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Veröffentlicht am 03.11.2025

Das Leben nach dem Femizid

Da, wo ich dich sehen kann
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Nach der Ermordung von Emma durch ihren Ehemann, lebt deren Tochter Maja bei ihren Großeltern im hessischen Glauburg. Dort hat sie Schwierigkeiten, mit dem schrecklichen Verbrechen umzugehen. Auch Oma ...

Nach der Ermordung von Emma durch ihren Ehemann, lebt deren Tochter Maja bei ihren Großeltern im hessischen Glauburg. Dort hat sie Schwierigkeiten, mit dem schrecklichen Verbrechen umzugehen. Auch Oma Brigitte und Opa Per sowie Patentante Liv sind noch fassungslos und können kaum mit der Trauer umgehen. Doch gemeinsam müssen sie versuchen, einen Weg zurück ins Leben zu finden und nicht an dieser Tat zu zerbrechen.

Jasmin Schreiber gelingt es, ein sehr schwieriges Thema unterhaltsam, aber auch feinfühlig und sensibel zu erzählen. Ihr Schreibstil geht ins poetische und enthält sehr schöne Metapher über das Leben, den Tod und vielem Mehr.

Die Kapitel sind aus verschiedenen Perspektiven verfasst, sodass man einen guten Einblick in die Gefühlswelten der Charaktere erhält. Ihre Trauer und ihr Verlust ist spürbar, aber auch die Selbstvorwürfe die sich jeder macht. Niemand hat gewusst oder erkannt, dass Emma von ihrem Mann misshandelt wurde und diese war offensichtlich nicht in der Lage, eigenständig um Hilfe zu bitten.

Verschiedene Stilmittel werden im Roman eingesetzt. So tauchen ab und zu (aber nicht zu oft) Kinderzeichnungen, fiktive Zeitungsartikel oder auch Protokolle auf. Dadurch wirkt die Geschichte noch authentischer und nahbarer.

Das Weltall ist ein Thema, was immer wieder auftaucht. Liv ist studierte Astrophysikerin und kann auch Maja für den Weltraum begeistern. Sprachlich durchzieht es ebenfalls das Buch, so wird die Trauer mit einem Schwarzen Loch verglichen, was ich sehr passend finde. Zudem ist jedem Charakter ein Sternbild zugewiesen, welches über dem jeweiligen Kapitel abgebildet ist. Majas Sternbild ist bspw. Perseus oder Livs Andromeda.



In "Da, wo ich dich sehen kann" steht das Opfer und deren Angehörige im Zentrum, der Täter nimmt keinen Raum ein. Viel zu oft geschieht es in der Realität, dass die "Täter
innen" in der Öffentlichkeit deutlich bekannter sind, als die Opfer. Jasmin Schreiber hat sich bewusst dazu entschieden, dass hier Emma und deren Familie sowie ihre beste Freundin im Fokus stehen. Das war eindeutig die richtige Entscheidung! Nicht grausame Details der Tat, sondern die Grausamkeit des Verlustes stehen hier im Mittelpunkt.

Mir hat "Da, wo ich ich sehen kann" sehr gut gefallen. Bevor man jedoch zum Buch greift, sollte einem klar sein, dass es ein sehr belastendes Thema sein kann, vor allem wenn man persönliche Erfahrungen damit hat. Es ist ein emotional aufwühlendes Werk, was aber trotzdem auch Hoffnungsschimmer hat. Es sollte von vielen Leute gelesen werden, da häusliche Gewalt leider ein weit verbreitetes Problem ist und mehr Aufmerksamkeit benötigt. Es tritt bei allen Gesellschaftsschichten auf und auch Menschen, die nach außen hin sympathisch sind und auf andere einfühlsam wirken, können innerhalb von einer Familie oder Partnerschaft gewalttätig und kontrollierend sein.
Jasmin Schreiber hat dies alles sehr gut ausgearbeitet und einen einfühlsamen Roman verfasst, der einen zum Nachdenken anregt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 28.07.2025

Die Kleinen ganz groß!

Im Schatten von Giganten
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Jasmin Schreiber stellt in diesem Sachbuch die Welt der kleinsten Lebewesen vor, die zumeist von uns Menschen übersehen werden. Dabei stellt sie die unterschiedlichsten Lebensräume, wie z.B. das Leben ...

