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Veröffentlicht am 18.12.2025

Richard Russo beschreibt diesen Mikrokosmos genüsslich in vielen Details

Diese gottverdammten Träume
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Der Roman von Richard Russo beschreibt das Leben in einer Kleinstadt im Osten der USA, im Bundesstaat Maine. Es ist ein Mikrokosmos, der mit vielen Figuren angefüttert ist, wie sie in einer solch kleinen ...

Der Roman von Richard Russo beschreibt das Leben in einer Kleinstadt im Osten der USA, im Bundesstaat Maine. Es ist ein Mikrokosmos, der mit vielen Figuren angefüttert ist, wie sie in einer solch kleinen Stadt vorkommen.

In einer solch kleinen Stadt ist meist auch ein Pub der Dreh- und Angelpunkt zum Leben in diesem Ort. Hier gibt es Neuigkeiten, hier erfährt man, was los ist. Empire Falls ist solch eine kleine Stadt. Sie wurde im wesentlichen von einer Familie aufgebaut. Und die beinahe letzte Person, Mrs Whiting, besitzt immer noch die meisten Immobilien, sorgt für die meisten Arbeitsplätze, sponsert das gesellschaftliche Leben.

Ihr gehört auch der Empire Grill an der Empire Avenue. Zwar ist dies kein Pub, aber dieses Grillrestaurant ist das kulturelle Zentrum in der Stadt. Als Geschäftsführer ist Miles Roby hier tätig, der durchaus noch weiteres vorhat, denn er strebt eine Lizenz zum Alkoholausschank an. Miles Mutter hat jahrelang in der Textilfabrik der Whitings geschuftet. Als das nicht mehr ging, wurde sie die Haushälterin von Mrs Whiting. Diesem Zusammenspiel hat Miles wohl auch seinen Job zu verdanken. Gerne erinnert ihn sein Mitarbeiter auch daran, dass Mrs Whiting eine geborene Robydeaux ist und von irgendwoher muss ja auch der Nachname Roby kommen. Will heißen, Miles wäre bestimmt mit Mrs Whiting verwandt. Doch der will davon nichts wissen.

Im Empire Grill treffen die unterschiedlichsten Figuren aufeinander. Neben dem Geschäftsführer sind es die Angestellten, der Sheriff und die Cops, die Angehörigen dieser Leute, Ehefrauen, Töchter, Söhne, Verwandte und Freunde.

Richard Russo beschreibt in »Diese gottverdammten Träume« diesen Mikrokosmos genüsslich in so vielen Details und auf so angenehme Weise, dass man das Gefühl hat, mittendrin zu sein und den Großteil dieser Menschen zu kennen. Zumindest kennt jeder Leser in seinem Bekanntenkreis Leute, die ganz ähnlich ticken wie die Figuren in diesem Roman und ähnliche Eigenschaften aufweisen. Für mich immer wieder verblüffend, dass die nationale Herkunft dabei keine Rolle spielt. Überall auf der Welt verhalten sich Menschen in gleicher Weise.

Nacheinander, Schritt für Schritt, werden die wichtigen Leute beschrieben, die den Ort aufgebaut haben und jetzt immer noch das Sagen haben bzw. deren verbliebenen Erben.

Das geschieht teils in Rückblenden oder aus den Gedanken einzelner Figuren heraus. So schildert Russo die Lebensgeschichten anderer Figuren einfühlsam, nicht ohne Humor und durchaus unterhaltsam. Gleichzeitig lernt man die ursprüngliche Figur, in der die Gedanken über eine andere Figur herumschwirren, nur noch umso besser kennen.

Die Frage nach dem „Was kommt am Ende bei diesem Roman heraus?“ ergibt sich vordergründig in »Diese gottverdammten Träume« nicht. Jedoch beim Lesen und Kennenlernen der kleinen Stadt, die einst offenbar größer war und in der sich Tragödien abgespielt haben müssen erfährt man viel über die Menschen. Was wird aus ihnen? Was wird aus der Stadt, wenn die Fabriken woanders hingezogen sind? Wer ist für so manchen Unfall verantwortlich?

Es sind viele kleine einzelne Geschichten und Schicksale, die der Autor hier in einem großen Roman zusammengerührt hat. Und so mancher Einwohner von Empire Falls hat noch große Wünsche für sein Leben. Doch es sind vielleicht alles nur gottverdammte Träume.

