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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.01.2026

Erschreckend nah an unserer Realität

Projekt Y
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Selten fiel es mir so schwer, ein Buch zu rezensieren. Das Thema ist so wichtig und in den Grundzügen auch gut umgesetzt. Jana Reisch zeichnet in Projekt Y, erschienen im BVK Buch Verlag Kempen GmbH im ...

Selten fiel es mir so schwer, ein Buch zu rezensieren. Das Thema ist so wichtig und in den Grundzügen auch gut umgesetzt. Jana Reisch zeichnet in Projekt Y, erschienen im BVK Buch Verlag Kempen GmbH im Oktober 2025, ein düsteres Szenario, das jedoch durchaus realistisch und möglich ist. Die Autorin hat sich intensiv mit dem aktuellen politischen Rechtsruck befasst und die Gefahren deutlich aufgezeigt.

In einem nicht näher definierten Land, zu einer bewusst nicht benannten Zeit wird eine Politikerin, die sich laut für Demokratie und Grundrechte aller einsetzt - nicht für eine bestimmte Partei oder ein Wahlprogramm - auf offener Bühne erschossen. Es formiert sich Widerstand gegen die rechten Strömungen

Insgesamt hätte der Roman etwas gestrafft werden können. Zudem ging mir insbesondere die Sprache der Tagebucheinträge ziemlich auf die Nerven. Diese Passagen klingen leider immer ziemlich gewollt jung. Also ein Text, den ein erwachsener Mensch so verfasst hat, als stamme er von einem Jugendlichen.

Einen weiteren Kritikpunkt sehe ich für mich darin, dass in mehreren Kapiteln immer wieder zunächst nur von “die Frau” oder “der Mann” gesprochen wird und ich schließlich aus dem Kontext erraten muss, um wen es gerade geht. Ich verstehe durchaus, die Intention der Autorin auf diese Weise Spannung aufzubauen und die Leserschaft zum Mitdenken zu animieren, doch für mich stört es den Lesefluss.

Aufgrund der Relevanz des Themas und der Warnung vor diese realistischen Zukunftsversion 4/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 12.12.2025

Der schöne Schein

Belladonnas
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Welchen Preis zahlt man für ein Influencer-Luxus-Leben? Und wie sieht es hinter der glatten Fassade der Social-Media-Welt aus? Julie Chan findet es heraus, nachdem sie in das Leben ihrer reichen und erfolgreichen ...

Welchen Preis zahlt man für ein Influencer-Luxus-Leben? Und wie sieht es hinter der glatten Fassade der Social-Media-Welt aus? Julie Chan findet es heraus, nachdem sie in das Leben ihrer reichen und erfolgreichen Zwillingsschwester schlüpft. Die Schwestern wurden nach dem frühen Tod der Eltern getrennt, und Julie selbst ist in ärmlichen Verhältnissen von ihrer hartherzigen Tante großgezogen worden. Wohingegen Chloe ein privilegiertes Leben in der Oberschicht geführt hat. Wer kann es Julie verdenken, dass sie die Chance ergreift und die Identität ihrer Schwester samt Influencer-Karriere übernimmt. Als sie in den Kreis der Belladonnas aufgenommen wird, kommt sie mehr und mehr hinter die Geheimnisse und Schattenseiten im Leben ihrer Schwester.

Die Belladonnas mit ihrer Anführerin Bella Marie sind reine Klischees und Abziehbilder. Ihre Charaktere haben wenig Tiefgang und sie werden eher in der Gruppe denn als Individuen beschrieben. Sie unterscheiden sich kaum im Verhalten oder der Sprache. Doch das versinnbildlicht die oftmals austauschbaren und wiedergekäuten Inhalte vieler Social-Media-Kanäle. Es wird nach und nach klar, dass die Frauen ihren Status nicht aufgrund ihrer Originalität und Natürlichkeit haben. Daher macht es absolut Sinn, sie als hübsche, aber anonyme Menge darzustellen.

Liann Zhang hat mit “Belladonnas” keinen Thriller im klassischen Sinn vorgelegt, auch wenn die Spannung nicht zu kurz kommt. Das sehr aktuelle Thema ist nicht minder modern umgesetzte und behandelt die dunklen Seiten des Influencer-Daseins, wie gecancelt werden – die offenbar größte Angst der Influencerinnen, Konsum, Rassismus, Selbstoptimierung bis zur Selbstaufgabe, Macht und Betrug. Die Autorin hat einen sehr gradlinigen und doch spannenden Schreibstil.

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und war von der einen oder anderen Wendung durchaus überrascht. Ich gebe 4/5 Sternen, da das Ende auf mich zu konstruiert wirkt.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Andrea Schnidt ist zurück

Ungezügelt
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Beinahe 30 Jahre liegt die Erstveröffentlichung des ersten Bandes, “Frisch gepresst” nun zurück, doch die Romane rund um Heldin Andrea Schnidt haben über die Jahre nichts an Humor eingebüßt. Routiniert ...

