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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.11.2025

Gefangen im Eltern-Feed

Please unfollow
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Mit "Please unfollow" gelingt Basma Hallak ein kraftvoller, berührender Roman über Selbstfindung im Zeitalter der Dauerbeobachtung. Im Zentrum steht Sherry, siebzehn, aufgewachsen als Social-Media-Star ...

Mit "Please unfollow" gelingt Basma Hallak ein kraftvoller, berührender Roman über Selbstfindung im Zeitalter der Dauerbeobachtung. Im Zentrum steht Sherry, siebzehn, aufgewachsen als Social-Media-Star – gefilmt, geliked, kommentiert. Ihr Leben war Content, ihre Kindheit eine Reality-Show. Doch nach einem drastischen Vorfall muss sie in ein Resozialisierungscamp. Dort, ohne Kamera und WLAN, beginnt zum ersten Mal ihr echtes Leben und sie merkt, dass sie gar nicht weiß, wer sie ohne Publikum ist.

Hallak trifft mit ihrem Thema den Nerv unserer Zeit: die schmale Linie zwischen digitaler Selbstinszenierung und realer Identität. Die Autorin schafft es, Sherrys Konflikt so intensiv zu zeichnen, dass man sich fast mitschämt für die Welt, die ihr zugeschaut hat. Zwischen Campalltag, Therapie und Rückblenden in ihre Kindheit entfaltet sich eine Geschichte voller Wut, Verletzlichkeit und stiller Hoffnung.

Besonders stark sind die leisen Momente: Wenn Sherry die Stille nicht erträgt. Wenn sie merkt, dass niemand sie mehr sieht und das zugleich erschreckend und befreiend ist. Die Sprache ist direkt, emotional und trotzdem klar; kein Zeigefinger, kein Pathos, sondern ehrliches Erzählen.

Das Buch ist modern geschrieben, ohne anbiedernd jugendlich zu wirken. Man spürt die Recherche und das Gespür für Social-Media-Mechanismen, aber auch die Empathie für eine Generation, die mit Likes groß geworden ist.

"Please unfollow" ist kein reiner „Influencer-Roman“, sondern eine Geschichte über Kontrolle, Freiheit und das Ringen um Selbstbestimmung. Sie regt zum Nachdenken an, ohne belehrend zu sein und bleibt lange im Kopf. Ein ehrlicher, intensiver Coming-of-Age-Roman über das Aufwachsen im digitalen Scheinwerferlicht. Emotional, klug und erschreckend aktuell.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Erwachsenwerden als Herausforderung

Und morgen dann erwachsen
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Dieser Roman ist eine facettenreiche Betrachtung des Übergangs ins Erwachsenenalter, die sowohl die emotionale als auch die psychologische Seite dieses Prozesses einfängt. Der Autor führt die Leser in ...

Dieser Roman ist eine facettenreiche Betrachtung des Übergangs ins Erwachsenenalter, die sowohl die emotionale als auch die psychologische Seite dieses Prozesses einfängt. Der Autor führt die Leser in eine Welt, die von Selbstfindung, Unsicherheit und der Suche nach Identität geprägt ist – Themen, die besonders junge Erwachsene ansprechen dürften.

Die Geschichte folgt einem Protagonisten, der sich mit der Komplexität des Erwachsenwerdens auseinandersetzt, ohne dabei den typisch idealisierten Blick auf die Jugend zu bieten. Der Autor zeichnet ein realistisches Bild von den Herausforderungen, die mit der Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen, und dem Abschied von einer sorglosen Kindheit einhergehen.

Stilistisch überzeugt das Buch durch klare und prägnante Sprache, die nicht auf große Wortakrobatik setzt, sondern sich durch eine ehrliche Direktheit auszeichnet. Besonders bemerkenswert ist die Authentizität der Charaktere – sie wirken lebendig und nachvollziehbar. Lenssen nimmt sich Zeit, die innere Zerrissenheit des Protagonisten zu zeigen, ohne jedoch in Klischees zu verfallen.

Trotz der ernsten Themen schafft es der Autor, den Leser immer wieder mit kleinen humorvollen und hoffnungsvollen Momenten zu überraschen. Das Zusammenspiel von Ernst und Leichtigkeit sorgt dafür, dass das Buch niemals zu schwer wird, aber dennoch die Tiefe des Themas nicht verliert.