Mit »Diese gottverdammten Träume« können sich Leser in die Welt einer amerikanischen Kleinstadt hineinversetzen und feststellen, dass die Menschen dort genau solche Gedanken und Probleme wie in Deutschland oder jeden anderen Flecken der Erde habe. Deshalb kann ich diesen Roman nur empfehlen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 12.11.2025

Mittelalter in der Gegenwart

Eifel-Ritter
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Mit »Eifel-Ritter« stellt Monika Tworuschka den zweiten regional angehauchten Kriminalroman vor. Erneut werden die Leser mit der Landschaft und Gepflogenheiten in der Eifel bekanntgemacht. Zusätzlich hat ...

Mit »Eifel-Ritter« stellt Monika Tworuschka den zweiten regional angehauchten Kriminalroman vor. Erneut werden die Leser mit der Landschaft und Gepflogenheiten in der Eifel bekanntgemacht. Zusätzlich hat sie ein Thema gewäht, weches durchaus für viele interessant sein dürfte. Die kriminelle Handlung spielt in der Szene der Mittelaltermärkte, der Mittelalterlager und des LARP – Live Acting Role Play.

In den Anfangskapiteln entfaltet sich eine packende Spannung, die den Leser sofort fesselt und seine Fantasieanregt. Hauptkommissar Johannes Nöthen steht an einem entscheidenden Punkt, während er das Haus einer verdächtigen Person überwacht. In seinem Inneren tobt ein Konflikt zwischen Loyalität und Pflicht, der ihn beinahe zerreißt, denn er hat entscheidende Informationen zurückgehalten. Diese vorgezogene Szene weckt Neugier, da die Leser nicht wissen, warum Nöthen handelt, wie er es tut, und sie unweigerlich wissen wollen, welche Geheimnisse sich hinter seiner Entscheidung verbergen.

Bereits im zweiten Kapitel scheint er ins Mittelalter versetzt zu werden, wo die drückende Atmosphäre von Intrigen und Geheimnissen herrscht. Ein geheimnisvoller Plan nimmt Gestalt an, und offenbar ein Täter benötigt eine passende Verkleidung, um unerkannt zu bleiben – ein Kettenhemd erscheint ihm als ideale Wahl. Während sich das Getümmel der Menschen um ihn herum entfaltet, bleiben die Leser ebenso ratlos und fragen sich, welche dunklen Absichten hinter diesem geheimnisvollen Vorhaben stecken.

In einem faszinierenden Wechselspiel der Erzählstränge entfaltet sich die Geschichte einer alten Chronik, die von der Hündin des Hauptkommissars bei einem Spaziergang mit dessen Tochter entdeckt wird, nur um kurz darauf gestohlen zu werden. Dann findet während eines prächtigen Burgfestes ein grausamer Mord statt, der Nöthen und seine Oberkommissarin auf eine herausfordernde Spurensuche schickt.

Während sich verschiedene interessierte Leute auf die Suche nach der verschwundenen Chronik machen und versuchen, ihre Geheimnisse zu entschlüsseln, verdichten sich die Hinweise für die Polizei, die einen schockierenden Zusammenhang zwischen der Leiche und dem rätselhaften Manuskript offenbaren. Neue Erkenntnisse über die Chronik werfen ein vielschichtiges Licht auf die Motive des Mordes und erhöhen die Spannung enorm.

Die interessante Gestaltung des Druckbildes zieht sofort die Aufmerksamkeit der Leser auf sich. Zitate aus der Chronik sowie aus Zeitungen und Prospekten werden durch verschiedene Schrifttypen hervorgehoben, was die Lesefreundlichkeit erheblich erhöht. Diese bewusste Auswahl der Schriftarten schafft nicht nur visuelle Akzente, sondern lädt auch dazu ein, die Geschichten und Informationen intensiver zu erkunden. So wird jede Seite zu einem spannenden Erlebnis, das zum Verweilen und Staunen einlädt.

