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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2024

Scharfe Gesellschaftskritik

Zusammenkunft
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In diesem Buch lauert eine erschütternde Konfrontation mit fundamentalen Problemen, nicht nur am Arbeitsplatz, sondern jeden Tag- Rassismus, Sexismus und der Anspruch des immer weiteren Aufstiegs.
Mit ...

In diesem Buch lauert eine erschütternde Konfrontation mit fundamentalen Problemen, nicht nur am Arbeitsplatz, sondern jeden Tag- Rassismus, Sexismus und der Anspruch des immer weiteren Aufstiegs.
Mit klaren, nüchternen Worten, die messerscharf das vor Augen führen, was viele Menschen für längst überwunden halten, wird ein kurzer Lebensausschnitt einer namen- und gesichtslosen schwarzen Frau erzählt. Es ist nur ein ganz kurzer Ausschnitt ihres Lebens, welcher die zentralen Konflikte mit der Gesellschaft und sich selbst aufzeigt, dies geschieht in Ich-Perspektive. Die Situationen, die Umwelt und andere Persönlichkeiten werden von ihr sehr bildlich und spannend beschrieben, weshalb man sich trotz des schweren Inhaltes gut an die Hand genommen fühlt. Allerdings darf man weder einen Handlungsverlauf, noch ein aussagekräftiges Ende erwarten. Manchmal habe ich nicht ganz folgen können, da einiges an Hintergrundwissen erforderlich ist.

Es ist kein klassischer Roman und erst recht nichts wenn man leichte Unterhaltung sucht, aber trotzdem ein Buch was jeder gelesen haben sollte.

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Veröffentlicht am 04.10.2025

Flachwurzler

Plant Lady
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Yu-hee eröffnet einen Pflanzenladen am Rand der Stadt, welche schnell an Beliebtheit gewinnt. Doch immer wieder tauchen Männer auf, die Frauen das Leben zur Hölle machen...
Plant Lady ist ein kurzes Buch, ...

Yu-hee eröffnet einen Pflanzenladen am Rand der Stadt, welche schnell an Beliebtheit gewinnt. Doch immer wieder tauchen Männer auf, die Frauen das Leben zur Hölle machen...
Plant Lady ist ein kurzes Buch, was sich durch den parataktischen Satzbau leicht in einem Zug lesen lässt. Es ist in 6 Kapitel unterteilt und erzählt neben dem Alltag im Pflanzenladen blitzlichtartig vom Leben anderer Frauen und der Ermittlung des Kommissars Do-kyung. Den Schreibstil würde ich als emotionsarm und stellenweise sprunghaft bezeichnen, was dazu beiträgt, das der Geschichte die klassische Tiefe eines Romans fehlt. Wir lernen die Hauptperson zwar kennen, aber eine Bindung aufzubauen fällt schwer, da man ihr nur oberflächlich begegnet.
Ich habe es genossen die Geschichte zu lesen, besonders weil die so flach war, denn an vielen Stellen konnte die eigene Fantasie mitdenken. Vieles bleibt angedeutet und so erhält die Erzählung eine Geschwindigkeit, die dem Buch ihren Charme gibt. Es ist kein subjektiver Blick auf "böse Männer", sondern ein feministischer Blick auf die Leben von starken Frauen, welche unter Männern leiden.
Negativ hervorheben möchte ich die Sprunghaftigkeit und fehlende Bindung zur Hauptperson sowie, dass das Buch sehr viel Mitdenken / Lückenfüllen von den Leser*innen erwartet.

Es ist eine schnelle Lektüre, die das Köpfchen fordert, und zum Nachdenken anregt. Trotzdem wird mir die Handlung mit ihren Details wahrscheinlich nicht sehr lange in Erinnerung bleiben.

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Veröffentlicht am 11.01.2025

Schreibstil und Setting top, aber nicht zufriedenstellend

Die Insel der Angst
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Eine einsame Insel auf der seit Jahren niemand gewesen sein soll, eine Leiche, für die sich die Kolleg*inne nicht so sehr interessieren und eine Hauptperson mit mysteriöser Vergangenheit. - Die Ausgangssituation ...

