Erschreckend nah an unserer Realität
Projekt YSelten fiel es mir so schwer, ein Buch zu rezensieren. Das Thema ist so wichtig und in den Grundzügen auch gut umgesetzt. Jana Reisch zeichnet in Projekt Y, erschienen im BVK Buch Verlag Kempen GmbH im ...
Selten fiel es mir so schwer, ein Buch zu rezensieren. Das Thema ist so wichtig und in den Grundzügen auch gut umgesetzt. Jana Reisch zeichnet in Projekt Y, erschienen im BVK Buch Verlag Kempen GmbH im Oktober 2025, ein düsteres Szenario, das jedoch durchaus realistisch und möglich ist. Die Autorin hat sich intensiv mit dem aktuellen politischen Rechtsruck befasst und die Gefahren deutlich aufgezeigt.
In einem nicht näher definierten Land, zu einer bewusst nicht benannten Zeit wird eine Politikerin, die sich laut für Demokratie und Grundrechte aller einsetzt - nicht für eine bestimmte Partei oder ein Wahlprogramm - auf offener Bühne erschossen. Es formiert sich Widerstand gegen die rechten Strömungen
Insgesamt hätte der Roman etwas gestrafft werden können. Zudem ging mir insbesondere die Sprache der Tagebucheinträge ziemlich auf die Nerven. Diese Passagen klingen leider immer ziemlich gewollt jung. Also ein Text, den ein erwachsener Mensch so verfasst hat, als stamme er von einem Jugendlichen.
Einen weiteren Kritikpunkt sehe ich für mich darin, dass in mehreren Kapiteln immer wieder zunächst nur von “die Frau” oder “der Mann” gesprochen wird und ich schließlich aus dem Kontext erraten muss, um wen es gerade geht. Ich verstehe durchaus, die Intention der Autorin auf diese Weise Spannung aufzubauen und die Leserschaft zum Mitdenken zu animieren, doch für mich stört es den Lesefluss.
Aufgrund der Relevanz des Themas und der Warnung vor diese realistischen Zukunftsversion 4/5 Sternen.