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Veröffentlicht am 04.11.2025

EvilGrandma65 wehrt sich

Evil Grandma
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Ich habe das Hörbuch gehört: Die norwegische Schriftstellerin Line Baugstø hat mich mit diesem Hörbuch bestens unterhalten. Ihr Roman wird von der Schauspielerin und Sprecherin Silke Buchholz perfekt und ...

Ich habe das Hörbuch gehört: Die norwegische Schriftstellerin Line Baugstø hat mich mit diesem Hörbuch bestens unterhalten. Ihr Roman wird von der Schauspielerin und Sprecherin Silke Buchholz perfekt und humorvoll vorgelesen. Mona, 65, noch berufstätig, die von der Nachricht, dass sie Oma wird, nicht gerade entzückt ist, hat schwer mit den Tücken des Alltags zu kämpfen. Die zwischenzeitliche Beherbergung ihres Sohnes und dessen schwangerer Freundin birgt mehr Konfliktpotenzial, als es gut ist für Mona. Deren kleine Dreizimmerwohnung und ihre Ansprüche an einen normalen Alltag erweisen sich als zu klein. Als sie sich dann auch noch einen Verehrer einfängt, hat sie erst richtig Probleme. Aber sie weiß sich zu behaupten und auf Instagram unter dem Pseudonym EvilGrandma65 wehrt sich sich boshaft und erfolgreich zugleich. Dass Mona nicht auf Enkelkinder steht, auch nicht auf fremde, sei ihr verziehen. Ihre Freundin Annemor hat sozusagen gegenteilige Probleme, sie möchte gerne Enkelkinder, aber wohl keine Chance bei ihrer weltrettenden Tochter. So geht es hin und her in der Geschichte und es wird nicht langweilig. Keine Hochliteratur, aber kurzweilige Unterhaltung. Nicht nur für Ü65.

Fazit: 6 Stunden und 45 Minuten vergehen wie im Fluge, man wünscht Mona alles Gute für die Zukunft. Vielleicht kommt da noch ein zweiter Teil???

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Lügen können auch gut sein

Lebensbande
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Mechtild Borrmanns neuer Roman hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Diese Autorin beschäftigt sich seit vielen Jahren in ihren Romanen (Trümmerkind, Feldpost usw.) mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs ...

Mechtild Borrmanns neuer Roman hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Diese Autorin beschäftigt sich seit vielen Jahren in ihren Romanen (Trümmerkind, Feldpost usw.) mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs und mit den Nachkriegsjahren. Sie hat ein hohes Einfühlungsvermögen in die Menschen, über die sie schreibt, denen zum Teil real existierende Personen oder Ereignisse zu Grunde liegen. Ihre Recherchen sind niemals nur einseitig auf etwas gerichtet, sondern untersuchen immer alle Ebenen. So auch hier, in Lebensbande erfährt der Leser nach und nach ein ganzes Geflecht aus Familiengeschichten, Tragödien und Hoffnungen.
Worum geht es? Zeit: Anfang 1991. Ort: Kühlungsborn an der Ostsee. Eine ältere Frau und Witwe erhält Post von der Rentenversicherung. Sie möge ihre Konten vor 1953 klären. Diese Aufforderung bringt ihr bescheidenes und zurückgezogenes Leben ins Wanken. Erinnerungen überfallen sie wie dunkele Schatten. Nein, die Konten klären will sie nicht, dann müsste sie ihr Leben vor 1953 offenlegen, auch das will sie nicht. Aber sie beginnt nachzudenken, besonders, als ein Neffe aus Nürnberg sie übers Rote Kreuz ausfindig macht und Fragen stellen könnte. So beginnt sie in einem Schulheft ihre Erinnerungen niederzuschreiben. Erinnerungen an ihre Cousine und Freundin Lene, an deren Sohn Leo, an ihre treue Freundin Lotte, an einen vermeintlichen Mord, an den Krieg und die Jahre danach. Zwischendurch gehen ihre Gedanken hin und her, sie arbeitet im Garten, kümmert sich um den zugelaufenen Hund, trifft sich mit ihrer Freundin, aber sie ist unruhig und will sich von der Last der Vergangenheit befreien.
Ich habe dieses Buch mit Herzklopfen und Tränen in den Augen gelesen, was Menschen aushalten können, ist geradezu unfassbar. Aber es ist wahr. Ich möchte hier nichts über die Erinnerungen der alten Frau preisgeben, aber ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich für die Kriegs- und Nachkriegszeit interessiert und einen beeindruckenden Roman über drei Frauenschicksale, die exemplarisch für Tausende stehen, lesen möchte.

