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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.11.2025

Thematisch interessant, Umsetzung aber wenig überzeugend

Großmutters Geheimnis
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„Großmutters Geheimnis“ war mein erstes Buch des Autoren Benjamin Koppel und wird wahrscheinlich auch das letzte bleiben. Dabei ist der Roman inhaltlich doch eigentlich richtig interessant. Es gibt zwei ...

„Großmutters Geheimnis“ war mein erstes Buch des Autoren Benjamin Koppel und wird wahrscheinlich auch das letzte bleiben. Dabei ist der Roman inhaltlich doch eigentlich richtig interessant. Es gibt zwei Zeitstränge, Großmutter Ruth erzählt aus ihrer Vergangenheit und Enkel Alexander begleiten wir 2015/16. An sich erst mal ein klassischer Aufbau welchen viele historische Romane nutzen. Der Einstieg war für mich allerdings in beiden Erzählsträngen holprig. Die Lebensgeschichte von Ruth ist zwar durchgehend interessant, am Anfang ist die Erzählung aber noch sehr sprunghaft und etwas diffus. Nach und nach gewinnt sie dann aber an Kraft und geht auch mehr und mehr in die Tiefe. Besonders der Aufenthalt im Durchgangslager Theresienstadt wird sehr bewegend und authentisch geschildert.

Mit dem aktuelleren Strang wurde ich im Gegenzug dazu nie richtig warm. Einfach alle drei Hauptfiguren waren mir dermaßen unsympathisch, zudem konnte ich Alexanders Verhalten Streckenweise überhaupt nicht nachvollziehen. Manches erklärt sich zwar im Handlungsverlauf, aber längst nicht alles. Dominiert wird dieser Teil der Geschichte von einer sehr detailliert geschilderten Kinderwunschbehandlung. Eigentlich ein total emotionales Thema, welches mich aber aufgrund der Charaktere wirklich kalt ließ. Nachdem mich der Roman im Mittelteil endlich auf beiden Ebenen fesseln konnte, ging es dann leider rasch wieder abwärts. Ein gelungenes Ende kann an und für sich ein Buch durchaus retten finde ich. Hier ist nun genau das Gegenteil passiert und der Autor hat es in meinen Augen einfach nur vermasselt. Ich will jetzt nicht ins Detail gehen um nicht zu Spoilern. Nur so viel, das Ende wirkt unausgegoren und schnell herunter geschrieben. Diese Auflösung wird der eigentlich tiefgründigen Geschichte in keiner Weise gerecht und ist absolut unglaubwürdig. Und so lässt mich „Großmutters Geheimnis“ leider ziemlich enttäuscht zurück. Insgesamt kann ich nicht mehr als 3 Sterne vergeben, schade denn das Thema hätte eigentlich mehr hergegeben.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Unterhaltsame, etwas abstruse Geschichte

Engagier dich oder stirb!
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Ein Krimi ist „Engagier dich oder stirb!“ der Autorin Nicole Makarewicz nicht so richtig. Vielmehr ist es eine amüsante Mischung, aus Familiengeschichte und humorvollen Ausführungen einer Drillingsmama. ...

Ein Krimi ist „Engagier dich oder stirb!“ der Autorin Nicole Makarewicz nicht so richtig. Vielmehr ist es eine amüsante Mischung, aus Familiengeschichte und humorvollen Ausführungen einer Drillingsmama. Die Stärken des Romans liegen auch genau darin. Viele der Szenen werden Eltern bekannt vorkommen und sind gerade deshalb witzig. Dann gibt es auch noch einen Mordfall und ehrlich gesagt ist alles was damit zusammenhängt ziemlich abstrus und wenig glaubhaft. Außerdem stellt sich Finja bei ihren "Ermittlungen" teils so ungeschickt an, dass es mich richtig genervt hat. Auch die charakterlichen Darstellungen mancher Figuren waren mir zu platt und nur wenig authentisch. Auch wenn der Roman eigentlich feministisch angehaucht wirken soll, stimmen dafür zu viele Details nicht. Etwa wenn Begriffe wie hysterisch verwendet werden, oder auch wie über andere weibliche Figuren gesprochen wird. Und auch auf den handlungstechnischen Schwenk zum Liebesroman, hätte ich ehrlich gesagt verzichten können. Der Schreibstil ist an und für sich gut lesbar. Die einzelnen Kapitel erscheinen allerdings oft zusammenhangslos und aprubte Themenwechsel gehören zum vorherrschenden Ton. Unübersichtlich wird es dabei aber nicht. Insgesamt hat der Roman für mich sowohl Stärken, als auch Schwächen. Wer aber einen feministischen Krimi erwartet, könnte enttäuscht werden. Letztlich vergebe ich 3 Sterne, da sich das Buch für mich im goldenen Mittelfeld einfügt.

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Interessant, etwas merkwürdig, aber nicht ganz rund

Plant Lady
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Obwohl mir das grundsätzliche Setting von „Plant Lady“ durchaus gefiel konnte mich Autorin Minyoung Kang leider nicht ganz überzeugen. Mir persönlich war die Erzählweise insgesamt zu kühl, nüchtern und ...

