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Veröffentlicht am 03.11.2025

Lehrreich und emotional

Der brennende Garten
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In "Der brennende Garten" erzählt die Autorin V.V. Ganeshananthan die Geschichte der jungen Tamilin Sashi, die unbedingt Ärztin werden möchte. doch als Tamilin gehört sie in Sri Lanke einer Minderheit ...

In "Der brennende Garten" erzählt die Autorin V.V. Ganeshananthan die Geschichte der jungen Tamilin Sashi, die unbedingt Ärztin werden möchte. doch als Tamilin gehört sie in Sri Lanke einer Minderheit an, die nicht gerade gern gesehen wird und als die Tigers, eine tamilische Widerstandgruppe, versuchen, sich mehr Rechte zu erkämpfen, beginnt ein Bürgerkrieg, der bis heute spürbar ist. Die Leser:innen verfolgen Sashi und ihre Brüder auf ihrem Lebensweg durch das Studium und später auch als inoffizielle Ärztin im Untergrund für Zivilist:innen und Widerstandskämpfer:innen.
Eindrucksvoll und vor allem sehr einfühlsam berichtet die Autorin vom Leben und Leiden der Tamil:innen in Sri Lanka, ohne dabei eine der Parteien rein als Opfer und die andere als Täter darzustellen. Fast könnte man als Leser:in glauben, hier die Lebensgeschichte der Autorin zu lesen und oft vergisst man, dass die Protagonstin Sashi erfunden ist. Man fühlt mit ihr mit, möchte ihr beistehen und hofft, dass endlich alles gut wird für sie. Man merkt, dass sich V.V. Ganeshananthan sehr gut auf diesen Roman vorbereitet hat - er wirkt wie eine Own-Voice Erzählung.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Stille Reflexion mit lautem Echo

Heimat
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In Hannah Lühmanns Roman "Heimat" geht es um Jana, eine junge Mutter, die während ihrer Schwangerschaft mit ihrem Mann aufs Land zieht. Sie hat ihren Job gekündigt und findet schnell Anschluss bei den ...

In Hannah Lühmanns Roman "Heimat" geht es um Jana, eine junge Mutter, die während ihrer Schwangerschaft mit ihrem Mann aufs Land zieht. Sie hat ihren Job gekündigt und findet schnell Anschluss bei den anderen Müttern im Dorf, vor allem bei Karolin, fünffache Mutter, überzeugte Hausfrau und AfD-Wählerin.
Lühmann beschäftigt sich in ihrem Roman überzeugend den Themen Tradwives und dem Techtsruck in der Gesellschaft. Dabei wird sie nie reißerisch oder abwertend. Der Roman ist eher ruhig und scheint auf den ersten Blick unspektakulär, doch bald wird man sich als Leser:innen klar, so ruhig und schleichend die Veränderungen in Lühmanns Roman von sich gegangen sind, passieren sie auch in der Gesellschaft. Es gibt nicht einen großen Knall und plötzlich sind alle rechtsextrem, es beginnt mit den kleinen Ideen und Ansichten, die man nach genaueren Überlegungen doch nicht so falsch findet und irgendwann merkt man (vielleicht), dass man schon viel zu tief drin steckt.
Der Roman zeigt nicht mit dem Finger auf einzelne Personen, sondern regt zum Reflektieren an und zeigt dabei Mechanismen auf, wie es veraltete Frauenbilder in unsere Köpfe schaffen.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Interessante Politikbetrachtung

Das Geschenk
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In "Das Geschenk" von Gaea Schoeters (dank Hörbuch weiß ich jetzt, wie man sie ausspricht) schenkt Botswana Deutschland 20.000 Elefanten, als Reaktion auf das neue Elfenbein-Einfuhr-Gesetz. Die Regierung ...

In "Das Geschenk" von Gaea Schoeters (dank Hörbuch weiß ich jetzt, wie man sie ausspricht) schenkt Botswana Deutschland 20.000 Elefanten, als Reaktion auf das neue Elfenbein-Einfuhr-Gesetz. Die Regierung Botswanas will damit zeigen, wie es ist, wenn viele dieser großen Tiere wild herumlaufen und stellt deshalb Bedingungen, dass die Tiere nicht eingesperrt oder getötet werden dürfen.
Der Roman erforscht die Probleme mit den Elefanten aus der Sicht der Politik. Wie kann man mit den Tieren umgehen? Was brauchen sie zum Essen? Was macht man mit ihrem Kot? Wie kann man die eigene Bevölkerung immer noch im Blick behalten und von den Dickhäutern überzeugen? Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Botswana, denn hier wird auch genau aufgezeigt, welche Folgen das deutsche Gesetz hat, dass eigentlich doch Elefantenleben retten sollte.
Spannend und nicht zu langatmig erzählt "Das Geschenk" aus einer Perspektive, die nicht allzu oft eingenommen wird, aber so wichtig zu verstehen ist.

