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Veröffentlicht am 08.12.2025

Gut gesponne reale und fiktive Geschichte

Der Silberbaum. Das Ende der Welt
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Der Silberbaum, das Ende der Welt, ist der zweite Roman, den Sabine Ebert über das Mittelalter in und um Meißen geschrieben hat. Den ersten Roman fand ich schon richtig gut, weil er eine angenehme Mischung ...

Der Silberbaum, das Ende der Welt, ist der zweite Roman, den Sabine Ebert über das Mittelalter in und um Meißen geschrieben hat. Den ersten Roman fand ich schon richtig gut, weil er eine angenehme Mischung aus Alltag, Gesellschaft und politischer Spannung ist. Wieder geht es um den Ort Freiberg und die Stadt Meißen, um deren Bewohner, Ritter und Herrscher. Spannend, sich so mit der deutschen Geschichte auseinander zu setzten.

Wie gesagt, ich fand den ersten Band schon sehr unterhaltsam und spannend geschrieben. Geschichte auf diese Art zu begreifen, hat schon etwas Besonderes. Die meisten Figuren haben einen echten Hintergrund. Das kann man auch schon auf den ersten Seiten, bevor der Roman überhaupt beginnt, lesen. Außerdem findet man zwei Karten mit den damaligen Grenzen. Ich war mal wieder schwer davon beeindruckt, wie gut die Autorin Sabine Ebert die Geschichte recherchiert und daraus einen gut lesbaren Roman gemacht hat. Sie kann es eben wirklich gut und hat das Schreiben schon mehrfach bewiesen (Der Silberbaum, das Ende der Welt ist der 15. historische Roman, den sie geschrieben hat!).

Der zweite Teil der Silberbaumtrilogie beginnt damit, dass die Tataren nur wenige Tagesritte vor Meißen stehen und die Menschen bedrohen. Sie sind zwar gerüstet, aber man weiß, dass die Kämpfer aus dem Osten sehr wendig und schonungslos sind. Die meisten Bewohner der Mark Meißen sind so weit, all ihren Besitz zu verkaufen und/oder sich in den Tod zu stürzen. Und dann drehen die Tataren doch noch einmal ab, greifen Ungarn an, nachdem sie weite Teile des Landes verwüstet haben. Warum sie dann wieder in ihre Heimat abziehen, können die Menschen in der Mark erst gar nicht verstehen. Aber die Tataren sind nur ein Problem dieser Zeit. Der Papst Gregor IX hat den Kaiser Friedrich II. exkommuniziert. Da gibt es auch bei den restlichen Herrschern ein wildes hin und her, wer zu dem Kaiser oder dem Papst hält. Unser Hauptdarsteller im Silberbaum hält zum Kaiser und hat damit auch einiges auszuhalten.

Die Geschichten der fiktiven und realen Figuren sind wirklich gut gesponnen und alte Bekannte aus dem ersten Band tauchen immer wieder auf, geben der "Geschichtsstunde" einen wunderbaren Boden um tolle Ränke und zu schmieden. Interessant fand ich auch, wie sich damals ein Hof gestaltet hat, wer mit wem verheiratet wurde, um keinen Krieg führen zu müssen. Manchmal mit mehr oder (noch) weniger Liebe wurden dann Kinder gezeugt, die wieder "verschachert" wurden. Frauen waren zu dieser Zeit ja im Grunde auch nur eine Art von Ware. Zeittafeln, Stammbäume und ein Glossar bereiten dem Leser eine gute Übersicht, dass man sich nicht zwischen all den vielen Namen der Geschichte verliert. Dabei bleibt der Roman wirklich sehr spannend und lesbar. Sabine Ebert unterhält den Leser wirklich sehr gut,

Am Ende hat man noch einmal ein Nachwort der Autorin, in dem sie darlegt, was echt und was Fiktion war. Ich werde wohl auch noch den dritten Band lesen müssen.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Coole Männermaschen

Für ihn gestrickt
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Habe ich schon gesagt, dass ich Strickbücher liebe? Ein neues Buch in meinem Strickbuchregal ist „Für ihn gestrickt“ von Annette Danielsen. Ein Buch mit maskulinen Mustern, inspiriert von großen Entdeckern. ...