Das Buch vermittelt auf authentische Weise, dass der Weg ins Erwachsenenalter nicht immer gerade oder einfach ist, aber dass es in den unvorhergesehenen Wendungen auch eine gewisse Freiheit und Schönheit gibt. Besonders für Leser, die sich selbst in einem ähnlichen Lebensabschnitt befinden, könnte es ein sehr persönliches Leseerlebnis werden.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Ein bewegender Jugendroman über den Weg zurück ins Leben

Und mir bleibt der hässliche Hund
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Franziska Hörners „Und mir bleibt der hässliche Hund“ ist eine zarte und gleichzeitig kraftvolle Geschichte, die sich mit den tiefen Gefühlen von Verlust, Trauer und dem mutigen Schritt zurück ins Leben ...

Franziska Hörners „Und mir bleibt der hässliche Hund“ ist eine zarte und gleichzeitig kraftvolle Geschichte, die sich mit den tiefen Gefühlen von Verlust, Trauer und dem mutigen Schritt zurück ins Leben auseinandersetzt. Im Zentrum steht der 16-jährige Felix, dessen Welt nach dem Tod seiner Eltern und seiner kleinen Schwester völlig zerbricht. Die einzige Konstante in seinem Leben ist Bolt, der „hässliche Hund“, der nicht nur ein tierischer Begleiter ist, sondern auch ein Symbol für Felix' eigene Trauer.

Was dieser Coming-of-Age-Roman so besonders macht, ist seine Fähigkeit, schwere Themen mit einer Leichtigkeit zu erzählen, die geradezu ansteckend wirkt. Hörner lässt die Leserin oder den Leser nie allein mit der Schwere der Trauer, sondern flicht immer wieder Momente des Humors und der Hoffnung ein. Felix’ Begegnung mit Mo, einem Jungen mit einer geheimen Vergangenheit und einem sehr eigenen Humor, ist der erste Schritt auf dem Weg der Heilung. Mo und die lebensfrohe Marie bringen Farbe und Leben in Felix’ graue Welt und zeigen ihm, dass es immer noch Gründe gibt, sich dem Leben zu stellen, auch wenn es anfangs sehr schwer fällt.

In einer Dreierkonstellation, die mit den Höhen und Tiefen des Lebens kämpft, stellen sich die Jugendlichen ihren Ängsten und brechen aus den starren Strukturen ihrer Trauer aus. Gemeinsam bewältigen sie waghalsige Herausforderungen, die nicht nur ihre körperlichen Grenzen auf die Probe stellen, sondern auch ihre emotionalen. Es sind vor allem die kleinen, oft unscheinbaren Momente, die den Roman so berührend machen. Die oft unbemerkte Kraft, die Freundschaft und erste Liebe ausstrahlen, wird auf so sanfte Weise eingefangen, dass die Leser sich beinahe wie ein stiller Begleiter auf dem Weg von Felix fühlen.

„Und mir bleibt der hässliche Hund“ ist ein Buch über das Erwachsenwerden, über das Sich-Wieder-Finden in der Welt, wenn alles verloren scheint. Es ist eine leise, aber eindrucksvolle Hommage an die Bedeutung von Freundschaft und die heilende Kraft des Miteinanders. Die junge Autorin hat es geschafft, ein sensibles Thema mit einer Leichtigkeit und einem Humor zu erzählen, die den Leser durch die düsteren Momente trägt und immer wieder ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern.

Der Roman spricht nicht nur junge Leser:innen ab 13 Jahren an, sondern auch alle, die selbst schon einmal mit Verlust oder schwierigen Zeiten zu kämpfen hatten.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Wenn das Universum bricht – Über Trauer, Raum und Neubeginn

Da, wo ich dich sehen kann
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Dies ist kein Buch, das man einfach liest – es ist eines, das einen aufschneidet, ganz leise, und dann zeigt, was im Innersten übrig bleibt, wenn alles Bekannte auseinanderfällt.

Die Geschichte dreht ...

Dies ist kein Buch, das man einfach liest – es ist eines, das einen aufschneidet, ganz leise, und dann zeigt, was im Innersten übrig bleibt, wenn alles Bekannte auseinanderfällt.

Die Geschichte dreht sich um die neunjährige Maja, deren Leben in einem einzigen Moment zerbricht, als ihr Vater die Mutter tötet. Zurück bleibt ein Kind zwischen Schock, Verlust und der Frage, wo sie jetzt hingehört. Ihre Patentante Liv, Astrophysikerin mit Angst vor Nähe und Verantwortung, wird plötzlich zur Ersatzmutter und muss lernen, dass man auch ohne perfekte Antworten Halt geben kann.