Fazit: Mich hat dieser Roman sehr beeindruckt, auch wenn das Cover etwas romantisch daherkommt, verbirgt sich dahinter eine unglaubliche Geschichte. 5 Sterne von ganzem Herzen.

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Veröffentlicht am 24.10.2025

Sanary-sur-mer, noch nicht Pacific Palisades

Wenn die Sonne untergeht
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Das Thomas-Mann-Jubiläumsjahr neigt sich langsam dem Ende zu, das neue Buch von Florian Illies habe ich lang erwartet. Nach so viel Thomas Mann und Anhang in einem Jahr werden die Details rarer, die ich ...

Das Thomas-Mann-Jubiläumsjahr neigt sich langsam dem Ende zu, das neue Buch von Florian Illies habe ich lang erwartet. Nach so viel Thomas Mann und Anhang in einem Jahr werden die Details rarer, die ich noch nicht kenne. Umso mehr freute es mich, dass vom sonst oft vernachlässigten Golo Mann gleich wahre Heldentaten berichtet wurden. Ich habe fast zeitgleich auch das Hörbuch genossen. Aber selbst lesen ist auch sehr schön!

Während des Lesens dieses Buches holte ich einige andere Veröffentlichungen zum Thema Mann, die ich in diesem Jahr auf meiner Leseliste hatte, noch einmal hervor. Sie passten ganz hervorragend zu Illies „Sanary-sur-mere“-Erzählungen. Da war Kerstin Holzer mit dem Buch „Thomas Mann macht Ferien“, das das absolute Gegenteil von erzwungenen Exilferien beschreibt. Oder Volker Weidermann, der sich das Thema „Mann vom Meer“ auserkoren hat. Auch bei ihm taucht einmal Sanary auf, und der schöne Klaus findet Erwähnung. Wer etwas Fiktionales mit Thomas Mann in der Hauptrolle sucht, dem seien die Krimis von Tilo Eckardt nahegelegt. Aber nicht nur der Vater findet sich in der aktuellen Literatur wieder, auch Erika, seine Tochter, macht wieder Furore. Zum Beispiel im Roman „Ins Dunkel“ von Angela Steidele.
Florian Illies, auf dessen Bücher ich seit „1913“ schon immer sehr gespannt bin, enttäuscht auch diesmal seine Anhängerschaft nicht. Die Kritiker werden ihm wieder vorwerfen, dass er seine Bücher immer nach dem gleichen Muster schneidert, aber mir gefällt sein Stil, seine Ironie, seine Suche nach pikanten Details ebenso wie seine Art, die von ihm beschriebenen Personen niemals zu beleidigen, auch wenn er sie doch recht oft bloßstellt. Bei Illies bekommt fast jeder sein Fett weg, mal mehr mal weniger. Und das nicht nur in der Familie, auch die anderen in Sanary-sur-mer den Sommer 1933 verbringenden Gäste sind höchst amüsant beschrieben. Drogensüchtige kennt man ja bereits, Klaus und Erika Mann, das Beinahe-Zwillingspaar, haben einen gewaltigen Hang zu jeder Art von Rauschmitteln, aber die befreundeten Damen übertreffen die beiden um Längen. Der Schriftsteller Aldous Huxley, er ist in der Sommerfrische, nicht im Exil, neigt zu Alkohol und Damen. Eine wird von seiner schönen Terrasse durch ein vom Himmel fallendes Tier vertrieben, wie unangenehm. Auch Lion Feuchtwanger, der mit Ehefrau Marta hier sein Exil beginnt, tönt noch sehr selbstverliebt vor sich hin, lässt möglichst keine Dame aus und schreibt wie verrückt an seinen „Geschwister Oppermann“. Mit der Mann’schen Familie und deren Freunden und Bekannten ist das „Personal“ im Buch also weit gefächert.