Obwohl mir das grundsätzliche Setting von „Plant Lady“ durchaus gefiel konnte mich Autorin Minyoung Kang leider nicht ganz überzeugen. Mir persönlich war die Erzählweise insgesamt zu kühl, nüchtern und abgeklärt, was dazu führte, dass ich die absolut krassen Taten der Protagonistin Yu-hee nicht richtig nachvollziehen konnte. Oft fehlte mir das Gefühl, aber auch die sprunghaften Wechsel von einer hilfesuchenden Frau zur Nächsten waren mir zu abrupt. Gut gefiel mir hingegen die detailreich geschilderte Liebe zu Pflanzen und auch das anklingende Leben in Südkorea. Letztlich hätte die Geschichte richtig toll werden können, wenn mehr erzählt und damit erklärt worden wäre. Knapp 200 Seiten werden dem Ganzen thematisch vielleicht auch einfach nicht gerecht. Insgesamt bin ich also ziemlich zwiegespalten was meine Bewertung betrifft. Da für mein Empfinden aber zu viel fehlte (und dadurch nicht alles logisch war) vergebe ich letztlich neutrale 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Aufmachung weckt falsche Erwartungen

Hildegards Schatzkiste
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Cover und Klappentext des Büchleins „Hildegards Schatzkiste Kräuterwissen, Rezepte und Heilsames für die Seele“ ließen mich eigentlich auf einen anderen Fokus hoffen. Kräuterwissen und Rezepte nehmen insgesamt ...

Cover und Klappentext des Büchleins „Hildegards Schatzkiste Kräuterwissen, Rezepte und Heilsames für die Seele“ ließen mich eigentlich auf einen anderen Fokus hoffen. Kräuterwissen und Rezepte nehmen insgesamt nur einen kleinen Raum im Buch ein und ob die abgedruckten Zitate als heilsam empfunden werden ist sicherlich Geschmackssache. Wie ihr merkt bin ich etwas enttäuscht, hauptsächlich weil ich mit einer ganz anderen Erwartung gestartet bin. Im Buch selbst erfährt man zunächst einmal ausführlich von Hildegards Leben und Wirken, was ich noch durchaus interessant fand. Als Ordensfrau und spätere Äbtissin steht der Glaube dabei natürlich stark im Mittelpunkt. Als Person bewundere ich Hildegard von Bingen auf jeden Fall. Dennoch muss man viele ihrer Aussagen in der damaligen Zeit verorten. Gerade deshalb finde ich es fragwürdig dieses Buch mit Sprüchen wie "Ein wunderbarer Wissensschatz, auch für die Menschen von Heute" zu bewerben. Auch wenn einiges für die damalige Zeit erstaunlich weitsichtig ist, schüttelt man bei vielem anderen einfach nur mit dem Kopf. Wer auf der Suche nach Rezepten und Kräuterwissen ist, findet sicherlich nützlichere Bücher. Als Einblick in das Leben einer bewundernswerten Frau leistet das Buch aber einen guten Dienst.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Der Sog der Neuen Rechten

Heimat
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„Heimat“ von Hannah Lühmann lässt mich am Ende etwas enttäuscht zurück. Dabei hat der Roman inhaltlich durchaus starke Momente. Denn das stetige Abgleiten in rechte Denkmuster und die Faszination für das ...

„Heimat“ von Hannah Lühmann lässt mich am Ende etwas enttäuscht zurück. Dabei hat der Roman inhaltlich durchaus starke Momente. Denn das stetige Abgleiten in rechte Denkmuster und die Faszination für das traditionelle Familienbild der Trade Wifes hat mir gut gefallen. Allerdings hätte ich zumindest am Anfang mal etwas kritisches Hinterfragen und ein klares Statement von Protagonistin Jana erwartet. Obwohl diese intellektuell vieles durchschauen müsste, ergibt sie sich fast schon Willenlos ihren neuen Freundinnen. Trotz der geringen Seitenzahl eröffnet die Autorin zudem viele Nebenschauplätze, hier eine Trennung, dort angedeutete häusliche Gewalt. Insgesamt hätte etwas mehr Fokus der Geschichte glaube ich gut getan. Mit dem Ende konnte ich dann wiederum wirklich gar nichts anfangen, es ist mir viel zu offen und auch ziemlich merkwürdig. Eine Stärke des Buchs ist für mich aber die aufgezeigte Vielschichtigkeit bzw. wie sich im Alltag rechte Ideologien mit Verschwörungserzählungen mischen. Diese begegnen uns Leser:innen im Buch leider unreflektiert, es gibt nicht eine Figur welche sich diesen wirklich aktiv und kritisch entgegen stellt. Wer als Lesender selbst mit der Szene interagiert wird fürchte ich nicht unbedingt abgeschreckt, auch wenn ich persönlich vieles richtig gruselig fand. Aber auch der starke Zusammenhalt und die gegenseitige Hilfe werden eben stark herausgestellt. Der Schreibstil liest sich einnehmend und trägt rasch durch die Geschichte. Alles in allem hat „Heimat“ interessante Ansätze, so ganz geht das Konzept für mich aber nicht auf. Ich schwanke zwischen 3 und 4 Sternen, bleibe aufgrund meiner genannten Kritikpunkte aber letztlich bei 3 Sternen.

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