In »Eifel-Ritter« von Monika Tworuschka entführt uns die Autorin in eine faszinierende Welt der Mittelaltermärkte und LARP-Veranstaltungen. Die Seiten sind gefüllt mit detaillierten Informationen, die sowohl Neulinge als auch erfahrene Mittelalter-Fans fesseln. Die spannenden Ermittlungen sind durch einen packenden Abschluss gekrönt, der mitfiebern lässt.

Die Vielzahl an Tatverdächtigen hält die Leser in Atem und macht ihnen das Mitraten schwer. Gleichzeitig werden Konflikte im privaten Umfeld der Hauptfiguren entfaltet, was der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht. Die aufwendige Gestaltung des Druckbildes tut ihr Übriges, um das Lesevergnügen zu steigern.

Allerdings kann die reichhaltige Einbeziehung der LARP-Szene manchmal verwirrend sein. Die Vielzahl an Namen, sowohl Klarnamen der Teilnehmer als auch deren Rollennamen, erfordert volle Aufmerksamkeit, um nicht den Faden zu verlieren.

Trotz dieser kleinen Hürde ist »Eifel-Ritter« ein fesselndes Leseerlebnis, das jeden Mittelalterliebhaber begeistern wird. Die Mischung aus spannender Handlung und detailreicher Weltgestaltung macht das Buch zu einem Muss für alle, die in die Atmosphäre vergangener Zeiten eintauchen möchten.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 04.11.2025

Unterhaltsam und Aktuell mit Pariser Flair

Der Raub im Tunnel
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Dies ist der mittlerweile achte Kriminalroman in der Serie über den Pariser Richter Jacques Ricou und seine Freundin, die Journalistin Margeaux, die von dem Autor Ulrich Wickert vor vielen Jahren geschaffen ...

Dies ist der mittlerweile achte Kriminalroman in der Serie über den Pariser Richter Jacques Ricou und seine Freundin, die Journalistin Margeaux, die von dem Autor Ulrich Wickert vor vielen Jahren geschaffen wurde.

In diesem neuen Fall müssen Ricou und Margeaux gemeinsam die Geheimnisse eines verworrenen Raubüberfalls aufdecken, der während der Renovierung eines alten Tunnels in Paris geschah. Die Ermittlungen führen sie durch die Schatten der Stadt, wo sie auf ein Netzwerk von Kriminellen stoßen, das bis in die höchsten gesellschaftlichen und politischen Kreise reicht. Währenddessen denkt der Richter an einen Heiratsantrag, der allerdings dann wegen der sich überschlagenden Ereignisse zerschläögt. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Margeaux erhält immer mehr Ansehen in der Rolle der investigativen Journalistin. Gemeinsam setzen sie alles daran, die Wahrheit ans Licht zu bringen, bevor es zu spät ist.

»Der Raub im Tunnel« von Ulrich Wickert ist ein wunderbar kriminalistisches Werk, das politische Nachforschungen mit dem zauberhaften Flair des französischen Lebensstils mischt. Die lebendige Schilderung von Paris, samt seiner charmanten Bistros, zieht den Leser sofort in den Bann – als würde er selbst einen Café au Lait an der Seine genießen. Wickert hat aufgrund seines eigenen Lebens in Paris ein Talent dafür, zahlreiche kleine Details über Straßen, Viertel, Plätze und Gebäude einzuflechten, die glatt über das Wissen aus einem Reiseführer hinausgehen. Die spannende Schilderung der kniffligen Beziehungen zwischen Geheimdiensten und der französischen Regierung ist ein echter Seitendreher, während das ständige Hin und Her zwischen Richtern, Polizei und Medien für ordentlich Schwung sorgt. Wer braucht schon einen Krimi, wenn man ein ganzes Politspiel hat?

Besonders gefallen hat mir die Aktualität um solche Figuren wie Elon Musk, Donald Trump und Emmanuel Marcon und deren Beziehungsgeflecht.

Abschließend lässt sich sagen, dass lesenswerte Kriminalromane im heutigen Paris nicht nur durch ihre fesselnde Handlung bestechen, sondern auch das einzigartige Lebensgefühl der Stadt einfangen. Die Mischung aus geheimnisvollen Verwicklungen und der pulsierenden Atmosphäre der Metropole macht jeden Roman zu einem Erlebnis, das zum Mitfühlen und Nachdenken anregt. Egal, ob Sie ein eingefleischter Krimiliebhaber sind oder einfach nur neugierig auf das Pariser Flair, diese Geschichten laden dazu ein, in eine Welt voller Rätsel und Emotionen einzutauchen. Tauchen Sie ein, und lassen Sie sich von der Magie Paris’ und seinen faszinierenden Kriminalfällen verzaubern.