Eine einsame Insel auf der seit Jahren niemand gewesen sein soll, eine Leiche, für die sich die Kolleg*inne nicht so sehr interessieren und eine Hauptperson mit mysteriöser Vergangenheit. - Die Ausgangssituation verspricht einen richtig guten Pageturner, den man gar nicht aus der Hand legen möchte! (Umsetzung leider dann aber doch nicht wie erwartet...)

Tess, eine Dokumentarfilmerin, wird angefragt für die Firma Seawild Robben auf der unbewohnten Insel Navigaceo nahe Madeira zu filmen. Ein sehr gelungenes Setting für einen Thriller. Gemeinsam mit Alex, Mike und Vinny ist die Hauptperson abgeschottet von der Gesellschaft. Ein Boot kommt erst in Tagen und solange muss sie sich sowohl mit der Insel als auch mit den anderen Menschen arrangieren. Dann tauchen nach und nach Ungereimtheiten auf, die dafür sprechen, dass das Filmteam doch nicht allein auf der Insel ist. Gekrönt wird das Unbehagen durch eine Leiche mit gleichem Outfit wie das Filmteam. Tess ist vorsichtig und ermittelt. Die ganze Situation wird immer mehr von ihrer Vergangenheit überschattet. Das ist der zweite Handlungsstrang: Eine 10 Jahre vergangene Filmarbeit mit Gretchen, die ermordet wurde. Nach und nach entwirrt sich die Handlung. Fragen werden gestellt und nach und nach beantwortet.

Obwohl ich die Ausgangssituation liebe und auch der Schreibstil durch seine Bildlichkeit wirklich fesselnd ist, muss ich sagen, dass mich das Buch nicht abgeholt hat. Die Spannung hat sich für mich in der ersten Hälfte so schleichend aufgebaut, dass ich mich zu Beginn wirklich quälen musste. Der Handlungsstrang aus der Vergangenheit hat mich zwischenzeitlich mehrt gefesselt als die eigentliche Haupthandlung. Dazu kommt, dass Tess Perspektive etwas einseitig ist und ich sie nicht umbedingt als Sympathieträgerin bezeichnen würde.

Alles in Allem ein Buch was unterhält, aber deutliche Längen und Durststrecken aufweist. Für mich hat es sich eher wie ein okayer Krimi gelesen, als wie ein spannender Thriller. Mein Fazit ist, dass Griffin mit diesem wundervollen Schreibstil mehr aus dem Setting hätte machen können - Schade!!!

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Außen Hui, Innen Naja

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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Erstmal ist festzuhalten, dass Hen Na Ie ein einzigartiges Buch ist. Die Ideen aus Zeichnungen/Grundrissen eine Ermittlung zu entwickeln, den "Roman" als eine Art Sprechdrama zu verfassen und die dokumentarische ...

Erstmal ist festzuhalten, dass Hen Na Ie ein einzigartiges Buch ist. Die Ideen aus Zeichnungen/Grundrissen eine Ermittlung zu entwickeln, den "Roman" als eine Art Sprechdrama zu verfassen und die dokumentarische Perspektive, geben dem Buch eine Besonderheit, die es schwer macht den Text wegzulegen. Das Buch ist schnell verschlungen und bietet durch die vielen Grafiken Abwechslung. Aus Buch-/Literatur- Interesse lohnt sich eine Lektüre sehr, inhaltlich leider weniger.

Ein Freund der Erzählperson möchte ein Haus kaufen und fragt um Rat, aber im Grundriss finden sich fragwürdige Aspekte. Daraus entwickelt sich eine schnelle Geschichte, die die Vergangenheit der Bewohnenden und deren Familie ans Licht bringen soll.

