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Veröffentlicht am 12.12.2025

Mit Esprit und Herzblut: Der Donnerstagsmordclub ermittelt wieder

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
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MEINE MEINUNG
Mit „Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code“ legt der britische Erfolgsautor Richard Osman bereits den fünften Coup seiner erfolgreichen Cosy-Crime-Reihe um die pfiffigen Hobbydetektive ...

MEINE MEINUNG
Mit „Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code“ legt der britische Erfolgsautor Richard Osman bereits den fünften Coup seiner erfolgreichen Cosy-Crime-Reihe um die pfiffigen Hobbydetektive aus der Seniorenresidenz Coopers Chase vor.
Fans des Donnerstagsmordclubs dürften die Fortsetzung mit den liebenswerten, exzentrischen Mitgliedern Joyce, Elizabeth, Ibrahim und Ron sicher schon sehnlichst erwartet haben, die wieder einmal unfreiwillig in einen besonders verzwickten Fall verwickelt werden.
Dieser Wohlfühlkrimi ist auch ohne Vorkenntnisse aus den vorherigen Bänden gut verständlich. Allerdings empfiehlt es sich, die liebenswert-verschrobenen Charaktere des Donnerstagsmordclubs bereits etwas zu kennen, da diese nicht mehr im Detail eingeführt werden.
Nach einem ruhigen Jahr, in dem Elizabeth den schmerzlichen Verlust ihres Mannes betrauert und langsam neuen Lebensmut fasst, sorgt die Hochzeit von Joyces Tochter für einige Unruhe. Während der Feier vertraut der in großer Gefahr schwebende Trauzeuge seine Ängste Elizabeth an und verschwindet kurz darauf spurlos. Dies ruft den Donnerstagsmordclub auf den Plan, denn schon bald verdichten sich die Hinweise, dass das mysteriöse Verschwinden im Zusammenhang mit einer enormen Summe an Kryptogeld steht, dessen Zugriff durch einen ausgeklügelten zweiteiligen Sicherheitscode geschützt ist, den nur der Trauzeuge und seine Business-Partnerin kennen. Das findige Ermittlerquartett sieht sich erneut mit einem verzwickten Kriminalfall konfrontiert und begibt sich in ein gefährliches Katz- und Mausspiel mit einem durchtriebenen Verbrecher, der sogar über Leichen zu gehen scheint.
Während Ibrahim weiterhin mit der psychologischen Betreuung seiner gewitzten Patientin und Lieblingsverbrecherin Conny beschäftigt ist, muss sich Ron in der geschickt eingeflochtenen Rahmenhandlung schwierigen familiären Herausforderungen widmen.
Auf Verbrecherjagd ist das gewitzte Hobbydetektiv-Quartett mal wieder ganz in seinem Element und löst Rätsel auf seine ganz eigene, höchst stilvolle Art!
Wie schon bei den Vorgängerbänden sind Joyces originelle und urkomische Tagebucheintragungen immer wieder in die Handlung eingestreut. Ihre sehr persönliche Sicht auf die Geschehnisse und oft köstlich kommentierten Einschübe verleihen dem Ganzen zusätzliche Würze.
Osman überzeugt erneut mit seinem lebendigen Erzählstil voller Esprit, typisch britischem Understatement und pointiertem Humor. Gekonnt vereint er in seiner abwechslungsreichen Handlung typische Merkmale des zeitgemäßen britischen Cosy Crime und versteht es hervorragend, mit Sprachwitz, bissigen Dialogen und skurrilen Verwicklungen für Schmunzelmomente zu sorgen.
Hinter aller Komik schimmert stets eine nachdenkliche, warmherzige Sicht auf Freundschaft, Zusammenhalt und das Älterwerden.
Die eigentliche Stärke dieser Reihe liegt eindeutig in den lebendigen, vielschichtig gezeichneten Hauptfiguren mit ihren interessanten Fähigkeiten und liebenswerten Eigenarten, die gleichermaßen verschroben, scharfsinnig und zutiefst menschlich und authentisch wirken.
Es bereitet wieder viel Freude, das gewitzte Seniorenteam bei ihren lebhaften, oft ausschweifenden Diskussionen, ihren unorthodoxen Methoden und wunderbar originellen Gedankenspielen zu begleiten und mitzurätseln. Dass sie im eingespielten Team ebenso souverän wie einfallsreich agieren und selbst in heiklen Situationen nie die Contenance verlieren, macht ihre Ermittlungen umso vergnüglicher.
Zur Stammbesetzung stoßen auch diesmal wieder liebgewonnene Nebenfiguren wie das sympathische Polizisten-Duo Chris und Donna und natürlich auch der geniale Alleskönner Bogdan, ohne den kaum ein Coup des Donnerstagsmordclubs gelingen würde.
Nach zahlreichen falschen Spuren und geschickt zugespitzten Wendungen versteht es Osman einmal mehr, uns am Ende mit einem überraschenden Plottwist zu verblüffen und den raffiniert konstruierten Fall überzeugend aufzulösen.
Hiermit weckt er zugleich die Vorfreude auf eine nächste Begegnung mit den rüstigen Senioren des Donnerstagsmordclubs.
FAZIT
Ein humorvoller Cosy Crime und echter Pageturner mit viel Spannung, herzerwärmenden Momenten und britischem Charme.
Absolute Leseempfehlung für alle, die bei einem Krimi gerne schmunzeln, miträtseln und sich an einem liebenswert-verschrobenen Detektiv-Quartett erfreuen.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Von Licht und Schatten - Ein lebendiges Porträt einer zerrissenen Familie im Exil

