mich wirklich faszinierte war der offensichtlich tief verwurzelte Hass auf Elfen unter den Menschen. Dass Elfen in vielen Romanen gern auf Menschen hinabsehen ist alt bekannt. Hier scheint allerdings die Mehrzahl der Spitzohren helfen zu wollen, während die Menschen in ihnen eine Bedrohung oder Abschaum sehen. Offensichtlich gab es vor nicht allzu langer Zeit Krieg zwischen den beiden Rassen, den die Elfen am Ende für sich entschieden haben. Aber, wie gesagt, ich habe nicht einen Elf oder eine Elfe im Roman gefunden, die nicht versuchten, wenigstens zu helfen. Mag sein, weil man sich in den von Menschen besiedelten Gebieten aufhielt, ich weiß es nicht. Ich fand es nur eigenartig und hoffe, wenn ich Band 1 in die Finger bekomme, dass sich das Rätsel lösen lässt.

Ich nahm mein Fazit eigentlich vorneweg hier, doch ich bleibe dabei: ein guter Roman mit einer guten Portion Action und jeder Menge Spannung.

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Willkommen in Lythraia

Was im Schwarz gedeiht
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Ardis lebt auf der Straße, nachdem ihre Eltern sie auf selbige gesetzt haben. Nicht weil sie rebellisch war, sondern weil sie ... anders ist. Ardis verfügt über eine Gabe, sogar eine verbotene Gabe, die ...

Ardis lebt auf der Straße, nachdem ihre Eltern sie auf selbige gesetzt haben. Nicht weil sie rebellisch war, sondern weil sie ... anders ist. Ardis verfügt über eine Gabe, sogar eine verbotene Gabe, die sie das Leben, oder zumindest den Verstand kosten könnte. Dann begegnet sie Armand, der mit seiner Adeptin Kat in der Stadt unterwegs ist. Armand bietet ihr eine Chance. Die Chance auf ein neues Leben, das Leben einer Magi.

Doch der Preis für dieses Leben ist hoch und Ardis ist unerfahren. Wird sie die Ausbildung im Turm überstehen?

Die Fantasywelt, in der Verhoeven ihre Leser entführt, ist alles andere als das übliche. Sicher, es gibt Zauber und Ritter, Magie und Schwert. Aber alles ist düster, wie verdorben. Man hat nur die Wahl zwischen schlecht und noch schlechter. Das Leben gleicht der Wildnis: nur der Stärkste überlebt. Wer zu zartfühlend ist muss sich entweder schnellstens einen Panzer wachsen lassen, oder er stirbt.

Wenn ich sage "nicht das übliche" und "düster", so meine ich das keineswegs negativ, ganz im Gegenteil. Es ist eine andere Sicht auf die Fantasy, die sich hier bietet. Eine Sicht, die eher auf das Dunkel in uns gerichtet ist statt auf das Licht. Eine Welt, in der Korruption herrscht und die Schwachen ausgebeutet werden und die Reichen immer und immer reicher werden auf den Buckeln der Armen. Klingt bekannt? Ja, stellenweise erwuchs in mir das Gefühl, dass Verhoeven der realen Welt den Spiegel vorhält mit ihrem Werk und einem System, das so gebrochen ist, dass es nur noch mit Mühe funktioniert.

Die Charaktere sind glaubhaft geschildert. Man erlebt die Geschichte aus Adris' Sicht, fühlt ihren Schmerz, ihren Hochmut, ihre Wut und ihre Trauer. Wie sie darum kämpft, die Kontrolle zu gewinnen, frei zu sein. Jede Stufe, die sie erreicht und hofft, endlich aus dem engen Gefängnis ausbrechen zu können, muss sie begreifen, dass sie sich nur in einem etwas größeren, etwas luxuriöseren Gefängnis bewegt. Dabei sollte sie doch als Magi mächtig sein, oder nicht?

Da liegt eines der Probleme: Den Magi wurden vor Urzeiten Beschränkungen auferlegt, die sie quasi zu Zuschauern degradieren. Sicher könnten sie helfen, doch sie dürfen nicht, oder sie riskieren ihr eigenes Leben dabei. Und am Ende ist man sich selbst der nächste, nicht wahr?

Ardis gegenüber wird der junge Ritter Garvan gestellt. Auch aus seiner Sicht erlebt man das Geschehen. Garvan, Sohn und Neffe von zwei verurteilten Verrätern, versucht sein bestes, um in dem winzigen Teil der Grafschaft, die ihm geblieben ist, verantwortungsvoll zu handeln und die Menschen, die unter seinem Schutz stehen sollten, auch wirklich zu schützen. Hilfe seines Barons erhält er nicht, wird von diesem statt dessen lächerlich gemacht vor dem versammelten Hofstaat. Was bleibt Garvan am Ende? Seine Untertanen sind in Gefahr, seine Cousine wird als Geisel festgehalten. Er trifft eine Entscheidung - und muss mit den Konsequenzen leben.

So geht die Handlung voran. Als Leser will man mehr als einmal die Protagonisten anbrüllen für ihre Entscheidungen, für ihr Hadern oder ihre vorschnellen Handlungen, die sie immer tiefer und tiefer in das Machtgewirr dieser Welt treiben. Gleichzeitig ist man fasziniert darüber, wie viel da noch kommen mag, was die nächste Katastrophe ist.

Dieser Roman ist keine leichte Lektüre, beiweitem nicht. Aber er ist überaus spannend und in einer wirklich gut entwickelten Welt spielend. Zu Anfang hatte ich Bedenken, nachdem ich etwas von Rollenspiel las (wobei es auch durchaus gute Rollenspielromane gab und gibt). Was ich dann allerdings fand war ein schwarzer Diamant, so facettenreich, dass ich es kaum glauben konnte.