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Reiseführer für Literaturnerds

Schauplätze der Weltliteratur
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Das Sachbuch "Schauplätze der Weltliteratur" stellt den Leser:innen die wichtigsten Orte großer Romane vor. Dabei unterscheidet es nach der Erscheinungszeit der Geschichten und teilt sie in mehrere große ...

Das Sachbuch "Schauplätze der Weltliteratur" stellt den Leser:innen die wichtigsten Orte großer Romane vor. Dabei unterscheidet es nach der Erscheinungszeit der Geschichten und teilt sie in mehrere große Gruppen. Man merkt, dass der Fokus auf doch eher modernen Romanen liegt (18.-21.Jahrhundert), vielleicht auch, weil diese Orte eher noch in zumindest ähnlicher Form bestehen, als die Städte aus griechischen Tragödien.
Für jeden Ort, beziehungsweise jedes Buch, gibt es im Durchschnitt zwei Doppelseiten, die auch Bilder und die Basisinformationen beinhalten. Wie sehr sich die Texte auf die realen Orte beziehen oder bei der Handlung des Buches bleiben. Manchmal, wie zum Beispiel bei "Die Elenden" von Victor Hugo, geht der Autor darauf ein, wie sich das heutige Paris von Hugos Paris unterscheidet und wo der Autor bewusste Veränderungen gemacht hat. Bei anderen Romanen, wie zum Beispiel "Der große Gatsby", bleibt der Text näher an der Buchhandlung, analysiert mehr die Bedeutung von Ortswechsel im Roman und wird schon beinahe literaturwissenschaftlich.
Was auf jeden Fall gut wäre, bevor man in diesem Buch den Eintrag zu einem literarischen Werk liest, ist es, das Buch zu kennen, über das geschrieben wird. Vielleicht entdeckt man dadurch Orte, die man in seinem nächsten Urlaub besuchen möchte. Man kann es aber auch als Vorschläge sehen, wenn man Romane sucht, die an bestimmten Orten spielen. Wenn man eine literarische Weltreise absolvieren möchte, könnte dieses Sachbuch helfen, auch wenn man dann leider überwiegend Stopps in Europa macht.

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Veröffentlicht am 21.08.2024

Vielleicht der wichtigste "Bericht" vom Vietnamkrieg

Die Frauen jenseits des Flusses
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Kristin Hannah zeigt in ihrem Roman "The Women" eine neue Facette eines oft bearbeiteten Themas - dem Vietnamkrieg. Hannah fokussiert hierbei, wie auch bei ihren anderen Romanen, auf die Frauen, die im ...

Kristin Hannah zeigt in ihrem Roman "The Women" eine neue Facette eines oft bearbeiteten Themas - dem Vietnamkrieg. Hannah fokussiert hierbei, wie auch bei ihren anderen Romanen, auf die Frauen, die im Vietnam als Krankenschwestern gedient haben. Hier verwende ich bewusst den Ausdruck "gedient", denn genau das ist auch ein großes Thema im Roman.
Frankie McGrath erlebt Bombardierungen, hält sterbende Kinder im Arm und muss sogar kleine OPs selbst durchführen, weil die Ärzte einfach viel zu viel zu tun haben. Immer wieder muss sie entscheiden, welche eingelieferten Soldaten es wert sind, dass sie medizinisch versorgt werden und bei welchen es vermutlich sowieso umsonst ist. Doch als sie in die USA zurückkehrt, wird ihre Leistung nicht anerkannt. Zivilist:innen bezeichnen sie als Babymörderin, weil sie im Krieg war und der Staat macht ihr immer wieder deutlich klar, dass sie keine Veteranin ist - mehr als einmal hört sie den Satz "Es gab keine Frauen in Vietnam". Doch Frankie kämpft trotzdem mit den allzu realen Nachwirkungen ihrer Zeit in einem Kriegsgebiet.
Kristin Hannah schreibt eindrucksvoll und mitfühlend. Es zeigt sich, dass sie viel Zeit und Herz in ihre Recherche gesteckt hat und mit vielen Vietnam-Veteraninnen gesprochen hat. "The Women" ist ein Roman, der einem ganz viel beibringt, einen (hoffentlich) wütend macht und ganz viel Emotion (neben der Wut) weckt. Es ist ein besonderer Roman, den man lesen sollte, wenn man sich auch nur ein bisschen für dieses Thema interessiert. Es ist auf jeden Fall besser, als einen dieser heroisierenden Ami-Filme über den Vietnamkrieg zu schauen.

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