Wenn die Sonne untergeht
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MEINE MEINUNG

In „Wenn die Sonne untergeht“ ist es Florian Illies auf beeindruckende Weise gelungen, ein bemerkenswert vielschichtiges Panorama der ersten Monate des Exils der Familie Mann im Jahr 1933 ...

MEINE MEINUNG

In „Wenn die Sonne untergeht“ ist es Florian Illies auf beeindruckende Weise gelungen, ein bemerkenswert vielschichtiges Panorama der ersten Monate des Exils der Familie Mann im Jahr 1933 zu zeichnen, die zugleich eine der herausfordernsten Phasen ihres Lebens darstellten.
Beginnend mit 28. Hochzeitstag von Katia und Thomas Mann in München und ihrer geplanten Vortragsreise zu Richard Wagners 50. Todestag, begleiten wir die Familie auf ihrer unfreiwilligen Flucht ins Exil über einen Zeitraum von knapp drei Monaten. Nach Etappen in Amsterdam, Paris und der Schweiz finden sie über die Sommermonate in Sanary-sur-Mer an der französischen Côte d’Azur schließlich eine vorübergehende neue Heimat finden. Vor dem Hintergrund des sich durch die Nazis rasant radikalisierenden Deutschlands verwebt Illies eindrucksvoll nicht nur die persönlichen Schicksale und familiären Konflikte der Manns, sondern auch lebendige Alltagsskizzen und Begegnungen mit weiteren bekannten Künstlern im Exil wie Lion Feuchtwanger oder Stefan Zweig.

Basierend auf einer enormen Fülle an historischen Quellen, die Briefe, Tagebücher, Interviews und literarischen Werke der Familie Mann umfassen, gelingt es Illies mit seinem Collage-artigen Stil, diese in eine kunstvoll arrangierte, atmosphärisch dichte Chronik zu verwandeln. Die daraus entstandene, beeindruckend lebendige, fast filmisch anmutende Momentaufnahme erlaubt intime und sehr berührende Einblicke in die komplexen Familienverhältnisse. Aus unterschiedlichen Perspektiven erleben wir neben persönlichen Befindlichkeiten der so unterschiedlichen Familienmitglieder einen höchst labilen Familienverbund mit all den Enttäuschungen, Ängsten, Eitelkeiten und Hoffnungen.

