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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2025

EIne gelungene Fortsetzung

Verhängnisvoller Champagner
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Auf einer Veranstaltung trifft Xavier Kieffer seinen Kollegen Luc Reiser, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, aber mit dem ihm einige Abenteuer und Frauengeschichten verbinden. Xavier kommt wenige ...

Auf einer Veranstaltung trifft Xavier Kieffer seinen Kollegen Luc Reiser, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, aber mit dem ihm einige Abenteuer und Frauengeschichten verbinden. Xavier kommt wenige Tage Lucs spontaner Einladung, ihn und seine Frau Fabienne, auf dem Weingut in der Champagne zu besuchen nach. Doch aus einem fröhlichen Wiedersehen wird nichts, denn Xavier findet Luc tödlich verletzt in seinem Weinkeller vor. Aus Lucs letzten Worten schließt er, dass auf dem Weingut zu einige Ungereimtheiten gekommen sind. Auch Fabienne, in die Xavier einst verliebt war, bittet ihn, zusätzlich zur Polizei, eigene Recherchen anzustellen, denn - so hat es den Anschein - die Polizei ermittle nicht ordentlich.

Dass dem nicht so ist, muss Xavier Kieffer am eigenen Leib erfahren, denn er gerät, nachdem es einen zweiten Toten gibt, in das Visier der Ermittler - Hausdurchsuchung in Wohnung und Restaurant inklusive. Es scheint, als hätte Xavier von den dubiosen Geschäfte in die Luc verstrickt gewesen sein soll, gewusst.

Meine Meinung:

In diesem Krimi nimmt sich Autor Tom Hillenbrand wieder des interessanten Themas Produktpiraterie an. Diesmal ist es der Champagner, der ge- und verfälscht wird, da hier hohe Gewinnmargen zu erzielen sind. Es dauert eine geraume Zeit, bis bei Kieffer der Groschen fällt, da er von den eigentlichen Drahtziehern mehrmals auf den Holzweg geschickt wird. Ja, okay, er ist kein gelernter Ermittler sondern (Sterne)Koch. Aber in seinem 8. Fall hätte er schon ein wenig vorsichtiger agieren sollen und sich selbst die übliche Frage der Kriminalisten „Cui bono - wem nützt der Tod von Luc am meisten?“ stellen sollen.

Wir erfahren in den Rückblicken in die 1980er-Jahre wie die Beziehungen sich zwischen Xavier, Luc, Leo und Fabienne entwickelt haben. Hier lassen sich schon einige Hinweise ableiten.

Ich persönlich habe ja immer ein Problem damit, wenn sich ein Person, die ich zwanzig oder dreißig Jahre nicht gesehen habe, sich plötzlich bei mir meldet und mich einlädt.

Schmunzeln musste ich über Xaviers Erinnerungen an jene Tage, wo man statt Prosecco noch Asti Spumanti gesagt hat und die sich auch mit meinen eigenen decken: Schädelweh am nächsten Morgen.

Für diejenigen von uns, die Sekt oder Champagner nicht nur genießen wollen, sondern sich auch für dessen Herstellung interessieren, gibt es eine ausführliche in die Kellereiarbeit. Ich durfte die Arbeitsschritte der „Méthode traditionelle“ wie das Rütteln der Flaschen (händisch oder automatisch in den französischen Giro Palettes), das Gegorgieren sowie die anschließende Dosage in einer bekannten Sektkellerei in Wien kennenlernen.

Wieder mit dabei sind Xaviers Freundin Valerie, sein argentinischer Freund und Restaurantbesitzer Leo soewi der trinkfeste Finne Pekka Vatanen.

Der Ausflug in die Familiengeschichte von Xavier Kieffer habe ich fast spannender gefunden, als die Auflösung des Krimis.

Der Schreibstil ist flüssig. Das letzebergische (=Luxemburgisch) Lokalkolorit und die Kulinarik kommen nicht zu kurz.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Cozy-Krimi 4 Sterne.

Veröffentlicht am 30.11.2025

Eine Leseempfehlung

Die MörderMitzi und der eiskalte Tod
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Die Berghütte, die bei strahlendem Sonnenschein und glitzerndem Schnee das Cover ziert, ist für die Protagonisten hier nur ein Wunschtraum ...

Worum geht’s?

Maria Konstanze Schlager, besser bekannt unter ...