Jasmin Schreiber stellt in diesem Sachbuch die Welt der kleinsten Lebewesen vor, die zumeist von uns Menschen übersehen werden. Dabei stellt sie die unterschiedlichsten Lebensräume, wie z.B. das Leben unter Steinen, im Moos und auf Blüten, vor. Selbst Mikrohabitate wie Pfützen und sogar Kadaver & Dung, welche nur für kurze Zeit existieren und an welche nur die wenigsten denken werden, bekommen ein eigenes Kapitel. Es wird von Käfern, Schnecken, Heuschrecken, Libellen und sogar von Einzellern und von vielen mehr berichtet und wie diese in ihrem jeweiligen Mikrohabitat leben.

Man merkt zu jeder Zeit, dass die Autorin voller Herzblut für die Natur und deren Lebewesen ist. Auch wenn sie über Flechten oder gar Bärtierchen schreibt, ist ihre Begeisterung (besonders) zu spüren. Das hat sich auch auf mich selbst übertragen. Durch ihre Beschreibungen und ihrer lockeren Sprache kann man ihre Faszination deutlich nachvollziehen.

Für Laien wie mich ist das Sachbuch verständlich, Fachbegriffe erklärt sie gut und ihre Entscheidung, die verschiedenen Mikrohabitate vorzustellen, war eine gute Idee. So kann man die großen und kleinen Zusammenhänge besser verstehen und erkennt, das jedes noch so kleines Lebewesen wichtig für das Ökosystem und letztlich auch für uns Menschen ist.

Die großartigen Fotos, welche die Autorin selber geschossen hat, dürfen aber auf keinen Fall unerwähnt bleiben! Die Aufnahmen sind in unglaublicher Schärfe, sodass ganz viele Details sichtbar sind und man sehr viel Zeit mit der Betrachtung dieser Fotos verbringen kann. Bei manchen bekomme ich wohlige Herbst-Vibes und einige von ihnen würde ich mir sogar an die Wand hängen!

Nach dem Lesen dieses Buches möchte ich auch am liebsten gleich (mit einer tollen Kamera) losziehen und die Natur für mich neu entdecken. "Im Schatten von Giganten" ist für alle, die sich schon für Kleinstlebewesen interessieren, aber auch besonders für die, die sich bisher nicht so für Insekten und Co. begeistern konnten

Veröffentlicht am 07.03.2025

Zauberhaftes Band zwischen Hase und Mensch

Hase und ich
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Mitten im Lockdown entdeckt Chloe Dalton ein kleines Hasenbaby mitten auf einem Feldweg. Es ist schutzlos und auch nach mehreren Stunden hat es sich nicht in Sicherheit gebracht. Nach langem Zögern beschließt ...

Mitten im Lockdown entdeckt Chloe Dalton ein kleines Hasenbaby mitten auf einem Feldweg. Es ist schutzlos und auch nach mehreren Stunden hat es sich nicht in Sicherheit gebracht. Nach langem Zögern beschließt sie, es aufzuziehen. Niemand glaubt, dass das kleine Häschen überleben wird und Informationen über Hasen sind rar gesät. Daraufhin stürzt die Autorin sich in zahlreiche Bücher und Studien und ihr gelingt das Unglaubliche. Nicht nur, dass das kleine Wesen überlebt. Es lebt in der Wildnis, aber kehrt immer wieder in das Haus zurück und kommt angelaufen, wenn es gerufen wird. Bei Chloe Dalton fühlt es sich sicher und zwischen ihnen entsteht ein einzigartiges Band.


Am Anfang hat Chloe Dalton noch keinerlei Erfahrung mit Hasen, geschweige denn mit der Natur im Allgemeinen. Vor der Pandemie verreiste sie wegen ihres Berufes ständig in weit entfernte Länder und nahm sich sogar für ihre Familie wenig Zeit. Doch als sie beginnt, sich um das kleine Hasenbaby zu kümmern und zu sorgen, verändert es auch sie schrittweise. Sie wird ruhiger, geduldiger und lernt mehr, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Ihre Karriere ist ihr nicht mehr so wichtig, wie es einmal war. Sie informiert sich immer mehr über Hasen, aber auch Kräuter und Landwirtschaft. Diese Informationen teilt sie auch mit uns Lesenden, ohne das dies langweilen würde. Besonders haben mich die kurzen geschichtlichen und kulturwissenschaftlichen Einschübe interessiert, die aber nicht Überhand nehmen.