Besonders eindrücklich ist die einfühlsame Auseinandersetzung mit den vielfältigen Auswirkungen, die das unfreiwillige Exil für die Manns mit sich bringt. Illies zeichnet Thomas Manns innere Zerrissenheit mit groem Feingefühl und in all ihren Facetten nach -seine schmerzhafte Trennung von der geliebten Heimat, sein beständiges Schwanken zwischen Entwurzelung, innerem Rückzug und einer vorsichtigen politischen und künstlerischen Haltung sowie dem Ringen um Zuversicht trotz ungewisser Zukunftsaussichten.

Der zarte, poetische und atmosphärisch dichte Schreibstil Illies’ steht in spannungsvollem Kontrast zur bedrückenden politischen Realität, die durch die aufkommende Naziherrschaft geprägt ist und die der Familie Mann zunehmend an zusetzt. Mit feiner Ironie und lakonischer Humor versteht es Illies zudem, gelungene Gegengewichte zur oft ernsten Grundstimmung zu setzen und immer wieder durch Momente verhaltener Lebensfreude und liebevoller Begebenheiten aufzulockern. Besonders überzeugend ist sein ausgeprägtes Gespür für atmosphärische Details und emotionale Zwischentöne.

So ist ihm eine faszinierende Verbindung aus sorgsam recherchierter historischer Betrachtung und berührender literarisch starker Erzählung gelungen, die stets eine ausgewogene Mischung aus persönlicher Nähe und historischer Distanz zu wahren versteht, und die vielschichtige Realität des Exils lebendig werden lässt.

Obwohl die Fülle an Details und der ständige Perspektivwechsel bisweilen herausfordernd sein knnen, bietet das Buch insgesamt aber eine fesselnde und sehr facettenreiche Darstellung von Thomas Manns Zeit im südfranzösischem Exil, und lädt zu weiterführenden Studien ein.



ZUM HÖRBUCH

Der Schauspieler Stephan Schad erweist sich als ideale Besetzung für die ungekürzte Hörbuchversion. Mit seiner angenehmen, einfühlsamen und markanten Stimme gelingt es ihm, die Hörer tief in die fesselnde Geschichte der Familie Mann zu ziehen und unterschiedlichste Schauplätze lebendig werden zu lassen. Durch feine Variationen in Tempo, Lautstärke und Dynamik fängt er die unterschiedlichen Stimmungen und emotionalen Nuancen gekonnt ein. Gekonnt macht er die melancholische, oft ironisch-humorvolle Grundstimmung spürbar ohne dabei die historische Dramatik zu schmälern. Schads souveräne Interpretation verleiht den Figuren individuelle Facetten, macht emotionale Zwischentöne hörbar und schafft so ein besonders intensives und bewegendes Hörerlebnis, das uns tief in die jene Zeit des Exils eintauchen lässt.

FAZIT

Eine hervorragend recherchierte und zugleich atmosphärisch dichte Erzählung über einen der schwierigsten Lebensabschnitte der Familie Mann – eindrucksvoll lebendig, facettenreich und authentisch dargestellt!
Eine fesselnde und bereichernde Lektüre zum Abschluss Thomas Mann-Gedenkjahres.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Vegane Vielfalt für jeden Tag - Das perfekte Kochbuch für Einsteiger

Carlottas vegane Küche
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MEINE MEINUNG
„Carlottas vegane Küche“ ist das erste deutschsprachige Kochbuch der Bestsellerautorin Carlotta Perego, das kürzlich im Raetia Verlag erschienen ist. Es eröffnet einen vielseitigen Einblick ...