Die Berghütte, die bei strahlendem Sonnenschein und glitzerndem Schnee das Cover ziert, ist für die Protagonisten hier nur ein Wunschtraum ...

Worum geht’s?

Maria Konstanze Schlager, besser bekannt unter jenem Spitznamen, den man ihr, der Überlebenden einer Brandkatastrophe, schon in der Schule übergestülpt hat, nämlich Mörder-Mitzi, gönnt sich ein achttägige Auszeit unter der Anleitung ihres ehemaligen Therapeuten Dr. Rannacher. Die bunt zusammengewürfelte Schar trifft auf der tief verschneiten Tannenzapfen-Hütte, die auf rund 1700 Meter Seehöhe liegt, mit einem grandiosen Ausblick auf den Dachstein, aber ohne Strom oder ähnlichen Annehmlichkeiten der Zivilisation, ein.

Es kommt, wie es kommen muss, Mitzi stolpert über eine Leiche. Ein Mann steckt in einem Schneemann. Rannacher kommt zu dem Schluss, den anderen Teilnehmern nichts von diesem makabren Fund zu erzählen. Wenig später gibt es im Mädelszimmer eine (weitere) Tote. Nanne, die nervige Influencerin, liegt tot im Stockbett.

Ein Sturm und ein Defekt im Notfallhandy verhindern die Kontaktaufnahme mit der Außenwelt. Die Mitglieder der Gruppe sind einander ohnehin nicht grün, weshalb sie sich gegenseitig belauern: Wer ist der Täter oder die Täterin? Und wer wird das nächste Opfer sein?

Meine Meinung:

Mitzi kann es natürlich nicht lassen, sich Gedanken über Motiv, Tat und Täter zu machen und Fragen zu stellen. Das kommt naturgemäß nicht sehr gut an. Aber, was soll man sonst auf einer eingeschneiten Hütte machen?

Da die Mitzi diesmal ohne ihre beste Freundin und Polizistin Agnes unterwegs ist, hält sie gedanklich Zwiesprache mit ihr. Sie stellt Thesen auf, an denen wir Leser teilhaben und unsere eigenen Überlegungen anstellen dürfen. Ich habe recht schnell eine mögliche Spur zur Auflösung gefunden, die sich letztlich bestätigt hat. Doch bis es soweit ist, schickt uns Autorin Isabella Archen noch ein bisschen in die Irre.

Der bekannt humorvolle Schreibstil der Autorin sorgt auch diesmal für ein Schmunzeln. Für diejenigen, die mit dem österreichischen Idiom nicht so ganz auf Du stehen, gibt es im Anhang ein Glossar.

Traurig ist die Vorgeschichte, wie Mitzi zu ihrem Spitznamen gekommen ist.


Fazit:

Gerne gebe ich diesem 6. Band der Reihe, der als Locked-Room-Krimi angelegt ist, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 30.11.2025

Ein gelungener Reihen-Auftakt

Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte
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Dieser Krimi ist Auftakt zu einer neuen Reihe, rund um die DNA-Forensikerin Dr. May Barven, die zunächst beim LKA als Expertin für DNA-Analysen gearbeitet hat und sich nun, nach einem Jura-Studium, als ...

Dieser Krimi ist Auftakt zu einer neuen Reihe, rund um die DNA-Forensikerin Dr. May Barven, die zunächst beim LKA als Expertin für DNA-Analysen gearbeitet hat und sich nun, nach einem Jura-Studium, als Strafverteidigerin selbstständig gemacht hat. Doch ohne Aufsehen erregenden Fall ist May Barven zwischen Haushalt, Kindererziehung und ihrem Mann sowie der winzigen Kanzlei im Homeoffice hin und her gerissen. Schon denkt sie daran, ihre Kanzlei wieder zu schließen, als sie von einem DNA-Treffer in einer Ahenforschungsdatenbank hört, der zu einem 18 Jahre alten Cold Case führt. Ist der Mörder der brutal erstochenen Ute endlich entlarvt?

Während ausgerechnet Ruben Rickleff, der Eigentümer dieser Datenbank als mutmaßlicher Täter verdächtigt wird, weiß May Barven, dass eine Anklage, die ausschließlich auf einer DNA-Analyse beruht, juristisch nicht haltbar ist. Trotzdem wird Ruben in Untersuchungshaft genommen. Gemeinsam mit Tarek, einem Privatdetektiv und Freund Rubens versucht May Barven, die Unschuld der Verdächtigen zu beweisen.

