Zwischen Windelkomik und Wahrheitsschock
8000 Arten, als Mutter zu versagenMit spitzer Zunge und warmem Herz enttarnt dieses Buch die glitzernde Baby-Postkarte als das, was sie ist: Wunschbild mit Photoshop und schlechtem Timing. Schnell wird klar, dass hier keine heile Familienwelt ...
Mit spitzer Zunge und warmem Herz enttarnt dieses Buch die glitzernde Baby-Postkarte als das, was sie ist: Wunschbild mit Photoshop und schlechtem Timing. Schnell wird klar, dass hier keine heile Familienwelt verteidigt werden soll, sondern die Alltagssurvival-Show mit Windeln, Wutanfall und Milchflecken gewürdigt wird.
Ich lache laut, schlucke kurz und nicke — gleichzeitig triggert die Autorin Erinnerungen an ungeschönte Nächte, ungefragte Ratschläge und die stille Scham, wenn nichts so läuft wie in den Ratgebern. Sprachlich ist das Werk eine Mischung aus Kabarett und Tagebucheintrag: bildstark, direkt, oft roh, aber niemals verletzend.
Zwischen Pointen und Selbstironie blitzen kluge Beobachtungen zur Erwartungshaltung unserer Gesellschaft auf und machen deutlich, wie viele alte Tabus noch weiterleben. Besonders schön ist die Balance zwischen Humor und Ernst — die Texte lassen Raum zum Lachen und zum Nachdenken.
Als Leserin fühle ich mich gesehen und gleichzeitig ertappt; das Buch ist kein Rezept, sondern eine Befreiungsschrift für alle, die genug von Perfektionsdruck haben. Kleine Wiederholungen in Tonfall und Tempo stören nur minimal, insgesamt ist es ein mutiges, tröstliches und sehr witziges Buch, das laute Zustimmung verdient.