MEINE MEINUNG
„Carlottas vegane Küche“ ist das erste deutschsprachige Kochbuch der Bestsellerautorin Carlotta Perego, das kürzlich im Raetia Verlag erschienen ist. Es eröffnet einen vielseitigen Einblick in die bunte Welt der rein pflanzlichen Alltagsküche und bietet mit seiner Auswahl an unkomplizierten wie raffinierten Gerichten einen inspirierenden und kreativen Einstieg für alle, die sich für die vegane Lebensweise begeistern.
Als engagierte Botschafterin einer nachhaltigen, pflanzlichen Ernährung zählt Carlotta Perego zu den bekanntesten veganen Influencerinnen Italiens, die mit ihrer Plattform „Cucina Botanica“ auf Social Media über 1,5 Millionen Menschen erreicht. Ihre Begeisterung für die vegane Küche vermittelt sie mit viel Enthusiasmus, praktischen Ansätzen und alltagstauglichen Ideen.
Die etwa 80 Rezepte aus Peregos persönlichem Repertoire orientieren sich konsequent an ihrem „Easy und schnell“-Konzept und richten sich besonders an Veganista-Einsteiger, Berufstätige und alle, die unkomplizierte, „tierfreie“ Alternativen für eine gesunde, vollwertige Ernährung suchen. Neben einer Vielzahl an Anregungen für schmackhafte, frisch zubereitete vegane Gerichte enthält das Buch zahlreiche praktische Tipps, Tricks und fundiertes Know-how rund um die vegane Küche, Meal-Prep und Decluttering, also die optimale Ordnung in der Küche. Die sympathische Autorin zeigt ihrer bewährten Meal-Prep-Methode, wie viel Freude und Effizienz im Alltag möglich sind, ganz ohne stundenlanges Vorbereiten und zeitintensives Kochen.
Die Rezeptvielfalt reicht von verschiedenen Frühstücksideen und kleinen Snacks für zwischendurch über vollwertige Hauptgerichte bis hin zu verführerischen Süßspeisen. Dabei zeichnen sich die Gerichte durch eine schnelle, unkomplizierte Zubereitung aus und beweisen eindrucksvoll, dass vegane Küche keineswegs langweilig, fad oder aufwendig sein muss.
Mit ihren kreativen Rezepten, die vorwiegend auf natürlichen Zutaten wie Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchten, Obst, Samen und Nüssen basieren, bringt Carlotta neue Impulse und genussvolle Momente auf den Teller.
Beim Durchblättern fällt die Entscheidung schwer, welches der zahlreichen köstlichen Rezepte man zuerst ausprobieren möchte. Ob Schoko-Haselnuss-Kränzchen, Kichererbsen-Schnitzel oder bunte Gemüsegerichte, vegane Eiscreme oder verführerische Desserts – hier ist garantiert für jeden Geschmack und Anlass etwas dabei.
Nach dem Einleitungsteil geht es dann direkt mit dem eigentlichen Rezeptteil los, der in neun Abschnitte gegliedert ist: Frühstück – Vorspeisen - Nudeln, Risotto Co – Hauptspeisen – Gemüse und Beilagen - Snacks – Desserts – Dressings, Soßen & Co – Getränke.
Jedes Rezept wird auf einer Doppelseite präsentiert, mit übersichtlicher Zutatenliste und ausführlicher, leicht verständlicher Beschreibung der einzelnen Zubereitungsschritte. Außerdem gibt es noch ergänzende Hinweise zu Warenkunde, Tipps zur Zubereitung und Aufbewahrung, Vorschläge für Beilagen oder interessante Rezept-Variationen. Alle Rezepte sind für 4 Personen ausgelegt und mit Angaben zur Zubereitungs- und Kochzeit sowie Hinweisen wie Gluten- bzw Nuss-Freiheit versehen, die als Symbole in der oberen linken Ecke dargestellt werden.
Die von mir ausprobierten Gerichte waren tatsächlich schnell und einfach in der Zubereitung und ausgesprochen schmackhaft. Auch wenn manche Rezeptideen wenig originell erscheinen, mindert dies nicht den ansonsten positiven Gesamteindruck. Die vorgestellten Rezepte regen auf jeden Fall dazu an, kreativ zu werden und selbst Neues auszuprobieren.
Gut gefallen hat mir auch die hochwertige und ansprechende Gestaltung des gesamten Kochbuchs mit stimmungsvollen Fotos , liebevolle Illustrationen und praktischem Lesebändchen. Insbesondere die natürlichen, appetitanregenden Fotografien zu jedem Rezept sind sehr gelungen und laden zum Schmökern ein. So nimmt man das Buch nicht nur zum Kochen, sondern auch gerne einfach nur zum Sich-Inspirierenlassen in die Hand.
Abgerundet wird das Buch schließlich durch ein alphabetisches Verzeichnis der Rezepte und ein kurzes Portrait der Autorin.
FAZIT
Ein empfehlenswerter, kreativer und praxisnaher Einstieg in die vegane Alltagsküche - mit abwechslungsreichen Rezepten und vielen wertvollen Tipps besonders für Vegan-Einsteiger und alle, bei denen es schnell gehen soll!