»Der Raub im Tunnel« von Ulrich Wickert ist ein fesselnder Krimi, der den Leser mit Pariser Flair und aktuellen politischen Bezügen begeistert. Wickert gelingt es, die Themen Korruption in Ministerien und den Einfluss neuer Technologien spannend zu verweben. Die sympathischen Figuren rund um den Protagonisten Ricou bringen zusätzliche Tiefe in die Geschichte, während rätselhafte Verbrechen und brenzlige Situationen für ihn den Nervenkitzel erhöhen. Besonders hervorzuheben ist die mysteriöse Leiche, die dem Plot eine unerwartete zusätzliche Notegeben. Ein unterhaltsames Lesevergnügen für Krimifans und alle, die sich für die Verbindung von Politik und Verbrechen interessieren!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 22.10.2025

Weihnachtskrimi: Rache vom Montmartre!

Die bittersüße Rache vom Montmartre
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Dieser gerade erschienene Roman von René Laffite ist eine spannende Kriminalkömödie, der in die düstere Unterwelt Frankreichs entführt. Leser folgen hierin bereits zum vierten Mal der Kommissarin Geneviève ...

Dieser gerade erschienene Roman von René Laffite ist eine spannende Kriminalkömödie, der in die düstere Unterwelt Frankreichs entführt. Leser folgen hierin bereits zum vierten Mal der Kommissarin Geneviève Morel aus Paris, die aus einer berüchtigten Einbrecherfamilie stammt und entschlossen ist, Weihnachten in Cannes mit ihrer Familie zu verbringen. Doch ein unerwartetes Ereignis zwingt sie, ihre Pläne zu ändern: Ihr Bruder Frédéric ist verschwunden.

Die Suche nach ihm führt die Kommissarin auf eine gefährliche Spur, die sie nach Paris lockt, wo sie mit einem skrupellosen Entführer konfrontiert wird. Um ihren Bruder zu retten, muss sie ein wertvolles Gemälde stehlen – eine Herausforderung, die ihre Fähigkeiten und Loyalitäten auf die Probe stellt. Hilfe bekommt sie dabei von Olivier, den Leiter einer Ermittlungseinheit der Pariser Kriminalpolizei, mit dessen Team. Damit stehen der Kommissarin technische Ressourcen zur Verfügung, die wie rein zufällig das Blett wenden können.

René Laffite schaft zwar ein gewisses Flair von Paris, bleibt aber zu sehr an den simplen Wegbeschreibungen hängen. Diese Fahrten und Wege sind für mich etwas zu viel des Guten gewesen. Andererseits hat der Roman alles, was eine Krimikommödie ausmacht: Das ist eine höchst eigenwillige Familie, die ein dunkles Geheimis hütet. Und da ist ein Sprössling, der auf der Seite der Strafverfolgung tätig ist und eigentlich nichts von der Familie wiessen darf. Schließlich gibt es alte Freunde, die zur Hilfe kommen und auch gerne als Liebhaber zur Verfühgung stehen. Verwirrung und seltsames Verhalten der agiuerenden Firguren ist vorprogrammiert.

Die Rache vom Montmartre verbindet spannende Krimi-Elemente mit humorvollen Konflikten und bietet einen packenden Einblick in die Schattenseiten des Verbrechens. Werden Sie die Geheimnisse aufdecken und die Rache der Montparnasse überstehen? Tauchen Sie ein in diesen mitreißenden Thriller und lassen Sie sich von der Geschichte mitreißen!

„Die bittersüße Rache vom Montmartre“ kommt mit einem ansprechenden Cover daher und ist durchaus ein angenehmer Lesegenuss für Zwischendurch, der mit einem humorvollen Augenzwinkern die skurrile Entführungsgeschichte erzählt. Während die Protagonistin in den romantischen Straßen von Cannes und dem schneebedeckten Paris die Freiheit ihres Bruders erreichen möchte, werden die Leser nebenbei auch Zeugen von amourösen Abenteuern und einem möglichen Dreiecksverhältnis, das einem Liebesfilm entsprungen scheint. Die Ablenkungen und Zusatzaufgaben, die der Entführer den Jägern einstreut, machen die Jagd spannend und unterhaltsam.