Das wichtigste in diesem Buch sind aber immer noch das Findelkind und weitere Vertreter dieser schönen Tiere. Dalton beschreibt sehr anschaulich das Äußere, wie auch die einzelnen Wesenszüge der Hasen. Man kann sich sehr gut den Garten und das Umland mit den Tieren vorstellen und viele würden bestimmt gerne nach dem Lesen der Geschichte dort ein paar Tage verbringen.
Der Schreibstil hat etwas poetisches an sich und passt hervorragend zu den Geschehnissen.
Überrascht hat mich, wie wenig über Hasen in der Gesell- und Wissenschaft wirklich bekannt ist. Sie leben in ganz Europa und darüber hinaus und dennoch gibt es zu ihnen nicht so viele Infos, wie man es erwarten würde, bzw. manche "Fakten" stellen sich als falsch raus.
Zum Ende gibt es eine Auflistung von Büchern und Studien. Dadurch kann man sich sicherlich noch weitere über bestimmte Themen informieren.

Besonders schön sind die Hasenzeichnungen zu Beginn jedes Kapitels sowie passende Zitate aus Büchern. Schon allein deswegen lohnt es sich immer wieder, das Buch in die Hand zu nehmen.
Eine Karte der Scheune, des Gartens sowie der Landschaft ringsum ist ebenfalls im Buch abgedruckt. Dies ist sehr hilfreich, dennoch war ich mir ab und zu im Unklaren, wo genau sich eine Szene abspielte, was vielleicht aber auch an mir liegen könnte.
Bei einem Kapitelnamen ist ein Fehler. Es müsste vier Monate und nicht Wochen heißen. Bei der Kapitelübersicht zu Beginn ist dies noch korrekt. Auch ein, zwei weitere kleine Fehler im Text (fehlendes "zu") sind mir aufgefallen, aber sicherlich wird dies bei der nächsten Auflage berichtigt.

Diese wahre Geschichte hat mich mit jedem weiteren Kapitel mehr in seinen Bann gezogen, wie auch die Faszination Daltons mit Hasen und der Natur sich immer mehr steigert und verfestigt. Man geht mit auf eine wunderbare Reise, die auch emotionale Aspekte beinhaltet. Zum Schluss wird deutlich, dass der Mensch wieder viel mehr Acht auf die Natur und deren Bewohner geben muss. Wir Menschen haben uns von von alldem abgekapselt und distanziert und haben uns dadurch von uns selbst entfernt. Dabei ist es möglich, dass Tiere und Menschen koexistieren, wenn man es nur will. Wir können so viel mehr über das Leben erfahren, wenn man im Einklang mit der Natur lebt.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für dieses zauberhafte Buch und ich bin mir sicher, dass alle viel daraus mitnehmen können. Auch nach dem Beenden der Geschichte lässt sie mich immer noch nicht los und ich möchte erfahren, wie es den Hasen dort weiterhin ergeht.

Veröffentlicht am 24.02.2025

Postapokalyptisches Rätselfeuerwerk

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Auf einer Insel im Mittelmeer leben die letzten Menschen nach einer Katastrophe, die sich vor neunzig Jahren ereignet hat. Damals erschien ein Nebel, der alle Lebewesen tötet, sobald er sie berührt. Durch ...

Auf einer Insel im Mittelmeer leben die letzten Menschen nach einer Katastrophe, die sich vor neunzig Jahren ereignet hat. Damals erschien ein Nebel, der alle Lebewesen tötet, sobald er sie berührt. Durch ein Abwehrsystem konnte verhindert werden, dass auch die Insel von diesem Nebel eingenommen wird. So lebt die Bevölkerung relativ glücklich in einem kleinen Dorf. Alle Menschen tun ihr bestes, um der Gemeinschaft zu dienen, während Abi, eine KI, sie mit mit ihrer Stimme im Kopf unterstützt, damit das Zusammenleben auch weiterhin funktioniert. Doch durch einen Mord wird das Abwehrsystem ausgeschaltet und nur durch die Aufklärung kann der tödliche Nebel gestoppt werden.

"Der letzte Mord am Ende der Welt" ist bereits das dritte Buch von Stuart Turton, doch jedes unterscheidet sich komplett von den anderen. Während das erste Buch "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" sicherlich von dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" inspiriert war, ist "Der Tod und das dunkle Meer" eine Gruselgeschichte aus der Vergangenheit. Bei diesem Buch hier geht es in eine nicht bestimmte Zukunft, in der die Menschheit so gut wie ausgestorben ist. Science-Fiction, Wissenschaftsethik und menschliche Abgründe spielen in dieser Dystopie eine Rolle.