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Veröffentlicht am 09.11.2025

Eindrucksvoller Generationenroman

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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MEINE MEINUNG
Mit ihrem Debüt „Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten“ legt Anna Maschik einen äußerst eindrucksvollen und herausfordernden Roman vor, der die über ein ganzes Jahrhundert ...

MEINE MEINUNG
Mit ihrem Debüt „Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten“ legt Anna Maschik einen äußerst eindrucksvollen und herausfordernden Roman vor, der die über ein ganzes Jahrhundert reichende Geschichte einer Familie erzählt, deren Wurzeln tief in der bäuerlichen Welt Norddeutschlands verankert sind.
Die Handlung spannt sich vom entbehrungsreichen Alltag Henrikes auf einem norddeutschen Bauernhof um 1900 über die Nachkriegszeit, bis in die Gegenwart zur Urenkelin Alma. Fasziniert von der Fremdheit dieser bäuerlichen Welt und der Magie, die den Erinnerungen innewohnt, versucht sie in den Überlieferungen und lückenhaften Geschichten die Spuren ihrer eigenen Herkunft zu finden und setzt so ihre Familiengeschichte Stück für Stück zusammen. Dabei entführt sie uns mit auf eine stimmungsvolle und zugleich verstörende Entdeckungsreise durch die Generationen ihrer Familie.

Anstelle einer konventionellen, chronologisch erzählten Familiengeschichte mit einer fortlaufenden Handlung setzt Maschik auf eine stark fragmentierte Erzählweise. Verschiedene nicht-lineare Episoden und collagenartig arrangierte Momentaufnahmen aus Erinnerungsfragmenten, pointierten Beobachtungen von Alltagsszenen und existenziellen Erfahrungen sowie kurzen Aufzählungen verdichten sich allmählich zu einem faszinierenden Geflecht mehrerer Generationen. Geschickt lässt sie in ihrer eindringlich erzählten, mysthisch angehauchten Familiengeschichte Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen und verwebt Alltägliches mit beinahe magischen Momenten.
Die zahlreichen Leerstellen fordern uns dazu heraus, eigenständig Verbindungen zwischen den einzelnen Fragmenten zu ziehen und dabei neben dem Offensichtlichen auch dem Schweigen und Ungesagten besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Die Autorin verdeutlicht dabei gekonnt, dass sich unser Verständnis von Familiengeschichte und Herkunft nicht als einfache, durchgehende Erzählung begreifen lässt, sondern vielmehr als vielschichtiges, oft widersprüchliches Geflecht, das sich immer aus persönlich eingefärbten, fragmentarischen Erinnerungsstücken zusammensetzt. Nach und nach offenbaren sich eindrucksvoll die verborgenen Geheimnisse und komplexen inneren Strukturen der Familie.
Zudem zeigt sie auf, wie die Erlebnisse aus der Vergangenheit Spuren in einer Familie hinterlassen und bis in die Gegenwart weiterwirken. Einfühlsam thematisiert sie zugleich den Einfluss von Erinnerungen, Ritualen, Verlusten, Traumata und Prägungen auf die Lebenswege der einzelnen Familienmitglieder.
Besonders faszinierend sind Maschiks eigenwilliger, nüchterner und dennoch poetischer Schreibstil sowie ihre beeindruckenden Sprachbilder, die auch in der beklemmenden Trostlosigkeit immer wieder bemerkenswerte Akzente setzen.
Maschik zeichnet das Innenleben und die Konflikte ihrer facettenreichen weiblichen Hauptfiguren sehr eindringlich. So zeigt sie ihre Unsicherheiten, Ängste und Zweifel ebenso wie auch ihren tiefen Wunsch nach Selbstbestimmung und Wandel. Gleichzeitig bleibt aber eine gewisse Distanz zu ihnen, die sie leider schwer greifbar macht. Ihre Schicksale sind von Brüchen geprägt und doch werden sie immer wieder unweigerlich von der sich wiederholenden Familiengeschichte eingeholt.
Maschik zeigt in ihrem vielschichtigen Roman eindrucksvoll, wie die Schatten der Vergangenheit die Gegenwart formen! Am Ende bleibt das Bild eines fragilen Netzwerkes aus Stimmen, Schweigen und Erinnerungen, das uns mit tief empfundener Nähe und Fremdheit zugleich zurücklässt.
Dieser faszinierende Roman lädt ein, die eigene Herkunft nicht als eindimensionale Erzählung, sondern als vielschichtiges Mysterium zu begreifen, dessen Rätsel nie ganz aufzulösen sind.