Schritt für Schritt zerpflückt May die Aussagekraft der DNA-Analyse, die von einem Schal Utes stammt, der 18 Jahre lang auf dem Dachboden ihrer Eltern nicht sehr sachgemäß aufbewahrt worden ist. Wird es gelingen, die Unschuld von Ruben Rickleff zu beweisen?

Meine Meinung:

Ich kenne Sabine Weiss‘ Bücher schon seit vielen Jahren, sei es die historischen Romane oder sei es ihre Krimis um Liv Lammers, daher musste ich diesen Reihenauftakt unbedingt lesen.

Ich finde die Perspektive der Verteidigung sehr interessant. Üblicherweise endet ja ein Krimi mit der Festnahme des Täters, was danach bis zu einer Verurteilung oder einem Freispruch passiert, erfahren die Leser nur, wenn sie sich mit Justiz-Krimis beschäftigen.

Dass uns Sabine Weiss am Geschehen der Vergangenheit teilhaben lässt, aber nicht alle Karten aufdeckt. macht den Krimi besonders spannend. Allerdings wirkt, für mich persönlich, so manche Information aus der Gegenwartshandlung zu detailverliebt. Besonders dem Familienleben Mays wird sehr viel Raum geschenkt. Dass ihr kleiner Sohn mit einem Mädchen aus dem Kindergarten Knatsch hat, bringt die Handlung nicht wirklich weiter. Mir ist schon klar, dass hier die Mehrfachbelastung der engagierten Juristin gezeigt werden soll. Und im ersten Band einer Reihe müssen die Charaktere, die bleiben, ein wenig ausführlicher beschrieben werden. Ich denke Tarek wird auch weiter eine Rolle spielen, nach dem er sich mit May zusammengerauft hat. Und wer weiß, vielleicht holt sich Ruben Mays Expertise für sein DNA-Labor.

Sabine Weiss beherrscht ihr Handwerk! Zum Beispiel hat mich das eigenartige Verhalten von Rubens Vater Ferdinand auf den Holzweg geführt, allerdings hat er auch Dreck am Stecken.

Geschickt flicht die Autorin ihr Wissen über die DNA-Analysen in die Handlung ein. So erfahren wir Leser doch einiges Neues. Auch mit den Grenzen der DNA als Beweise werden angesprochen. Schmunzeln musste ich über die Vergleich mit den diversen CSI-Staffeln.

Fazit:

Ein gelungener Auftakt einer neuen Krimi-Reihe, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 30.11.2025

Interessante Lektüre

Wie es euch gefällt
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Der Titel dieses Sachbuchs, das sich mit Konsum und Geschmack beschäftigt, stammt, wie die geneigte Leserschaft unschwer erkennen kann, aus William Shakespeares Bühnenstück „Wie es euch gefällt“.

Auf ...

Der Titel dieses Sachbuchs, das sich mit Konsum und Geschmack beschäftigt, stammt, wie die geneigte Leserschaft unschwer erkennen kann, aus William Shakespeares Bühnenstück „Wie es euch gefällt“.

Auf 480 Seiten versucht uns Ulrich Raulff zu erklären, was guter Geschmack eigentlich sein könnte. Leider formuliert er die Methoden, einen solchen zu erkennen, erst auf S. 378

"Wer eine Geschichte des Geschmacks schreiben will, muss sich entscheiden. Zwei Wege tun sich vor ihm auf".

Hier musste ich schmunzeln, denn trotz dieser These, entweder ästhetische Theorien, oder materielle Quellen: Bildbänden, Interior Designs, Kochbüchern, Kostümgeschichten u.ä. zu benutzen, entschließt er sich selbst für ein sowohl als auch. Mir gefällt die Mischung, die man als „Bestes aus zwei Welten“ sehen kann, durchaus.

In den drei großen Kapiteln

Making Taste
Kaufhaus des Westens
Durchsichtige Dinge

sammelt er Beispiele und Argumente für seine Thesen.

Eine zentrale Rolle bei seinen Betrachtungen spielt der Film „Frühstück bei Tiffany“ aus dem Jahr 1961 mit Audrey Hepburn als Holly Golightly.