Doch es gibt nicht nur Amouröses zu berichten, denn nach der Machtübernahme und dem Reichstagsbrand ist es für die Manns wirklich brandgefährlich geworden in Deutschland. Man wagt nicht zu fragen, was wäre passiert, wären Thomas und Katia Mann nicht gerade auf einer Vortragstournee unterwegs gewesen. Es lässt sich nur schwer erkennen, ob sie jemals Erika und Klaus dankbar waren für die Sturheit, ihnen die Rückkehr nach Deutschland tatsächlich auszureden. Dass sich das sogenannte Dritte Reich an den Manns, den Pringsheims (Katias Eltern) und Tausenden anderen bereichert hat, wie es das vorher noch nie gab, das steht auf einem anderen Blatt. Mit einer gehörigen Portion Chuzpe gelingt es aber tatsächlich, viele Manuskripte, Bücher, Möbel und anderes aus Deutschland herauszubekommen. Auch hier ist das mit dem Dank, der besonders Golo für seine Husarenstücke gebührt, auch so eine Sache. Thomas Mann ist und bleibt ein norddeutscher Stiesel, davon können seine Kinder ein Lied singen. Katia Mann hat ihn trotzdem überlebt.
Die sechs Kinder der Eheleute Mann haben ihren Herrn Papale aber doch gern, sie äffen ihn nicht nach, sie lachen ihn nicht aus, sie nennen ihn der Zauberer. Dass er sich im Jahr 1933 aber zugleich als ein Zauderer erweist, das liegt besonders Klaus und Erika schwer auf der Seele. Zur offenen, öffentlichen Konfrontation Thomas Manns mit dem Dritten Reich wird es erst viel später kommen, wenn er bereits in den USA sein Exil genommen hat. Ab Herbst 1940 wendet er sich über die BBC an die deutschen Hörer und versucht auf seine Art Einfluss auf die geistige Haltung in Deutschland zu nehmen. Ob er Erfolg hatte, ist fraglich.
Als eine Art Nachwort erhält man Einsicht in die Schicksale der wichtigsten Protagonisten dieses Buches, sie sind nicht immer fröhlich und glücklich verlaufen. Vielleicht ist es die Lieblingstochter Medi, Elisabeth Mann, die das meiste Glück davongetragen hat. Das Glückskind der Familie verstarb erst nach den Dreharbeiten zum Film „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ von Heinrich Breloer.

Fazit: Diesen Sommer 1933 in Sanary-sur-mer werde ich so schnell nicht vergessen. Florian Illies' Schreibstil und Detailreichtum machen Freude und lassen kaum eine Pause zu.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Exil ist kein schöner Urlaub

Wenn die Sonne untergeht
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Das Thomas-Mann-Jubiläumsjahr neigt sich langsam dem Ende zu, das neue Buch von Florian Illies habe ich lang erwartet. Und habe mich für das Hörbuch entschieden, auch weil es wieder von Stephan Schad gelesen ...