Ein verstörend packender Roman, der in keinem Fantasy-Regal fehlen sollte. Vor allem in solchen, die durchdachte Handlungen, düsteres Setting und tiefe emotionsnale Einblicke mögen. Grandios!

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Als der Indische Ozean der Wilde Westen war

Im Bann der Freibeuter
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Richard Kreutzner wächst als einziger Sohn eines reichen Minenbesitzers ein wenig weltfremd heran. Sein größter Wunsch ist es, Bibliotheka zu werden, doch sein Vater hat andere Pläne: Richard soll die ...

Richard Kreutzner wächst als einziger Sohn eines reichen Minenbesitzers ein wenig weltfremd heran. Sein größter Wunsch ist es, Bibliotheka zu werden, doch sein Vater hat andere Pläne: Richard soll die Geschäfte nach seinem Tod übernehmen und weiterführen. Also beschließt der junge Mann auf eigene Faust, nach London zu gehen und sich dort als Bibliothekar zu verdingen.

Doch das Schicksal hat anderes mit Richard im Sinn ...

Seit "Pirates of the Caribean" sind Piraten und Freibeuter hoch im Kurs. Und wer mag sie nicht? Die romantisierten Abenteuergeschichten über die Gesetzlosen Piraten und wie sie auf hoher See andere Schiffe kapern und ausplündern. Wer hat nicht schon einmal von Blackbeard oder Captain Kidd gehört? Vermutlich die wenigsten.

In diesem Buch geht es um letzteren, um Captain Kidd, den Freibeuter. Für solche, die den Unterschied zwischen Freibeutern und Piraten nicht kennen, hier die kurze Erklärung: ein Freibeuter ist quasi ein legaler Pirat. Er besitzt einen sogenannten Kaperbrief, meist ausgestellt von Hohen Adelsfamilien oder gar dem König/der Königin selbst. Freibeuter besaßen die Auflage, Schiffe des eigenen Landes weder anzugreifen noch zu plündern. Oftmals gab es sogar weitere Befehle, dass sie beispielsweise besonders auf Schiffe eines verfeindeten Landes losgehen sollten. Dabei reichte es, wenn in deren Schiffsunterlagen die Pässe dieses verfeindeten Landes vorlagen, selbst wenn das Schiff selbst unter der Flagge eines anderen Landes fuhr. Ein Pirat dagegen kann sich frei bewegen, er hat keine Einschränkungen oder Vorgaben, allerdings auch keinen Freibrief. Seine Taten sind damit illegal.

So, das war die kleine Lektion für diejenigen, die den Unterschied bisher nicht kannten. Kidd hatte als Freibeuter begonnen, sprich, er hatte einen Kaperbrief vom englischen König und handelte dementsprechend in dessen Auftrag. Was er tat, war nicht illegal - bis er einmal das falsche Schiff angriff, laut Überlieferung, ohne es zu wissen. Danach wurde er als Pirat verschrien und gejagt.

Richard trifft auf Kidd nach diesem Vorkommnis und beschreibt mit eigenen Worten, wie die Geschichte weiterging. Und anfangs scheint es auch soweit gut zu gehen. Richard wird vom einfachen Seemann schnell zum ersten Kanonier befördert, die Beute ist gut, und dank seiner Ausbildung, die auch das Lernen verschiedener Sprachen beinhaltete (Latein, Englisch und Französisch in Schrift), ist er hilfreich für Kidd und dessen Mannschaft. Bis sie ein Schiff kapern und Richard dort jemanden kennen lernt, der sehr wichtig für seine Zukunft sein wird.

Lotter beschreibt sehr detailgetreu und mit viel Hintergrundwissen die Zeit, die Ereignisse und die Schiffe und Ortschaften, an die es seinen Protagonisten verschlägt. Offensichtlich gibt es eine reichhaltige Recherche hinter dem Roman, für die ich den Autoren hier sehr gern lobe. Es sollte gerade bei historischen Romanen eine Pflicht sein, sich genauer mit der Zeit und den Einzelheiten zu befassen, so wie in diesem Beispiel die verschiedenen Pistolenarten und die Tatsache, dass Schwarzpulver nicht zwangsläufig mit Wasser (im wahrsten Sinne) in Berührung kommen muss, um nutzlos zu werden. Feuchte Luft oder feuchter Nebel reichen dafür.

Die Zustände auf den verschiedenen Schiffen, die Richard während seiner Irrfahrt bereist, sind nachvollziehbar und sicher. Ebenso die verschiedenen Orte. Herausheben möchte ich hier die kurze Zeit, in der der Vater Richard zwingt, als Minenarbeiter in seiner Mine zu arbeiten. Man meint, in den klaustrophobischen Engen der handgegrabenen Minenschächte zu sein, so kurz dieser Aufenthalt auch geschildert ist. Auch die kurze Zeit als Gefangener seines Vaters wird gut und nachvollziehbar dargestellt, auch wenn es sehr drastisch ist.

Richard, der Skrupel hat, und die auch wirklich bis zum Ende des Romans, auch wenn er das selbst oft zu negieren versucht, einen anderen zu töten und statt dessen selbst verletzt wird. Bis zu dem Punkt, an dem er im wahrsten Sinne des Wortes rot sieht, aber tatsächlich mehr verwundet als tötet. Selbst als "echter" Pirat besitzt Richard ein Gewissen, erzählt von den horrenden Ereignissen während und nach der Schlacht um das Schiff und den Ekel und die Angst, die er dabei empfindet. Alles sehr glaubhaft geschildert.

Ein sehr guter Roman über eine turbolente Zeit. Ein kleiner Roman, der sich aber mit den Großen messen kann.

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