Meine Meinung:

Autor Ulrich Raulff glänzt in diesem Buch mit weitgespannten Detailwissen, das seine Leserschaft an manchen Stellen beinahe erschlägt. Der Schreibstil ist elegant und wird durch einige geistreiche Bonmots ergänzt. Nicht immer ist das Buch leicht zu lesen. Manche Gedanken muss man ein wenig sacken lassen und gegebenenfalls anderswo nachlesen.

Zahlreiche Fotos untermauern Ulrich Raulffs Hypothesen

Fazit:

Nach der Lektüre dieses interessanten Sachbuch ist eines gewiss: Über Geschmack lässt sich weiterhin trefflich streiten. Von mir gibt es 4 Sterne.

Veröffentlicht am 16.11.2025

Interessante Lektüre

Bewegte Zeiten
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In diesem Buch, das von Danielle Spera, der früheren ORF-Journalistin und ehemaligen Direktorin des Jüdischen Museums in Wien, im Amalthea-Verlag herausgegeben worden ist, kommen zahlreiche Zeitzeuginnen ...

In diesem Buch, das von Danielle Spera, der früheren ORF-Journalistin und ehemaligen Direktorin des Jüdischen Museums in Wien, im Amalthea-Verlag herausgegeben worden ist, kommen zahlreiche Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu Wort. Darunter finden sich namhafte Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstler sowie Politikerinnen und Politiker. Sie alle lassen persönliche Eindrücke und/oder Erlebnisse der Jahrzehnte zwischen 1945 und 2025 Revue passieren, um die prägenden Phasen der österreichischen Nachkriegsgeschichte mit gebotenen Abstand neu zu betrachten.
Auffällig ist, dass vorrangig die Geschichte Niederösterreichs und damit zusammenhängend jene von Wien präsentiert wird. Johanna Mikl-Leitner, Landeshauptfrau von Niederösterreich hat für dieses Buch das Vorwort geschrieben. Ja natürlich ist die Besatzung von Niederösterreich durch sowjetische Truppen sowie die Demontage der meisten Maschinen und Fabriksausrüstungen als Reparationszahlung für die weitere Verarmung der ohnehin schon wenig begüterten Bevölkerung verantwortlich. Doch stehen auch die anderen Bundesländer ebenso unter Fremdverwaltung, Wien gleich vierfach. Da wäre doch ein Blick in die anderen Bundesländer opportun gewesen. Aber wer weiß, vielleicht ist das in einem anderen Buch ja ohnehin angedacht.
Allen damaligen Unkenrufen zum Trotz, ist es erstaunlich, wie sich der Osten von Österreich über die Jahrzehnte zum Positiven hin entwickelt hat, auch wenn es da und dort ein wenig im Gebälk geknirscht hat. Eine weitere Zäsur ist der Fall des Eisernen Vorhangs, der vor allem den Grenzgebieten durchaus Vorteile gebracht hat, auch wenn das nicht immer (auch von der Politik) so gesehen wird.
Hier darf ich Erwin Pröll, den früheren Landeshauptmann von Niederösterreich zitieren:
„Die Menschen sind klüger, als die Politiker annehmen.“
Der Beitritt zu Europäischen Union ist ein weiterer Meilenstein in der Geschichte (Nieder)Österreichs. Nicht jede Vorgabe aus Brüssel oder Straßburg ist per se abzulehnen. Manches, das als bürokratische EU-Monster verteufelt wird, ist durchaus hausgemacht.
Zum Abschluss kommen junge Menschen zu Wort, die zuversichtlich in die Zukunft schauen. Davon bräuchten wir mehr.
Meine Meinung:
Wer, sich so wie ich, ständig mit der Geschichte Österreichs beschäftigt wird durch dieses Buch nicht allzu viel Neues erfahren. Doch auch Altbekanntes aus dem Mund von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu lesen, kann durchaus interessant sein. Das Buch eignet sich sehr gut als Geschenk. Auch für jene Personen, die sich „nur“ einen schnellen Überblick über die letzten 80 Jahre verschaffen wollen. Vielleicht wird ja dadurch das Interesse geweckt, tiefer in die Geschichte einzusteigen.
Zahlreiche Fotos ergänzen die Texte und Interviews, die Herausgeberin Danielle Spera geführt hat.
Fazit:
Diesem Buch, das 80 Jahre der Geschichte (Nieder)Österreichs im oft sehr persönlichen Schnelldurchlauf darstellt, gebe ich 4 Sterne.