Die Charaktere sind vielschichtig und ihre Gefühle und Meinungen nachvollziehbar. Besonders Frauen haben diesmal wichtige Rollen; bei Turtons ersten beiden Büchern standen nach meiner Erinnerung nach eher mehr Männer im Vordergrund.
Die Geschichte wird aus der Sicht der KI Abi erzählt. Oft habe ich dies vergessen, bis sie wieder aus der Ich-Perspektive berichtet hat. Durch diese Sicht erlebt man auch andere Blickwinkel von anderen Personen, da sich Abi in allen Köpfen befindet.

Eine Karte der Insel und des Dorfes ist im Buch abgedruckt, was sehr hilfreich ist, um sich zu orientieren. Ebenfalls ist zu Beginn eine kurze Auflistung der wichtigsten Charaktere und eine Beschreibung vorhanden, was ich noch am Anfang benutzt habe, im weiteren Verlauf der Handlung für mich aber nicht mehr gebraucht habe.

Egal, welches Genre er bedient, Turton schafft es, eine packende und komplexe Geschichte zu erzählen. Mit jedem weiteren Kapitel gibt es mehr Rätsel und als Lesende hat man viel zu grübeln. Doch zum Glück bekommt man sehr zufriedenstellende Antworten geliefert. Einige Andeutungen und Erwähnungen werden erst zum Schluss klar, sodass es sich sicherlich lohnt, die Geschichte mehrmals zu lesen, weil man immer wieder was neues entdeckt.
Auf jeden Fall werde ich die weiteren Bücher von Stuart Turton ebenfalls lesen, da sie alle sehr unterschiedlich sind und trotzdem zu unterhalten wissen. Der Rätselfaktor spielt bei ihm eine große Rolle, was mir sehr gut gefällt, weil man immer mitdenken kann, um vielleicht selber auf die Lösung zu kommen. Mir hat es sehr gefallen, diese Geschichte zu lesen und auch nach Beenden bin ich in Gedanken noch immer auf dieser Insel.

Veröffentlicht am 23.03.2024

Rätseln bis zum Schluss

Vanitas - Schwarz wie Erde
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"Vanitas-Schwarz wie Erde" ist der Auftakt einer neueren Thriller-Trilogie von Ursula Poznanski. Es wird die Geschichte von Carolin erzählt, einer Frau, die unter falschem Namen in Wien lebt. Nachdem sie ...

"Vanitas-Schwarz wie Erde" ist der Auftakt einer neueren Thriller-Trilogie von Ursula Poznanski. Es wird die Geschichte von Carolin erzählt, einer Frau, die unter falschem Namen in Wien lebt. Nachdem sie Zeugin von schrecklichen Verbrechen eines Clans geworden ist, in dem sie sich eingeschleust hat, wissen nur eine handvoll Leute, wer sie wirklich ist. Robert, ein Kommissar, schickt sie nach München. Dort soll sie sich mit Tamara, der Tochter einer Baufirma, anfreunden. Der Grund: in letzter geschahen merkwürdige Unfälle auf Baustellen der Konkurrenz.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive und in der Gegenwartsform von Carolin erzählt. Daduch kann der Leser sich sehr gut in sie hineinversetzen und ihre Aktionen und Handlungen besser verstehen. Auch wenn man nur selten etwas aus ihrer Vergangenheit erfährt, hat man das Gefühl, dass man sie sehr gut kennt. Es gibt zahlreiche andere interessante Charaktere, die alle etwas mehr oder weniger zu verheimlichen haben. Im Verlauf der Geschichte geschehen noch mehr seltsamer "Unfälle", die z.T. auch blutig oder brutal sind. Man hat jedoch nicht das Gefühl, dass diese nur zum Schocken des Lesers beschrieben werden, sondern damit die Authenzität vorhanden ist.

Besonders haben mir die Blumenbotschaften erhalten. Carolin muss diese enträtseln, um Nachrichten zu erfahren, die kein anderer wissen darf. Dadurch erfährt man die Bedeutungen von verschiedenen Blumenarten.

Zum Ende werden immer mehr Fragen aufgeworfen, die auch (fast) alle beantwortet werden. Dies ist mir bei einer Geschichte sehr wichtig. Die Auflösung an sich finde ich gut gelungen. Ich hatte nur vereinzelte, kleine Ideen, wie die Lösung zum Teil aussehen könnte, die jedoch nicht ganz der Wahrheit entsprachen. Am Ende wurde ich überrascht und bin sehr zufrieden nach dem Lesen. Jetzt warte ich (un)geduldig auf die Fortsetzung.