Während erste Spekulationen zwar wild, aber noch plausibel erschienen, verlor die Geschichte immer mehr an Logik bzw. Verständlichkeit. Ich bin stellenweise einfach nicht mehr mitgekommen und war enttäuscht nicht miträtseln zu können.
Die sprechenden Personen standen nicht wirklich im Fokus der Geschichte, weshalb man sie weder richtig kennengelernt hat, noch eine Entwicklung zu beobachten war. Die Idee Personen nur über Sprechakte zu charakterisieren hat mir super gefallen, auch wenn die Gespräche sehr konstruiert und stellenweise platt waren.
Was die Buchgestaltung außen und innen angeht bin ich begeistert. Es wirkt super durchdacht und ermöglicht super viel Potential für eine gleichwertige Geschichte. Diese Erwartung wurde leider enttäuscht.
Während im ersten Teil des Buches Spannung aufgekommen ist, verlor sich diese im weiteren Verlauf, wobei versucht wurde das Tempo der Erzählung hochzuhalten. Eine ausführlichere Erläuterung, kleine Nebenaspekte oder schlichtweg ein bisschen weniger Tempo, hätten nicht nur mehr Verständlichkeit, sondern auch eine komplexere Geschichte mit mehr Spannung ermöglicht. Schade!

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Crushing meiner Erwartungen

Crushing
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Marnie schwört der romantischen Liebe ab - oder doch nicht? Nach dem 5. Heartbreak in wenigen Jahren, möchte Marnie ihr Leben umkrempeln. Sie zieht in eine Wohnung zu Claude, die schnell zu ihrer besten ...

Marnie schwört der romantischen Liebe ab - oder doch nicht? Nach dem 5. Heartbreak in wenigen Jahren, möchte Marnie ihr Leben umkrempeln. Sie zieht in eine Wohnung zu Claude, die schnell zu ihrer besten Freundin wird, und möchte herausfinden, wer sie ist. Dass Selbstfindung eine große Herausforderung ist und man schnell in alte Muster zurückfällt illustriert die Erzählung wunderbar, denn Marnie stürzt sich von einer Abhängigkeit in die nächste.

Zu Beginn habe ich mich in Marnie verliebt. Sie hat mit so viel Humor und Treffsicherheit erzählt, dass ein Eintauchen schon nach den ersten Seiten möglich war. Aber leider nervte sie mich zwischendurch durch ihre unreifen Entscheidungen und Verhaltensmuster. Ständig betont sie ihre Differenz zu anderen gleichaltrigen, die schon fest im Leben stünden - giving "Pick-Me". Eine Therapie und ein Entzug hätten einen gesunden Umgang mit Marnies Problemen erzählt, so musste man miterleben, wie sie jedes Gefühl und jede Herausforderung in Alkohol ertränkt und sich dabei schrecklich selber leid tut. Schade! Bis zum Schluss wird der Alkoholkonsum, jeder Schluck, ausführlich beschrieben, während andere Aktivitäten (coole, kreative und sportliche Versuche ein neues Hobby zu finden) in den Hintergrund rücken.
Die anderen weiblichen Charaktere, ihre Schwester Nicola und Claude, haben es mir auf den ersten Blick angetan. Treffend beschrieben, sodass man direkt ein Bild vor Augen hat, aber je länger die Geschichte geht, desto mehr habe ich Tiefe in den Charakteren vermisst.
Sowohl die beiden als auch Marnie haben es mit Männern zu tun, die man durchweg als RedFlags bezeichnen könnte. Fremdgeher, Man-Child und toxisches Arschloch. Statt Womenhood und Empowerment erlebt man mit, wie sich Frauen unterordnen und durch deren Beziehung definieren. Das hat leider 0 meine Erwartung eines Romans über Selbstfindung getroffen, weshalb ich mich stellenweise durchs Buch gequält habe.
Der Schreibstil hat mich aber bei der Stange gehalten. Für den Witz, die Wortgewandtheit und Tiefe in der Sprache, lohnt sich eine Lektüre, auch wenn der Inhalt größtenteils mau ist.

Auf den letzten 50 Seiten ging die Geschichte für mich erst los. Das Ende hat mir super gefallen, weil es endlich den Aspekt der Selbstfindung und des Selbstbewusstseins zeigt, den ich mir gewünscht habe. Dieser Abschnitt hätte deutlich länger bzw. ausgeschmückter sein können.

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