Habe ich schon gesagt, dass ich Strickbücher liebe? Ein neues Buch in meinem Strickbuchregal ist „Für ihn gestrickt“ von Annette Danielsen. Ein Buch mit maskulinen Mustern, inspiriert von großen Entdeckern. Es ist nicht das erste Buch, welches ich von der Designerin Danielsen in meinem Regal stehen habe. Mir gefällt es sehr, dass sie sich ein Thema vornimmt und drumherum die Anleitungen baut, sich inspirieren lässt. Dieses Mal sind es eben die großen (männlichen) Entdecker.
Schon wenn man das Buch aufschlägt, fällt der Blick auf einen (nordischen) Hafen. Ein Bild, das zum Reisen einlädt. In ihrem Einleitungstext zu dem Buch schreibt die Autorin über die Entdecker und was sie wohl angetrieben haben mag auf die beschwerlichen Reisen gegangen zu sein und sie stellt auch infrage, ob es rechtens war, was sie sich damals geleistet haben. Nichtsdestotrotz sind wir wohl alle von dem Wagemut dieser Menschen fasziniert.
Natürlich findet sich auch in diesem Buch eine Seite mit den Abkürzungen und eine Abhandlung über Maschenproben. Ich muss ihr da auch immer wieder recht geben, denn eine Maschenprobe ist wirklich sinnvoll. Wenn man einen Pullover strickt und dann passt der nicht, weil die Maschenprobe nicht gepasst hat, dann hat man viele Umsonst-Stunden Arbeit darin versenkt.
Vorab gibt Danielsen die Größen vor und empfiehlt eine passende Wolle, aus der sie die Modelle gestrickt hat. Sie bevorzugt Wolle von der Firma Isager. Die ist aber auch besonders schön. Und natürlich kann man sich nach einer passenden Maschenprobe für ein Garn seiner eigenen Wahl entscheiden. Die Anleitungen selber habe ich immer noch nicht ausprobiert. Werde es demnächst allerdings endlich machen müssen, da der Kerl schon drängelt einen dieser schönen Pullover selber tragen zu dürfen.
Ein besonderes Schmankerl ist die Beschreibung der Entdecker, die man sich noch vor der Anleitung durchlesen kann. Dann hat man auch eine Ahnung, was die Designerin motiviert hat, dieses Model zu entwerfen. Oben sieht man das Model Vitus Bering, der den Norden inspizieren sollte und nach dem die Beringstraße benannt wurde. Danielsen schreibt: „Die Jacke ist von den großen, schweren Schneeflocken der rauen Natur inspiriert“
Positiv finde ich auch, dass man Skizzen hat, auf denen Muster und Strickrichtung angegeben sind. Allerdings keine Maße. Die Anleitungen lesen sich ziemlich unkompliziert und strickbar. Die Pullover sind manchmal mehrfarbig oder mit Strukturmuster. Es gibt Westen und Jacken.

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Veröffentlicht am 12.03.2019

Ein Buch gegen die Angst

Klara & Delfi
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Klara & Delfi
Ein Kinderbuch gegen die Angst
Klara ist 10 Jahre alt und hat einen besonderen Freund. Einen Delphin! Delfi hatte einen Unfall als Jungtier und wurde durch Klara gerettet. Die Beiden sind ...

Klara & Delfi
Ein Kinderbuch gegen die Angst
Klara ist 10 Jahre alt und hat einen besonderen Freund. Einen Delphin! Delfi hatte einen Unfall als Jungtier und wurde durch Klara gerettet. Die Beiden sind ein tolles Team und haben viel Spaß miteinander. Ein Problem bleibt aber. Delfi Hat Angst in die Tiefe zu tauchen. Aber Klara hat eine wundervolle Idee und erzählt ihrem schwimmenden Freund eine Geschichte, die ein Kopfkino bei dem Meeresbewohner auslöst …