FAZIT
Maschiks literarisches Debüt ist ein atmosphärisch dichtes, formal herausforderndes Familienepos, das zum Nachdenken anregt und lange nachwirkt!

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Veröffentlicht am 08.11.2025

Fesselnde Fortsetzung der tollen historischen Wien-Krimi-Reihe

Aurelia und die Jagd nach dem Glück
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MEINE MEINUNG
Mit „Aurelia und die Jagd nach dem Glück“ setzt Beate Maly ihre unterhaltsame historische Krimireihe um die eigensinnige junge Gräfin und leidenschaftliche Hobbyermittlerin Aurelia von Kolowitz ...

MEINE MEINUNG
Mit „Aurelia und die Jagd nach dem Glück“ setzt Beate Maly ihre unterhaltsame historische Krimireihe um die eigensinnige junge Gräfin und leidenschaftliche Hobbyermittlerin Aurelia von Kolowitz fort. Gekonnt nimmt sie uns mit auf eine fesselnde Zeitreise in die österreichische Donaumonarchie und entführt uns ins Wien des Jahres 1872 - mitten hinein in die prunkvolle Ballsaison und eine Welt voller sozialer Spannungen, dunkler Geheimnisse und hoffnungsvoller Glücksversprechen.
Auch der dritte Band der Reihe überzeugt mit einer abwechslungsreichen Mischung aus vielschichtigem Gesellschaftsporträt, zarter Liebesgeschichte und spannendem Kriminalfall, gewürzt mit authentischem Zeitkolorit.
Als der zwielichtige Freiherr von Sothen, ein skrupelloser Lotteriemagnat und unsympathischer Emporkömmling, erschossen im Hof seines luxuriösen Schlösschen am Cobenzl gefunden wird, übernimmt der charismatische Oberinspektor Janek Pokorny die Ermittlungen.
Obwohl Aurelia neben zahlreichen Widerständen und gesellschaftlichen Zwängen auch noch die hartnäckigen Verheiratungspläne ihres Vaters abzuwehren hat, lässt sie es sich mit ihrem kriminalistischen Spürsinn nicht nehmen, eigene Nachforschungen anzustellen. Als sich weitere erschütternde Verbrechen ereignen, ermitteln Aurelia und Janek gemeinsam in dem verzwickten Fall, der sie hautnah mit ungeahnten gesellschaftlichen Abgründen ihrer Zeit konfrontiert. Die Geschichte wird wechselweise aus den Perspektiven von Aurelia und Janek erzählt und eröffnet neben der eigentlichen Krimihandlung auch kurzweilige Einblicke in Aurelias privates Leben sowie in gesellschaftliche Missstände.
Unerwartete Verwicklungen und spannende Wendungen bieten viel Raum zum aktiven Miträtseln. Gekonnt lässt Maly die Handlung schließlich in einem überraschenden Finale gipfeln und mit einer stimmigen Auflösung ausklingen.
Mit ihrem pointierten, bildreichen Schreibstil und spritzigen, humorvollen Dialogen versteht sie es, uns ins Wien des 19. Jahrhunderts zu entführen.
Hervorragend gelingt es ihr durch lebendige Milieubeschreibungen, detailreiche Einblicke ins Wiener Alltagsleben sowie anschauliche Schilderungen des gesellschaftlichen Klimas, ein facettenreiches und glaubwürdiges Bild dieser faszinierenden Epoche zu entwerfen.