Allerdings könnte man dem Buch den Vorwurf machen, dass der Zufall in entscheidenden Wendungen etwas zu oft als Drehbuchautor auftritt. Außerdem sind die zahlreichen Straßen- und Wegbeschreibungen mehr als nur ein kleiner Umweg, sie wirken häufig irrelevant und ziehen von der eigentlichen Handlung ab.

Trotz dieser kleinen Mängel sorgt das Buch für viel schmunzeln und entführt uns in eine zauberhafte Weihnachtsatmosphäre. Ein Spaß für alle, die eine humorvolle Mischung aus Abenteuer und Romantik schätzen!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

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Veröffentlicht am 08.10.2025

Spannung ohne Ermittler

Noch fünf Tage
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Der Roman von Andrea Schultheiss Fischer, der bei Pendragon erschienen ist, wird zwar als Kriminalroman geführt, jedoch würde ich ihn nicht in diese Schublade stecken wollen. Es geht um Verbrechen, keine ...

Der Roman von Andrea Schultheiss Fischer, der bei Pendragon erschienen ist, wird zwar als Kriminalroman geführt, jedoch würde ich ihn nicht in diese Schublade stecken wollen. Es geht um Verbrechen, keine Frage, aber auf Ermittlungen müssen Leser nicht hoffen.

Wie der Titel schon sagt, scheint alles in den nächsten fünf Tagen zu passieren. Und die Frage ist: Was wird da passieren? Diese Frage baut die Spannung für diesen Roman auf.

Protagonistin dieses Romans ist Amanda. Sie fühlt sich nicht wohl in dieser Welt. Es ist nicht ihre Welt, in der sie leben wollte. So lernen die Leser Amanda depressiv im Bett liegend kennen. Im Laufe der Geschichte erfährt man, dass Amanda auch ein Problem mit Alkohol hat und ihrem Körper ständig damit versorgen muss.

Langsam und behutsam in ruhigen Tönen erfahren die Leser die Geschichte von Amanda. Sie folgt ihrer Großmutter und ihrer Mutter in dem Willen, aus eigener Kraft aus dem Leben zu scheiden. Auch diese beiden Frauen hatten sich das Leben genommen und waren dem Alkohol verfallen. Offenbar waren beide schlechte Mütter gewesen, denn sowohl Amandas Mutter fühlte sich ungeliebt und nicht willkommen in der Welt, genauso wie Amanda selbst. Sie hatte nie ein nettes Wort oder auch nur einen Krümel Zuneigung erfahren.

Doch nun hat Amanda ihren Großvater, einen verbitterten und zynischen alten Mann zur Pflege in ihre Wohnung genommen. Er ist alles andere als dankbar darüber. Doch ihr Sohn Benjamin hatte ihr zugesprochen. Als Amanda dessen Freundin Hannah kennenlernt und erfährt, dass Hannah ein Kind erwartet, spürt sie zärtliche Gefühle für die beiden.

Andrea Schultheiss Fischer hat eine düstere Geschichte entwickelt, in der immer mehr aus dem Leben von Amanda und ihrer Familie preisgegeben wird. Immer wieder gibt es neue Informationen und somit auch einige Überraschungen, die den Leser gedanklich spekulieren lassen, was wohl am Ende der fünf Tage passieren mag. Solange man davon ausgeht, dass sich Amanda das Leben nehmen wird, fragt man sich vielleicht noch, wie das geschehen wird. Und dann gibt es eine ganz große Überraschung.

Das ist schon sehr gut gemacht und trotz des besinnlichen Stils mit einiger Spannung versehen, obwohl ich zuvor beinahe der Depressionen überdrüssig war.

Wer gerne auf Ermittlungen und reißerische Szenen verzichten mag und dafür einen Roman rund um düstere Familiengeheimnisse und Verbrechen lesen möchte, sollte »Noch fünf Tage« auf seine Liste setzen. Er wird mit einer mysteriösen Spannung belohnt werden.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

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