Jeder von uns hat vor neuem Angst. Die meisten, können sich überwinden und nehmen sich einfach ein Herz und sehen was am Ende heraus kommt. Aber manchmal macht unser Kopf einfach alles zunichte, weil wir uns Schlechtes vorstellen. So geht es auch dem kleinen Delphin. Klara weiß eine Geschichte zu erzählen, die dem Freund die Angst nimmt.
Corinna Möhrke hat ein hübsches Buch geschrieben, das bestimmt einigen „Angsthasen“ ein wenig die Furcht nimmt. Das Zauberwort heißt Kopfkino ( und das kann eine Menge in uns auslösen!). Der Text ist einfach geschrieben und selbst kleine Hasenfüße können ihn bestimmt verstehen. Leseanfänger werden mit den großen Buchstaben und den kurzen Texten, ihr Leseverständnis trainieren und dabei ihren Bammel reduzieren. Kleine hübsche Bilder aus dem Meer machen obendrein Laune, das Buch zu lesen. Die 55 Seiten sind für einen Lesenden, schnell verschlungen.
Ich selber habe mit dem Delphin und dem kleinen Mädchen mitgefiebert und war tatsächlich ganz stolz auf den Meeresbewohner, dass er seine Angst am Ende überwunden hat.
Corinna Möhrke hat einige Erfahrung mit Ängsten. Sie ist Heilpädagogin, systemische Familienberaterin und Mutter. Sie hat den Begriff der Canepädagogik (Tiergestützte Pädagogik) entwickelt und das zugrundeliegende Konzept innerhalb ihres Studiums ausgearbeitet. Sie arbeitet mit sogenannten „verhaltensauffälligen“ Kinder und Jugendlichen im Umgang mit ihren Hunden. Sie hat dieses Buch in ihrem eigenen Verlag veröffentlicht. Ein kleines Interview mit der Autorin findest du hier auf dem Blog von Tina liest vor

Veröffentlicht am 16.03.2026

Atemlos

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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Schon auf den ersten Seiten war ich von »Mit beiden Händen den Himmel stützen« teilweise mitgerissen und abgestoßen. Lale, sie erzählt aus ihrem Leben, kam mir immer wieder so verletzlich vor. Sie wächst ...

Schon auf den ersten Seiten war ich von »Mit beiden Händen den Himmel stützen« teilweise mitgerissen und abgestoßen. Lale, sie erzählt aus ihrem Leben, kam mir immer wieder so verletzlich vor. Sie wächst in den 80er Jahren in Berlin Kreuzberg auf. Bei ihrem Vater, der mit anderen Männern in einer WG wohnt. Ihre Mutter war nicht in der Lage das Mädchen großzuziehen und als Lale als Kleinkind eine ordentliche Portion von den Drogen ihrer Mutter geschluckt hatte, wurde das Mädchen in ein Kinderheim gesteckt. Ihr Vater, bzw. ein Freund des Vaters, holte das Mädchen dann dort wieder heraus. Es machte dabei wohl nichts aus, dass der Vater wegen eines Geldtransporterüberfalles gerade erst aus dem Knast entlassen worden war.

Lilli Tollkien erzählt von einem Mädchen, dass ich damals gerne gewesen wäre. Sie darf alles, was sie sich zutraut. Sie darf so lange aufbleiben, wie sie möchte. Lale darf Fernsehen, was sie auch immer möchte, sie kann und darf alles Essen, dabei wird nicht darauf Wert gelegt, dass es gesund ist. Das Mädchen stromert zwischen den vollgedröhnten „Freunden“ oder Kunden ihres Vaters durch die versiffte Wohnung, oder verzieht sich in ihr Zimmer.

Ich hätte Lale damals bewundert und wäre gerne ihre Freundin gewesen, hätte gerne ein bisschen von ihrem unkonventionellen, aufmüpfigen Leben abhaben wollen. Doch so toll ist das Leben des Mädchens gar nicht. Jedes Kind wünscht sich ein bisschen Geborgenheit und Sicherheit. In ihrem eigenen Zimmer, in einem vermeintlich sicheren Ort, ist das Kind nicht sicher. Spielerisch wird sie verführt, kommt mit Drogen und betrunkenen Männern zusammen. Manchmal versuchen die Freundinnen der WG-Männer dem Kind ein bisschen Normalität zu geben, aber die meisten Frauen bleiben nicht lange.