Das Thomas-Mann-Jubiläumsjahr neigt sich langsam dem Ende zu, das neue Buch von Florian Illies habe ich lang erwartet. Und habe mich für das Hörbuch entschieden, auch weil es wieder von Stephan Schad gelesen wird, dem die Texte, ja der Schreibstil direkt auf den Körper geschneidert scheinen. Wenn es im Buch jemals etwas langweilig zu werden droht, so macht Schad daraus einen veritablen Ohrenschmaus. Denn nach so viel Thomas Mann und Anhang in einem Jahr werden die Details rarer, die ich noch nicht kenne. Umso mehr freute es mich, dass vom sonst oft vernachlässigten Golo Mann gleich wahre Heldentaten berichtet wurden.
Während des Hörens dieses Buches holte ich einige andere Veröffentlichungen zum Thema Mann, die ich in diesem Jahr auf meiner Leseliste hatte, noch einmal hervor. Sie passten ganz hervorragend zu Illies „Sanary-sur-mere“-Erzählungen. Da war Kerstin Holzer mit dem Buch „Thomas Mann macht Ferien“, das das absolute Gegenteil von erzwungenen Exilferien beschreibt. Oder Volker Weidermann, der sich das Thema „Mann vom Meer“ auserkoren hat. Auch bei ihm taucht einmal Sanary auf, und der schöne Klaus findet Erwähnung. Wer etwas Fiktionales mit Thomas Mann in der Hauptrolle sucht, dem seien die Krimis von Tilo Eckardt nahegelegt. Aber nicht nur der Vater findet sich in der aktuellen Literatur wieder, auch Erika, seine Tochter, macht wieder Furore. Zum Beispiel im Roman „Ins Dunkel“ von Angela Steidele.
Florian Illies, auf dessen Bücher ich seit „1913“ schon immer sehr gespannt bin, enttäuscht auch diesmal seine Anhängerschaft nicht. Die Kritiker werden ihm wieder vorwerfen, dass er seine Bücher immer nach dem gleichen Muster schneidert, aber mir gefällt sein Stil, seine Ironie, seine Suche nach pikanten Details ebenso wie seine Art, die von ihm beschriebenen Personen niemals zu beleidigen, auch wenn er sie doch recht oft bloßstellt. Bei Illies bekommt fast jeder sein Fett weg, mal mehr mal weniger. Und das nicht nur in der Familie, auch die anderen in Sanary-sur-mer den Sommer 1933 verbringenden Gäste sind höchst amüsant beschrieben. Drogensüchtige kennt man ja bereits, Klaus und Erika Mann, das Beinahe-Zwillingspaar, haben einen gewaltigen Hang zu jeder Art von Rauschmitteln, aber die befreundeten Damen übertreffen die beiden um Längen. Der Schriftsteller Aldous Huxley, er ist in der Sommerfrische, nicht im Exil, neigt zu Alkohol und Damen. Eine wird von seiner schönen Terrasse durch ein vom Himmel fallendes Tier vertrieben, wie unangenehm. Auch Lion Feuchtwanger, der mit Ehefrau Marta hier sein Exil beginnt, tönt noch sehr selbstverliebt vor sich hin, lässt möglichst keine Dame aus und schreibt wie verrückt an seinen „Geschwister Oppermann“. Mit der Mann’schen Familie und deren Freunden und Bekannten ist das „Personal“ im Buch also weit gefächert.
Doch es gibt nicht nur Amouröses zu berichten, denn nach der Machtübernahme und dem Reichstagsbrand ist es für die Manns wirklich brandgefährlich geworden in Deutschland. Man wagt nicht zu fragen, was wäre passiert, wären Thomas und Katia Mann nicht gerade auf einer Vortragstournee unterwegs gewesen. Es lässt sich nur schwer erkennen, ob sie jemals Erika und Klaus dankbar waren für die Sturheit, ihnen die Rückkehr nach Deutschland tatsächlich auszureden. Dass sich das sogenannte Dritte Reich an den Manns, den Pringsheims (Katias Eltern) und Tausenden anderen bereichert hat, wie es das vorher noch nie gab, das steht auf einem anderen Blatt. Mit einer gehörigen Portion Chuzpe gelingt es aber tatsächlich, viele Manuskripte, Bücher, Möbel und anderes aus Deutschland herauszubekommen. Auch hier ist das mit dem Dank, der besonders Golo für seine Husarenstücke gebührt, auch so eine Sache. Thomas Mann ist und bleibt ein norddeutscher Stiesel, davon können seine Kinder ein Lied singen. Katia Mann hat ihn trotzdem überlebt.
Die sechs Kinder der Eheleute Mann haben ihren Herrn Papale aber doch gern, sie äffen ihn nicht nach, sie lachen ihn nicht aus, sie nennen ihn der Zauberer. Dass er sich im Jahr 1933 aber zugleich als ein Zauderer erweist, das liegt besonders Klaus und Erika schwer auf der Seele. Zur offenen, öffentlichen Konfrontation Thomas Manns mit dem Dritten Reich wird es erst viel später kommen, wenn er bereits in den USA sein Exil genommen hat. Ab Herbst 1940 wendet er sich über die BBC an die deutschen Hörer und versucht auf seine Art Einfluss auf die geistige Haltung in Deutschland zu nehmen. Ob er Erfolg hatte, ist fraglich.
Als eine Art Nachwort erhält man Einsicht in die Schicksale der wichtigsten Protagonisten dieses Buches, sie sind nicht immer fröhlich und glücklich verlaufen. Vielleicht ist es die Lieblingstochter Medi, Elisabeth Mann, die das meiste Glück davongetragen hat. Das Glückskind der Familie verstarb erst nach den Dreharbeiten zum Film „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ von Heinrich Breloer.