Ob nun festliche Stimmung der lang ersehnten Wiener Ballsaison der Wohlhabenden  oder das harte Leben der einfachen Bevölkerung, die mit Armut, Hunger und sozialen Ungerechtigkeiten ringt–all diese Facetten werden mit sorgfältig recherchierten historischen Details geschickt zu einem stimmigen Portrait jener Zeit verwoben. Mit großem Einfühlungsvermögen beleuchtet die Autorin zudem die begrenzten Rechte und Chancen von Frauen, die Machtstrukturen des Adels und die starren gesellschaftlichen Konventionen, die das Leben ihrer Figuren prägen.
Besonders gelungen sind auch die vielschichtig gestalteten Charaktere, allen voran die junge Protagonistin Aurelia als facettenreiche und inspirierende Heldin, deren persönliche Entwicklung überzeugend und einfühlsam gezeichnet ist.
Sie überzeugt als clevere, selbstsichere junge Frau, die mit bemerkenswerter Widerstandskraft und einer guten Portion Humor unbeirrt gegen gesellschaftliche Zwänge und patriarchale Erwartungen antritt. Ihr Streben nach persönlicher Freiheit, Selbstbestimmung und letztlich nach mehr Gleichberechtigung macht sie sehr sympathisch. Zugleich ist sie sich der Gefahren und möglichen Folgen ihres Handelns stets bewusst. Einfühlsam und glaubwürdig werden sowohl ihre Stärken als auch ihre Verletzlichkeit und ihr innerer Zwiespalt ausgelotet.
Neben ihr überzeugt auch der sympathische Ermittler Oberinspektor Janek Pokorny mit seiner charismatischen, facettenreichen Persönlichkeit und kleinen Schwächen. Die Figuren wirken durchweg liebevoll und authentisch ausgestaltet, die Schilderung ihrer Gedanken- und Gefühlswelt ist nachvollziehbar und glaubwürdig.
Die Zusammenarbeit von Aurelia und Janek bringt eine spannende Dynamik in die Handlung und ihre komplexe Beziehung sorgt immer wieder charmante und humorvolle Momente. Ihre sich langsam entwickelnde Zuneigung wird dabei aber durch gesellschaftliche Barrieren und Klassenunterschiede herausgefordert, sodass sie sich auf einen rein kameradschaftlichen Umgang beschränken müssen. Auch die Nebenfiguren von der habgierigen Witwe von Sothen über zwielichtige Verdächtige bis hin zu Aurelias überkorrektem Vater Otto sowie ihrem treuen Begleiter Nepomuk, sind facettenreich und authentisch gestaltet. Sie sorgen mit ihren Geheimnissen und Eigenheiten für Abwechslung und eine intensive Atmosphäre.
Die anschaulichen Einblicke in das Alltagsleben im Kaiserreich sowie geschickt eingewobene sozialkritische Anmerkungen verleihen dem historischen Krimi eine besondere Note. So überzeugt die hervorragend recherchierte Geschichte nicht nur als spannender Kriminalfall mit historischem Flair, sondern entwickelt sich zugleich zu einem lebendigen und authentischen Porträt jener Epoche und macht Lust auf weitere Abenteuer mit Aurelia und Janek in der schillernden Donaumonarchie.

FAZIT
Eine rundum gelungene, unterhaltsame Fortsetzung der historischen Krimi-Reihe- mit sympathischen Charakteren, fein dosierter Spannung, detailreichem Zeitkolorit und fesselndem Krimiplot.
Ein vielschichtiges Lesevergnügen, das Lust auf weitere Abenteuer macht!

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