»Tatsächlich hatte ich nichts gemein mit den starken Mädchen aus meinen Büchern, weder mit der roten Zora noch mit Pipi Langstrumpf oder Ronja Räubertochter. Ich hatte Mühe mit meinem unbeständigen Leben.«
Seite 62

Die 255 Seiten waren schnell gelesen, obwohl ich öfter das Buch mal weglegen musste, damit ich wieder zu Atem kommen konnte. Lale hatte eine verrückte Kindheit. Eine ungestüme und verletzte Kindheit. Man könnte meinen, dass eine solche Umgebung das Kind stark macht, aber stattdessen hat sie oft Angst, ist unsicher und vorsichtig. Die Autorin Lilli Tollkien schreibt einfach toll. Sie reißt den Leser in ihre Welt und „beschmeißt“ ihn mit fast prosaischen Texten. Man kann einfach nicht aufhören, zu lesen. Für mich ist dieses Buch ein Highlight des Jahres. 🐭🐭🐭🐭 hat dieser Roman sicherlich verdient, so finden jedenfalls Rubi und ich.

»Ich stütze den Himmel mit beiden Händen. Während die Sonne zwischen den Wipfeln der Kastanien im Garten der Klinik aufgeht, heben wir die Arme nach oben, …«
Seite 179

Wer ist die Autorin?

Von der Verlagsseite: Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ihr erster Roman. In ihrem Instagram Account findet man die passende Musik und Ausschnitte aus ihrem Buch, schau einfach mal hier …

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Leseerlebnis

Brennen
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Daniel Donskoy der Schauspieler und Musiker hat ein Buch geschrieben. Brennen. Sein erstes Buch. Dabei scheint er ein bisschen aus seinem eigenen Leben zu erzählen. Das steht aber nicht explizit in dem ...

Daniel Donskoy der Schauspieler und Musiker hat ein Buch geschrieben. Brennen. Sein erstes Buch. Dabei scheint er ein bisschen aus seinem eigenen Leben zu erzählen. Das steht aber nicht explizit in dem Klappentext. Aber kaum, dass der Leser in dem Buch Kontakt zu dem Icherzähler aufgenommen hat, steckt er in dem Buch fest. Eine wilde und atemlose Geschichte beginnt. Es ist eine Geschichte, von einem jungen Mann, der sich selber spüren möchte, seine Freiheit genießt und die verlorene Freundschaft vermisst. Dabei spielt Feuer immer wieder eine Rolle. Als müsste etwas brennen, damit der Erzähler sich spürt. 

Brennen, der Roman von Daniel Donskoy

Der Icherzähler Daniel beschreibt, wie er eine Kariere als Schauspieler ansteuert und wie schwer es ihm fällt, sich auf die gewichtige Schauspiellehrerin in einer Londoner Schauspielschule einzulassen. Diese traktiert den jungen und überschwänglichen Mann. So hatte er sich das nun wirklich nicht vorgestellt! Eine Lösung findet sich bald und der Erzähler zieht weiter nach New York, um dort an einer anderen Schule Schauspiel zu lernen und der Gewichtigen den Mittelfinger zu zeigen, zu beweisen, dass doch etwas aus ihm werden kann.
Die nächste Station ist in Russland und wie man als Nichtrusse zu einer Arbeitserlaubnis kommt. Merkwürdige Begebenheiten nach dem Filmdreh werden in den blumigsten Worten beschrieben, damit der Leser einen Film vor Augen hat, der nicht loslassen wird. Weiter geht's mit einem Urlaub mit einem Kumpel in Kalabrien. Dieser endet in einem Chaos und einem Blutbad.

12 Jahre begleitet der Leser den jungen Mann, der nichts auslassen wird. Weder Drogen noch Sexorgien und sich doch immer wieder nach seinem besten Freund Tyler sehnt, ihm Briefe schreibt, die voller Liebe und Erinnerungen sind. 
Ich habe lange über das Gelesene nachgedacht. Daniel, der Erzähler, hat russische Wurzeln, ist in Deutschland und Israel groß geworden und hat Israel vor dem letzten Krieg schon wieder verlassen. Aber die Sehnsucht nach seinem Freund Tyler lässt ihn einfach nicht los. Ich wusste wirklich nicht, wie ich diese Exzesse in dem Buch beurteilen sollte. Wie nah sind sie an der Wirklichkeit? Und doch hat der Autor einen guten und mitreißenden Schreibstil.

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