Fazit: Diesen Sommer 1933 in Sanary-sur-mer werde ich so schnell nicht vergessen. Florian Illies Schreibstil und Detailreichtum machen Freude und lassen kaum eine Pause zu. Stephan Schad brilliert wieder sehr. Da war das Buch nach 10 Stunden dann leider zu schnell zu Ende.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Gedanken, die nicht müde machen, sondern wach und aufmerksam

Gute Nacht, Gehirn
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Mir hat Volker Buschs Ausflug in die Gehirnwindungen sehr gefallen. Er hat sein Buch so gegliedert, dass man sich als Leser wunderbar aussuchen konnte, welches Areal man genauer betrachten möchte. Besonders ...

Mir hat Volker Buschs Ausflug in die Gehirnwindungen sehr gefallen. Er hat sein Buch so gegliedert, dass man sich als Leser wunderbar aussuchen konnte, welches Areal man genauer betrachten möchte. Besonders die Kapitel Fantasie und Intuition waren geeignet, meine Gedanken zu fokussieren und die Bedeutung der eigenen gedanklichen Ausrichtung zu bewerten. Ob gut oder schlecht, gelungen oder "entgleist", das ist nicht so einfach zu beantworten, denn jeder Mensch tickt ein bisschen anders.
Das Motto für das Kapitel zur Stille möchte ich hier teilweise zitieren "Warum alles klarer wird, wenn wir zur Ruhe kommen. Warum wir wachsen, wenn alles mal stillsteht. Wie wir Ruhe schaffen und genießen in einer Welt, die immer lauter wird. ..." Es erinnerte mich unwillkürlich an den Stillstand der Welt zu Beginn der Coronapandemie. Es war eine so laut spürbare Stille ausgebrochen, dass ich das Gefühl völliger Abgetrenntheit von der Welt immer noch spüre. Es dauert lange, bevor ich damals die Vorteile erkannte, so ungewohnt war dieses Gefühl. Busch analysiert gerade in diesem Kapitel sehr anschaulich, was die äußeren Einflüsse, in diesem Fall die Geräusche aller Art in unserem Gehirn bewirken oder auch anrichten. Wie gut kann ich dieses "Abstand" halten nachvollziehen, und Busch beschreibt seine Erkenntnisse auch sehr poetisch, so dass ich manchmal beim Lesen gar nicht das Gefühl hatte, ein Sachbuch zu lesen. "Vielmehr ist es der Abstand, der uns die heilsamste Form der Stille schenkt."
Bei Prof. Dr. Busch findet man Denkansätze zu allen inneren und äußeren Einflüssen und Turbulenzen, denen man tagtäglich ausgesetzt ist. Der eine verkraftet es leichter, ein anderer wird schon bei weniger starken Lebensstürmen beinahe hinweggeweht. So schaut Busch mit Kennerblick auf Gewohnheiten und Selbstliebe, auf Akzeptanz und Verzeihen und auf den Sinn, den alles macht. Eine wahrhaft erhellende Reise durchs menschliche Gehirn, die immer am Abend endet, um neue Kraft zu tanken, fürs Denken und Fühlen wie für Wut und kleine Gemeinheiten, die man einstecken muss oder verteilen.
Fazit: Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen und werde es auch immer wieder zur Hand nehmen, wenn ich einen roten Faden vermisse in meinen Gedanken. Denn im letzten Kapitel gilt seine Betrachtung der Zuversicht, davon kann man gar nicht genug bekommen.

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