Jasmin Schreiber erzählt diese Geschichte mit einer Sprache, die klar und gleichzeitig poetisch ist. Sie wechselt mühelos zwischen Majas kindlicher Wahrnehmung und Livs erwachsener Verdrängung und genau dazwischen entsteht dieser Sog, der einen nicht loslässt. Kein billiges Pathos, kein künstliches Drama. Stattdessen stille Szenen, die länger nachhallen als laute Worte.

Besonders beeindruckend ist, wie das Buch das Thema Gewalt behandelt: sensibel, ohne Voyeurismus, mit dem Blick auf das, was danach kommt: das Leben der Hinterbliebenen, die Leere, das Weiteratmen. Die Astrophysik dient dabei als starkes Symbol: Das Universum, so riesig und gleichgültig, wird zum Spiegel unserer eigenen Unbegreiflichkeit. Livs Arbeit mit Sternen ist gleichzeitig Flucht und Trost ... der Versuch, in der Ordnung des Kosmos einen Sinn zu finden, wo keiner mehr ist.

Trotz der Schwere ist da Hoffnung. Kleine Gesten, zaghafte Nähe, die Erkenntnis, dass Heilung nicht bedeutet, dass alles wieder gut wird sondern dass man weitergeht, auch mit Rissen. Das Buch tut weh, ja, aber auf diese ehrliche, reinigende Art, die einen am Ende irgendwie freier macht.

"Da, wo ich dich sehen kann" ist kein Wohlfühlroman, aber ein wichtiges, starkes Stück Literatur. Es verbindet Wissenschaft und Gefühl, Schmerz und Schönheit und schafft es, dass man am Ende wirklich glaubt: Man kann jemanden verlieren und trotzdem einen Ort finden, an dem man sich wieder sieht.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Roadtrip der Gefühle

Heldentage
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„Heldentage“ von Martin Schäuble ist ein packender Coming-of-Age-Roman, der den Leser auf einen emotionalen Roadtrip mitnimmt. Drei Jugendliche fliehen aus einer psychiatrischen Klinik und suchen nicht ...

„Heldentage“ von Martin Schäuble ist ein packender Coming-of-Age-Roman, der den Leser auf einen emotionalen Roadtrip mitnimmt. Drei Jugendliche fliehen aus einer psychiatrischen Klinik und suchen nicht nur nach Freiheit, sondern auch nach sich selbst. Diese Reise wird für sie zu einem Abenteuer, das sie auf eine Weise miteinander verbindet, die mehr zu sein scheint als nur eine Flucht vor der Realität.

Nilo, der mit seinen 15 Jahren oft zwischen der digitalen Welt und der realen Welt hin- und herschwankt, landet nach einem heftigen Streit mit seiner Mutter in der Psychiatrie. Hier trifft er auf Faris, der ebenfalls zwischen den Welten lebt, und Mayla, ein Mädchen voller Geheimnisse, das ihre eigenen inneren Kämpfe zu führen hat. Als Mayla plötzlich von der Klinik flieht, folgen Nilo und Faris ihr, was sie in ein Abenteuer stürzt, das sie an ihre Grenzen bringt, sowohl physisch als auch emotional.

Die Geschichte ist in einem lockeren, jugendlichen und doch tiefgründigen Ton gehalten und vermittelt ein authentisches Bild der Schwierigkeiten und Unsicherheiten, die mit dem Erwachsenwerden einhergehen. Der Roman behandelt auf eine einfühlsame Weise Themen wie Freundschaft, Vertrauen und die Frage, wie viel Vergangenheit man tatsächlich hinter sich lassen kann.

Was „Heldentage“ besonders macht, ist die Mischung aus Humor, Abenteuer und Ernsthaftigkeit. Die Jugendlichen sind auf der Suche nach Freiheit, doch sie finden viel mehr: echte Freundschaft, die Bereitschaft, sich zu öffnen, und die Erkenntnis, dass auch das Scheitern Teil des Prozesses ist.

Schäuble gelingt es, ernste Themen auf eine zugängliche Weise zu vermitteln, ohne den Leser zu überfordern. Die Geschichte ist authentisch und tiefgründig, ohne dabei schwer oder zu düster zu wirken. Sie bleibt immer im Einklang mit den Emotionen und Herausforderungen von Jugendlichen und schafft es, diese mit einem gewissen Leichtigkeit zu präsentieren.

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