Beinahe 30 Jahre liegt die Erstveröffentlichung des ersten Bandes, “Frisch gepresst” nun zurück, doch die Romane rund um Heldin Andrea Schnidt haben über die Jahre nichts an Humor eingebüßt. Routiniert und kampferprobt stellt sich die sympathische Protagonistin den Widrigkeiten des Lebens. Andrea, der wir in “Ungezügelt” (erschienen bei Knaur im Oktober 2025) nun im 13. Band folgen dürfen, ist mittlerweile 60 Jahre alt, zum zweiten Mal verheiratet und zweifache Oma. Noch immer sind die zentralen Themen Beziehungen, Freundschaften, Familie, Karriere, Körperwahrnehmung und berufliche Perspektiven.

Susanne Fröhlichs unverkennbarer Schreibstil ist selbstironisch und sehr locker. Die hessische Mundart kommt darin prima zur Geltung. Mit viel Witz und Humor schildert sie den Alltag ihrer Protagonistin mit all seinen Herausforderungen und schreckt auch vor ernsten und schweren Themen nicht zurück. So thematisiert Susanne Fröhlich in “Ungezügelt” Demenz, die Hürden des Älterwerdens und zwischenmenschliche Konflikte. Ihre Heldin Andrea Schnidt ist keine Superheldin, sondern eine ganz normale Frau, die sich mit eben jenen Problemen rumschlägt, die die meisten LeserInnen gut nachvollziehen und nachempfinden können.

Ich hatte wieder großen Spaß an der Lektüre und hatte beim Lesen immer wieder die Stimme von Susanne Fröhlich im Ohr, denn viele der älteren Bände habe ich zusätzlich als Hörbuch genossen. Auch wenn ich selbst ein anderes Leben führe und viele der Themen von Andrea Schnidt sich mir nicht stellen, gefällt mir doch ihre offene und unbekümmerte Art.

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Veröffentlicht am 24.10.2025

Gute Unterhaltung, schwaches Ende

Am Ende des Sturms
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Ein solider Krimi, dessen Handlung zwischen Berlin und Italien angesiedelt ist. Diverse Leichen kreuzen den Weg der LeserInnen, und das sympathische Ermittlungsteam um Jan Tommen greift zu einigen – sagen ...

Ein solider Krimi, dessen Handlung zwischen Berlin und Italien angesiedelt ist. Diverse Leichen kreuzen den Weg der LeserInnen, und das sympathische Ermittlungsteam um Jan Tommen greift zu einigen – sagen wir – kreativen Methoden, um den Fall zu lösen.

Zunächst hatte ich etwas Mühe, in die Story hineinzufinden, doch sobald der Einstieg gelungen war, entwickelte sich der Krimi durchaus spannend und unterhaltsam. Allerdings erschien mir das Ende zu konstruiert und wenig glaubwürdig. Für meinen Geschmack kamen da zu viele Zufälle zusammen.

Insgesamt also ein solider und gut lesbarer Krimi mit unterhaltsamer Handlung – nur das Finale hätte für meinen Geschmack etwas plausibler ausfallen dürfen.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Packende Spurensuche mit keinen Schwächen

Mainblüte
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Was muss einem jungen Menschen widerfahren, dass dieser sich das Leben nimmt? Mit dieser Frage startet Lou Sandberg in den neuen Krimi um die ErmittlerInnen Sebastian Buck und Maike Lange. Dabei fällt ...

Was muss einem jungen Menschen widerfahren, dass dieser sich das Leben nimmt? Mit dieser Frage startet Lou Sandberg in den neuen Krimi um die ErmittlerInnen Sebastian Buck und Maike Lange. Dabei fällt die Einordnung in starre Kategorien Thriller oder Roman schwer, denn im Grunde liegt kein Verbrechen im eigentlichen Sinne vor, da Tyra sich selbst das Leben genommen hat und sie nicht ermordet wurde. Doch die Suche nach den Beweggründen führt das Ermittlerduo in den harten Alltag einer Schule in Frankfurt und in stereotype Familienstrukturen und Rollenvorstellungen innerhalb von Familien.

Insgesamt hat mir der Roman gut gefallen. Lou Sandberg hat einen sehr angenehmen und flüssigen Schreibstil. Sie versteht es Spannung aufzubauen und die Geschichte voranzutreiben. Das Ende fiel für meinen Geschmack ein wenig zu abrupt aus und ich hätte es mir ein wenig ausführlicher gewünscht.

Die Charaktere waren nicht durchweg sympathisch, aber ihren Rollen entsprechen gut ausgeformt und logisch. Der Gebrauch der Jugendsprache an den Stellen, an denen sich die Jugendlichen unterhalten oder aus deren Perspektive geschildert wird macht absolt Sinn und trägt zur Authentizität des Romans bei. Die Geschichte könnte sich so oder ähnlich leider immer wieder zutragen.

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