Übriggeblieben
Fast eine Familieune ist die Einzige, die von ihrer ganzen Familie übriggeblieben ist. Es hätte ein so wunderschönes Wochenende werden sollen, die Hochzeit ihrer Tochter Lolly mit Will, einem ganz besonderen jungen Mann. ...
une ist die Einzige, die von ihrer ganzen Familie übriggeblieben ist. Es hätte ein so wunderschönes Wochenende werden sollen, die Hochzeit ihrer Tochter Lolly mit Will, einem ganz besonderen jungen Mann. Doch sie sind alle in Flammen aufgegangen, sowohl Lolly und Will, als auch Lollys Vater und und Junes Exmann Adam und ihr neuer Lebensgefährte Luke. Nichts ist mehr übrig von ihnen - außer die Erinnerungen. Und liegen nicht nur bei June, sondern auch bei einer Reihe anderer Menschen, die in irgendeiner Form mit dem ein oder anderen von ihnen zu tun hatten.
Ja, Steinchen für Steinchen fügt sich hier ein gewaltiges Drama ineinander, wie es schockierender und erschreckender nicht sein kann. Wir erfahren es von den Verbliebenen - auf eine oft stille, menschliche, manchmal aber auch befremdliche Art. Es wird halt aus einer ganzen Reihe von Perspektiven erzählt. Alle in irgendeiner Form - häufig erst im Nachhinein - Beteiligten kommen zu Wort und aus meiner Sicht liegt genau hier das Manko des Buches. Es sind einfach zu viele Charaktere im Spiel, es wird ausgesprochen unübersichtlich - wenn auch der Autor die unterschiedlichen Figuren sehr gut darstellen, ihre jeweiligen Persönlichkeiten herausarbeiten kann. Aber aus meiner Sicht verliert sich dadurch die Geschichte, es kommt zu vieles zur Sprache, zu viele Menschen zu Wort - so dass sich die Geschichte in der Vielzahl der einzelnen Stränge verliert.
Und es sind nicht nur die einzelnen Berichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln, die die Geschichte so füllen - nein, auch in den Erinnerungen schweifen die Protagonisten oft ab, so erinnert sich bspw. June seitenlang an eine Kindheitsfreundin, der sie übel mitgespielt hat, die aber sonst nichts mit der Geschichte zu tun hat. Hier führt uns der Autor viel zu sehr auf Abwege, finde ich!
Bewegend, menschlich und eindringlich geschrieben - aber leider hoffnungslos überladen. Ohne im eigentlichen Sinne geschwätzig zu wirken, verplappert sich Bill Clegg an der ein oder anderen Stelle und führt die Leserschaft auf Irrwege. Wen das allerdings nicht stört, den erwartet hier ein gefühlvoller, eindringlicher Roman mit faszinierendem, vielschichtigen Personal, der sprachlich und stilistisch durchaus von hohem Anspruch ist!